Stephanie König ist Oberärztin in der Anästhesiologie am Helios Klinikum Bad Saarow. Ihren Weg in die Medizin begann sie früh: über den Schulsanitätsdienst, das Ehrenamt im Sanitätsdienst/Katastrophenschutz, das Freiwillige Soziale Jahr in der Altenpflege, die Rettungsassistentenausbildung und schließlich das Medizinstudium. Seit 2013 ist sie bei Helios, wo sie ihre Facharztausbildung absolvierte und nach der Elternzeit zur Oberärztin aufstieg. Wir haben mit ihr über ihre Entwicklung und die Rolle von Weiterbildung im ärztlichen Dienst gesprochen.
Wie sind Sie zu Helios und zur Anästhesiologie gekommen?
Das Helios Klinikum Emil von Behring kannte ich bereits, da es in der Nähe des Wohnorts meiner Eltern liegt. Meinen ersten Berührungspunkt mit der Medizin hatte ich 1998 bei einem Erste-Hilfe-Kurs in der Schule. Wir hatten einen guten Ausbilder, der uns konkrete Fallbeispiele durchspielen ließ, das hat mich sofort für das Fach begeistert. Kurz darauf habe ich selbst einen Schulsanitätsdienst gegründet, dann die Rettungssanitäterausbildung gemacht, ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Altenpflege absolviert und anschließend die Rettungsassistentenausbildung abgeschlossen. Vor und während meines Medizinstudiums arbeitete ich im Rettungsdienst in Berlin.
Nach dem Studium habe ich mich unter anderem im Helios Klinikum Emil von Behring beworben. Es gab dort keine freie Stelle, der Chefarzt hat mich aber an Bad Saarow verwiesen. Ich habe einfach angerufen, und 45 Minuten nach meiner Bewerbung hatte ich einen Rückruf und eine Einladung zum Gespräch. Anfangs dachte ich: Erst einmal ein Jahr arbeiten, Erfahrung sammeln und dann schauen, ob ich näher nach Berlin gehe. Am Ende hat es aber so gut gepasst, dass ich jetzt nach 13 Jahren immer noch sehr zufrieden hier bin.
In Bad Saarow gibt es einen strukturierten Weiterbildungsplan mit Startkursen und jährlichen Karrieregesprächen. Was hat Ihnen daran besonders geholfen?
Ich habe als Berufsanfänger gleich in der Intensivmedizin begonnen und innerhalb der ersten drei Monate alle wichtigen Grundmodule absolviert – Schmerztherapie, Intensivmedizin-/Anästhesie-Basics. Dazu gab es fast täglich ein persönliches Teaching mit dem damaligen leitenden Oberarzt. Das waren eineinhalb Stunden, in denen wir strukturiert die Themen durchgearbeitet haben, die man wirklich beherrschen muss. Es bringt einem sehr schnell ein Sicherheitsgefühl, man merkt: Das kann ich, das weiß ich, ich kann mein Wissen in andere Situationen transferieren.
Parallel dazu wurde ich am Patientenbett praktisch angeleitet. In den ersten sechs Wochen habe ich alle Grundkenntnisse erlernt, die man auf einer Intensivstation können muss: vom Intubieren über das Legen arterieller Katheter bis hin zur Reanimation. Bei jedem Patienten, wo etwas zu tun war, wurde ich mitgenommen und angeleitet.
Was ich im Vergleich zu anderen Kliniken besonders an Helios schätze: Fortbildungen werden freigestellt und zu einem großen Teil finanziert. Das ist nicht selbstverständlich. In vielen Krankenhäusern müssen Fortbildungen in der Freizeit und auf eigene Kosten absolviert werden. Bei uns konnte ich mir die Schwerpunkte so setzen, wie es mich interessiert hat, zum Beispiel früh den Notarztkurs, später einen Echokurs. Das gibt einem die Möglichkeit, das eigene Profil aktiv mitzugestalten.
Gibt es Erfahrungen auf Ihrem Weg zur Oberärztin, die Sie besonders geprägt haben?
