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Klinische Obduktionen

Bei dem Begriff „Pathologie“ denken viele zunächst an die innere Leichenschau und an Jan Josef Liefers alias Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner Tatort. Dabei sind Obduktionen nur ein kleiner Teilbereich unserer Aufgaben – wenn auch ein wichtiger: Sie liefern uns wertvolle Erkenntnisse über Todesursachen und Erkrankungen von Verstorbenen.

Im Rahmen einer Obduktion (auch als Autopsie oder Sektion bezeichnet) nehmen wir eine ausführliche äußere und innere Untersuchung eines Verstorbenen vor. Sie liefert nicht nur den Medizinern, sondern häufig auch den Angehörigen Antworten auf viele Fragen zum Krankheitsverlauf und zur Todesurache.

Angehörige finden Antworten

Nach dem Tod eines nahestehenden Menschen bleiben bei den Hinterbliebenen oft Fragen zurück:  Woran ist mein Angehöriger genau gestorben?  Sind Krankheiten zu Lebzeiten unentdeckt geblieben? Habe ich persönlich etwas falsch gemacht?

Am Ende bietet eine Obduktion den Angehörigen häufig Antworten, die dabei helfen, die Trauer zu bewältigen. Sie kann aber auch einen praktischen Beitrag zur Gesundheit nahestehender Hinterbliebener leisten, beispielsweise wenn beim Verstorbenen Erkrankungen festgestellt werden, die infektiös oder erblich übertragbar sind. Dieses Wissen ermöglicht die frühe Diagnose und Behandlung der Erkrankung bei den Angehörigen. Umgekehrt kann auch der Ausschluss von Erbkrankheiten beruhigend sein.

Außerdem können die Ergebnisse einer Obduktion Einfluss auf Entschädigungsleistungen an Angehörige haben, beispielsweise wenn berufsbedingte Erkrankungen vermutet werden.

Die Voraussetzung für eine klinische Obduktion ist in der Regel, dass der Verstorbene zu Lebzeiten sein Einverständnis gegeben hat oder die nächsten Angehörigen einverstanden sind.

Die Medizin entwickelt sich weiter

Obwohl der modernen Medizin zu Lebzeiten eines Patienten die zahlreichen Möglichkeiten der multimodalen Diagnostik zur Verfügung stehen, decken unsere klinischen Obduktionen in rund der Hälfte aller Fälle noch wesentliche Gesichtspunkte über Todesursache und Erkrankung eines Verstorbenen auf. Das macht sie zu einem wichtigen Instrument der klinischen Qualitätssicherung und gibt den behandelnden Ärzten einen tieferen Einblick in Todesursache und Krankheiten der Verstorbenen und hilft dadurch, das Wissen zu vergrößern und die Behandlung der Lebenden weiter zu verbessern.

Deshalb stellt der Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärzten eine wesentliche Säule unseres Instituts dar, denn die Pathologie ist ein Fach, das in alle Bereiche der Medizin hineinwirkt, neue Konzepte zur Behandlung von Erkrankungen, zum Beispiel anhand von Erkenntnissen aus der Zell- und Molekularbiologie, Molekulargenetik und Zytogenetik, mit entwickelt, in entsprechende Diagnostikverfahren umsetzt und weiter vermittelt.