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Young, smiling woman showing cochlear implant

Hörzentrum

Auf dieser Seite wollen wir sie umfassend über Diagnostik und Behandlung von Hörstörungen sowohl bei Erwachsenen, als auch bei Kleinkindern und Kindern in unserem Netzwerk informieren.

Leitung des Fachbereiches
Bei uns sind Sie in guten Händen mit ausgezeichneter fachlicher Expertise.
Torsten Mewes
Leitender Oberarzt | Leiter des Hörzentrums
Wir sind für Sie da!
Hochgradige Schwerhörigkeiten können zu Sprach- und Sprechentwicklungsstörungen führen und die seelische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Um die Schwerhörigkeit früh genug erkennen und behandeln zu können ist eine enge Kooperation mit Ärzten und Fachpersonal anderer Bereiche von Nöten. Insbesondere für die umfassende Betreuung von Patienten zur Cochlea-Implantation in Wiesbaden konnten wir ein Netzwerk in der Region für die Betreuung von Voruntersuchungen über die Operation bis zur Hör-Rehabilitation postoperativ etablieren.
Sie haben Fragen oder möchten sich über unsere Leistungen informieren? Dann vereinbaren Sie gerne einen Termin mit uns.

Das Team des Hörzentrums hilft Ihnen mit umfassender Erfahrung und medizinischer Expertise.

Unsere Leistungen

Die Anatomie des Ohres

Das Ohr besteht aus drei Teilen:

 

Das Außenohr

Das Außenohr besteht aus der Ohrmuschel, dem Ohrläppchen und dem äußeren Gehörgang (meatus acusticus externus), der bis zum Trommelfell reicht. Die Ohrmuschel (auricula) ist der einzige äußerlich sichtbare Teil des Ohres. Mit ihrer schneckenartigen Trichterform nimmt sie den Schall auf. Ihre Form trägt durch die Abschattung des z.B. von hinten ankommenden Schalls dazu bei, dass ein Richtungshören möglich ist. Vom Außenohr wird der Schall zum Mittelohr geleitet.

 

Das Mittelohr

Der eintreffende Schallwellendruck versetzt das Trommelfell (membrana tympani) in Schwingungen. Im Mittelohr befinden sich die drei Gehörknöchelchen Hammer (maleus), Amboss (incus) und Steigbügel (stapes), die das Außenohr mit dem Innenohr verbinden. Die Schwingungen des Trommelfells werden mechanisch über die Gehörknöchelchen zum ovalen Fenster (fenestra ovalis) des Innenohrs weitergeleitet. Dabei fungiert das Mittelohr als Verstärker der Schallwellen, bevor sie in das Innenohr gelangen.

 

Das Innenohr

Das Innenohr besteht aus der Hörschnecke (Cochlea) und dem Gleichgewichtsorgan (organon vestibulare). Die Cochlea ist ein schneckenförmiger, von Knochen umgebener Hohlraum im Felsenbein, der mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Hochsensible Haarzellen im Inneren der Cochlea wandeln die mechanischen Schwingungen in Nervenimpulse (elektrisch-chemisches Wandelprinzip) um. Diese werden vom Hörnerv zum Hörzentrum im Gehirn weitergeleitet.

 

Der Hörvorgang

  1. Das Außenohr leitet Schall über den Gehörgang zum Trommelfell weiter. Der Schallwellendruck des akustischen Reizes löst mechanische Schwingung des Trommelfells aus. 
  2. Dadurch werden die Gehörknöchelchen (ossikula auditus) bewegt, der akustische Reiz wird so an die Cochlea weitergeleitet 
  3. Die Flüssigkeit in der Schnecke (Cochlea) und damit die Sinneszellen, die sogenannten Haarzellen, werden in Bewegung versetzt. 
  4. Die Bewegungen der Haarzellen lösen elektrische Pulse, sogenannte Aktionspotentiale aus, die der Hörnerv zum Hörzentrum im Gehirn überträgt. Die Haarzellen in der Nähe des ovalen Fensters, das heißt im Eingangsbereich der Hörschnecke, sind besonders empfindlich für hohe Frequenzen, während Haarzellen der Spitze der Hörschnecke besonders sensibel auf Töne mit tiefen Frequenzen reagieren. 
  5. Das Gehirn empfängt die elektrischen Pulse des Hörnervs und interpretiert sie als akustisches Ereignis (Geräusch, Klang, Sprache).

 

Der Hörverlust

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu Hörproblemen führen können. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen drei Arten von Hörstörungen, abhängig vom betroffenen Teil des Ohres:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit
  • Sensorineuraler Hörverlust
  • Neuraler Hörverlust
  • Kombinierte Schwerhörigkeit

 

Schallleitungsschwerhörigkeit

Die Schallleitungsschwerhörigkeit wird auch Schallübertragungsschwerhörigkeit genannt, da der über das Trommelfell ankommende Schall vom Mittelohr nicht richtig an das Innenohr weitergeleitet wird. Demnach liegen die Ursachen im Außen- oder Mittelohr. Man unterscheidet zwischen plötzlich auftretender (akuter) und langsam auftretender Schallleitungsschwerhörigkeit.

 

Häufigste Ursachen einer akuten Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Fremdkörper, Wasser oder ein Ohrenschmalzpropf (Cerumen obturans) im äußeren Gehörgang
  • akute Tubenbelüftungsstörung mit Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell (Paukenerguss), d.h. Verschluss der Ohrtrompete, meist durch eine Schwellung im Nasenrachenraum bei eine Erkältung oder Luftdruckveränderung beim Fliegen oder bei vergrößerter Rachenmandel im Kindesalter
  • akute Mittelohrentzündung
  • Verletzungen des Trommelfells mit Rissbildung (Trommelfellperforation)
  • Entzündungsbedingte Schwellungen der Haut im Gehörgang bei Gehörgangsentzündung (Otitis externa oder Gehörgangsfurunkel)
  • Verletzungen des Mittelohrs oder Schädelbruch mit Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette

 

 

Häufigste Ursachen einer chronischen Schallleitungsschwerhörigkeit

  • chronische Mittelohrentzündung
  • chronische Tubenbelüftungsstörung
  • Verknöcherung der Gehörknöchelchen-Kette (Otosklerose)
  • Verengungen im Gehörgang durch Narben oder Entzündungen (Stenosen)
  • übermäßiges Knochenwachstum im Gehörgang (Exostosen)
  • bös- oder gutartige Tumoren im Gehörgang oder Mittelohr
  • angeborene Fehlbildungen bzw. Störungen des äußeren oder mittleren Ohrs

 

Sensorineuraler Hörverlust (Schallempfindungsschwerhörigkeit, Innenohrschwerhörigkeit)

Ein sensorineuraler Hörverlust entsteht durch fehlende oder beschädigte Sinneszellen (Haarzellen) in der Hörschnecke (Cochlea). In diesem Fall handelt es sich um eine Innenohrschwerhörigkeit, d.h. in Teilen des Innenohrs.

