Allgemein- und Viszeralchirurgie

Unsere Kontinenzberatungsstelle

Stuhlinkontinenz ist ein Thema, über das die wenigsten offen sprechen. Häufig wird lange abgewartet, bevor Betroffene Rat und Hilfe suchen. Ein Gespräch kostet den Betroffenen meist viel Überwindung, stellt aber den ersten und wichtigsten Schritt zur Verbesserung der Beschwerden dar. Als zertifizierte ärztliche Beratungsstelle der Deutschen Kontinenzgesellschaft unterstützen wir Sie gerne dabei.

Unsere Spezialisten der zertifizierten Kontinenzberatungsstelle stehen in engem Kontakt mit den beiden anderen Beratungsstellen (Gynäkologie und Urologie) des Helios Klinikums Erfurt. Es ist wichtig zu wissen: Eine Operation ist eine Option, nie Pflicht und steht meist erst am Ende der Therapieliste.

Im Rahmen des ersten Gespräches werden verschiedene Punkte angesprochen:

  • Stuhlgewohnheiten
  • Medikationsplan
  • bereits stattgefundene Therapieversuche
  • Geburten und Geburtsverletzungen (natürlich nur bei Frauen)
  • Nutzung von Hilfsmitteln
  • stattgefundene Operationen.

Es finden auch die ersten Untersuchungen statt. Hierzu gehören die ...

Hierbei wird lediglich der Anus und die Pofalte (Rima ani) von außen angesehen. Dabei geht es darum, die Haut der Analregion zu beurteilen. Ist sie gerötet, ist sie feucht, sind Hämorrhoiden bereits von außen zu erkennen oder finden sich andere Tumore in diesem Bereich? Auch auf bestehende Narben wird ein besonderes Augenmerk gerichtet. Bereits hier können erste Funktionstest (z.B. das Kneifen) durchgeführt werden. Die Inspektion tut nicht weh.

Die Untersuchung des Anus mit dem Finger ist wichtiger Bestandteil einer proktologischen Untersuchung. Es können der Ruhe- und der Kneiftonus des Schließmuskels und auch die Koordination des Beckenbodens beurteilt werden. Tumore des Analkanals und des unteren Enddarms sowie Veränderung an Uterus und Prostata können mit dieser Untersuchung festgestellt werden. Hierbei ist es wichtig, die Lage, die Konsistenz und die Verschieblichkeit der Befunde zu Beurteilen. Sollten bei dieser Untersuchung Schmerzen auftreten, wird sie abgebrochen. Dies kann Hinweis auf ein entzündlichen Geschehen oder Verletzungen im Analkanal sein.

Hierbei handelt es sich um die apparative Messung des Ruhe- und Kneiftonus des Schließmuskels. Wir bieten bei uns die hochauflösende Analmanometrie (HRM – high resolution manometry) an. Für diese schmerzfreie Untersuchung mit einer 5 Millimeter dünnen Sonde muss der Darm nicht zwangsläufig entleert werden. Die Sonde wird in den Anus eingebracht und die Untersuchung dauert ca. 10 Minuten.

Bei der Proktoskopie handelt es sich um eine endoskopische Untersuchung des Analkanals und des Enddarmes. Die Schleimhaut des Enddarmes, die Hämorrhoidalpolster und die Haut des Analkanals können mit dieser Untersuchung beurteilt werden. Ein Einlauf ist erforderlich

Weiterführende Untersuchungen bedürfen einer Aufklärungsfrist von mindestens 24 Stunden. Hierzu gehören die ...

Mit Hilfe der Koloskopie kann die Schleimhaut des gesamten Dickdarmes und z.T. die des letzten Dünndarmsegmentes beurteilt werden. In der Untersuchung können Veränderungen der Schleimhaut nicht nur dargestellt, sondern zum großen Teil auch sofort therapiert werden. Die Darmspiegelung klärt somit die Fragen nach Tumoren, Entzündungen und Divertikeln (= Ausstülpungen des Dickdarmes. In Mitteleuropa treten diese zumeist im Bereich des Colon sigmoideums [= Teil des Dickdarmes. Verläuft S-förmig und liegt im linken Unterbauch.]).

Diese Untersuchung kann in Sedierung durchgeführt werden. Bei einer Sedierung werden Patient:innen mithilfe von Medikamenten, sogenannter Sedativa, beruhigt und das Schmerzempfinden wird reduziert. Wichtig: Hierfür müssen wir Sie 24 Stunden vorher aufklären. Das beinhaltet auch den Hinweis, dass Sie nach einer Sedierung 24 Stunden fahr- und geschäftsunfähig sind. Sie dürfen demnach nicht alleine am Straßenverkehr teilnehmen. Sie benötigen unbedingt eine vorher zu nennende Begleitperson!

Die Computertomographie ist eine Untersuchung, bei der mittels Röntgenstrahlung (Strahlenbelastung!) der Körper in einzelnen Schichten dargestellt werden kann. Dabei gelingt die Lokalisation von Veränderungen, Darstellung der Anatomie und die Erkennung von Lagebeziehungen.

