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Zungenschrittmacher lässt 57-jährigen LKW-Fahrer wieder gesund durchschlafen

Erst ein Zungenschrittmacher ermöglicht es, die Schlafapnoe von Lutz Vercoulen in den Griff zu bekommen.
10. März 2022

Dass Lutz Vercoulen in der Nacht immer wieder längere Atemaussetzer hat, erfährt er von seiner Frau. Mit den Folgen wie extremer Müdigkeit und Konzentrationsstörungen hat er tagsüber zu kämpfen. Auf die Diagnose Schlafapnoe folgen vergebliche Versuche, das Problem mit einer medizinischen Maskenbeatmung in den Griff zu bekommen. Dann erfährt der 57-Jährige von einem neuen Verfahren am Helios Klinikum Krefeld: Heute regelt ein Zungenschrittmacher den geruhsamen und gesunden Schlaf –  auf beiden Seiten des Bettes.   
   
Vor etwa sechs Jahren fallen der Ehefrau die nächtlichen Atemaussetzer ihres Mannes, Lutz Vercoulen, auf. „Ich habe es nicht bemerkt, mich allerdings schon gewundert, warum ich tagsüber oft so gerädert war, obwohl ich nach eigenem Empfinden gut geschlafen hatte“, erinnert sich der LKW-Fahrer. Seine Frau drängt ihn, zur Sicherheit einen Arzt aufzusuchen. Nach einer Nacht im Schlaflabor des Helios Klinikum Krefeld stand die Diagnose schnell fest: obstruktive Schlafapnoe, kurz OSA.

„Bei einer OSA erschlafft während des Schlafs die Mund-Rachenmuskulatur und blockiert so die oberen Atemwege“, erklärt Dr. Rudolf Hoffmann, Pneumologe, Schlaf- und Beatmungsmediziner am Helios Lungenzentrum. „Das führt zu wiederholten nächtlichen Atempausen, die mehrere Sekunden oder sogar länger als eine Minute dauern können. Herr Vercoulen hatte bis zu 50 solcher Aussetzer pro Stunde“. Unbehandelt kann der damit verbundene Sauerstoffmangel ernsthafte Folgeerkrankungen nach sich ziehen: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder sogar Herzinfarkt drohen.

Um die Atemaussetzer zu reduzieren, beginnt Lutz Vercoulen eine nächtliche Beatmungstherapie (CPAP-Therapie). Nachts trägt er dazu durchgängig eine Beatmungsmaske, die über einen Schlauch mit dem Beatmungs-Gerät verbunden ist. „Die Atemwege werden so durch einen dauerhaften, leichten Überdruck über die Maske offengehalten und die Atemaussetzer reduziert“, erläutert Dr. Hoffmann. Doch die Therapie mit der „Schlafmaske“ führt bei Lutz Vercoulen nicht zum gewünschten Erfolg: „Ich habe über 14 Masken getragen, die alle nicht richtig saßen. Selbst eine eigens für mich angepasste Maske war nicht dicht. 5 Jahre habe ich die Therapie versucht, leider ohne nachhaltigen Effekt“.

Dann wird er im Internet auf das neue Verfahren des Zungenschrittmachers aufmerksam. Seine Frau, Mitarbeiterin am Klinikum, berichtet ihm, das die HNO-Klinik in enger Zusammenarbeit mit dem klinikeigenen Schlaflabor dieses Verfahren bereits anbietet. Nach den erforderlichen Voruntersuchungen steht für den leidenschaftlichen Radfahrer fest: Das ist ein Versuch wert für wieder mehr Energie, Kraft und Freude am Tag.

„Mit einem Stimulationsgerät, das in Größe und Aussehen einem Herzschrittmacher ähnelt, wird der Kinn-Zungen-Muskel über den Zungennerv gezielt aktiviert. Dadurch bleibt der Muskel synchron zur Atmung in Bewegung und reduziert, bzw. verhindert Atemaussetzer“, berichtet Prof. Johannes Schultz, Chefarzt der HNO-Klinik. Das Einsetzen des Zungenschrittmachers erfolgt im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs über zwei kleine Hautschnitte an Hals und Brustkorb.

„Während des Eingriffs legen wir eine filigrane Manschette um einen bestimmten Teil des Kinn-Zungen-Nervs. An der Manschette befindet sich das Kabel, das zum Schrittmacher führt. Dieser wird in Brustnähe eingesetzt und das Kabel unter der Haut getunnelt“, erklärt Oberarzt Dr. Johannes Funcke, der zusammen mit Oberärztin Dr. Tasja Sokolowsky und Prof. Schultz die Zungenschrittmacher einsetzt.

Etwa vier Wochen nach der OP – solange dauert der Einheilungsprozess – wird Lutz Vercoulens Schrittmacher zum ersten Mal im Schlaflabor aktiviert. Unter Berücksichtigung seiner individuellen Bedürfnisse stellen die Experten den Schrittmacher optimal ein. „Ich bin von Anfang an gut mit dem Gerät und den Einstellungen zurechtgekommen“, fasst der gelernte Fliesenleger seine Erfahrungen zusammen. Tagsüber ist das Gerät nicht im Einsatz, vor dem Zubettgehen schaltet es Lutz Vercoulen per Fernbedienung ein. „Von der Stimulierung des Nervs bekomme ich im Schlaf nichts mit. Allerdings wache ich heute wieder ausgeschlafen auf und bin tagsüber fit und munter“.

Genauso wie seine Frau, die nun unbesorgt neben ihrem Gatten einschlafen kann. Gemeinsam unternehmen sie jetzt wieder lange Fahrradtouren am Niederrhein.

Zungenschrittmacher lässt 57-jährigen LKW-Fahrer wieder gesund durchschlafen