Arbeiten auf der Covid-ITS: „Der Druck hat sich nicht auf die Stimmung im Team gelegt“

Arbeiten auf der Covid-ITS: „Der Druck hat sich nicht auf die Stimmung im Team gelegt“

Tina Geppert ist Intensiv-Pflegefachkraft im Helios Park-Klinikum Leipzig. Ihr Traumberuf – und das schon seit der Grundausbildung. Zu Beginn der zweiten Welle wurde sie Teil des Leitungsteams auf der Intensivstation für Covid-19-Infizierte. Eine Herausforderung, die Ausdauer, Mut und Hirnschmalz kostet.

Tina Geppert arbeitet seit September 2017 im Helios Park-Klinikum Leipzig. Dass sie Intensiv-Pflegefachkraft werden möchte, wusste sie schon in der Ausbildung. „An meinem Beruf mag ich besonders die sehr enge Zusammenarbeit mit den Patienten. Die Behandlungen sind sehr komplex, darum muss man die Patientinnen und Patienten auch sehr komplex betrachten und Zusammenhänge herstellen können“, beschreibt die Pflegekraft die Faszination ihrer Tätigkeit. Man müsse sehr präsent und jederzeit fokussiert sein: „Es ist eine schnelle Arbeit. Innerhalb von Sekunden kann sich die Situation ändern und man muss in der Lage sein, darauf zu reagieren.“

Das Arbeitsumfeld muss funktionieren

Im Zuge der zweiten Welle des Corona-Virus` in Deutschland eröffnen das Herzzentrum und Park-Klinikum Leipzig am 19. November 2020 gemeinsam die neue Covid-Intensivstation. Als Tina Geppert gebeten wird die Leitung zu übernehmen, willigt sie ein. Aufgrund der akut steigenden Belastung stellt die Umsetzung der Station eine große Herausforderung für alle dar. „Es war für mich nicht möglich, alle Kolleginnen und Kollegen einzeln kennenzulernen. Oftmals waren am nächsten Tag wieder zwei ganz andere Gesichter da“, erinnert sich die Stationsleiterin. „Wir waren ja ein völlig neu gemischtes Kollegium. Auch Ärzte und Ärztinnen, die man nicht kennt. Das war für viele fordernd am Anfang.“ Die erste Priorität ist damals trivial – es muss für alle von allem genug da sein. Arbeitskleidung, Medikamente, Betten, Medizintechnik und Ähnliches:

Mir war es wichtig, so schnell wie möglich ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das funktioniert.

Tina Geppert, Intensiv-Pflegefachkraft im Helios Park-Klinikum Leipzig

Die Energiereserven müssen verteilt sein

Besonders die Kooperation innerhalb des Pflegeteams gibt Tina Geppert Zuversicht in der kräftezehrenden Anfangszeit: „Was mich positiv gestimmt hat, war, dass von Beginn an eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Pflegekräften bestand.“ Die Arbeitsbelastung ist physisch und psychisch sehr hoch – Zusammenhalt im Kollegium hilft durchzuhalten. „Da gab es einfach nichts Anderes als auf Arbeit gehen, dann nach Hause zum Schlafen und am nächsten Morgen wieder hin. Der allgemeine Druck hat sich aber nicht auf die Stimmung im Team gelegt – sie halten super durch.“ Als Führungskraft sieht sich die Intensivpflegerin in der Verantwortung, mit den Energiereserven ihrer Mitarbeitenden achtsam zu wirtschaften:

Ich wollte den guten Willen der Kolleginnen und Kollegen nicht überstrapazieren. Die meisten haben nie nein gesagt. Da ist es als Leitung meine Aufgabe, irgendwann eben nicht nochmal zu fragen, ob jemand Extraschichten übernehmen kann.

Tina Geppert

Als klar ist, dass sich die zweite Welle länger ausdehnt als erhofft, übernimmt ihr Kollege Lars Pauli die Leitung der Covid-ITS Station und Tina Geppert kehrt zurück in ihren Heimathafen, die Intensivstation des Park-Klinikums. Die beiden sind ein eingespieltes Team und stehen sich als Unterstützung und Redepartner jederzeit zur Seite.

Keine Heldin

Obwohl Tina Geppert und ihr Team sich permanent an der Grenze des Möglichen bewegen, sieht sie sich nicht als Heldin. Der Verkäuferin, die im Supermarkt weiterhin an der Kasse sitzt, schenke auch niemand Applaus. Am Ende funktioniere das große Ganze nur zusammen. „Ich kümmere mich um meine Patienten, genauso wie ich das vorher auch getan habe. Das ist mein Beruf. Ich könnte mir nach wie vor nicht vorstellen, woanders zu arbeiten“, bekennt Tina Geppert stolz. Inzwischen hat sich die Akutsituation etwas beruhigt und hier und da findet sie Zeit durchzuatmen. Im Feierabend angekommen, versucht die Stationsleiterin die Gedanken schweifen zu lassen. Bei einem guten Buch, dem Spaziergang mit ihrem Hund oder einem schönen Telefonat mit Freundinnen und Freunden. Am meisten freut sie sich jedoch, diese endlich wieder richtig treffen zu können.