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Wie Wuppertal und Krefeld aus Auszubildenden Intensivpflegefachkräfte von morgen machen

Gute Intensivpflege entsteht nicht zufällig. Simone Hyun, Pflegedirektorin im Helios Universitätsklinikum Wuppertal, erklärt, wie das Exzellenzprogramm Intensivpflege Talente früh erkennt und einen Entwicklungsweg aufbaut, der schon in der Ausbildung beginnt.

04.08.2026 Lesedauer: - Min.
Pflegekräfte am Stationstresen

Simone Hyun ist Pflegedirektorin im Helios Universitätsklinikum Wuppertal. Gemeinsam mit dem Helios Klinikum Krefeld hat sie das Exzellenzprogramm Intensivpflege entwickelt: Einen strukturierten Entwicklungspfad für Auszubildende, die sich früh für die Intensivpflege interessieren. Das Programm begleitet sie von vertieften Praxiseinsätzen in der Ausbildung über den strukturierten Berufseinstieg mit „Klinikfit Intensivpflege“ bis hin zum frühen Einstieg in die Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Wuppertal und Krefeld entstanden?

Der Ausgangspunkt war ein gemeinsamer Bedarf: Wir brauchen in der Intensivpflege gut vorbereitete Nachwuchskräfte und müssen früher damit beginnen, Talente zu erkennen und zu binden. Wuppertal und Krefeld bringen dafür unterschiedliche, aber sehr gut ergänzende Stärken ein: Intensivpflege, Ausbildung, Praxisanleitung und Fachweiterbildung. Aus dieser gemeinsamen Perspektive ist die Idee entstanden, nicht nur einzelne Auszubildende für die Intensivpflege zu interessieren, sondern einen echten Entwicklungspfad aufzubauen, von der Ausbildung über das Examen bis zur Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege.

Woran erkennen Sie, welche Auszubildenden für das Programm geeignet sind?

Wir suchen nicht nach Auszubildenden, die schon fertige Intensivpflegekräfte sind. Entscheidend ist das Entwicklungspotenzial. Geeignet sind Auszubildende, die fachliches Interesse an komplexen Patientensituationen zeigen, zuverlässig lernen, reflektiert mit Rückmeldungen umgehen und ein gutes Verständnis für Verantwortung, Teamarbeit und Kommunikation entwickeln. Dazu kommen Rückmeldungen aus Schule und Praxis, Gespräche und die Einschätzung der Praxisanleitung.

Helios Universitätsklinikum Wuppertal - Campus Barmen

Pflegedirektion

Wichtig ist: Es geht nicht nur um Noten. Es geht um Haltung, Lernbereitschaft, Belastbarkeit, klinisches Denken und die Frage, ob jemand bereit ist, sich in einem anspruchsvollen Bereich gezielt weiterzuentwickeln.

Wie unterscheidet sich die Begleitung im Programm von einem regulären Praxiseinsatz auf der Intensivstation?

Ein regulärer Praxiseinsatz auf der Intensivstation dauert etwa vier Wochen und ist nicht verpflichtend. Er gibt nur einen zeitlich begrenzten Einblick. Das Exzellenzprogramm ist dagegen ein strukturierter Entwicklungsweg. Die Auszubildenden werden nicht einfach länger eingesetzt, sondern gezielt begleitet: mit klaren Lernzielen, Praxisanleitung, Reflexionsgesprächen, Skills-Training und enger Abstimmung zwischen Schule, Station und Praxisanleitung. Der zentrale Unterschied ist: Wir ziehen die Vorbereitung nach vorne, aber nicht die Verantwortung. Die Auszubildenden lernen im Schutzraum der Ausbildung, bevor sie nach dem Examen im vollen Leistungsdruck stehen.

Was passiert in den Lernmodulen und den Reflexionsrunden?

In den Lernmodulen geht es um Themen, die für die Intensivpflege besonders wichtig sind: klinische Beobachtung, Priorisierung, Monitoring, Kommunikation im interprofessionellen Team, Umgang mit Medizintechnik, Notfallsituationen, Schmerz, Delir, Mobilisation und Patientensicherheit. Die Reflexionsrunden sind genauso wichtig wie die fachlichen Inhalte. Dort können die Auszubildenden besprechen, was sie erlebt haben, was sie verunsichert hat und wo sie fachlich gewachsen sind. Sie nehmen daraus vor allem Handlungssicherheit, Orientierung und ein realistischeres Bild der Intensivpflege mit. Viele erleben dabei: Der Bereich ist anspruchsvoll, aber nicht unerreichbar, wenn die Begleitung stimmt.

Was erwartet die Teilnehmenden nach dem Examen im Programm „Klinikfit Intensivpflege“?

Nach dem Examen endet das Programm nicht abrupt. Mit „Klinikfit Intensivpflege“ schließt sich ein strukturierter Berufseinstieg an. Die jungen Pflegefachkräfte werden weiter begleitet, vertiefen intensivpflegerische Grundlagen und bauen Schritt für Schritt Sicherheit im Alltag auf. Das Ziel ist nicht, die Einarbeitung zu ersetzen, sondern sie anschlussfähiger zu machen. Die Absolvent:innen kennen den Bereich, das Team, zentrale Abläufe und typische Patientensituationen bereits, wenn sie anfangen.

Welchen Vorteil bringt der frühe Einstieg in die Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege?

Der frühe Einstieg schafft eine klare Perspektive. Junge Pflegefachkräfte wissen nach dem Examen nicht nur, dass sie auf der Intensivstation arbeiten, sondern sehen auch ihren nächsten fachlichen Entwicklungsschritt. Das stärkt die professionelle Identität, fördert die Bindung an die Klinik und verhindert, dass motivierte Nachwuchskräfte sich orientierungslos fühlen oder sich andere Wege suchen. Für die Kliniken ist es ebenfalls ein Vorteil: Qualifikation wird planbarer. In der Intensivpflege brauchen wir Kompetenzaufbau, Fachweiterbildung und langfristige Bindung. Das entsteht nicht zufällig, sondern durch eine bewusst gestaltete Laufbahn.