„Die jungen Alteingesessenen“ – Das Tandem der zentralen Praxisanleitung

„Die jungen Alteingesessenen“ – Das Tandem der zentralen Praxisanleitung

Janine Kutzke und Nicole Geißler arbeiten gemeinsam als zentrale Praxisanleiterinnen am Helios Standort Leisnig. Neben dieser Tätigkeit sind beide noch selbst auf unseren Intensivstationen als Pflegekräfte aktiv. Gemeinsam haben sie sich eine Herangehensweise geschaffen, die Teamplay, Fachlichkeit und seelische Gesundheit fördert.

„Ich habe 1996 angefangen, hier zu lernen. Danach war ich mal ein Jahr außerhalb des Hauses und seit 2000 dann wieder durchgängig hier“, erzählt Nicole Geißler über ihren Berufseinstieg. Ihre Kollegin Janine Kutzke dagegen sei seit Beginn ihrer Lehre 1998 nie weg gewesen. „Die jungen Alteingesessenen!“, nennt Geißler das Duo schmunzelnd. Jede von ihnen verbringt eine Hälfte der Stunden der Woche als zentrale Praxisanleiterin und die andere Hälfte auf Station in der Intensivpflege. Die Initialzündung, sich in der Ausbildung der angehenden Pflegekräfte zu engagieren, fand ihren Urspung in den eigenen Erfahrungen.

Ich habe mich an meine Lehrzeit erinnert und da fehlte vielleicht hier und da ein Ansprechpartner oder -partnerin. Da war alles noch nicht so strukturiert wie heute

Janine Kutzke zentrale Praxisanleiterin am Helios Standort Leisnig

Ihre Kollegin erzählt außerdem: „Bei uns wurde der Einsatzplan festgelegt und dann hat da bis zur Prüfung niemand mehr rübergeguckt. Das fand ich auch damals schon nicht in Ordnung.“ Als die beiden 2010 gemeinsam die Stelle der zentralen Praxisanleitung übernehmen, wollen sie den angehenden Pflegekräften der Helios Kliniken besser in Erinnerung bleiben.

Die zentrale Praxisanleitung stellt grundsätzlich sicher, dass alle Schülerinnen und Schüler auf dem gleichen Standard ausgegebildet werden. Auf den einzelnen Stationen gibt es weiterhin Praxisanleiter und -anleiterinnen, die die Auszubildenden täglich begleiten. „Wir gehen mit den Schüler:innen über die Stationen, gucken ihnen zu, leiten an. Wir fangen von kleinauf an: von der Körperpflege bis zu den ärztlichen Verordnungen. Und in der Prüfungszeit begleiten wir sie auch. Da wird dann nochmal richtig vorbereitet, damit sie gefestigt sind in der Prüfung“, fasst Nicole Geißler zusammen. Sie seien außerdem engmaschig mit dem hauseigenen Bildungszentrum vernetzt und stünden in regem Austausch mit den Lehrkräften.

Auch die Kommunikation mit den Auszubildenden sei den beiden Intensivfachschwestern wichtig – auf Basis eines respektvollen Miteinanders:

Die Schülerinnen und Schüler dürfen uns ihre Kritik offen sagen – dafür sind wir doch alle Menschen, wir dürfen Fehler machen

Janine Geißler zentrale Praxisanleiterin am Helios Standort Leisnig

 „In einem Team darf man kein Einzelkämpfer sein. Ein guter Teamplayer kann zuhören und trotzdem seine Meinung vertreten. Das ist wichtig“, fügt Nicole Kutzke hinzu. Die Resultate würden den Erfolg ihrer Herangehensweise bestätigen. „Viele bleiben bei uns im Haus. Sie finden hier ihre Perspektive. Und es ist schön, das zu sehen – Ist ja auch eine Wertschätzung unserer Arbeit.“ Um diesen hohen Anspruch an ihre Tätigkeit halten zu können, setzen Nicole Geißler und Janine Kutzke auf Struktur und Austausch: „Wir haben regelmäßig Bürotage zusammen, an denen wir unsere Einsatzpläne gemeinsam organisieren. Wir kommunizieren einfach unheimlich viel miteinander und machen Übergaben.“

Zu Zeiten der Pandemie sei die Balance zwischen der Verfügbarkeit aller Mitarbeitenden und die parallele Ausbildung der Schülerinnen und Schüler eine Herausforderung. „Es ist schwierig momentan. Erstmal muss die Besetzung der Stationen gewährleistet sein. Den größten Teil ihres Alltags sind die Auszubildenden ja sowieso dort und wir kommen nur zwischendurch mal dazu für die Praxisanleitungen. Aber wir werden auf unseren Stationen ja auch gebraucht“, erklärt Kutzke das Dilemma. In der ersten Welle hätten sie komplette Schichten mit einzelnen Schülerinnen und Schülern gearbeitet und so die Patientenversorgung und Anleitung parallel bewerkstelligt. Besonders dem ersten Lehrjahr sei dies aber nicht zumutbar.

Und nicht nur für die angehenden Pflegekräfte ist das Arbeiten in der Pandemie belastend. Auch die beiden Praxisanleiterinnen fühlen die konstante Anspannung: 

Die Patienten denken, hier landet ein UFO. Mimik und Gestik fehlen komplett. Und die schweren Krankheitsbilder und Verläufe sind sehr belastend. Diese Schicksale gehen schon näher als sonst

Janine Geißler zentrale Praxisanleiterin am Helios Standort Leisnig

Ihre Kollegin fügt nachdenklich hinzu: „Was ich immer sehe, ist dieses Alleinsein. Sie haben gar keine Bezugspersonen, niemand kann rein und sie kämpfen um ihr Leben. Es sind schon wirklich schwere Zeiten.“

Wer Nicole Geißler und Janine Kutzke beim gemeinsamen Sprechen zusieht, glaubt gerne, dass sie ein funktionierendes Team bilden. Gerade in diesen „schweren Zeiten“ hilft die Bindung zu Kolleginnen und Kollegen die Belastungen zu verarbeiten. Das Tandem der zentralen Praxisanleitung ist dankbar füreinander: „Würden wir uns gegenseitig nicht so stützen, könnte man es gar nicht so lange durchhalten“ (Nicole Geißler) – „Das ist aber in jedem Team so. Das Miteinander ist ganz wichtig. (Janine Kutzke)“