„Hoffnung ist keine Taktik – Eine Pandemie bedeutet extremst harte Entscheidungen“

„Hoffnung ist keine Taktik – Eine Pandemie bedeutet extremst harte Entscheidungen“

Die Geschäftsführung einer Klinik übernehmen, das klingt nach einer komplexen Herausforderung. Facettenreiche Aufgaben, weitreichende Entscheidungen, Verantwortung für mehrere tausend Menschen. Julian Zimmer und Sabine Anspach dürfen diese Reise am Helios Standort Leipzig erleben – mit einer Besonderheit: Als die Beiden in ihrer Rolle hier beginnen, beginnt auch die Pandemie. Über eine Anfangszeit der etwas anderen Art.

Anspach

Frühjahr 2020: Während andere europäische Länder vom Corona-Virus in den absoluten Ausnahmezustand versetzt werden, befindet sich Deutschland in Habachtstellung. Man macht sich auf das Schlimmste gefasst. In diesen Wochen findet am Helios Standort Leipzig ein Wechsel der Geschäftsführung statt. Im März 2020 übernimmt Julian Zimmer die Geschäftsführung des Helios Park-Klinikums. Anfang April 2020 gesellt sich Sabine Anspach in der Standortleitung zu ihm – als Geschäftsführerin des Herzzentrums. „Ich bin aus München hergekommen, dort waren wir ja schon massiv von der Pandemie betroffen. Das heißt, ich hatte mich bereits einen Monat länger mit dem Thema beschäftigt“, erzählt Sabine Anspach, die zuvor zwei Helios Kliniken in München leitete. „Sabines Erfahrungen waren super wertvoll, weil sie das alles schon viel extremer erlebt hatte“, erinnert sich Julian Zimmer, „wir passen sehr gut zusammen. Ich bin eher ruhig, besonnen und es bedarf schon viel mich aus der Ruhe zu bringen. Und du gehst energetisch mit vollem Elan voran, richtet er sich an seine Kollegin Sabine Anspach, „ich glaube, wir passen wie Topf und Deckel zusammen. Wir harmonieren richtig gut.“

Startschuss: Das neue Führungstandem

Eine der ersten Amtshandlungen zum Schutz vor der Pandemie ist das Einberufen des Krisenstabes. Dieser setzt sich neben der Geschäftsführung aus der Pflegedirektion und ärztlichen Direktion, sowie Hygieneverantwortliche und einzelne Abteilungsleitungen zusammen.

Ich finde es extrem wichtig, als Team zu arbeiten. Das ist ein roter Faden, der sich komplett durchgezogen hat. Wir sind nur so gut durch diese Zeit gekommen, weil wir als Team funktioniert haben. Hausübergreifend. Der ganze Krisenstab ist ja zusammengewürfelt aus Mitarbeitenden vom Park-Klinikum und Herzzentrum. Ich glaube, das war unser Erfolgsrezept.

Julian Zimmer, Geschäftsführer Helios Park-Klinikum

Der Blick ins Ungewisse

Als den Reiz seines täglichen Berufs beschreibt Julian Zimmer unter anderem die Abwechslung. „Es passiert jeden Tag – wirklich jeden Tag – etwas, womit man nicht rechnet. Man lernt so viele Facetten kennen. Ich finde es extrem motivierend, in einem Bereich zu arbeiten, in dem ich das Gefühl habe, etwas Gutes zu bewirken.“ Dem gegenüber steht eine Verantwortung, die fast über das Vorstellbare hinausgeht. Sabine Anspach wagt eine Beschreibung:

Stellen Sie sich vor, Sie sind jeden Tag, jede Minute für alle Patient:innen und Mitarbeitenden in Ihrem Haus verantwortlich. Egal was passiert: Sie sind endverantwortlich.

Sabine Anspach, Geschäftsführerin Herzzentrum Leipzig

Ein Gedanke, der sicher vielen Schweiß auf die Stirn treibt – besonders unter Pandemiebedingungen.