 

Häufigste Ursachen einer akuten Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Hörsturz
  • Infektionserkrankungen, die auch das Innenohr in Mitleidenschaft ziehen können: Mumps, Masern, Scharlach, Typhus, Syphilis (Lues), Zoster oticus, Hirnhautentzündung, AIDS, Toxoplasmose, Borreliose
  • Lärmschaden
  • Schädelbruch mit Bruch durch das Innenohr (Querbruch des Felsenbeins)
  • Riss der Membran zwischen Mittel- und Innenohr (ovales Fenster) mit Bildung einer Perilymphfistel
  • Morbus Menière, ein Drehschwindel, der anfallsartig auftritt
  • Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten

 

 

Häufigste Ursachen einer chronischen Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis)
  • tägliche mehrstündige Lärmbelastung über 80 dB ohne Gehörschutz
  • Akustikusneurinom
  • eine gutartige Geschwulst, die den Hörnerv einengt
  • Morbus Menière
  • Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Funktionsstörungen der Nieren, der Leber oder der Schilddrüse
  • Gefäßverengungen (Arteriosklerose)
  • Störung im Hörzentrum, meist einhergehend mit anderen neurologischen Veränderungen, z.B. nach Schlaganfall oder bei Hirntumor
  • Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen (Zervikal-Syndrom)
  • Angeborene Fehlbildungen oder Störungen des Innenohrs

 

Neuraler Hörverlust

In sehr seltenen Fällen kann ein Hörverlust aufgrund eines fehlenden oder geschädigten Hörnervs bzw. einer Schädigung des übergeordneten Hörzentrums auftreten.

 

Häufigste Ursachen neuralen Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Akustikusneurinom (gutartiger Tumor des N. vestibularis bzw. vestibulocochlearis)
  • entzündliche Erkrankungen des Gehirnes (z.B. Multiple Sklerose)

 

Kombinierte Schwerhörigkeit

Diese Art ist die verbreitetste Form des Hörverlusts und stellt eine Kombination von Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit dar. Sie tritt bei gleichzeitiger Erkrankung des Mittel- und Innenohres auf, wie es beispielsweise bei Mittelohrentzündungen mit Beteiligung des Innenohrs der Fall ist (z.B. Labyrinthitis). Hier ist es besonders schwierig, die passende Behandlungsmethode zu finden. Deshalb ist eine fachliche Bewertung jedes Patienten besonders wichtig.

 

Häufigste Ursachen für einen kombinierten Schwerhörigkeit

 

  • Mittelohrentzündung mit Beteiligung des Innenohres (z.B. Labyrinthitis)
  • Verknöcherung der Gehörknöchelchenkette mit Beteiligung des Innenohres (Otosklerose)
  • Gemeinsames Auftreten o.g. Ursachen für Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit unabhängig von einander

Stapediusreflexprüfung

Bei der Prüfung des Stapediusreflexes wird zusätzlich ein Ton von definierter Lautstärke und Frequenz auf das Ohr gegeben. Der kleine Muskel, der am Steigbügel ansetzt, kontrahiert sich ab einer bestimmten Lautstärke reflektorisch und verändert so den Spannungszustand des Trommelfells. Diese Veränderung wird aufgezeichnet. Dies erlaubt Rückschlüsse über die Funktion aller am Zustandekommen des Reflexes beteiligten Teile (Innenohr, Hörnerv, Hirnstamm, Gesichtsnerv usw.).

 

Tonaudiometrie

Bei der Tonaudiometrie wird das Gehör mit elektroakustischen Mitteln überprüft. In diesem Fall bekommen Sie einen Kopfhörer aufgesetzt und hören nacheinander verschiedene Töne.

In dem Moment, in dem Sie einen Ton hören, signalisieren Sie dies an einem Gerät per Knopfdruck. Dabei werden Töne unterschiedlicher Frequenz ermittelt, die Sie gerade noch hören können. Nach dem Test ergibt sich eine Hörkurve in einem Diagramm, in dem die Frequenz (in Hertz, Hz) auf der x-Achse und die Lautstärke (in Dezibel, dB) auf einer y-Achse aufgetragen werden. Eine Normkurve in demselben Diagramm zeigt die Hörfähigkeit bei einem Normalhörigen an. Sofern Töne erst bei hohen Lautstärken wahrgenommen werden, weicht Ihre Hörkurve von der Normkurve nach oben hin ab.

 

Sprachaudiometrie

Die Sprachaudiometrie arbeitet mit standardisierten Sprachelementen aus ein- und mehrsilbigen Testwörtern, die mit definierten Schalldruckpegeln von Tonträgern (CD) über Kopfhörer oder Lautsprecher angeboten werden. Das Ergebnis eines Sprachtests wird als Prozentzahl von verstandenen Wörtern in Abhängigkeit des dargebotenen Sprachschallpegels in einem Prüfdiagramm (Sprachaudiogramm) festgehalten. Mehrsilbige Wörter (Zahlen) werden - im Vergleich zu einsilbigen Wörtern - bereits bei geringeren Lautstärken verstanden, da mehrsilbige Wörter redundante Informationen enthalten. Während mit den Zahlen die Schwelle der Sprachverständlichkeit bestimmt wird, geben die einsilbigen Wörter Hinweise auf das sogenannte überschwellige Sprachverstehen.