Die Magnetresonanztomographie ist eine Schichtuntersuchung wie die Computertomographie (siehe oben). Dabei werden Magnetfelder und deren Veränderungen zur Bildgewinnung genutzt. Der große Vorteil der Untersuchung ist, sie kommt ohne Strahlenbelastung aus. Jedoch stellen Implantate wie Hüftprothesen, Herzschrittmacher und andere manchmal ein Problem dar. Aber auch der begrenzte Platz in der „Röhre“ bereitet einigen Menschen Unbehagen. Nichtsdestotrotz gelingt die Darstellung der Weichteile durch diese Bildgebung sehr gut.

Im Fokus der Defäkographie steht der Akt des Stuhlganges selbst. Ein in den Darm eingebrachtes breiiges Kontrastmittel muss durch den Probanden Herausgepresste werden. Mittels normaler Röntgentechnik (klassische Defäkographie) oder im MRT (MRT-Defäkographie) wird dieser Vorgang in Bildern dokumentiert. Der Darm muss vor dieser Untersuchung entleert sein. Die Defäkographie kann u.a. Veränderungen im Aufbau des Enddarmes und Störungen in der Koordination des Pressaktes aufdecken.

Für bestimmte Fragestellungen ist es wichtig, die Kolontransitzeit (Hintontest) zu bestimmen. Hier wird die Zeit festgehalten, die der Stuhlgang für die Passage durch den Darmtrakt benötigt. An sechs aufeinanderfolgenden Tagen werden Kapseln mit unterschiedlich geformten, röntgendichten Markern eingenommen. Die Kapseln lösen sich auf. Mittels Röntgenaufnahme am siebenten Tag können die Marker im Darm lokalisiert werden.

Nach den Untersuchungen steht die Empfehlung der individuellen Therapie:

➥ Konservativ ...

Mit dem Beckenbodentraining beginnt fast jede Kontinenztherapie. Sie wird durch ambulante Physiotherapeuten durchgeführt und wird durch den Hausarzt/ Gynäkologen/ Urologen rezeptiert. Es gibt Physiotherapeut:innen, die sich an den Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie (AG GGUP) orientieren. Eine Therapeutenliste der Arbeitsgemeinschaft können Sie hier abrufen. Wichtig: Das Erlernte muss auch außerhalb der Therapiesitzungen immer wieder wiederholt werden.

Beim Biofeedbacktraining wird eine Sonde in den Anus eingeführt. Diese Sonde registriert die Kontraktionen des Schließmuskels, gibt Anweisungen zum Training und zeigt die Qualität des Trainings der/dem Trainierenden/m an. Parallel zum Biofeedback muss ein Beckenbodentraining durchgeführt werden. Im Voraus ist es erforderlich den Druck des Schließmuskels mittels Manometrie (siehe oben) zu ermitteln. Das Gerät kann durch uns rezeptiert werden und wird in der Regel für drei Monate verordnet. Je nach Therapieerfolg kann es weitere drei Monate verschrieben werden.

Mittels zum großen Teil frei verkäuflicher Quellstoffe gelingt es den Stuhlgang in seine Konsistenz und Frequenz zu beeinflussen.

Einige Medikamente können die Kraft des Schließmuskels vermindern. So blockieren Calciumkanalblocker nicht nur die Calciumkanäle des Herzmuskels um den Blutdruck zu senken, sondern eben auch die am Schließmuskel des Anus.
Metformin, zur Senkung des Blutzuckers, führt häufig zu Durchfällen und kann meist ersetzt werden.
Andere Wirkstoffe können dazu benutzt werden, um den Stuhlgang einzubremsen.

Dabei wird der Darm mit Wasser gefüllt und der Dickdarm somit entleert. Durch die fast vollständige Entleerung des Darmes gelingt es, Zeit zu gewinnen, in der man nicht immer an ein mögliches Malheur denken muss.

Tamponaden werden in den Anus eingebracht und verhindern so das Austreten von Stuhlgang.

➥ Operativ ...

Mittels eines Schrittmachers wird des Nervengeflecht am Kreuzbein über Elektroden so beeinflusst, dass der Schließmuskel sich schließt. Für den Stuhlgang muss der Schrittmacher ausgeschaltet werden. Das System wird operativ eingebracht. Vor der endgültigen Schrittmacherimplantation findet eine Probestimulation statt. Vor der Entscheidung zur SNM sollten die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sein.

Eine operative Maßnahme, bei der mit einem Rundklammergerät die Wand des Enddarms reseziert werden kann und somit Ausstülpungen (Rektozelen) entfernt werden können.

Eine Operation bei der ein kurzes Enddarmsegment entfernt wird und der Darm somit gestrafft wird. Zusätzlich wird der Darm am Kreuzbein fixiert. Gelegentlich kommt ein Kunststoffnetz zur Anwendung. Die Operation wird in der sogenannten Schlüssellochtechnik durchgeführt.