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Kinderonkologie mit Tradition, Empathie und Expertise

Kinderonkologie mit Tradition, Empathie und Expertise

Krefeld

Erkrankt ein Kind an Krebs, braucht es die bestmögliche gesundheitliche Versorgung und liebevolle Begleitung sowie therapeutische und psychosoziale Unterstützung für die ganze Familie. Dies leistet das von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte Kinderonkologische Zentrum, das dabei von einem großen Netzwerk unterstützt wird.

Es beginnt meist unspektakulär. Manche Kinder klagen über Knochenschmerzen und wollen nicht mehr laufen. Andere haben unerklärliche blaue Flecken oder kleinste, flohstichartige Blutungen. Im Strandurlaub fällt den Eltern auf, dass der Bauch ihres Kindes seltsam ausladend ist. Oder die Kleinen erbrechen schon morgens, ohne etwas gegessen zu haben, möchten sich hinlegen und überstrecken den Nacken. Umso einschneidender ist es, folgt dann die Diagnose Krebs. Danach muss alles sehr schnell gehen, denn die Zellteilung verläuft bei Kindern deutlich zügiger als bei Erwachsenen, dementsprechend schnell wachsen auch die Tumoren. „Betroffene Familien benötigen dann einen kompetenten Ansprechpartner, der sie da durch begleitet“, sagt Dr. Nina Brauer. Seit 2008 ist sie Oberärztin der Kinderklinik am Helios Klinikum Krefeld. Die Disziplin hat eine bereits 50-jährige Tradition am Haus, das heute zu den wenigen nicht-universitären DKG-zertifiziert Kinderonkologischen Zentren gehört.

„Man muss schon Maximalversorger sein, sonst bekommt man die Anforderungen kaum gestemmt. Dazu gehören qualifiziertes Personal in verschiedensten Berufsgruppen, ein Team aus auf Kinder spezialisierten Operateuren, ein eigenes Kinderanästhesieteam für die Narkosen, ausreichend kinderradiologische MRT-Plätze und zahlreiche begleitende Angebote“, berichtet Brauer. Bevor sie dem Ruf nach Krefeld folgte, war sie in der Kinderonkologie einer großen Universitätsklinik tätig. „Der Vorteil ist, dass man dort viel Erfahrung sammelt“, erzählt sie, weist aber auch auf einen Nachteil hin: „Familien berichten uns häufig, dass sie dort jedes Mal auf andere Assistenzärzte stoßen, denen sie immer wieder ihre Krankengeschichte erzählen. In Krefeld sind wir ein kleines Team aus drei Oberärzten, einem Assistenten und einem Weiterbildungsassistenten. Bei uns liegt der Fokus auf der Patientenversorgung. Deshalb sehen die Eltern uns täglich, nicht nur einmal in der Woche im Rahmen der Chefvisite. Ein Vorteil ist auch, dass man ein gutes Bauchgefühl für die Kinder, ihren Charakter und ihr Verhalten entwickelt.“

Am Helios Klinikum Krefeld erfüllen die Kinderonkologen die wichtige Funktion eines Lotsen. „Wir koordinieren, dass für unsere kleinen Patienten alles optimal läuft. Dabei profitieren wir enorm von der langjährigen Erfahrung eines beständigen Teams und der engen Vernetzung hier am Haus. Über unsere wöchentliche interdisziplinäre Tumorkonferenz hinaus können wir kurzfristig genau die Spezialisten hinzuziehen, die wir benötigen.“ Es besteht eine enge Kooperation mit den Zentren in Essen, Hamburg und Ulm für Stammzelltransplantationen, und manche operativen Eingriffe sind so komplex, dass sie nur von wenigen Häusern in der Republik durchgeführt werden. Dann nehmen die Kinderonkologen Kontakt zu unterschiedlichen Kooperationspartnern in ganz Deutschland auf, mit genau den Experten für die jeweilige Erkrankung: „Wir hatten einen Patienten, der zusätzlich zu seiner Krebserkrankung einen Stoffwechseldefekt hatte. In dem Fall haben wir eine Klinik in Hamburg kontaktiert, die parallel auch auf Stoffwechselerkrankungen spezialisiert ist, um das Risiko einer Entgleisung in der Phase der Transplantation zu minimieren“, so Dr. Brauer.  

Zusätzlich zu den Ärzten steht den Familien ein großes, multiprofessionelles Team zur Seite. Jedes Jahr absolviert ein Mitglied aus dem Pflegeteam die Fachweiterbildung zur Onkologischen Fachpflegekraft. Die Mitarbeiter des psychosozialen Dienstes unterstützen bei der Beantragung von Zuschüssen, Krankengeld, Steuererleichterungen und ähnlichem. Denn: Wenn ein Elternteil sich um das kranke Kind kümmert und nicht mehr arbeiten kann, zieht dies häufig finanzielle Probleme nach sich. Die Spieleabteilung sorgt für Ablenkung bei Kindern jeder Altersgruppe. Darüber hinaus ist am Krefelder Klinikum die städtische Christophorus-Schule für Kranke beheimatet. Hier macht der Unterricht in den Kleingruppen oder alleine mit dem Lehrer Spaß, denn er bringt auch neue Freundschaften und Struktur in den Alltag – und sorgt dafür, dass die Kinder den Anschluss an das Schulwissen der jeweiligen Altersgruppe nicht verlieren.