 

Tympanometrie

Bei der Tympanometrie wird die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells gemessen und somit die Druckverhältnisse im Mittelohr bestimmt. Eine Veränderung kann hier zum Beispiel durch eine Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell ausgelöst werden. Ein kleiner Stöpsel mit Sonde dichtet den äußeren Gehörgang für kurze Zeit luftdicht ab. Dieser Messvorgang dauert nur wenige Sekunden und kann sowohl bei wachen als auch schlafenden Kindern durchgeführt werden.

DPOAE-Messung

DPOAE (Distorsions-Produkte otoakustischer Emissionen) sind von den äußeren Haarzellen des Innenohrs selbst produzierte Schallaussendungen. Dies ist ein Phänomen, das als Nebenprodukt des aktiven Hörvorgangs anzusehen ist. Die otoakustischen Emissionen (OAE) können mit sehr empfindlichen Mikrophonen registriert werden. Bei dieser Untersuchung bekommen Sie einen kleinen Sondenstöpsel in den äußeren Gehörgang eingesetzt.

 

Hirnstammaudiometrie (BERA)

Diese Untersuchung überprüft - wie die AABR (Screening-BERA) - die Hörbahn vom Innenohr bis zum Hirnstamm. Hierfür wird der Klickreiz im Gehörgang in vielen verschiedenen Lautstärken (von ganz leise bis ganz laut) angeboten, und die Antworten werden über die Kopfhautelektroden abgeleitet. So besteht die Möglichkeit, eine Hörminderung genauer zu definieren und die eigentliche Hörschwelle bei Erwachsenen und Kindern zu bestimmen. Da diese Untersuchung etwas länger dauert, kann bei kleinen Patientinnen und Patienten eine medikamentöse Ruhigstellung beziehungsweise eine kurze Narkose erforderlich sein.

 

Elektronystagmographie

Die elektrische Aufzeichnung von unwillkürlichen Augenbewegungen (sogenannte Nystagmen) wird als Elektronystagmographie (ENG) bezeichnet. Während der Untersuchung sitzen Sie auf einem Drehstuhl. Ein möglicher Reiz besteht zum Beispiel in der Darbietung beweglicher Streifenmuster; die Ableitung der Augenbewegungen erfolgt mit Oberflächenelektroden, die um die Augen herum platziert werden. Neben den natürlich auftretenden Nystagmen - zum Beispiel bei Blick ganz auf die Seite (sogenannter Entstellungsnystamus) - können unnatürliche Nystagmen (zum Beispiel sogenannte Spontan-Nystagmen oder lageabhängige Nystagmen) detektiert werden. In der Regel wird in der Untersuchung außerdem die Reizbarkeit und somit die Funktion des peripheren Gleichgewichtsorgans durch Warm- und Kaltspülungen des Gehörgangs getestet.

 

EquiTest (Dynamische Posturographie)

In der zur Rückseite hin offenen "EquiTest-Kabine" werden gezielt unterschiedliche Teile des Gleichgewichtssystems wie das visuelle Gleichgewicht, der Körperlagesinn und das periphere, daher im Innenohr gelegene, Gleichgewichtsorgan entkoppelt voneinander getestet und trainiert. Die dynamische Konzeption des Gerätes ermöglicht dies. Neben einer kippbaren Bodenplatte ist auch die Umgebung um die Patientin/den Patienten beweglich. Alltagssituationen können dadurch real simuliert und trainiert werden. So lernt der Körper erneut, mit dem beeinträchtigten Gleichgewicht umzugehen, neue Verschaltungen im Gehirn zu bilden und die Störung auszugleichen. Die Untersuchung eignet sich insbesondere dafür, um bei einem Schaden des Gleichgewichtsystems dessen Rekompensation zu dokumentieren.

 

Elektrocochleographie

Die Elektrocochleographie (kurz: ECochG) misst elektrische Potenziale, die als Antwort auf akustische Reize (Klickreize) in der Cochlea erzeugt werden. Sie hilft bei der Differenzierung von cochleären (das Innenohr betreffende) und retrocochleären Hörstörungen (hinter der Schnecke liegende Strukturen, zum Beispiel Hörnerv). Weiterhin wird die Untersuchung zum Nachweis oder Ausschluss eines sogenannten Hydrops im Bereich der Innenohrstrukturen bei Verdacht auf M. Menière eingesetzt. Bei der ECochG wird entweder eine Nadelelektrode durch das Trommelfell gestochen und nahe der Schnecke auf das Promontorium aufgesetzt oder eine Elektrode im Gehörgang platziert.

Röntgendiagnostik

In Kooperation mit der angegliederten Abteilung für Radiologie und interventionelle Radiologie können alle Untersuchungen im Gebäude den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, durchgeführt werden. Bei kleineren Kindern können die Durchführung und die im folgenden genannten Untersuchungen in einer kurzen medikamentösen Sedierung notwendig sein.

 

Diese Untersuchung ist eine konventionell-radiologische Darstellung des Ohrknochens und gibt vor einer Ohroperation Auskunft über das anatomische Ausmaß der sogenannten Mastoidzellen im Warzenfortsatz des Felsenbeines sowie über deren Belüftungszustand. Außerdem wird die Aufnahme im Rahmen einer Cochlea-Implantation verwendet, um postoperativ die korrekte Lage nach Einführung einer Elektrode in die Hörschnecke zu dokumentieren.

 

Computertomographie (CT) des Schädels und Felsenbeines

Die Computertomographie ermöglicht es, die knöchernen Strukturen des gesamten Ohrknochens darzustellen. Der Fokus liegt auf der Betrachtung der Mittelohrverhältnisse, der Belüftungsverhältnisse des Warzenfortsatzes und insbesondere auf den Strukturen des Innenohrs. Speziell vor einer möglichen Cochlea-Implantation werden die Schneckenwindungen der Hörschnecke (Cochlea) beurteilt.

 

Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) des Schädels und Felsenbeines

Diese Untersuchung gibt Auskunft über die Weichteilverhältnisse des Schädels und des Felsenbeins. Im Vordergrund steht die Beurteilung des Verlaufs des Hör- und Gleichgewichtsnervs (N. vestibulocochlearis) vom Innenohr bis zur Hirnrinde unter besonderer Berücksichtigung des sogenannten Kleinhirnbrückenwinkels. Im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels tritt der Nerv aus dem inneren Gehörgang in den angrenzenden Hirnstamm ein. Im Rahmen der Voruntersuchungen für eine mögliche Cochlea-Implantation kann die MRT-Aufnahme zusätzlich Informationen über die Flüssigkeitsverhältnisse und etwaige Vernarbungen im Bereich der Hörschnecke liefern.

Neugeborenen-Hörscreening

Das Hörscreening dient dazu, beidseitige Hörstörungen ab einem Hörverlust von zirka 35 Dezibel zu erkennen. Bis zum Ende des 3. Lebensmonats sollten solche Hörstörungen diagnostiziert sein, um eine entsprechende Therapie bis Ende des 6. Monats einzuleiten. Das Neugeborenenscreening wurde 2009 in ganz Deutschland verpflichtend eingeführt. Daher hat jedes Neugeborene Anspruch auf ein Hörscreening als präventive Maßnahme im Rahmen der Früherkennung. Bei einer unerkannten hochgradigen Schwerhörigkeit, also bei einem Hörverlust von über 70 Dezibel, ist keine primäre Sprachentwicklung möglich. Weitere Folgen können sein: Beeinträchtigungen im Erwerb des Wortschatzes, der gesamten Begriffsbildung und der damit verbundenen Kognitionsentwicklung sowie Minderung der emotionalen Entwicklung.

 

Das Hörscreening erfolgt in der Regel um den dritten bis fünften Lebenstag nach der Geburt, also noch vor der Entlassung aus der Geburts- oder Kinderklinik. Ist der erste Befund des Hörscreenings kontrollbedürftig, wird eine Kontrolle des Befunds durch eine niedergelassene Hals-Nasen-Ohrenärztin/einen niedergelassenen HNO-Arzt durchgeführt. Bei fortbestehender Auffälligkeit wird dann das Kind zur weiteren Abklärung in eine Hals-Nasen-Ohrenklinik, wie die unsere, überwiesen.

 

Die im Rahmen des Hörscreenings angewendeten Verfahren sind schnell und schmerzfrei und können in der Regel am schlafenden Kind durchgeführt werden:

 

OAE: Otoakustische Emissionen (TEOAE: Transistorisch evozierte otoakustische Emissionen, DPOAE: Distorsion-Produkte otoakustischer Emissionen)

Ein Ton von 75 Dezibel wird in den Gehörgang gegeben. Ein gesundes Innenohr registriert diesen Ton und sendet als Antwort einen zweiten Ton, der über ein feines Mikrofon im Gehörgang gemessen werden kann. Ist dieser Ton vorhanden, kann von einer funktionierenden Hörschnecke ausgegangen werden. Gravierende Hörstörungen über 30 Dezibel können dann ausgeschlossen werden.

 

AABR: Auditory Brainstem Response (automatische Hirnstammaudiometrie/Screening-BERA)

Über den Gehörgang wird ein leises Klicken von 35 Dezibel gegeben. Gleichzeitig wird die Antwort des Hörnervs über Oberflächenelektroden von der Kopfhaut abgeleitet und ausgewertet.

Weisen die oben genannten Untersuchungen auf das Vorliegen einer Schwerhörigkeit hin oder können wegen vieler Artefakte (zum Beispiel weil das Kind bei der Untersuchung nie schlafen will) die Daten nicht sicher ausgewertet werden, sind weitere Untersuchungen notwendig. Die Hals- Nasen-, Ohrenärztliche Untersuchung des Kindes beinhaltet zunächst eine Ohrmikroskopie, um zunächst eine Verlegung des Gehörgangs (beispielsweise mit Ohrenschmalz) auszuschließen.

 

Tympanometrie

Bei dieser Untersuchung wird die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells gemessen und somit die Druckverhältnisse im Mittelohr bestimmt. Eine Veränderung kann zum Beispiel durch eine Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell ausgelöst werden. Ein kleiner Stöpsel mit Sonde dichtet den äußeren Gehörgang für kurze Zeit luftdicht ab. Dieser Messvorgang dauert nur wenige Sekunden und kann sowohl bei wachen als auch bei schlafenden Kindern durchgeführt werden.

 

BERA: Hirnstammaudiometrie

Diese Untersuchung überprüft - wie oben genannte AABR (Screening-BERA) - die Hörbahn über das Innenohr bis zum Hirnstamm. Der Klickreiz im Gehörgang wird nun jedoch in vielen verschiedenen Lautstärken (von ganz leise bis ganz laut) angeboten und die Antworten über die Kopfhautelektroden abgeleitet. So besteht die Möglichkeit, die Hörminderung genauer zu definieren und die eigentliche Hörschwelle des Kindes zu bestimmen. Da diese Untersuchung etwas länger dauert und das Kind annähernd schlafen sollte, kann eine medikamentöse Ruhigstellung beziehungsweise eine Narkose erforderlich sein.

Akutbehandlung bei Innenohrerkrankungen

Innenohrerkrankungen und Erkrankungen des Gleichgewichtsorganes (zum Beispiel Neuropathia vestibularis) werden in unserer HNO-Klinik stets in Verbindung mit einer ausführlichen Diagnostik behandelt - je nach Schweregrad und möglicher Ursache auch unter stationären Bedingungen einschließlich intravenöser Therapie.

 

Während die Schädigungen des Innenohres durch beruflichen Lärm abnehmen, häufen sich die Lärmschäden des Innenohres durch Freizeitlärm (Diskotheken, Musikgenuss durch Kopfhörer usw.).

 

Ein Hörsturz ist eine einseitige plötzliche Hörminderung. Dabei kann es zum Auftreten eines Ohrgeräusches und/oder von Drehschwindel kommen. Die Ursache eines Hörsturzes bleibt häufig unklar. Man geht davon aus, dass letztlich eine Durchblutungsstörung oder eine entzündliche, meist virale Läsion des Innenohres dabei eine Rolle spielt. Dadurch kommt es zu einer Schädigung der Sinneszellen im Innenohr, welche daraufhin in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Das auslösende Moment kann hingegen sehr vielschichtig sein.

