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Reportage

Operationstechnische-Assistentin (OTA)

Operationstechnische-Assistentin (OTA)

Lisa Portnova leistet jeden Tag höchste Konzentration am gedeckten Tisch. Wir haben Sie einen Tag lang begleitet.

Es geht um Leben und Tod. Die Ärzte kämpfen in höchster Konzentration um das Leben des Patienten auf dem Operationstisch, jeder Millimeter, jede Sekunde ist entscheidend. Dem Chirurgen läuft ein Schweißtropfen über die Stirn. „Schwester, Tupfer!“ raunt er gedämpft durch den Mundschutz. Die Assistentin neben ihm reagiert sofort und wischt den Tropfen weg. – Man kennt diese Szene aus unzähligen Kinofilmen und Fernsehserien. Aber wie so oft verdeckt das Klischee, was für einen anspruchsvollen Beruf die Operationstechnische Assistentin (OTA) tatsächlich ausübt ...

Lisa Portnova hat einen anstrengenden Tag hinter sich, trotzdem wirkt sie entspannt und zufrieden. Eine Nieren-Operation, eine radikale retropubische Prostatektomie und eine Zirkumzision hat sie heute in ihrer Funktion als OTA erfolgreich begleitet und dafür mehrere Stunden lang in höchster Konzentration gearbeitet. „Ich merke gar nicht, wie die Zeit vergeht“, berichtet sie. „Bei einer Operation bin ich so fokussiert, dass die Stunden nur so vorüberfliegen.“ Um den Operateuren, mit denen sie zusammenarbeitet, assistieren zu können, muss sie die einzelnen Schritte der jeweiligen Operation genauso gut kennen wie diese selbst – und dabei stets auch auf das Unvorhergesehene vorbereitet sein, um in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung zu treffen. „Ich muss schon wissen, welches Instrument benötigt wird, bevor mich der Operateur danach fragt“, weiß sie. Im Idealfall herrscht blindes – oder besser gesagt: stummes – Verständnis zwischen den einzelnen Mitgliedern eines OP-Teams. Die im Krankenhausbetrieb sonst vorherrschenden klaren hierarchischen Strukturen verschwimmen während einer Operation: „Im OP kommt es auf das Funktionieren des Teams als Ganzes an. Die Arbeitsatmosphäre ist daher immer von gegenseitigem Respekt geprägt“, erklärt Lisa. Alle sind hier gleichermaßen wichtig und der beste Chirurg nur so gut wie sein/e Assistentin.

Jeden Tag erhält Lisa einen Plan mit den am nächsten Tag bevorstehenden Eingriffen. Ihre Aufgabe ist es dann, das nötige Equipment und die Geräte zusammenzustellen. Am OP-Tag bereitet sie den Operationssaal vor, stellt noch einmal sicher, dass alle technischen Geräte einwandfrei funktionieren, und öffnet das Sieb mit den sterilen Instrumenten. Anschließend werden der „Tisch gedeckt“ und die Vollständigkeit aller nötigen Artikel geprüft. Erst dann kommt der bereits narkotisierte Patient in den Saal. „Ich lerne die meisten Patienten nicht in wachem Zustand kennen“, erzählt sie. Vor dem ersten Schnitt gibt es das sogenannte Timeout: Noch einmal wird zusammengefasst, welche Operation durchgeführt wird und welche Schritte dafür erforderlich sind. „Sobald die Operation beginnt, gerate ich in einen Flow“, versucht Lisa den speziellen Zustand zu beschreiben, der sie bei der Ausübung ihres Handwerks erfasst. „Dank der Routine, die ich mittlerweile erworben habe, funktioniere ich dann fast automatisch, ohne über die einzelnen Handgriffe noch groß nachdenken zu müssen.“ Das ist ein bisschen so wie Musizieren: Um sich von der Arbeit zu entspannen, spielt die 30-Jährige Geige.

Nach ihrem Abitur informierte sich Lisa über eine Ausbildung im medizinischen Bereich. Der Beruf der/des OTA wurde vor mehr als zehn Jahren neu geschaffen. Vorher setzte man überwiegend Krankenschwestern oder Pfleger ein, die sich die nötigen Qualifikationen in einer separaten Fachweiterbildung  aneigneten. Nach einigen Praktika absolvierte Lisa ihre Ausbildung in Kaiserswerth, dann fand sie schließlich die Anstellung am Helios Klinikum Krefeld. An ihrem Beruf schätzt sie die Abwechslung, die damit einhergeht, jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert zu werden. „Wenn ein Notfallpatient eintrifft, muss der ursprüngliche Tagesplan entsprechend angepasst werden“, weiß sie aus Erfahrung. „Dann ist es wichtig, dass ich mich schnell auf die neuen Gegebenheiten einstelle.“ Dazu kommen immer wieder technische Neuerungen, etwa das computerassistierte Operieren. Hier hält ein Roboter die feinen Geräte und führt die notwenigen Bewegungen aus, die der Operateur über ein Kontrollpult vorgibt. Angst vor diesen Veränderungen hat Lisa nicht. Im Gegenteil: Sie sieht ihnen mit Vorfreude entgegen. Nach fünf Jahren weiß sie außerdem, dass sie sich auf ihr Know-how und ihre Routine verlassen kann. Natürlich ist auch sie in ihrer Arbeit nicht frei von Fehlern. „Dann ist es wichtig, offen und ehrlich damit umzugehen, zu reflektieren oder das Gespräch zu suchen“, beschreibt sie ihre Strategie. Und neben aller Anspannung sind Erlebnisse wie die Teilnahme an einer Geburt oder eine erfolgreiche, hochkomplexe Operation immer wieder Geschenke, die manche Belastung ausgleichen. Wenn sie junge Menschen für ihren Beruf gewinnen sollte, würde sie sie gerne mit in den Operationssaal nehmen und dort an der einzigartigen Atmosphäre teilhaben lassen, an der Freude, die damit einhergeht, unter höchster Anspannung gemeinsam Präzisionsarbeit zu verrichten. Doch trotz ihrer Liebe zum Beruf der OTA soll er für Lisa nicht die letzte berufliche Station sein. Derzeit studiert sie nebenher Health Care Management an der FH Niederrhein. „Ich möchte gern auch die andere, organisatorische Seite des Krankenhauswesens kennenlernen“, gesteht sie. Ihre aktuelle Tätigkeit ist ein idealer Einstieg dafür. Berufseinsteiger jedenfalls können sich auf ein spannendes Arbeitsumfeld freuen, in dem weitaus größere Aufgaben warten, als Schweiß abzutupfen. _Oliver Nöding

 

Kontakte für Interessierte:

Der nächste Ausbildungskurs an der Schule für Operationstechnische Assistenten am Helios Bildungszentrum Krefeld startet zum 1. März 2020.
Dauer: 3 Jahre; Christoph Graß, Tel. (02151) 32-1419, christoph.grass@helios-gesundheit.de

Examinierte OTAs: Elke Schmidt-Schreiner, Pflegedirektorin, Tel. (02151) 32-42 53, elke.schmidt-schreiner@helios-gesundheit.de