Coronavirus: Hinweise und Besuchsregelung –> alle Infos

Leistung

Funktionelle Neurochirurgie: Zielgerichtete Schmerztherapie

Die Funktionelle Neurochirurgie befasst sich mit der operativen Normalisierung gestörter oder fehlerhafter Funktionen des Nervensystems, die medikamentös nicht oder nicht ausreichend behandelbar sind.

Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Zittern (Tremor) oder Epilepsie werden normalerweise medikamentös behandelt. Bei Patienten, die unter besonders schweren Formen leiden, kann die Wirksamkeit der Medikamente mit den Jahren nachlassen, gleichzeitig können schwere Nebenwirkungen die Lebensqualität beeinträchtigen. Mit dem neurochirurgischen Therapieverfahren der Tiefen Hirnstimulation können die Symptome nachhaltig gelindert werden.

An unserer Klinik bieten wir das gesamte Spektrum der Schrittmachertherapie des Nervensystems von der Tiefen Hirnstimulation über die Rückenmarkstimulation bis hin zu den verschiedenen Möglichkeiten der peripheren Nervenstimulation an. Das umfassende Behandlungsspektrum, modernste intraoperative Techniken und die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit aller betroffenen Fachdisziplinen ermöglichen es uns, für jeden einzelnen Patienten die bestmögliche Therapie zu planen und umzusetzen. In der Behandlung von chronischen Schmerzsyndromen besteht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Schmerzklinik. 

Unser Leistungsspektrum umfasst:

  • Chronische Schmerzsyndrome
  • Kopf-, Gesichts-, Rücken- und Leistenschmerzen sowie andere Nervenschmerzen
  • Angina pectoris 
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • Inkontinenz
  • Epilepsie
  • Bewegungsstörungen
  • Parkinson, Zittererkrankungen (Tremor) oder Dystonie

Wir bieten Ihnen folgende Therapieverfahren der Stimulation an:

Bei der Rückenmarksstimulation („spinal cord stimulation“ = SCS) werden Elektroden direkt am Rückenmark angesetzt, um Schmerzimpulse zu blockieren oder umzuleiten. Der dazugehörige Impulsgeber (Schrittmacher) wird unter die Haut implantiert. Er ist über dünne Kabel mit den Elektroden verbunden und sendet die korrigierenden Impulse.

Mit Hilfe einer kleinen Fernbedienung lässt sich die Stärke individuell steuern. Im Idealfall nehmen Sie anstelle der Schmerzen nur noch ein leichtes Kribbeln wahr. Der Eingriff selbst dauert rund eine Stunde und wird je nach Diagnose unter Voll- oder Lokalanästhesie durchgeführt.

Das Verfahren kommt vor allem in Frage für Patienten:

  • mit nahezu austherapierten Rücken- und Beinschmerzen
  • ausstrahlenden Brust-/Armschmerzen bei Herzenge (Angina pectoris)
  • Nervenschmerzen bei Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK)

Bei der Spinalganglienstimulation werden die Elektroden direkt an die betroffenen Nervenwurzeln im Spinalgang, der innerhalb der Wirbelsäule verläuft, eingesetzt. In einem zweiten Schritt wird ein Schrittmacher implantiert. Über eine Fernbedienung können Sie den Schrittmacher regeln und so Ihre individuelle Schmerzregulierung selbständig bestimmen.

Das Verfahren wird angewendet bei:

  • Schmerzsyndromen nach Verletzungen oder Operationen, wie z.B. Leistenbruchoperationen, Thorakotomien oder Brustentfernung 
  • Dekompressionen bei Karpaltunnel-, Sulcus-ulnaris- und Tarsaltunnel-Syndrom
  • Nervenschmerzen nach Knie- oder Hüftoperationen

Im Unterschied zur Rückenmarksstimulation, die sich auf die Bahnen des Rückenmarks konzentriert, kann die periphere Nervenstimulation (PNS) bei einzelnen Nervenfasern ansetzen, unabhängig von ihrer Lage. Dabei werden Elektroden in das den betreffenden Nerv umgebende Unterhautfettgewebe eingebracht.

Angewendet wird die periphere Nervenfeldstimulation bei lokalen, also begrenzten Schmerzzuständen:

  • therapieresistente, chronische Kopfschmerzen
  • lokale Schmerzareale im Bereich der Extremitäten, des Rumpfes und der Leisten

Bei der Tiefen Hirnstimulation werden dünne Stimulationselektroden durch kleine Schädelöffnungen bis in zentrale Bereiche des Gehirns eingeführt. Anschließend erfolgt die Implantation des Neurostimulators unter der Haut, meist im Bereich des Schlüsselbeines. Die Kabel werden unter der Haut geführt und mit den Elektroden verbunden. Die genaue Einstellung der Stimulationsparameter geschieht mit dem Controller – einer Art Fernbedienung – durch die Haut.

Das Verfahren wird angewendet bei:

  • Symptomen der Parkinson-Erkrankung
  • Dystonie
  • Epilepsie
  • zur Schmerztherapie
  • bei psychiatrischen Erkrankungen wie Tourette-Syndrom, Zwangserkrankungen, Angststörungen und chronischen Depressionen

Der Motorcortex ist ein Bereich der Großhirnrinde, von dem aus Bewegungen gesteuert werden. Dieser lässt sich durch Plattenelektroden stimulieren, die auf oder unter der Gehirnhaut eingesetzt werden. Anders als bei peripherer Nervenstimulation oder Rückenmarksstimulation nimmt der Patient kein leichtes Kribbeln wahr.

Der Operation folgt eine umfangreiche Testphase: Dabei werden die optimalen Stimulations-Parameter ausgetestet und die erreichbare Schmerzreduktion genau protokolliert. Verläuft die Testphase erfolgreich und treten keine Nebenwirkungen auf, kann der Neuromodulator unter Vollnarkose unterhalb des Schlüsselbeins implantiert werden.

Die Motorkortexstimulation (MCS) wird bei folgenden Krankheitsbildern eingesetzt:

  • chronischen Schmerzen nach Plexusverletzungen (Ausriss von Nervenwurzeln)
  • chronischen bzw. atypischen Gesichtsschmerz
  • Stumpfschmerzen und Phantomschmerzen nach Verlust von Gliedmaßen (insbesondere Arm)
  • zur Neurorehabilitation von Lähmungen nach Schlaganfällen und Hirnblutungen

Durch die Sakralnerven-Stimulation werden Nervenfasern im Bereich des Kreuzbeins (Sakrum) angesprochen, die die Blase und den Schließmuskel versorgen. Durch die Stimulation der zuständigen Nerven durch leichte elektrische Impulse kann die Koordination zwischen Gehirn, Beckenboden, Blase und Darm sowie deren Schließmuskeln verbessert werden.

In der Testphase werden zunächst die Elektroden im Sakralbereich am unteren Rücken eingesetzt und an einen externen Impulsgenerator angeschlossen. Dieses Gerät wird zunächst am Gürtel getragen. Verläuft die mehrtägige Testphase zufriedenstellend, wird ein kompakter Schrittmacher über dem Gesäß implantiert.

Diese Therapie wird bei Patienten durchgeführt, bei denen konservativen Behandlungen der Harn- und Stuhlinkontinenz keine Erfolge gebracht haben.

Neuromodulationssprechzeit

Telefon

(02151) 32-1335

Öffnungszeiten

Freitag (einmal monatlich): 9:00 - 15:00 Uhr

Dr. med. Christian Wille

Leiter der Funktionellen Neurochirurgie
Dr. med. Christian Wille

E-Mail

Telefon

(02151) 32-1335