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„Ich lerne immer noch jeden Tag dazu“: Mark Bierther über seinen Weg vom Pflegepraktikanten zum Pflegedirektor

Mark Bierther hat als 16-Jähriger eher zufällig ein Pflegepraktikum im Helios Klinikum Siegburg gemacht. Knapp 20 Jahre später ist er Pflegedirektor für das gesamte Cluster Rhein-Sieg. Im Interview erzählt er, wie er in die Führung hineingewachsen ist, warum er heute mehr delegiert als früher und was er Pflegekräften rät, die selbst in eine Leitungsrolle wollen.

28.08.2026 Lesedauer: - Min.
„Ich lerne immer noch jeden Tag dazu“: Mark Bierther über seinen Weg vom Pflegepraktikanten zum Pflegedirektor

Mark Bierther ist Pflegedirektor im Cluster Rhein-Sieg bei Helios, zu dem neben dem Helios Klinikum Siegburg auch das Helios Klinikum Bonn/Rhein-Sieg gehört. Seine Geschichte mit dem Haus begann 2006, als er als 16-Jähriger ein Orientierungspraktikum im Helios Klinikum Siegburg absolvierte. Es folgte die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, dann die stellvertretende Stationsleitung im kardiologischen Bereich. Nach einer kurzen Zwischenstation in die Psychiatrie in Köln kehrte er 2015 nach Siegburg zurück, übernahm die Bereichsleitung der Helios Privatklinik und des Schlaflabors und studierte berufsbegleitend Pflegewissenschaften. Seit Januar 2020 ist er Pflegedirektor, heute für das gesamte Cluster Rhein-Sieg, und damit verantwortlich für mehrere hundert Mitarbeitende im Pflege- und Funktionsdienst.

Sie haben Ihr Pflegepraktikum und Ihre Ausbildung vor knapp 20 Jahren in Siegburg gemacht. Was hat Sie damals zur Pflege gebracht?

Es war eher ein glücklicher Zufall. Mit 16 Jahren wusste ich noch nicht, welchen Weg ich einschlagen wollte. Eine gute Freundin schlug mir ein Pflegepraktikum vor. Das passe zu mir, sagte sie. Und sie behielt Recht. So begann mein Weg, vom Praktikum bis zur Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger.

Was war der Moment, in dem Sie gemerkt haben, dass Sie in Richtung Führung gehen wollen?

Knapp ein Jahr nach meiner Ausbildung hat mich mein damaliger Pflegedirektor zu einem Gespräch gebeten und mir die Funktion als stellvertretende Stationsleitung im kardiologischen Bereich angeboten. In dieser Rolle konnte ich den Bereich weiterentwickeln und Prozesse optimieren. Das hat mich persönlich sehr gereizt. Von da an wusste ich: Ich möchte noch weiter.

Sie haben verschiedene Stationen und Bereiche geleitet, von der Kardiologie über die Privatklinik bis zum Schlaflabor. Was nehmen Sie aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen für Ihre heutige Rolle mit?

Ich habe gelernt, wie man sich auf wechselnde und dynamische Themen im Klinikumfeld einstellt und wie man auf die unterschiedlichen Berufsgruppen und ihre Bedürfnisse eingeht. Das war ein sehr wichtiges Learning und hilft mir enorm in meiner täglichen Arbeit.

Sie haben berufsbegleitend Pflegewissenschaften studiert. Wie haben Sie das neben dem Job gestemmt und was hat Ihnen das Studium für Ihre heutige Arbeit gebracht?

Aufgrund der Flexibilität im Pflegeberuf ließ sich das Studium gut mit dem Job vereinbaren. Im Studium habe ich die komplexe Organisation Krankenhaus wirklich verstanden und kann mich seitdem deutlich schneller in die unterschiedlichsten Themen einarbeiten.

Was bedeutet es konkret, Pflegedirektor für einen ganzen Cluster zu sein statt für ein einzelnes Klinikum? Was hat sich dadurch in Ihrem Alltag verändert?

Ich trage mehr Verantwortung, habe aber auch die Möglichkeit, eine standortübergreifende Strategie in den Bereichen Personalmanagement, Prozess- und Organisationsentwicklung zu etablieren, die dem gesamten Cluster zugutekommt. Was sich verändert hat: Ich musste lernen, mehr zu delegieren. Das fiel mir zu Beginn wirklich schwer. Inzwischen funktioniert es durch die Unterstützung meiner stellvertretenden Pflegedirektorin sowie der Bereichs- und Stationsleitungen in den Häusern sehr gut. Der Fokus liegt heute stärker auf konzeptionellem Arbeiten und weniger auf kurzfristigen Lösungsansätzen.

Sie sind verantwortlich für mehrere hundert Mitarbeitende. Wie schaffen Sie es, trotz dieser Größe nah an den Teams zu bleiben?

Meine Stellvertretung und ich bieten täglich eine offene Sprechstunde an den Standorten an. Außerdem werden wir regelmäßig von den Pflegeteams zu ihren Teamsitzungen eingeladen. Und wir versuchen, in regelmäßigen Abständen stundenweise in den Bereichen zu hospitieren, um nahbar zu bleiben.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die Pflege und wie gehen Sie als Pflegedirektor damit um?

Neben dem Fachkräftemangel sehe ich die hohe Belastung durch Dokumentationspflichten als ernste Herausforderung. Und die laufenden Reformen im Gesundheitswesen kommen hinzu: Die Pflege muss sich immer häufiger auf neue Vorgaben und Prozesse einstellen. Das bindet Energie, die an anderer Stelle fehlt.

Was würden Sie Pflegefachkräften raten, die selbst eine Führungsposition anstreben?

Sprechen Sie offen und proaktiv mit Ihren Vorgesetzten über Ihre Ziele. Zeigen Sie Initiative, bringen Sie Ideen ein. Wer wartet, bis jemand auf ihn zukommt, wartet manchmal sehr lange. Mein damaliger Pflegedirektor hat mich angesprochen, aber ich hatte bis dahin schon gezeigt, dass ich Verantwortung übernehmen will.