Beide betonen, wie sehr ihr Beruf ihnen gefällt. Trotz widriger Umstände, trotz nicht enden wollender Herausforderungen. Frau Anspach spricht aus, was alle zu spüren bekommen: „Letztendlich muss man faktisch sagen: Wir haben ein Jahr hinter uns, indem wir zwischen bescheidenen Optionen wählen konnten – schlechte Optionen mit knappen Ressourcen“, beschreibt sie frei heraus, „eine Pandemie bedeutet extremst harte Entscheidungen.“

Gemeinsam stark

Die Entscheidungen, die Sabine Anspach und Julian Zimmer täglich treffen, entstehen im Austausch mit den Führungskräften – den Repräsentanten der Mitarbeitenden. Viele dieser Entscheidungen betreffen am Ende den Arbeitsalltag jedes und jeder Einzelnen. Gegenseitiges Vertrauen spielt dabei eine große Rolle. Sabine Anspach lebt ihr Credo, nichts von den Mitarbeitenden zu verlangen, was sie nicht selbst bereit wäre zu tun. Während der Weihnachtszeit 2020 arbeitet sie darum auf einer der Covid-Stationen mit. Sie lernt Fachbegriffe, Abläufe und Laborgeräte kennen, arbeitet körpernah an Patient:innen und merkt den Unterschied zwischen Lauf- und Stehschuhen. Einige Erkenntnisse sitzen tief:

Ich habe gelernt, wie emotional schwierig diese Arbeit sein kann. Einen Covid-Patienten über mehrere Tage in einem Intensivsetting zu begleiten, obwohl man Tage vorher schon weiß, dass er das voraussichtlich nicht schaffen wird. Er darf seine Familie nicht sehen und weiß im Zweifel, was seine Sauerstoffwerte bedeuten und auch, was ihm bevorsteht. Das ist für alle Beteiligten unglaublich belastend.

erzählt Sabine Anspach.
Zimmer

Die ständige Auseinandersetzung mit ihrem Arbeitsumfeld ist beiden sehr wichtig. „Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefuttert. Ich weiß, dass wir das alles nur im Team gemeinsam hinkriegen“, sagt Julian Zimmer nachdrücklich. Das schier grenzenlose Engagement der Mitarbeitenden aller Bereiche beeindruckt die beiden Geschäftsführenden. „Dieser Einsatz macht mich unglaublich stolz. Es gab Pflegekräfte, die auf Covid-Stationen gearbeitet und hier übernachtet haben, weil sie ihre Familienmitglieder nicht anstecken wollten. Das fand ich so aufopferungsvoll“, fährt er fort. Seine Kollegin fügt hinzu: „In der mittlerweile dritten Welle bin ich extrem stolz auf das Durchhaltevermögen aller.“

Lichtblicke in die Zukunft

„Es ist alles wie auf Pause gedrückt. Wir freuen wir uns auf den Tag, an dem wir endlich wieder Play drücken können.“ Die eigentlichen Aufgaben der Geschäftsführung umzusetzen, danach sehnen sich beide. „Wir würden gerne mal wieder gestalten – die Zukunft und die Ideen, die wir vorher schon entwickelt haben“, reflektiert Sabine Anspach, „ich möchte dieses Haus mal ohne Covid erleben und endlich wieder Erfolge feiern. Ich hätte es so gerne mal wieder, dass wir uns was ausdenken, es umsetzen und dann einfach nur feiern: Vollständig frei im Geist.“ Julian Zimmer wendet sich freudig an seine Kollegin: „Sabine, du kennst unsere Weihnachtsfeier noch gar nicht – die ist legendär!“ Lichtblick Weihnachtsfeier – auf das den Mitarbeitenden des Helios Standort Leipzig ein rauschendes Fest vergönnt sein wird. Frei im Geist, frohen Mutes, voller Zuversicht.

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