So liegt die Heilungschance einer akuten Leukämie, welche den Großteil der Erkrankungen ausmacht, mittlerweile bei über 85 Prozent. „Die Kinderonkologie ist mittlerweile an einem Punkt, an dem wir nicht nur die Heilung im Blick haben, sondern auch versuchen, die Therapie soweit zu reduzieren, dass langfristige Komplikationen, die zehn oder zwanzig Jahre später als Folge der Behandlung auftreten können, vermieden werden“, erklärt Chefarzt Prof. Tim Niehues. In der Therapie wenden alle seriösen Ärzte im deutschsprachigen Raum die gleichen Standards an, die für jede Krebsart im Rahmen von Studien ausgewertet und in den sogenannten Therapie-Optimierungsprotokollen ständig verbessert werden. Hier wird genau festgelegt, welche Untersuchungen wann erfolgen müssen, wann operiert, wann bestrahlt oder welche Chemotherapie zu welchem Zeitpunkt gegeben wird. Zur Sicherstellung werden Patienten in Telefon- oder Videokonferenzen mit dem Zentrum besprochen, welche die jeweilige Studie leitet.

„Für den Großteil der Kinder, die wir betreuen, können wir eine Heilung erreichen. Das ist aber leider nicht immer möglich. Uns ist es dann wichtig, ihnen würdevoll zu helfen und die Familien durch diese schwere Phase zu tragen“, berichtet Dr. Brauer. Über diese gemeinsame Zeit baut das Team engen Kontakt zu den Eltern auf. „Das geht natürlich auch nicht spurlos an uns vorbei. Gerade als mein Sohn noch ganz klein war, gab es Überschneidungen, dass Patienten in einem ähnlichen Alter waren. Das ist dann noch schwerer. Mein Sohn weiß, dass es sein kann, dass ein Kind stirbt, wenn Mama nachts angerufen wird und losfährt. Damit ist er groß geworden“, berichtet Dr. Brauer. „Aber man bekommt sehr viel zurück von den Kindern und Familien. Insbesondere von den Eltern verstorbener Kinder. Das ist eine Bestätigung dafür, dass es gut und sinnvoll ist, was wir hier machen.“

Gerade auch die Eltern der Kinder, die am Klinikum verstorben sind, bleiben über den „Förderverein zugunsten krebskranker Kinder“ mit dem Haus verbunden. Der Verein hat mit dem Elternhaus „Villa Sonnenschein“ eine große Hilfe für betroffene Familien geschaffen. Besonders Familien, die von weiter weg kommen, bietet es ein Zuhause auf Zeit. „Die Standardtherapie von einem Hirntumor dauert etwa zwölf Monate. Das ist eine lange Zeit und vergleichbar mit einem Langstreckenläufer, der sich die Kraft und Energie einteilen muss“, sagt Dr. Brauer. Aber auch wenn kurzfristig etwas angeschafft werden muss oder Eltern finanzielle Hilfe benötigen, springt der Förderverein ein. Nicht zu unterschätzen ist auch die mentale Unterstützung der Mitglieder bei den Familien der etwa 50 neuerkrankten Kinder im Jahr. „Es ist ganz wichtig, dass die Eltern über den Förderverein Kontakt untereinander haben, denn Außenstehende, selbst im Freundeskreis, haben oft Berührungsängste“, weiß Prof. Tim Niehuis. Das enge Netzwerk begleitet auch die Geschwisterkinder durch diese Zeit. Auch sie leiden unter der Situation, bekommen weniger Aufmerksamkeit, müssen sich anpassen und können langfristig Probleme dadurch entwickeln. Im Umgang mit den erkrankten Kindern empfiehlt der Chefarzt den Eltern Offenheit: „Für die Kinder ist es essenziell, dass sie sich auf die Eltern verlassen können. Kinder merken schnell, wenn Eltern ausweichen. Dadurch entsteht Angst. Besser ist es, ihnen die Situation kindgerecht zu erklären.“

Auch für Kliniken und niedergelassene Ärzte ist das Team telefonisch immer ansprechbar. „Die Kollegen sind dankbar für eine Rückmeldung und möchten auch im weiteren Verlauf erfahren, wie die Entwicklung ist.“ Mit diesem Service konnte das Team jedes Jahr neue Kliniken hinzugewinnen und so kommen die Patienten schon lange nicht mehr nur aus Krefeld, sondern vom gesamten Niederrhein und aus dem Ruhrgebiet. Auch die Unikliniken überweisen Patienten nach Krefeld, wenn ihre Kapazitäten erschöpft sind.

Mehr Informationen finden Sie hier Kinderonkologie


Pressekontakt:
Marina Dorsch
Leiterin Unternehmenskommunikation
Helios Klinikum Krefeld
Telefon: (02151) 32 1433
E-Mail: marina.dorsch@helios-gesundheit.de