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„Ich möchte nicht nur Teil eines Systems sein, sondern es mitgestalten": Carolin Fritze über Führung bei der Helios Arbeitsmedizin

Von der Referentin für Gesundheitsmanagement zur Geschäftsführerin: Carolin Fritze hat ihren Weg bei Helios Schritt für Schritt gemacht. Im Interview unserer Reihe "Frauen in Führung" spricht sie offen über strukturelle Hürden für Frauen, einen Führungsstil, der auf Vertrauen statt Hierarchie setzt, und was sie jungen Frauen am Anfang ihrer Karriere mitgeben möchte.

03.06.2026 Lesedauer: - Min.
Carolin Fritze

Carolin Fritze ist seit 2017 bei Helios. Was als Stelle im Gesundheitsmanagement in Berlin-Buch begann, führte sie über die Personalleitung und Standortkoordination der Arbeitsmedizin bis zur Geschäftsführung der Helios Arbeitsmedizin. Im Rahmen unserer Reihe „Frauen in Führung“ haben wir mit ihr über ihren Weg, ihre Erfahrungen und ihre Überzeugungen gesprochen.

War Ihr Weg nach oben schwieriger als der von Männern?

Ja, definitiv herausfordernder. Frauen werden noch immer häufiger mit Inkompetenz assoziiert, während Männern Kompetenz eher selbstverständlich zugeschrieben wird.

Für mich ist es deshalb besonders wichtig, die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen kritisch zu reflektieren: Wo begegnen mir Systeme, die mich – und insbesondere andere Frauen – behindern? Als Führungskraft sehe ich es als meine Verantwortung, genau dort anzusetzen: meine Mitarbeiterinnen aktiv zu fördern und zu unterstützen, damit sie diese Erfahrungen nicht machen müssen.

Ich habe selbst erlebt, dass ich oft doppelt so viel leisten musste wie männliche Kollegen und gleichzeitig als „bossy“ wahrgenommen wurde, wenn ich klar und transparent geführt habe.

Inwieweit unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem eines Mannes?

Ich würde sagen: Der Mensch ist entscheidend, nicht das Geschlecht. Mein Führungsstil unterscheidet sich vor allem von klassischen Hierarchien: Ich bin ansprechbar, höre zu und gebe meinen Mitarbeitenden Verantwortung. Probleme dürfen offen angesprochen werden; idealerweise mit dem Anspruch, gemeinsam Lösungen zu finden.

Dabei lege ich großen Wert auf eine positive, lösungsorientierte Kommunikation. Ich bin überzeugt: Wenn wir respektvoll und auf Augenhöhe handeln und davon ausgehen, dass niemand dem anderen bewusst schaden will, entsteht echte Wertschätzung – durch Interesse und echten Kontakt.

Gab es einen Klick-Moment auf Ihrem Weg in die Führung?

Meine Zeit in der Ergotherapie, insbesondere auf der Intensivstation und Stroke Unit, hat mir gezeigt, wie entscheidend Organisation, Teamarbeit und schnelles, effektives Handeln sind, um langfristige Schäden zu vermeiden. Ich bin ein positiver und strukturierter Mensch und habe früh gemerkt, dass ich diese Stärken weiterentwickeln möchte.

Als ich in Berlin die Praxisleitung übernommen habe, wurde mir klar: In der Arbeitsmedizin kann ich genau das verbinden: Organisation, Führung und Gestaltung. Spätestens mit meiner weiteren Entwicklung im Helios FKE wurde mir bewusst: Ich möchte nicht nur Teil eines Systems sein, sondern es aktiv mitgestalten. Und ich bin Helios und vor allem meinem Team der Helios Arbeitsmedizin sehr dankbar, dass ich diesen Weg Schritt für Schritt gehen durfte.

Was geben Sie Frauen mit, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Setzt klare Grenzen. Sagt lieber einmal mehr „Nein“ als „Ja“ – denn jedes „Ja“ sollte auch ein „Ja“ zu euch selbst sein.

Und ganz pragmatisch: Investiert in gute Zeitmanagement-Fortbildungen. Gerade in Führungsrollen geht das schnell verloren und ist gleichzeitig entscheidend.