Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Aspiration

Mit Aspiration (lateinisch: aspirātiō, von aspirāre ‚ansaugen‘, aus ad ‚heran‘ und spirāre ‚atmen‘) bezeichnet man in der Medizin das Eindringen von Material (Speichel/Flüssigkeit/Nahrung/Refluat/Kontrastmittel) in die Atemwege bis unter die Glottisebene bei unzureichenden Schutzreflexen (z. B. Hustenreflex). Umgangssprachlich wird es als „etwas in den falschen Hals bekommen“ oder „sich verschlucken“ bezeichnet.

 

1 Definition

  • Aspiration = Eindringen von Material (Speichel, Nahrung, Mageninhalt) in die Atemwege unter die Glottisebene
  • nur selten resultieren behandlungsbedürftigen Komplikationen, z. B. Aspirationspneumonie
  • bei gesicherter oder vermuteter perioperativer Aspiration zuständigen FA/OA informierten 

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2 Therapie

2.1 Verdacht auf Aspiration

  • zweistündige Überwachung:
    • Patient bleibt asymptomatisch (Oxygenierung (SpO2) unter Raumluft unauffällig):
      • Fortsetzen der geplanten Behandlung
      • eine weitere Überwachung ist nicht erforderlich.
    • Patient wird symptomatisch (Spastik, SpO2 fällt ab):
      • Anfertigen einer arteriellen BGA
      • ggf. Rö-Thorax.
  • bei klinisch relevanter Hypoxämie siehe Punkt 2.2

2.2 Gesicherte Aspiration

  • Freimachen der Atemwege und suffiziente Oxygenierung gewährleisten.
  • Ggf. Patienten endotracheal intubieren. Zuerst endotracheal absaugen, danach invasiv beatmen.
  • Bei Verdacht auf Festkörperaspiration in den tieferen Atemwegen:
    • Intubation
    • flexible Bronchoskopie: Sichern der Diagnose, ggf. Entfernen von festem Aspirat sowie Dokumentation des Lokalbefundes/Schadenausmaßes. Bronchiallavage ist obsolet.
  • Lungenprotektive Beatmung (PEEP > 8 mbar), initial FiO2 100 %, dann anpassen
  • bei Bronchospastik: ß2-Mimetika i.v. oder per inhalationem
  • keine Glucocorticoidtherapie
  • antibiotische Prophylaxe nur bei dringendem Verdacht auf eine Aspiration von kontaminiertem Material (z. B. kotige Aspiration bei Ileus). Dauer der AB-Prophylaxe 24 h.
  • antibiotische Therapie erfolgt nur bei einer nachgewiesenen Aspirationspneumonie (Röntgen/CT und klin. Infektzeichen)
  • Dauer der AB-Therapie = 3 Tage ggf. länger
  • Mittel der Wahl für Prophylaxe und Therapie: Piperacillin/Tazobactam

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3 Überwachungsindikationen

  • Überwachung nach gesicherter Aspiration ebenfalls 2 h
  • wenn asymptomatisch, dann Verlegung auf Normalstation möglich
  • symptomatische Patienten werden im Intensivbereich überwacht
  • Bei pulmonaler Symptomatik immer auch Differenzialdiagnosen in Betracht ziehen!
  • Die Diagnose der Aspirationspneumonie ist radiologisch zu sichern.

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4 Literatur

Handlungsempfehlung zur Rapid-Sequence-Induction im Kindesalter vom Wissenschaftlichen Arbeitskreis Kinderanästhesie des BDA, Anasth. Intensivmed. 48 (2007) S94.

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 20.08.2019

Kontakt

Oliver Maiwald

Arzt in Weiterbildung

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