 

Die Infusionstherapie verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und führt zu einer Weitstellung der sehr kaliberkleinen Blutgefäße im Innenohr. Im Falle einer Hörminderung besteht die Möglichkeit, eine Verbesserung durch Einspritzen von Cortison/Hyaluronsäure ins Mittelohr zu erzielen (intratympanale Injektionen über eine Mini-Myringotomie). In einigen Fällen (zum Beispiel beim Tauchunfall, Barotrauma) kann mitunter auch mit einer kleinen Operation des Mittelohrs eine Verbesserung (Tympanoskopie) erreicht werden.

Hörgeräteversorgung

Luftleitungsgeräte Sie eignen sich in erster Linie für gering bis hochgradig ausgeprägte Schallempfindungsschwerhörigkeit, Taubheit ausgeschlossen. Das Schallsignal wird hierbei über einen kleinen Lautsprecher, den so genannten Hörer, in den äußeren Gehörgang und weiter an das Trommelfell abgegeben. Luftleitungsgeräte sind technisch aufwendiger als Knochenleitungsgeräte, da sie nicht nur der Verstärkung des Schallsignals dienen sondern sich auch an die restliche Aktivität des Hörvermögens anpassen müssen.

 

Man unterscheidet zwei Formen der Luftleitungsgeräte: Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO-Geräte): Hierbei sind Energie- und Elektronikmodul sowie Mikrofon hinter der Ohrmuschel in einem kleinen Gehäuse platziert. Von diesem wird das Schallsignal über einen im Ohrpassstück platzierten Schallschlauch direkt in den äußeren Gehörgang geleitet. Die offene Versorgung und Geräte mit einem ausgelagerten Schallwandler stellen hierbei eine Sonderform der HdO-Geräte dar. Bei ersteren ist der Schallschlauch sehr dünn so dass der Gehörgang nur zum Teil durch den Schallschlauch und seine Halterung verschlossen wird, was sich positiv auf den Tragekomfort auswirkt. Diese Geräte eignen sich jedoch nur für maximal mittelgradige Hörverluste, vor allem im oberen Frequenzbereich. Bei der zweiten Gruppe wird der Wandler mit einem dünnen Kabel kurz vor dem Trommelfell platziert. Auch bei dieser Bauform kann oft der Gehörgang partiell frei bleiben, so dass ebenfalls ein hoher Tragekomfort erzielt wird. Gleichzeitig sind relativ hohe Schalldruckpegel erreichbar, so dass mit dieser Technologie auch höhergradige Schwerhörigkeiten versorgt werden können.

 

Im-Ohr-Hörgeräte (IO-Geräte): Hier sind alle Teile in einem individuell für den Patienten geformten Gehäuse verstaut. Dieses wird entweder in der Ohrmuschel platziert (Concha-Geräte) oder im ausschließlich im Gehörgang (Complete-in-Canal-Geräte).

 

Knochenleitungshörgeräte Knochenleitungshörgeräte übertragen das Hörsignal direkt auf den Knochen. Es gibt zum einen Knochenleitungsbügel, die mittels eines Federbügels den Körperschallgeber direkt an das so genannte Mastoid - den hinter dem Ohr liegenden Fortsatz des Schläfenbeins - anpressen, zum anderen knochenverankerte Hörgeräte, bei denen eine Titanschraube in die äußere Schicht des Schädelknochens oberhalb des Mastoid platziert wird. Knochenleitungshörgeräte können in besonderen Fällen bei Schallleitungsschwerhörigkeiten geeignet sein, bei denen durch eine Operation keine zufrieden stellende Besserung des Hörvermögens erreicht werden kann.

 

Unsere Fachärzte der HNO-Klinik erstellen Ihnen einen individuellen Befund, beraten Sie bei der Auswahl des Hörgeräts, passen es an und kontrollieren, ob die Hörleistung verbessert werden konnte. Erst wenn eine Steigerung des Sprachverstehens dokumentiert werden kann, wird das Gerät gekauft. Unsere Klinik bietet Ihnen die Hörgeräteversorgung zu Luftleitungsgeräten (Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte/HdO-Geräte; Im-Ohr-Hörgeräte/IO-Geräte) sowie zu Knochenleitungshörgeräten.

Mittelohrchirurgie

Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit mit Störung der Schallweiterleitung im äußeren Ohr und Mittelohr kann ein operativer Eingriff notwendig sein, um das Gehör zu rehabilitieren.

 

Mögliche Ursachen einer solchen Hörstörung 

  • chronische Schleimhauteiterung (chronische Otitis media mesotympanalis) mit Trommelfelldefekt (Sonderform: Verwachsungen des Mittelohres, sog. Adhäsivprozeß) 
  • Knocheneiterung (chronische Otitis media epitympanalis: sog. Cholesteatom) 
  • Nicht befriedigendes Hörergebnis nach vorangegangener Ohroperation 
  • Unterbrechung der Gehörknöchelchen (sog. Luxation) nach vorangegangenem Trauma (z.B. Schädelbasisbruch) Gelenkversteifung (sog. Ankylose) der Gehörknöchelchenkette bei Verkalkung (sog. Tympanosklerose) 
  • Verknöcherung der Fußplatte des Steigbügels (Otosklerose = Erkrankung an der Grenze zwischen Mittel- und Innenohr) Verengung oder Verschluss des äußeren Gehörgangs (sog. Gehörgangsatresie)

 

Operationen am Mittelohr

  • Myringoplastik: Trommelfellrekonstruktion
  • Tympanoplastik: Rekonstruktion des Mittelohrs und des Trommelfells
  • Stapesplastik: Ersatz des Steigbügels durch sogenannte Stapesprothese 
  • Meatoplastik: Rekonstruktion beziehungsweise Anlage des äußeren Gehörgangs 
  • Passive Mittelohrimplantate: Totalimplantat oder TORP/Total Ossicular Replacement Prosthesis; Partialimplantat oder PORP/Partial Ossicular Replacement Prosthesis; Stapesprothesen) 
  • Aktive Mittelohrimplantate Vibrant Soundbridge: Unter den auf dem Markt befindlichen Systemen ist das Vibrant® Soundbridge® System der Firma nMed-El™ das am häufigsten implantierte aktive Mittelohrimplantat.

 

Myringoplastik

Bei der Myringoplastik erfolgt die Rekonstruktion des Trommelfelles und intakten Mittelohrverhältnissen und gilt als die einfachste Form der Tympanoplastik (sog. Tympanoplastik Typ I). Als Trommelfellersatz wird in der Regel körpereigenes, bindegewebiges Muskelhäutchen und alternativ Knorpelhäutchen oder auch Knorpel verwendet. Die Operation wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt.

 

Tympanoplastik

Zusätzlich zur Rekonstruktion des Trommelfells ist es häufig notwendig zur Wiederherstellung der Schallübertragung die Gehörknöchelchen zu rekonstruieren. Man spricht dann von einer Tympanoplastik (sog. Typ II-III). Neben der Benutzung der eigenen noch funktionsfähigen Gehörknöchelchen (sog. Ambossinterposition oder Hammerkopfinterposition) werden mit zunehmend sehr gutem Erfolg Titanimplantate verwendet. Diese Implantate zeichnen sich durch ein geringes Gewicht, gute Handhabung, geringe Gewebsreaktionen und einer sehr gute akustische Ankopplung aus. Bei besonderen Voraussetzungen kann auch die Implantation eines aktiven Mittelohrimplantates notwendig und sinnvoll sein (s.u.).

 

Cholesteatomoperation

Bei der Ohroperation bei Vorliegen eines Cholesteatoms (Knocheneiterung, chronische Otitis media epithympanalis, Perlgeschwulst) werden zwei Ziele verfolgt. Zum einen die sichere und restlose Entfernung des Perlgeschwulstes zum anderen wenn möglich die gleichzeitige Hörrehabilitation durch eine Tympanoplastik. Oftmals wird ein zweiter Eingriff nach 12 Monate zur Kontrolle der Knocheneiterung und ggf. zur Optimierung des Gehörs (hörverbessernde Operation) durchgeführt.

 

Ohroperation bei Otosklerose (Stapesplastik)

Bei der Otosklerose handelt es sich um die knöcherne Fixation der Fußplatte des Steigbügels im ovalen Fenster, somit an der Grenze zwischen Mittel- und Innenohr. Es kann sich um eine reine Schallleitungsschwerhörigkeit oder um eine kombinierte Schwerhörigkeit handeln. Ziel der operativen Therapie ist die Wiederherstellung der ungehinderten Schallübertragung vom Mittelohr in das Innenohr. Hierfür muss der Steigbügel durch eine Prothese ersetzt werden. Es werden durch diesen chirurgischen Eingriff in der Hörrehabilitation sehr gute Ergebnisse erzielt. Bei Patienten mit gleichzeitig aufgetretenem Tinnitus wird dieser häufig auch günstig beeinflusst.

 

Mittelohrimplantate

Passive Mittelohrimplantate

Als passive Mittelohrimplantate bezeichnet man Prothesen welche zur Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette eingesetzt werden. Als Material für Mittelohrimplantate hat sich heute Titan weitgehend durchgesetzt, da deren Biokompatibilität und Biostabilität (Gewebeverträglichkeit und Haltbarkeit), aber auch die rein mechanischen Eigenschaften denen anderer Materialien deutlich überlegen sind. Man unterscheidet grundsätzlich drei Typen von Mittelohrimplantaten:

  1. Totalimplantat oder TORP (Total Ossicular Replacement Prosthesis) kompletter Gehörknöchelchenersatz bei funktionsfähiger Steigbügelfußplatte
  2. Partialimplantat oder PORP (Partial Ossicular Replacement Prosthesis) teilweiser Gehörknöchelchenersatz bei noch erhaltenem und funktionierendem Steigbügel
  3. Stapesprothesen- fungieren in der Regel als Ersatz für den Steigbügel. Als Materialien für die Prothesen werden Platin, Platin in Kombination mit PTFE und zunehmend Titan am häufigsten verwendet.

 

Aktive Mittelohrimplantate

Aktive Mittelohr-Implantate wandeln das empfangene Schallsignal in elektrische Spannungsschwankungen um. Diese Schwankungen gelangen zu einem elektromagnetischen Wandler, der an den Gehörknöchelchen implantiert ist und die Knöchelchen mechanisch in Schwingungen versetzt. Unter den auf dem Markt befindlichen Systemen ist das Vibrant® Soundbridge® System der Firma Vibrant® Med-El™(link) das am häufigsten implantierte aktive Mittelohrimplantat. Es ist ein sog. teilimplantierbares Hörgerät und eignet sich besonders für Patienten, die aus medizinischen Gründen kein Hörgerät tragen können oder eine Alternative zur ihrem konventionellen Hörgerät suchen.

Aktive Mittelohrimplantate (Vibrant Soundbridge)

Das teilimplantierbare Mittelohr-Hörsystem Vibrant Soundbridge kann in speziellen Fällen eine Alternative zu konventionellen Hörgeräten sein. Da bei der Vibrant Soundbridge der äußere Gehörgang vollständig offen bleibt, ist sie für Personen geeignet, die aus medizinischen Gründen (zum Beispiel wegen chronischer Gehörgangentzündung oder wegen eines Gehörgangekzems) keine Fremdkörper im Gehörgang tolerieren können. Dennoch ist die Vibrant Soundbridge nicht notwendigerweise eine Behandlungsmethode für alle Menschen mit einem Innenohr-Hörverlust, einer Schallleitungsschwerhörigkeit oder mit einer Kombination aus beidem.

Innenohrchirurgie

Intratympanale Injektionen

Es erfolgt die Applikation von Innenohrtherapeutika über Injektionen durch das Trommelfell (sog. Mini-Myringotomie/intratympanale Injektion). Die Substanzen gelangen dann aus dem Mittelohrraum durch das Phänomen der Osmose über die Trennmembranen zwischen Mittel- und Innenohr in die Innenohrflüssigkeit und können so ihren eigentlichen Wirkort, die Innenohrhaarzellen, erreichen. So kann zum einen bei persistierendem hoch- oder mittelgradigem Innenohrhörverlust (z.B. bei Hörsturz) Cortison in hoher Konzentration lokal appliziert werden. Ebenso kann so in besonderen Fällen bei Vorliegen von M. Menière das lokal toxische Medikament Gentamycin eingebracht werden.

 

Chirurgie bei M. Menière

  • Intratympanle Gentamycinapplikation (s.o.)
  • Saccotomie: chirurgisches Verfahren mit dem Ziel der Eliminierung des peripheren Gleichgewichtsorganes bei Versagen aller konservativen Therapien.

 

Cochlea Implantation

Was ist ein Cochlea Implantat? Ein Cochlea-Implantatsystem (CI) ist ein elektromedizinisches System zur Behandlung von Personen mit hochgradigem Hörverlust, deren Hörnerv noch funktioniert. Es kann sowohl bei prälingual ertaubten Kindern (Ertaubung vor dem Spracherwerb), als auch bei postlingualer (Ertaubung nach dem Spracherwerb) Gehörlosigkeit bei Erwachsenen und Kindern angewandt werden. Die Stimulation von Sinneszellen in der Cochlea ermöglicht es CI-Trägern, Sprache und Geräusche wahrzunehmen und zu verstehen. Bei der Implantation werden operativ Elektroden in das Innenohr (Cochlea) eingesetzt. Damit werden die Voraussetzungen für ein Wieder-hören-können oder ein Hören-lernen ermöglicht.

Das Implantat wird operativ unter der Haut hinter dem Ohr platziert. Es besteht aus einem Gehäuse, in das die Elektronik und die Empfangsspule zum Empfangen der Signale vom Prozessor integriert sind, einem Elektrodenträger und einer Referenzelektrode.

 

Der externe Sprachprozessor besteht aus einer Kontrolleinheit, einem Batterieteil, einem Kabel und einer Spule für die drahtlose Übertragung von Signalen durch die Haut zum Implantat.

Hören, wenn das Ohr nicht funktioniert

Cochlea-Implantat-Systeme wandeln Schall in elektrische Pulse um. Diese elektrischen Pulse stimulieren den Hörnerv, und das Gehirn interpretiert sie als akustisches Ereignis.

 

Der Funktionsprozess

  • Schallwellen werden vom Mikrofon des Sprachprozessors aufgenommen.
  • Der Sprachprozessor analysiert die Schallschwingungen und wandelt sie in ein spezielles elektrisches Pulsmuster um.
  • Dieses Pulsmuster wird zur Spule und anschließend durch die Haut zum Implantat gesendet.
  • Das Implantat decodiert das Pulsmuster und leitet es an die Elektroden in der Cochlea weiter.
  • Die Elektroden stimulieren die Cochlea.
  • Der Hörnerv empfängt das Signal und schickt es an das Hörzentrum im Gehirn. Das Gehirn erkennt das Signal als akustisches Ereignis (Geräusch, Sprache). 
  • Indikation und Voruntersuchung

Was sind Kriterien für ein Cochlea-Implantat?

  • Völliger Schallempfindungshörverlust beider Ohren bei Kindern; Implantation kann dann bereits im ersten Lebensjahr erfolgen. Gehörlos geborene oder früh ertaubte Kinder sollten nach Möglichkeit spätestens bis zum achten Lebensjahr implantiert werden. 
  • Schwerer bis völliger Schallempfindungshörverlust beider Ohren bei Erwachsenen: Eine Versorgung mit den bestmöglichen Hörgeräten führt zu keiner oder nur eingeschränkter 
  • Sprachverständlichkeit. Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten sollte die Hörstörung erst nach dem Spracherwerb eingetreten sein. 
  • Es gibt keine obere Altersgrenze für eine Implantation. Doch der allgemeine und geistige Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten und sein soziales Umfeld sind wesentliche Voraussetzungen. 
  • Der Hörnerv muss funktionieren. 
  • Keine medizinischen Kontraindikationen 
  • Das Innenohr darf nicht verknöchert sein. Im Falle einer Verknöcherung ist die Versorgung mit einem CI eingeschränkt. 
  • Hohe Motivation zur Teilnahme an Rehabilitationsprogrammen und angemessene · Erwartungen

Voruntersuchung

Im Hörzentrum klären wir, ob eine CI-Versorgung sinnvoll und medizinisch möglich ist. Dazu bedarf es spezieller Untersuchungen, die ambulant oder im Rahmen eines zweitägigen stationären Aufenthaltes in der unserer HNO-Klinik durchgeführt werden:

 

  • Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese klinische Untersuchung mit Ohrmikroskopie 
  • HNO-fachärztliche Kontrolle und Beratung 
  • Hör- und Sprachtests - mit und ohne Hörgeräte
  • objektive und subjektive Tests zur Funktionsüberprüfung der Hörschnecke und des Hörnervs (OAEs, BERA)
  • Test zur Überprüfung des Gleichgewichtorgans (Elektronystagmographie, Posturographie)
  • Promontorial-Test (zum Nachweis der erhaltenen Funktion des Hörnervs)
  • bildgebende Verfahren (Computertomographie, Kernspintomographie)

Informations- und Beratungsgespräch

In ausführlichen Informations- und Beratungsgesprächen werden die Grenzen und Möglichkeiten des Hörens mit dem Cochlea-Implantat aufgezeigt und die Bestandteile sowie die Funktion des CI aufgeführt und erklärt. Mögliche Risiken werden erläutert sowie der Ablauf der Rehabilitation nach der Implantation vorgestellt. Eine solche Hörrehabilitatiosmaßnahme kann zum Beispiel in den „Mediclin Bosenberg Kliniken“ in St.- Wendel durchgeführt werden.

 

Nach Abschluss o.g. Untersuchungen KANN bereits präoperativ eine Vorstellung in der die stationäre Rehabilitation durchführenden Einheit erfolgen.

 

Insbesondere bei Kindern sind hier Untersuchungen zur Sprech- und Sprachentwicklung sowie Hörpädagogische und psychologische Untersuchungen notwendig. Die Entscheidung für oder gegen eine Versorgung mit einem Cochlea-Implantat wird dann interdisziplinär gemeinschaftlich mit dem Patienten, bzw. den Eltern diskutiert. Wenn der Gesamtbefund für eine CI-Versorgung spricht, wird ein Termin für die Operation vereinbart.

Minimal-invasive Operationstechnik

In unserer Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der HELIOS Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, wird die Operation durchgeführt. Am Vortag der Operation werden die zu operierenden Kinder in den HNO-Klinik-eigenen Betten unserer Kinderklinik aufgenommen. Erwachsene Patientinnen und Patienten nehmen wir auf der großen HNO-Station im 6. Stock des A-Traktes des Gebäudes auf (Station A64). Der letzte Tag vor der Operation dient letzten präoperativen Untersuchungen und Vorbesprechungen zwischen dem Anästhesisten (Narkosearzt) und den Eltern des zu operierenden Kindes beziehungsweise der Patientin/dem Patienten sowie der notwendigen Blutentnahme und dem Aufklärungsgespräch.