Bei uns hat jede:r im Team ein Mitspracherecht. Der Assistenzarzt darf genauso seine Gedanken einbringen wie der Oberarzt. Und das gilt auch für die Pflege, die den Patienten den ganzen Tag betreut. Diese Teamarbeit wird täglich gelebt.
Hinzu kommt die interprofessionelle Zusammenarbeit: Auf einer interdisziplinären Intensivstation kommt man mit den unterschiedlichsten chirurgischen und internistischen Fachdisziplinen in Berührung. Es wird ausdrücklich erwartet, den Kontakt zu den Kolleg:innen aktiv zu suchen und Rückfragen zu stellen. Dadurch konnte ich tiefe Einblicke in andere Fachrichtungen gewinnen und habe viel dazugelernt; weit über die Anästhesiologie hinaus. Das hat mich als Person nachhaltig geprägt.
Was macht aus Ihrer Sicht eine gute Weiterbildung für junge Ärztinnen und Ärzte aus?
Strukturiertes Arbeiten ist für Berufsanfänger:innen besonders wichtig. Es braucht klare Strukturen, und Ansprechpartner:innen müssen erreichbar sein – und zwar wirklich erreichbar. Wenn ein Problem auftritt, muss es im Zweifelsfall sofort gelöst werden können. Gerade in der Anästhesiologie, wo Assistenzärzt:innen früh eigenständig arbeiten, ist das von besonderer Bedeutung. Aus diesem Grund haben wir zum Beispiel eine Notfallnummer etabliert, über die alle Oberärzt:innen gleichzeitig erreicht werden können. Das war eine Idee, die unmittelbar aus den Rückmeldungen der Assistenzärzt:innen hervorgegangen ist.
Das Wichtigste aber ist das voneinander lernen. Vieles lässt sich in Kursen vermitteln, aber die entscheidenden Kompetenzen erlernt man im Arbeitsalltag; indem man die Arbeitsweisen verschiedener Kolleg:innen beobachtet und das übernimmt, was am besten zum eigenen Stil passt. Egal, ob Oberärzt:in, Fachärzt:in oder Assistenzärzt:in: von jeder Person lässt sich etwas mitnehmen. So entsteht ein persönliches Repertoire an Strategien, auf das man zurückgreifen kann, wenn es einmal nicht nach Plan läuft.
Darüber hinaus gilt es, eines weiterzugeben: Ruhe und klare Kommunikation in kritischen Situationen. Im OP kann es Momente geben, in denen Entscheidungen in Sekunden getroffen werden müssen. Man muss dann gleichzeitig denken, handeln, kommunizieren und Ruhe bewahren. Das lässt sich nicht in einem Kurs lehren. Es entsteht, indem man jungen Kolleg:innen Sicherheit, Wissen und praktische Fähigkeiten mit auf den Weg gibt.
Welche Empfehlung haben Sie für angehende Ärztinnen und Ärzte, die noch nach der richtigen Fachrichtung suchen?
Bereits im Studium entwickelt man ein Gespür dafür, was einen interessiert - im Praktischen Jahr lässt sich das dann vertiefen. Ich habe zum Beispiel mein chirurgisches Tertial auf einer Lebertransplantationsintensivstation absolviert, weil mich die Intensivmedizin schon immer fasziniert hat. So kann man früh seine persönliche Auswahl eingrenzen.
Der nächste Schritt: hingehen, bewerben, hospitieren. Und wer hospitiert, sollte unbedingt das Gespräch mit den Assistenzärzt:innen suchen; am besten mit denen, die bereits etwas weiter fortgeschritten sind. Sie können am aufrichtigsten Auskunft geben, wie das Team wirklich funktioniert, wie die Weiterbildung gestaltet ist und wie die persönliche Unterstützung aussieht. Das variiert erheblich von Klinik zu Klinik und von Abteilung zu Abteilung.
Und wer feststellt, dass die gewählte Fachrichtung doch nicht die richtige ist: Ein Wechsel ist heute kein Problem mehr. Früher sah man das kritischer. Was kann im schlimmsten Fall passieren? Man verlängert die Ausbildungszeit etwas und gewinnt wertvolles Wissen hinzu. Das ist es in jedem Fall wert.