Mit der bariatrischen Embolisation (BAE) bieten wir ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Adipositas an. Der Eingriff erfolgt über die Blutgefäße – ohne Bauchschnitt und in der Regel ohne Vollnarkose. Sie kann sowohl als eigenständiges Verfahren als auch in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. So lässt sich die Behandlung individuell auf die Bedürfnisse und Voraussetzungen jedes Patienten abstimmen.
Warum nehme ich trotz aller Bemühungen nicht ab?
Adipositas, umgangssprachlich starkes Übergewicht, ist eine chronische Erkrankung, die das Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf- und Gelenkerkrankungen erhöhen kann. Vielen Betroffenen fällt es trotz Ernährungsumstellung, Bewegung und gegebenenfalls Medikamenten schwer, dauerhaft Gewicht zu verlieren.
Eine Rolle spielt dabei auch das Hormon Ghrelin, das den Appetit anregt und überwiegend im oberen Magenabschnitt, dem sogenannten Fundus, gebildet wird. Die bariatrische Embolisation setzt an der Blutversorgung dieses Magenbereichs an. Sie kann eine Behandlungsoption für Menschen sein, bei denen konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen und für die eine Magenoperation nicht infrage kommt oder nicht gewünscht ist.
Wie funktioniert die bariatrische Embolisation?
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung über eine Arterie in der Leiste oder am Handgelenk. Unter Röntgenkontrolle führen wir einen dünnen Katheter bis zu den Blutgefäßen, die den oberen Magenabschnitt versorgen. Dort werden die ausgewählten Gefäße mit winzigen Partikeln gezielt verschlossen.
Dadurch wird die Durchblutung dieses Magenbereichs verringert. Ziel ist es, die Bildung des appetitanregenden Hormons Ghrelin zu beeinflussen und so die Gewichtsabnahme zu unterstützen. Wie stark sich Appetit und Körpergewicht verändern, ist individuell unterschiedlich. Der übrige Magen wird weiterhin über andere Blutgefäße versorgt. Während des Eingriffs bleiben Sie in der Regel wach und liegen auf dem Rücken.
Moderne Bildgebung für eine gezielte Behandlung
Für den Eingriff nutzen wir eine moderne Angiographieanlage mit Cone-Beam-CT-Technologie. Diese ermöglicht es, dreidimensionale Röntgenbilder der Gefäßstrukturen zu erstellen. So können wir die Gefäßanatomie genauer beurteilen und die Behandlung gezielt planen und durchführen.
Für wen ist die BAE geeignet?
Die bariatrische Embolisation kann insbesondere für Erwachsene mit Adipositas infrage kommen,
- bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung sowie gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung nicht ausreichend zum gewünschten Gewichtsverlust geführt haben,
- für die eine bariatrische Operation nicht geeignet ist oder die eine solche Operation nicht wünschen.
Ob die Behandlung im individuellen Fall geeignet ist, klären wir gemeinsam mit der Adipositas-Klinik. Dabei berücksichtigen wir Ihre gesundheitliche Situation, bisherige Behandlungsversuche und mögliche Risiken.
Was können Sie von der Behandlung erwarten?
Erste klinische Studien zur bariatrischen Embolisation zeigen vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich Gewichtsabnahme und Appetitregulation. Die bisherigen Erkenntnisse sind jedoch noch begrenzt; insbesondere die langfristige Wirkung muss weiter untersucht werden.
Die Behandlung kann dazu beitragen, den Appetit zu verringern und Gewicht zu verlieren. Wie groß und wie dauerhaft der Gewichtsverlust ausfällt, ist individuell unterschiedlich. Die Gewichtsabnahme ist nach bisherigem Kenntnisstand in der Regel geringer als nach einer bariatrischen Operation.
Wie bei jedem Eingriff können Komplikationen auftreten. Dazu zählen unter anderem Reizungen, Entzündungen oder Geschwüre der Magenschleimhaut. Zur Verringerung entsprechender Risiken und zur frühzeitigen Erkennung möglicher Veränderungen setzen wir auf eine engmaschige Kontrolle des Magens. Zusätzlich erhalten Sie vorübergehend ein magenschützendes Medikament.
Über den individuellen Nutzen, mögliche Risiken und Behandlungsalternativen informieren wir Sie ausführlich im persönlichen Beratungsgespräch.
Ihr Behandlungsablauf
1. Vorstellung und Beratung
Gemeinsam mit der Adipositas-Klinik prüfen wir, ob die bariatrische Embolisation für Sie infrage kommt. Wir besprechen Ihre Krankengeschichte, bisherige Behandlungen, mögliche Risiken und Ihre Fragen.
2. Magenspiegelung vor dem Eingriff
Am Tag vor der Behandlung erfolgt eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Dabei untersuchen wir die Magenschleimhaut, um mögliche Veränderungen festzustellen, die für die Behandlung relevant sein könnten.
3. Der Eingriff
Die Embolisation wird in unserer Angiographie unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Über einen dünnen Katheter gelangen wir zu den ausgewählten Blutgefäßen des Magens und verschließen diese gezielt mit winzigen Partikeln.
4. Kontrolle und Nachsorge
Am Tag nach dem Eingriff sowie nach einer Woche und einem Monat sind Kontroll-Magenspiegelungen vorgesehen. So können wir die Magenschleimhaut überprüfen und mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen. Darüber hinaus begleiten wir Sie mit regelmäßigen Nachsorgeterminen.
Persönliche Beratung zur bariatrischen Embolisation
Sie möchten wissen, ob die bariatrische Embolisation für Sie infrage kommt? Unsere Expertinnen und Experten beraten Sie gerne persönlich und beantworten Ihre Fragen.