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Immer am Ball bleiben

Anna Berrischen ist seit August 2020 Klinikgeschäftsführerin der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen. Es ist nicht die erste Helios Klinik, die sie leitet, vorher war die Gesundheitsökonomin bereits an den Helios Kliniken in Duisburg und Bochum tätig. Im Interview spricht sie über ihren Werdegang als weibliche Führungskraft.

05. April 2024
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Glauben Sie, dass Ihr Weg nach oben schwieriger war als bei Männern?

Ich glaube nicht. Ich wurde von meinen durchweg männlichen Vorgesetzten immer gefördert. Und auch Familie und Karriere lassen sich bis heute gut vereinen. Denn ich war nicht bereit, aufgrund meines eingeschlagenen Weges als Geschäftsführerin auf Familie zu verzichten. Natürlich muss man Kompromisse machen. Nach einer recht kurzen Elternzeit bin ich beispielsweise für ein halbes Jahr in Teilzeit wieder eingestiegen und arbeite seitdem wieder in Vollzeit. Und ich bin immer am Ball geblieben, war nie ganz raus. Das muss man wollen.

Inwieweit unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem eines Mannes?

Viele Menschen denken immer noch in Geschlechterrollen und schieben den Geschlechtern verschiedene Attribute zu. Männer werden eher als machtbewusst, durchsetzungsstark, autoritär und selbstsicher beschrieben. Sie treffen schnelle Entscheidungen und führen mehr mit Ellenbogenmentalität. Die weibliche Führungsrolle wird eher emotional, sozial, kommunikativ und diplomatisch dargestellt. Entscheidungen werden besser abgewogen und Mitarbeitende miteinbezogen. Ich denke, dass es sich bei diesen Annahmen eher um Klischees handelt. Entscheidend für den Führungsstil und ob eine Person erfolgreich ist, ist die eigene Persönlichkeit, nicht das Geschlecht. Was sagt die Wissenschaft dazu? Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es keine nennenswerten Unterschiede zwischen dem Führungsstil eines Mannes und einer Frau gibt. Interessant ist aber, dass Unternehmen, die Frauen in Führungspositionen haben, wirtschaftlich erfolgreicher sein sollen.

Fakt ist, dass Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert sind. Das hängt aber sicherlich nicht vom Führungsstil ab, sondern eher von den Lebensumständen. Die Familienplanung führt häufig dazu, dass Frauen ihre Karriere aufgeben. Ich denke, hier müssen sich noch mehr Unternehmen für flexible Arbeitszeitmodelle öffnen, die es Müttern ermöglicht Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Was geben Sie Frauen mit, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Mutig sein. An sich selbst glauben. Sich nicht unterkriegen lassen. Es ist wichtig, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Ebenso gehört dazu, aus der Komfortzone herauszukommen und auch mal ungewohnte Situationen zu meistern. Sie sollten Herausforderungen positiv begegnen.

Man muss sich von dem Anspruch lösen, immer perfekt sein zu wollen, Fehler passieren. Wichtig ist, dass man zu diesen steht und aus ihnen lernt.

Und zuletzt: Sein privates Umfeld richtig aufstellen. Ein Netzwerk ist auch im privaten Umfeld unerlässlich, um sich den Rücken freizuhalten.