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Herzrhythmusimplantate

In der Medizin von heute spielen implantierbare sowie tragbare elektronische Geräte in der Diagnostik und Therapie symptomatischer Erkrankungen des Herzens eine wichtige Rolle.

Im Helios Klinikum Erfurt wird das volle Spektrum des so genannten Herzrhythmusmanagements (CRM) abgebildet.

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Störungen der Bildung und Weiterleitung herzeigener elektrischer Impulse

Die „Mutter“ aller implantierbaren Geräte ist der Herzschrittmacher. Er wurde entwickelt, um Patienten mit Störungen der Bildung und Weiterleitung herzeigener elektrischer Impulse vor plötzlichen rhythmusbedingten Ohnmachtsanfällen (Synkopen) zu bewahren, die körperliche Belastbarkeit zu verbessern oder sogar das Überleben zu sichern. Im Laufe der Jahre wurden diese Geräte immer weiter entwickelt, um unerwünschte Wirkungen der Stimulation zu vermeiden, die Batterielaufleistungen zu erhöhen und auch die Gerätegröße zu minimieren. Die meisten der heute verwendeten Geräte wiegen nur 20 bis 30 Gramm! Je nach Grund- und Begleiterkrankung werden ein bis zwei Elektroden (Sonden) über das Gefäßsystem in Herzkammer und/oder Herzvorhof verankert um eine entsprechende Stimulation sicher zu stellen. Die Operation erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung und hat ein geringes Risiko.

Verhinderung des plötzlichen Herztodes

Patienten, die an einer schwergradig eingeschränkten Pumpfunktion des Herzens aufgrund von Durchblutungsstörungen (Ischämische Kardiomyopathie) und Herzhöhlenerweiterung (Dilatative Kardiomyopathie) sowie seltener Erkrankungen der Herzzellmembranen leiden, können unvorherzusehende bösartige Herzrhythmusstörungen entwickeln und dadurch einen so genannten „Plötzlichen Herztod“ erfahren. Spezielle Geräte – die Implantierbaren Kardiodefibrillatoren (ICD) - sind in der Lage, diese Rhythmusstörungen zu erkennen und diese durch besondere Stimulationsmanöver oder ggf. durch eine elektrische Schockabgabe zu beenden und dem Patienten dadurch das Leben zu retten. Die Geräte der ICD-Familie werden ähnlich wie Herzschrittmacher mit ein oder zwei Elektroden implantiert und haben auch zusätzlich alle Stimulationsmöglichkeiten der konventionellen Herzschrittmacher. Bei jüngeren Patienten, die vornehmlich durch die gefährlichste aller Herzrhythmusstörungen - das Kammerflimmern - gefährdet sind, besteht die Möglichkeit, die Elektroden auch unter die Haut zu implantieren. Dieser Subkutane ICD (S-ICD) hat den Vorteil geringerer Langzeitkomplikationen, die jeder implantierbare Fremdkörper hervorrufen kann. Darüber hinaus gibt es Patienten, die nur über einen begrenzten Zeitraum ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod haben, z.B. im Rahmen einer akuten Herzmuskelentzündung oder eines akuten Herzinfarkts mit schwerer Herzschwäche. Zur Überbrückung dieses Zeitraums bietet der Tragbare Kardiodefibrillator (WCD) oder einfach „Defi-Weste“ eine mögliche Alternative.

Linderung von Herzschwäche

Die effektivste und wichtigste Therapiestrategie der Herzschwäche bei schwer eingeschränkter Pumpfunktion ist die medikamentöse, um das Herz zu entlasten. Bei einem Teil der Patienten ist begleitend oder ursächlich eine asynchrone Herzaktion festzustellen. Hier greift die so genannte Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) an. Diese Funktion in implantierbaren Geräten ist bei Schrittmacher- und Defibrillatorsystemen anwendbar. Sie benötigt kein zusätzliches Gerät, aber eine zusätzliche Schrittmacherelektrode, die im Bereich der linken Herzkammer positioniert wird. Bei optimalem Therapieerfolg ist bei 60-80% der Patienten eine deutliche Verbesserung der Belastbarkeit und messbar verbesserte Pumpfunktion möglich.

Bei einem ausgewählten Patientenkollektiv, bei dem die sonstigen therapeutischen Möglichkeiten bei symptomatischer Herzschwäche weitestgehend ausgeschöpft sind, kann eine weitere Gerätefamilie eine Linderung von Symptomen erbringen. Die Kardiale Kontraktilitätsmodulation (CCM) greift nicht in die Rhythmusstimulation des Herzens ein, sondern wirkt auf den Muskelstoffwechsel durch elektrische Aktivierung. Diese Geräte werden ähnlich wie Herzschrittmacher implantiert, sind jedoch deutlich größer und müssen regelmäßig durch den Patienten selbst geladen werden. Die Kombination mit Herzschrittmacher-, Defibrillator- und CRT-Systemen ist möglich.

Diagnostik bei anfallsartigen Symptomen, die durch eine Herzrhythmusstörung verursacht sein könnten

Patienten, die subjektiv an anfallsartigen Herzrhythmusstörungen oder Ohnmachtsanfällen (Synkopen) leiden, die aber nie in einem EKG dokumentierbar waren, können mit tragbaren Geräten (Event-Rekordern) versorgt werden. Falls Symptome auftreten, ist der Pat. dann in der Lage, selbst ein einfaches EKG durch Auflegen des Gerätes auf die Haut aufzuzeichnen und so die Differentialdiagnostik zu verbessern. Sollten aber Ohnmachtsanfälle ohne Vorankündigung auftreten oder unbemerkte Herzrhythmusstörungen vermutet werden, die für die Änderung der Therapie relevant wären, kann ggf. ein Implantierbarer Loop-Rekorder (ILR) unter die Haut eingebracht werden. Die äußerst kleinen Geräte können über Jahre kontinuierlich ein EKG und Rhythmusereignisse aufzeichnen und sie ggf. auch telemedizinisch zeitnah an den betreuenden Kardiologen oder unsere Schrittmacherambulanz übermitteln.