Das neue Sepsis-Care-Zentrum am Helios Klinikum Krefeld setzt hier mit einem umfassenden Versorgungskonzept an, das Betroffene systematisch erfasst und gezielt unterstützt. Das Modellprojekt bringt dazu eine breit gefächerte Expertise zusammen und stellt eine interdisziplinäre Anschlussversorgung für Sepsis-Überlebende sicher. Über die Post-Sepsis-Ambulanz ist eine kontinuierliche ambulante Nachbetreuung sichergestellt.
Eine Sepsis kann Spätfolgen verursachen, weil die schwere Entzündungsreaktion in vielen Organen Gewebeschäden hinterlassen. Dies belastet Betroffene stark: Aktuelle Studien zeigen, dass etwa 42 Prozent der Sepsis-Überlebenden innerhalb von drei Monaten erneut hospitalisiert werden, 31 Prozent versterben innerhalb des ersten Jahres. Nur rund 5 Prozent der Patientinnen und Patienten werden in eine Rehaeinrichtung entlassen.
Von der Akutversorgung hin zur bedarfsgerechten Nachsorge
Angesichts der teils gravierenden Langzeiteinschränkungen bei Patientinnen und Patienten nach überlebter Sepsis müssen die Weichen bereits früh gestellt werden. Der strukturierte Prozess beginnt deshalb schon auf der Intensivstation. Sozialdienst, Physiotherapie, Ernährungsberatung und psychiatrische Kolleginnen und Kollegen werden über das Sepsis-Care-Zentrum früh in die Behandlung eingebunden.
Erste Screenings auf mögliche körperliche, kognitive oder psychische Spätfolgen schließen sich auf der Normalstation an. Vor ihrer Entlassung erhalten Betroffene eine Informationsmappe, einen Antrag auf Anschlussheilbehandlung und einen Nachsorgetermin. Etwa acht Wochen später findet im Sepsis-Care Zentrum ein ausführliches Gespräch statt, an das sich die ambulante Begleitung anschließt. Mittels Fragebogen und Gespräch werden mögliche Langzeitfolgen erfasst, der Impfstatus geprüft und gegebenenfalls weitere therapeutische Schritte geplant.
Das Sepsis-Care-Zentrum dient als Pilotprojekt für eine flächendeckende Versorgung mit dem Ziel, Langzeitfolgen früh zu erkennen, erneute Krankenhausaufenthalte und Re-Sepsis zu vermeiden und die Lebensqualität Betroffener zu verbessern. „Wir unterschätzen viel zu oft, wie verletzlich Sepsis-Patienten sind. Auch die Daten, was in den drei Jahren nach der Entlassung passiert, haben mich schockiert. Das war für mich Grund genug, mich stärker zu fragen: Wie geht es meinen ehemaligen Patienten? Was kann ich für sie tun? Und daraus ist das Modellprojekt hier in Krefeld entstanden“, erläutert Dr. Tobias Plein, Oberarzt der konservativen Intensivmedizin und Koordinator des neuen Sepsis-Care-Zentrums.
Qualitätssicherung an vulnerablen Schnittstellen
Das pflegerische Bindeglied zwischen Intensivstation, Normalstation und der Anschlussversorgung bildet die Sepsis-Nurse. Ein zentraler Bestandteil ihrer Aufgabe ist die Qualitätssicherung an vulnerablen Schnittstellen, um sichere Übergänge und eine optimale Weiterbehandlung zu gewährleisten. Sie ist die Lotsin durch den Entlassprozess, begleitet Patientinnen und Patienten regelmäßig bei der Visite auf der Normalstation, sorgt für einen reibungslosen Übergang in die Anschlussversorgung und bereitet die Ambulanztermine vor.
„Die Sepsis stellt nicht nur eine akute Bedrohung für das Leben und die Organfunktionen dar, sondern erfordert eine langfristige medizinische Betreuung, welche über übliche stationäre Behandlungsaufträge weit hinausgeht – hierfür braucht es Modellprojekte mit klarer Vision, begeisterten Treibern und Überzeugung. Das vereint Tobias Plein – und mit ihm viele Unterstützer dieses innovativen Versorgungskonzepts“, unterstreicht Prof. Thomas Haarmeier, Ärztlicher Direktor am Helios Klinikum Krefeld die Relevanz.
Sepsis – nicht der Rote Strich!
Sie kann jeden treffen und ist trotz medizinischem Fortschritt eine der häufigsten Todesursachen bei Infektionen: Eine Sepsis früh zu erkennen, ist nicht immer einfach. Frühzeichen sind Fieber, Schüttelfrost, schneller Puls, kühle Haut, niedriger Blutdruck, schnelle Atmung und allgemeines stark verändertes Befinden können Warnzeichen sein. Patienten berichten häufig von einem noch nie da gewesenen Krankheitsgefühl.
Sepsis ist eine lebensbedrohliche, unkontrollierte Reaktion des Körpers (Immunsystems) auf eine Infektion, die im Blutkreislauf außer Kontrolle geraten kann. Hierbei entstehen Kollateralschäden, auch an Organen, die von der eigentlichen Infektion selbst nicht betroffen sind. Die Gefahr liegt in der Multiorgan-Dysfunktion (Nieren, Lunge, Herz, Leber, Gehirn). Wichtig ist die rasche Identifikation des zugrundeliegenden Entzündungsherds und dessen adäquate Sanierung. Kommt es zum Multiorganversagen, also der Funktionseinschränkung nahezu aller Organe, stößt auch die moderne Intensivmedizin an ihre Grenzen.
Eine Sepsis kann Spätfolgen verursachen, weil die schwere Entzündungsreaktion und der damit verbundene Kreislauf- und Sauerstoffmangel in vielen Organen Gewebeschäden hinterlassen. Selbst nachdem die Infektion kontrolliert wurde, können Nieren, Lunge, Herz, Gehirn oder Muskeln geschädigt bleiben oder bestehen bleiben. Außerdem kann das Immunsystem dauerhaft verändert sein, was zu erhöhter Anfälligkeit für weitere Infektionen führt. Andere häufige Langzeitfolgen sind Fatigue, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, psychosoziale Belastungen, Muskelabbau und Schwäche, sowie anhaltende Kreislaufprobleme oder Bluthochdruck. Eine frühe, umfassende Nachsorge und rehabilitative Maßnahmen verbessern die Chancen, diese Spätfolgen zu reduzieren.