Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

SOP Spinalanästhesie für Erwachsene

Eine Spinalanästhesie ist eine rückenmarknahe Form der Regionalanästhesie. Durch die Injektion eines Lokalanästhetikums in den Hirnwasserraum in Höhe der Lendenwirbelsäule wird die Signalübermittlung in den vom Rückenmark ausgehenden Nerven gehemmt. Dadurch wird eine zeitweilige, umkehrbare Blockade des sympathischen Nervensystems, der Sensibilität und der Motorik der unteren Körperhälfte erreicht.

1 Indikation

  • bei urologischen Eingriffen wir z.B. TUR-Blase, TUR-Prostata
  • Knie-TEP bis 70 Jahre
  • auf Patientenwunsch auch bei Hüft-TEP
  • elektive und dringliche Sectio caesarea, siehe SOP Gynäkologische Anästhesie
  • für Eingriffe am Perineum (Perianalabszeß) eignet sich die Sattelblockade als Sonderform der Spinalanästhesie, siehe SOP Sattelblockade

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4 Durchführung

  • Lagerung des Patienten: Patient sitzt auf dem OP-Tisch (gerade Unterlage); die Füße werden durch einen Hocker gestützt; Hüftgelenke, Knie- und Sprunggelenke stehen im rechten Winkel
  • Tasten des Beckenkammes (entspricht LWK4 bzw. LWK3-LWK4); Punktionsort ist der Zwischenwirbelraum LWK3/4 oder LWK 2/3 (selten LWK 4/5)
  • gründliche Sprühdesinfektion mit Cutasept® über 10 Minuten. Dabei darauf achten, dass während der Desinfektionsmitteleinwirkzeit das Hautareal ausreichend feucht ist
  • Lochtuch
  • Lokalanästhesie wie bei PDK
  • horizontale Punktion zunächst mit der Führungskanüle (vollständiges Einführen bis auf Hautoberfläche). Anschließend wird die Spinalkanüle mit Mandrin eingeführt. Auffällig ist der Widerstand des Ligamentum flavum.
  • Nach Erreichen des Subarachnoidalraums wird der Mandrin entfernt. Hier wird darauf geachtet, dass Liquor zurückkommt. Der Liquor muss klar sein.
  • Falls der Subarachnoidalraum noch nicht identifiziert werden konnte, muss für den weiteren Spinalkanülenvorschub der Mandrin wieder eingeführt werden.
  • Barbotage ⇒ Schlierenbildung durch Liquor im Lokalanästhetikum  

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5 Applikation

  • Ropivacain 0,5 % (3 - 5 ml; ggf. Dosisanpassung bei kleinen oder auch adipösen Patienten - hier wird die Dosis reduziert)
  • Nach Injektion des Lokalanästhetikums verbleibt die Spritze auf dem Konus der Spinalkanüle. Die Nadel wird nun komplett mit Spritze und Führungskanüle entfernt. Auf die Punktionsstelle wird ein steriles Pflaster aufgebracht.
  • Der Patient wird nach Entfernung der Spinalkanüle wieder auf den Rücken gelegt. Dabei ist die Höhe der Spinalanästhesie zu überprüfen. 

Achtung

  • Eine Nadel > 27G darf nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Bereichsoberarzt oder dem 1. Dienst erfolgen
  • Bei älteren, hypovolämen und multimorbiden Patienten kann es zur ausgeprägten Sympathikolyse kommen ⇒ ggf. abrupter Blutdruckabfall durch Abnahme des kardialen Preload und Bradyarrhythmie bis zur Asystolie.
  • Therapie: Adrenalin in Boli zu 10 µg i.v. (1 Amp. Adrenalin 1:1000 und 9 ml NaCl 0,9 %, davon 1 ml ⇒ diesen 1 ml erneut auf 10 ml verdünnen)

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Stand, Kontakt, Haftung

Stand: 01.07.2015

Kontakt

Dr. med. Simone Liebl-Biereige

Chefärztin | Klinik für Anästhesie, Notfallmedizin und perioperative Schmerztherapie
Dr. med. Simone Liebl-Biereige

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Telefon

(0361) 781-2051