 

Die Operation

Zwischen einer und zwei Stunden dauert die Operation, die in Vollnarkose durchgeführt wird. Nach einem kleinen vier bis fünf Zentimeter langen Hautschnitt hinter dem Ohr ("minimal-invasive Technik") wird unter dem Operationsmikroskop der Ohrknochen (sogenannter Mastoid-Knochen) ausgebohrt und die Elektrode des Implantats über ein kleines Loch in die Hörschnecke eingeführt. Die Empfängerspule wird dahinter in einer Vertiefung im Knochen verankert, damit sie später nicht verrutschen kann. Anschließend wird die Haut wieder über dem Implantat hinter dem Ohr verschlossen. Noch bevor die Patientin/der Patient aus der Narkose erwacht, wird eine Funktionstestung des Implantats durchgeführt - eine Überprüfung der technischen Funktion (sogenannte Impedanzmessung) und Nachvollziehen der Weiterleitung der elektrischen Impulse über den Hörnerven durch Nervenreizungen (sogenannte ART-Messung). Die verbleibende schmale Narbe wird später von den Haaren verdeckt sein.

Die Dauer des anschließenden Krankenhausaufenthalts beträgt zwischen vier und sechs Tagen. Nach acht Tagen erfolgt eine Wundkontrolle und die Fadenentfernung. Bei kleinen Kindern wird in der Regel ein selbstauflösender Hautfaden verwendet.

Anpassung und Rehabilitation bei Erwachsenen

Etwa drei Wochen nach der Operation erfolgt die erste Anpassung des äußeren Teils des Cochlea-Implant-Systems, des Sprachprozessors. Die Erstanpassung in unserem Hörzentrum dauert in der Regel rund 45 Minuten und wird ambulant durchgeführt. Danach können Sie erstmals mit Ihrem Implantat Höreindrücke erfahren und erste Hörübungen durchführen. Damit Sie jedoch das gesamte Potenzial des Implantats nutzen können und um die Anpassung des Implantates zu optimieren, ist unserer Erfahrung nach eine stationäre Rehabilitation notwendig. Bei der "Anpassung" wird der Sprachprozessor programmiert und individuell eingestellt: Frequenzen, Mikroempfindlichkeit und Impulsverarbeitung werden solange angepasst bis ein angenehmer Klangeindruck und gutes Sprachverstehen erreicht sind. Dazu arbeiten Sie - ähnlich wie beim Hörtest - mit der Audiologin/dem Audiologen konzentriert zusammen. Das Sprachprozessorprogramm wird nach und nach individuell an das persönliche Hörempfinden angenähert.

Eine solche Hörrehabilitatiosmaßnahme kann zum Beispiel in den „Mediclin Bosenberg Kliniken“ in St.- Wendel durchgeführt werden.

 

Stationäre Rehabilitation

Zur Durchführung der stationären Rehabilitation besteht eine enge Kooperation mit der hochspezialisierten Kaiserbergklinik in Bad Nauheim. In etwa vier bis fünf Wochen werden postoperativ ein individuell ausgerichteter Rehabilitationsplan erstellt und die Parameter für die individuelle Einstellung des Sprachprozessors ermittelt. Es folgen Feinanpassungen des Sprachprozessors sowie ein spezielles Hörtraining, um die neuen Höreindrücke optimal verstehen zu lernen.

Im Sinne eines ganzheitlichen Rehabilitationsverfahrens wird die Behandlung und das Hörtraining jeweils individuell mit zeitgemäßen aktiven physio-therapeutischen Übungsverfahren, ergotherapeutischen Maßnahmen und bewährten physikalischen Anwendungen ergänzt. Das Behandlungsspektrum wird durch ein psychologisch-psychotherapeutisches Angebot mit Gruppen- und Einzeltherapien vervollständigt. Die therapeutisch-technische Nachsorge im Cochlear Implant-Netzwerk der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden wird auch nach der ersten Nachsorgephase fortgeführt.

 

Anpassung und Rehabilitation bei Kindern

Die Rehabilitation und Anpassung eines Implantats bei Kindern hat einen besonderen Stellenwert.

In unserem Netzwerk besteht eine enge Kooperation mit dem etablierten Cochlea-Implant-Centrum Friedberg. Unsere Patientinnen und Patienten treffen auf eine hochspezialisierte Betreuungseinheit, die über langjährige Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern und Jugendlichen nach Cochlea-Implantation verfügt. Die intensive Einbeziehung der Eltern, weiterer Bezugspersonen und der Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort ist ein Teil unseres Konzepts. Die erste Rehabilitation - rund vier bis fünf Wochen nach der Operation - führen wir in der Regel stationär durch; eine ambulante Betreuung ist auch möglich. Individuell, auf die Erfordernisse des Kindes und die Wünsche seiner Familie abgestimmt, legen wir die Anzahl der Therapietage und den Ablauf der Therapie ebenso fest wie den zeitlichen Abstand zwischen den Rehabilitationen.

 

Gründe für das therapeutische Konzept

 

  • therapeutische Maßnahmen zur Förderung des Hörens und der Sprache
  • psychomotorische- und rhythmisch-musikalische Therapie zur Unterstützung der Sprachentwicklung
  • kontinuierliche pädagogische Betreuung
  • Beratung und Betreuung der Eltern und anderer Bezugspersonen
  • Verlaufsdiagnostik der Hör- und Sprachentwicklung Untersuchungen zur kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung

Kosten

Die medizinische Versorgung mit dem Cochlea-Implantat und die nachfolgende Rehabilitation werden von den Krankenkassen übernommen. Im Hörzentrum der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, können Sie den gesamten Umfang des Leistungsangebots erhalten:

 

  • Diagnostik
  • Beratung
  • Implantation
Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden
Ludwig-Erhard-Str. 90
65199 Wiesbaden
Kontakt
Tel: 0611 43-0
Fax: 0611 43-2952