Im Gespräch mit Katrin

Katrin begann ihre Karriere im Krankenhaus als Kinderkrankenschwester. Sie wurde aber gefördert und nutzte viele Gelegenheiten, die sich ihr boten. Heute ist sie stellvertretende Pflegedirektorin am Helios Klinikum Emil von Behring und setzt sich für die Themen und Belange von mehr als 400 Kolleginnen und Kollegen ein.

Katrin, du hast noch die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester gemacht, wie es früher hieß. Wann war dir klar, dass du diesen Beruf ergreifen möchtest?
Das war in der 9. Klasse. Die Schule ermunterte uns damals, sich Gedanken über die eigene Zukunft zu machen. Ich hatte darüber nachgedacht Medizin zu studieren oder Anästhesie-Schwester zu werden, also Narkose-Schwester im OP. Ich habe dann aber ein Praktikum im Kindergarten gemacht und hatte es dort natürlich auch mit kleinen Wehwehchen und aufgeschürften Knien zu tun sowie mit Eltern, die sich Sorgen und Gedanken machen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt: Wenn ich ins Krankenhaus gehe, dann nur auf die Kinderstation.

Und heute: Hast du deine Entscheidung jemals bereut?
Keinen Augenblick! Kinder öffnen Horizonte. Sie animieren einen dazu, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Und das macht auch das Besondere im Miteinander mit den kleinen Patienten aus: Wir lernen von den Kindern, und die Kinder lernen von uns – selbst wenn sie in der Regel nur ein paar Tage bei uns sind und der Grund hierfür kein angenehmer ist. Aber wir können neben der Pflege auch an der Entwicklung der Kinder teilhaben. Natürlich erziehen wir sie nicht, aber wir können ihnen manchmal Werte und Regeln vermitteln, die sie von zuhause vielleicht nicht kennen.

Jetzt arbeitest du nicht mehr als Kinderkrankenschwester. Wie hast du dich im Laufe der Zeit weiterentwickelt?
Ich wollte immer nur Kinderkrankenschwester sein. Weiter habe ich nie geplant. Vieles ist mir dann einfach „so passiert“, weil ich tolle Unterstützung hatte und ich oftmals auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war. Das fing schon früh an: Eine Stationsleitung hatte mich über meinen Kopf hinweg zu Mentoren- und Leitungskursen angemeldet. „Mach es jetzt. Du wirst es brauchen“ sagte sie und heute bin ich ihr sehr dankbar, dass sie so weitsichtig war.

Dann wurde plötzlich die Stelle als stellvertretende Stationsleitung frei, auf die ich mich beworben habe. Hier hatte ich immer noch mit Patientinnen und Patienten zu tun, aber auch mit Verwaltungsaufgaben und anderen Themen. So habe ich damals den Umzug unserer Station zum Standort in Zehlendorf organisiert und bin dann hier sogar Stationsleiterin geworden. Ich war wunschlos glücklich.

Aber auch dann ging es noch weiter: Als es hieß, dass zwei Stationen zu einem Bereich zusammengelegt werden sollen, wurde ich gefragt, ob ich die Bereichsleitung übernehmen möchte. Da habe ich erst mal schlucken müssen. Das ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Ich habe auch lange überlegt, ob ich es wirklich machen möchte. Am Ende habe ich aber gesagt „Ich mach’s!“ und hab’s dann auch fünf Jahre getan.

Ich gebe zu, ich vermisse den Kontakt zu den kleinen Patientinnen und Patienten und zu meinem alten Team. Wenn die Sehnsucht zu groß wird, geh ich auf einen Kaffee einfach zu ihnen.

Katrin P.

Und heute?
Ich brauche immer Aufgaben, die mich fordern und gleichzeitig dafür sorgen, dass ich im Kopf fit bleibe. Das wissen meine Vorgesetzten wohl auch (sie lacht). Denn nach fünf Jahren standen sie wieder vor mir und haben mich gefragt, ob ich mich als Assistentin der Pflegedirektion bewerben möchte. Auch wenn diese Stelle zunächst nur auf ein Jahr befristet war, war das eine tolle Chance, die ich ergriffen habe. Und mein Mut wurde sogar doppelt belohnt: Seit Mitte des Jahres bin ich sogar stellvertretende Pflegedirektorin.

Herzlichen Glückwunsch! Würdest du sagen, dass man in der Pflege bei allen Herausforderungen auch gute Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung hat?
Absolut! Es gibt in der Pflege ganz viel Entwicklungsmöglichkeiten. Ich hatte die Chance meinen Weg Schritt für Schritt zu gehen und wurde dabei von vielen unterstützt. So wie meine damalige Stationsleiterin zu mir sagte „Mach das! Du wirst es brauchen.“ sage ich das vielen meiner Kolleginnen und Kollegen heute. Die Pflege bietet viel mehr als viele auf den ersten Blick vielleicht vermuten – auch wenn das Schönste, immer der Kontakt zum Patienten ist.

Warum arbeitest du immer noch gern hier im Haus?
Da gibt es mehrere Gründe: Zum einen mag ich die Lage des Krankenhauses. Für manche mag es vielleicht weit weg sein, da wir schließlich knapp an der Stadtgrenze zu Kleinmachnow sind. Aber gerade das mag ich. Es ist grün hier und der Trubel hier vor Ort hält sich auch in Grenzen. Zum anderen finde ich, dass es trotz der Größe des Krankenhauses mit seinen Fachbereichen immer noch recht überschaubar ist und auf jeden Fall familiär. Das finde ich schön. Und natürlich sind die Kolleginnen und Kollegen alle toll.

Die Pflege ist einfach geil!

Katrin P.

Seien wir ehrlich: Nicht alles läuft rund in der Pflege, oder?
Es stimmt, dass im Laufe der Jahre viele Verwaltungsaufgaben dazu gekommen sind. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass wir einfach mehr Pflegekräfte brauchen. Was ich aber wirklich richtig schlimm finde, ist, dass der Beruf der Pflege in der Gesellschaft nicht mehr die Anerkennung erfährt, wie das früher der Fall war: Wir sind dann nur noch „Topfkellner“ oder sorgen dafür, dass die Patienten „satt und sauber“ sind und mehr nicht. Das tut mir weh. Weil es einfach nicht stimmt. Pflege leistet unglaublich viel – nicht zuletzt, weil wir in einer Welt leben, in der die Medizin immer weitere Fortschritte macht, und wir alle älter werden und deshalb immer mehr auf die Pflege angewiesen sein werden.

Was wünschst du dir für deinen Beruf?
Ich wünsche mir, dass die Pflege wieder mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten aber auch für die Kollegen im Team und für sich selbst bekommt. Letztlich müssen die Pflegetätigkeiten und der Patient wieder stärker im Mittelpunkt stehen als es heute zum Teil der Fall ist. Aber bei allen Herausforderungen bleibe ich dabei: Die Pflege ist einfach geil.