„Zu Beginn wusste niemand, worauf wir uns einlassen“

„Zu Beginn wusste niemand, worauf wir uns einlassen“

Sarah Wendler arbeitet seit Januar 2020 im Helios Park-Klinikum Leipzig. Als Teil des Pflegepools wechselt die examinierte Pflegekraft zwischen fünf verschiedenen Stationen, je nach Bedarf. Mit Eröffnung der Covid-Station erklärt sie sich ohne Zögern bereit, ihre Expertise dort einzusetzen. Dank langjähriger Erfahrung in der Infektiologie leistet sie einen wichtigen Beitrag – mit Fachlichkeit und Resilienz.

„Ich habe zwei Kinder und die Große ist im Sommer 2018 in die Schule gekommen. Meinen Kindern zuliebe wollte ich raus aus den Schichten“, erzählt Sarah Wendler über ihren Weg zu Helios. Sie habe eine Zeit lang in einer ganzheitlichen Praxis gearbeitet, doch als eine Kollegin ihr vom Prinzip des Pflegepools und seinen Vorzügen berichtet, ist sie sofort begeistert.

Ich kann meinen Dienstplan selbst schreiben und sehe unheimlich viele Krankheitsbilder – die Abwechslung ist wirklich toll.

Sarah Wendler, examinierte Pflegekraft im Park-Klinikum Leipzig

Das Team rückt zusammen

Mit Beginn der ersten Welle wird die erste Covid-Station am Standort Leipzig, die gemeinsam vom Herzzentrum und Helios Park-Klinikum betrieben wird, eingerichtet. „Ich wurde für die neue Station angefragt und war natürlich gerne mit dabei.“ Denn für die Pflegekraft sind das Infektionsrisiko und die Schutzmaßnahmen nichts Neues – im Gegenteil:

Es fühlte sich irgendwie wie Heimat an. Ich war im Klinikum St. Georg zehn Jahre in der Infektiologie. Das ist mein Steckenpferd.

Seit der zweiten Welle ist Sarah Wendler zurück auf der Covid-Station. Sie schätzt den unglaublichen Zusammenhalt im Team. Man müsse sich ganz anders auf Kolleginnen und Kollegen verlassen können. „Ich persönlich finde es wirklich schön, dass wir jetzt nochmal viel näher zusammengerückt sind“, reflektiert sie dankbar. „Wir sind wirklich ein Team. Und alle sind gleich, finde ich. Ob Schüler:in, Krankenpflegehelfer:in oder Pflegekraft. Alle haben an einem Strang gezogen“, erinnert sie sich. „Zu Beginn wusste niemand, worauf wir uns einlassen, auch die Ärztinnen und Ärzte nicht. Da war jeder Tag anders und neu. Mittlerweile läuft es aber!“

Lebensfreude mitgeben

Die gegenseitige Unterstützung hilft, gemeinsam durch die schwere Zeit zu gehen. Sarah Wendler versucht mit ihrer Resilienz und ihrem Durchhaltevermögen Kraft zu spenden – für Patientinnen und Patienten ebenso wie im Team. „Das ist auch eine Typfrage. Ich denke, dass nicht jeder hier arbeiten kann“, sagt die Pflegekraft nachdenklich. Sie habe seit Ende ihrer Ausbildung 2008 nicht so viele Menschen aus dem Leben scheiden sehen, wie im letzten Jahr. Eine psychische Herausforderung, der sie sich professionell stellt: „Ich lass das halt nicht an mich ran und versuche, die Patientinnen und Patienten ein bisschen mitaufzuheitern.“ So kräftezehrend die letzten 12 Monate auch waren – Sarah Wendler fühlt sich während ihrer täglichen Arbeit sicher – und schenkt Zuversicht:

Ich habe genug Erfahrung, um jetzt keine Angst haben zu müssen. Wir sind hier alle in einer komischen Situation – man versucht einfach, etwas Lebensfreude mitzugeben.