Internationale Fachkräfte gewinnen in der deutschen Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Mit ihnen wächst der Bedarf an strukturierter Begleitung: von der Berufsanerkennung, über Behördengänge, bis hin zur Integration ins Team. Am Helios Klinikum Berlin-Buch hat Csilla Rina-Szabo genau dafür eine eigene Abteilung aufgebaut. Sie verantwortet seit 2018 das internationale Recruiting und die Integration ausländischer Pflegefachkräfte und ist seit 2025 zusätzlich Antidiskriminierungsbeauftragte. Im Interview spricht sie über bürokratische Hürden, den Wert von Empathie und darüber, was es bedeutet, Menschen in einem fremden Land nicht nur zu beschäftigen, sondern wirklich willkommen zu heißen.
Wann und wie bist du zu Helios gekommen – und was hat dich dazu gebracht, im internationalen Recruiting zu arbeiten?
Von 2012 bis 2018 arbeitete ich bei einer auf Pflegefachkräfte und Ärzt:innen spezialisierten Recruiting-Firma. Dort leitete ich deutschlandweit Projekte und unterrichtete Pflegefachkräften die Fachsprache Pflege, beziehungsweise habe ich direkt auf sämtlichen Stationen gedolmetscht und dadurch Integrationsarbeit für Teams geleistet.
Irgendwann sah ich in einem Recruiting-Unternehmen keine Perspektive mehr. Stattdessen wollte ich meine Expertise direkt in einem Klinikum einsetzen, wo ich den Bewerbenden wirklich nah sein konnte. Ich habe mich initiativ im Helios Klinikum Berlin-Buch beworben, der dortige Personalleiter sah das Potenzial in mir und hat mich eingestellt. Dort habe ich aber schon sehr bald begonnen, das internationale Recruiting aufzubauen. Zuerst mit kleineren Projekten und Initiativ-Bewerbenden, später mit einem größeren Projekt. Ich habe zwei Sprachlehrerinnen eingestellt, sie in die Fachsprache Pflege und in die Arbeit mit medizinischen Angestellten eingearbeitet und somit ein kleines Team aufgebaut, mit dem ich die internationalen Bewerbenden vollumfänglich betreuen konnte. Mein Herzensprojekt galt immer den Menschen, die besonders benachteiligt in den Beruf starten wollten. Es begann zuerst 2019 mit dem Anschreiben von einer Berliner Flüchtlingsorganisation, die einer geflüchteten Person mit einem Abschluss in der Pflege aus Burkina Faso helfen wollte. Ich habe damals gemerkt, welche behördlichen Hürden vorhanden sind und wollte dagegen ein bisschen ankämpfen. Mittlerweile gibt es gut organisierte Netzwerke, die unsere Arbeit unterstützen.
Welche Aufgaben gehören zu deinem Alltag?
Mein Aufgabengebiet ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und umfasst heute sehr unterschiedliche Bereiche.
Ich organisiere das Anerkennungsverfahren für mehrere Fachbereiche: Pflege, ATA/OTA, MTL, Physiotherapie und weitere. Das bedeutet, ich stelle die Anträge mit Vollmacht für die Mitarbeitenden, begleite das gesamte Verfahren bei den Behörden und organisiere die Ausgleichsmaßnahmen, falls welche notwendig sind. Zusammen mit unserem Bildungszentrum habe ich bereits 2019/2020 ein Konzept für den Vorbereitungskurs auf die Kenntnisstandprüfung ausgearbeitet und habe geholfen, die Zulassung für die Abnahme der Kenntnisstandprüfung beim LaGeSo zu erwerben. Seitdem führen wir für Pflegefachkräfte diese Maßnahme durch und unterrichten zusammen mit meinen Kolleginnen selbst in dem Kurs den Teil der Fachsprache.
Seit rund zwei Jahren unterrichten wir im Bildungszentrum außerdem die Auszubildenden zur Pflegefachassistenz. Wir haben ein Kompetenztraining entwickelt, womit wir die verschiedenen Kompetenzen der Schüler:innen fördern können: schriftlicher und mündlicher Ausdruck, Sozialkompetenzen und mehr.
Ich beantrage das Visum und die Verlängerung von Aufenthaltstiteln der Mitarbeitenden und organisiere die Termine bei den Behörden. Das betrifft sowohl Mitarbeitende mit einem gültigen Visum als auch solche mit Flüchtlingsstatus. Letztere benötigen mehr Betreuung und persönliche Begleitung zu den Behörden.
Seit 2025 bin ich zusätzlich Antidiskriminierungsbeauftragte am Helios Klinikum Berlin-Buch. In dieser Rolle führe ich Gespräche mit Mitarbeitenden und Führungskräften, halte Vorträge für Teams und biete bei Bedarf Sensibilisierungstrainings an.
Was begeistert dich an deiner Arbeit am meisten und welcher Moment ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Was mich täglich antreibt, ist die Vielfalt der Aufgaben, die ständigen Perspektivwechsel und das Gefühl, Menschen wirklich unterstützen und fördern zu dürfen. Ich kann jeden Tag meine Fähigkeiten einsetzen, um das Beste aus vielseitigen Situationen herausholen zu können. Ich bin sehr lösungsorientiert und finde immer einen Weg. Das kommt mir und den Mitarbeitenden besonders bei Behördengängen zugute. Was mich dabei wirklich erfüllt: für die Würde der Menschen einzustehen.
Was ist aus deiner Sicht besonders wichtig, damit internationale Kolleg:innen gut in den Teams ankommen?
Vor allem: mitfühlende Offenheit. Empathie ist das Einzige, womit wir soziokulturelle Differenzen überwinden können. Die Sprache ist natürlich ebenfalls wichtig, aber die Neugier, andere kennenzulernen und offen für das 'Anderssein' zu sein – und darin eher einen Gewinn zu sehen – ist noch wichtiger.
Wie unterstützt du internationale Kolleg:innen beim Start in Deutschland und im Klinikalltag?
Meine Unterstützung beginnt bei Behördengängen und reicht bis hin zu Einzelgesprächen über soziokulturelle Unterschiede und dem Coaching interkultureller Kompetenzen. Dazu kommt die Begleitung bei ganz alltäglichen Fragen und Herausforderungen, die das Leben in einem neuen Land mit sich bringt.
Was verändert sich in Teams, wenn Kolleg:innen aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten?
Von beiden Seiten braucht es viel Geduld, Offenheit und die Bereitschaft, die Perspektive zu wechseln. Wenn das gelingt, gewinnt das Team an Flexibilität, Kreativität und Resilienz und das ist ein echter Mehrwert für alle.
Das Klinikum Berlin-Buch ist seit über einem Jahr Mitglied im Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Was bedeutet die Mitgliedschaft konkret für deine Arbeit?
Das Netzwerk unterstützt deutsche Unternehmen, die Geflüchtete beschäftigen. Es informiert über Gesetzesänderungen, behördliche Prozesse und neue Wege sowie Fördermöglichkeiten. Unternehmen können sich individuell beraten lassen und erhalten Begleitung bei konkreten Verfahren. Für mich ist es ein wertvolles Informations- und Unterstützungsnetzwerk, das mir hilft, immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben.