Halbgötter in Weiß? Übt euch in Demut!

Halbgötter in Weiß? Übt euch in Demut!

Priv.-Doz. Dr. Ulrich Halm ist Ärztlicher Direktor des Helios Park-Klinikums Leipzig und Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin. Neben seiner medizinischen Tätigkeit trägt er zu Lösungen in Fragen der Zukunftsentwicklung, Konflikt- und Krisenbewältigung des Standortes bei. Vom klassischen Verständnis der Chefarztrolle ist er dabei mit den Jahren abgewichen. Warum?

Ulrich Halm ist Gastroenterologe mit den Schwerpunkten Bauchspeicheldrüse und der therapeutischen Endoskopie. Besonders die Behandlung von frühen Tumoren ist dabei seine persönliche Vertiefung. Sein Examen liegt inzwischen 30 Jahre zurück, im Helios Park-Klinikum werden es bald 20 Jahre. Eine Zeit, die sein Bild des Arztberufs immer wieder neu geprägt hat. „Wenn man als junger Mensch über ein Medizinstudium nachdenkt, hat es vielleicht einen romantischen Charakter, der mit der medizinischen, zum Teil durchaus harten Wirklichkeit nicht immer etwas zu tun hat“, reflektiert er. „Was mich bis heute beflügelt, ist nicht nur diese Faszination für den menschlichen Körper – seine Funktionsweisen oder eben Erkrankungen – sondern immer auch der menschliche Aspekt. Dass ich etwas Gutes tue.“ Ulrich Halm versteht sich dabei als Anwalt seiner Patientinnen und Patienten. Die drei Säulen seiner Profession umschreibt er als Hirn, Hand und Herz: Nur, wenn jede der drei Säulen vertreten sei, könne eine authentische, vertrauensvolle Beziehung zwischen den Behandelnden und Behandelten entstehen.

Wenn man als junger Mensch über ein Medizinstudium nachdenkt, hat es vielleicht einen romantischen Charakter, der mit der medizinischen, zum Teil durchaus harten Wirklichkeit nicht immer etwas zu tun hat.

PD Dr. Ulrich Halm, Ärztlicher Direktor des Helios Park-Klinikums Leipzig und Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin

Das bestmögliche Leben

Klinikgesicht Ulrich Halm

„Der kranke Mensch ist hilfsbedürftig. Und diese Hilfsbedürftigkeit kann uns auch selbst treffen. Niemand lebt ewig und krank werden wir eines Tages alle.“ Eine gewisse Demut gehöre für Ulrich Halm darum immer dazu. Das Bild des Halbgottes in Weiß hat hier keinen Platz. „Die Entwicklungen in der Medizin sind teilweise atemberaubend. Oft ist es aber auch so, dass die Fortschritte zeitlich limitiert sind für die Patient:innen.“ Die Grenzen der Behandlung werden im täglichen Schaffen allzu klar: „Oft genug stehen wir vor den Menschen und können das, was wir gerne anbieten würden, einfach nicht mehr umsetzen.“ Die tiefe Sinnhaftigkeit und Bestrebung des Berufs bestehen wohl darin, gemeinsam das bestmögliche Leben zu schaffen – ob in Krankheit oder Gesundheit. „Das gibt einem so viel zurück. Und diese Besonderheit gilt es zu bewahren. Strukturen, Gesetze und Institutionen versuchen, die Medizin immer weiter zu rationalisieren“, gibt der Chefarzt zu bedenken. „Auch die Digitalisierung spielt eine große Rolle. Auf der einen Seite eröffnet sie viele Möglichkeiten. Auf der anderen Seite wird es immer so bleiben, dass eine ärztliche Beratung von Mensch zu Mensch unersetzlich ist.“

Angst, überflüssig zu werden, hat Halm nicht. Im Gegenteil – die technischen Möglichkeiten der Zukunft sieht er als Gewinn. „Ich glaube, dass die Diagnostik insgesamt revolutioniert wird.“ Künstliche Intelligenz kann als Werkzeug aufgefasst werden. Software zur Früherkennung und Bildanalyse könnte unter Umständen sogar „besser als Experten und allemal besser als Anfänger“ sein. Für letztere könnte ein allzeit wacher, virtueller Mitarbeiter im Hintergrund eine fantastische Lernunterstützung sein. „Es wird gerne exemplarisch auf aufwendige Operationen verwiesen, aber viele Patienten brauchen ganz andere Dinge“, wirft der Gastroenterologe ein. Er denke hier besonders an die Onkologie, die Palliativmedizin oder Psychiatrie. „Da braucht es menschliche Zuwendung, aufmerksames Zuhören – eine gemeinsame Ebene. Deshalb glaube ich, dass der technische Fortschritt überhaupt keine Gefahr für die Medizin sein wird, sondern eine Hilfe.“

Raum für Entwicklung geben

Klinikgesicht Ulrich Halm

Das Zwischenmenschliche ist für den Chefarzt nicht nur im Umgang mit Patient:innen relevant. In seiner Führungsrolle beschäftigt sich Halm neben Administrativem besonders intensiv mit den Mitarbeitenden – ein Balanceakt in Zeiten der Personalknappheit. „Ich habe irgendwann überlegt, wie man die Klinik modern aufstellen, das Spektrum erweitern kann, ohne permanent Mitarbeitende von außen zu holen.“ Die Lösung: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem eigenen Team Raum für Entwicklung und Spezialisierung geben, um sie für die entsprechenden Positionen auszubilden. „Es ist toll zu sehen, dass die Leute mit Freude wachsen und dann gerne Verantwortung übernehmen.“ Die Oberärztinnen und -ärzte in seinen Abteilungen, erzählt Ulrich Halm, steuerten inzwischen so gut, dass sein Input selten nötig werde. So konnte das verhältnismäßig kleine Team eine breite Diversifizierung ausbauen: „Wir bieten hochqualifizierte Medizin in Bereichen an, die Schwerpunkt- oder Maximalversorgern gleicht. Weil wir Spezialistinnen und Spezialisten ausgebildet haben und gleichzeitig eine Interdisziplinarität bieten. In diesem Setting zu arbeiten, macht einfach Spaß.“

Wir bieten hochqualifizierte Medizin in Bereichen an, die Schwerpunkt- oder Maximalversorgern gleicht. Weil wir Spezialistinnen und Spezialisten ausgebildet haben und gleichzeitig eine Interdisziplinarität bieten. In diesem Setting zu arbeiten, macht einfach Spaß.

PD Dr. Ulrich Halm, Ärztlicher Direktor des Helios Park-Klinikums Leipzig und Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin

Führung durch die Pandemie

Besonders während der Pandemie werden Führungs- und Entscheidungskompetenzen auf die Probe gestellt. Seit dem vergangenen Jahr müssen immer wieder viele Entscheidungen gleichzeitig getroffen werden. Ob diese richtig sind, ist im Voraus häufig schwer abzuschätzen. Stationsschließungen, Schutzmaßnahmen, Impfstrategie. „Und da wird man natürlich beäugt, ob es funktioniert. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen. Doch ich bin froh, dass ich diese Dinge nicht allein entscheiden musste.“ Mehr denn je habe Ulrich Halm gespürt, wie wichtig ein funktionsfähiges, harmonisches Team sei, das ineinandergreifen könne. Obwohl der Chefarzt den Weg durch die Pandemie am Standort insgesamt als erfolgreich einschätzt, macht die ständige Beschäftigung mit dem Thema Corona müde. „Ich freue mich auf die Tage, in denen das alles Vergangenheit sein wird und ich mich wieder mit Gastroenterologie beschäftigen darf“, schließt Halm zuversichtlich ab.