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Vom Pflegealltag zur Hygienefachkraft: René über seine Weiterbildung und Aufgaben im Klinikalltag

René Heusel startet seinen Tag mit einem Blick auf Isolationsmaßnahmen und Befunde. Er geht auf Station, spricht mit Teams und entscheidet, wo gehandelt werden muss. Im Interview berichtet er über seine Weiterbildung und seinen Arbeitsalltag.

17.04.2026 Lesedauer: - Min.
Hygienefachkraft René

René ist Pflegefachkraft an der Helios Klinik Wesermarsch und hat die Weiterbildung zur Fachkraft für Hygiene und Infektionsprävention in der Pflege mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen. Was ihn antreibt? Der Wille, dort anzusetzen, wo man Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende am wirksamsten schützen kann: nämlich direkt an der Quelle möglicher Infektionen.

Im Interview erzählt er, wie ihn die Coronapandemie auf seinen heutigen Weg gebracht hat, was ihn an Mikrobiologie fasziniert und was es wirklich bedeutet, im Krankenhaus für Hygiene verantwortlich zu sein.

Hygienefachkraft überwacht Infusion

Wie bist du ursprünglich in die Pflege gekommen und in welchem Bereich hast du vor deiner Weiterbildung gearbeitet?

Der Auslöser war ein eigener Krankenhausaufenthalt. Die Atmosphäre, die medizinische Vielfalt und die Behandlungsmöglichkeiten haben mich sofort fasziniert. Danach war für mich klar, dass ich in diesem Umfeld arbeiten möchte. Ich habe sieben Jahre als Pflegefachkraft in der Neurochirurgie gearbeitet und danach zwei Jahre als Leasingkraft in verschiedenen Kliniken. Diese Zeit hat mir einen breiten Einblick in unterschiedliche Bereiche und Arbeitsweisen gegeben.

Warum hast du dich genau für diese Weiterbildung entschieden? Gab es einen bestimmten Moment oder eine Erfahrung, die dein Interesse an Hygiene und Infektionsprävention geweckt hat?

Die Coronapandemie hat dabei eine große Rolle gespielt. Der Gedanke, einem neuartigen Erreger mit gezieltem Fachwissen etwas entgegensetzen zu können, hat mich sehr beschäftigt. Dazu kommt ein grundsätzliches Interesse an Mikrobiologie, das mich schon länger begleitet.

Welche Themen werden während der Weiterbildung behandelt? Gab es Inhalte, die dich besonders geprägt haben?

Das Spektrum ist breit: Mikrobiologie, rechtliche Grundlagen, Praxisanleitung, allgemeine und technische Hygiene sowie Grundlagen des Managements. Besonders spannend fand ich die Mikrobiologie und das Antibiotikamanagement, also die Frage, wie Antibiotika gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden, um Resistenzen zu vermeiden.

Wie lange dauert die Weiterbildung, und wie lässt sie sich mit dem Berufsalltag vereinbaren?

Die Weiterbildung dauert rund zwei Jahre und umfasst 720 Stunden Theorie im Blockunterricht sowie rund 1.200 Stunden Praxis. Dabei beschränkt sich die praktische Ausbildung nicht nur auf das Krankenhaus selbst. Man lernt auch im Gesundheitsamt, im Labor und in der Großküche. Das ist zunächst ungewohnt, aber rückblickend sehr wertvoll, denn Hygiene hört an den Kliniktüren nicht auf.

Welche neuen Aufgaben gehen mit der abgeschlossenen Weiterbildung einher?

Das Aufgabenfeld ist vielfältig. Dazu gehören Begehungen der Stationen, die Beobachtung der Händehygiene-Compliance und die Pflegeprozessbeobachtung. Ein wichtiger Teil ist außerdem die Surveillance, also die systematische Erfassung und Auswertung von Krankenhausinfektionen und postoperativen Wundinfektionen. Hinzu kommen Schulungen des medizinischen Personals, Umgebungsuntersuchungen sowie das Erstellen und Implementieren von Hygiene- und Desinfektionsplänen. Als Hygienefachkraft ist man außerdem Ansprechperson für alle hygienerelevanten Fragen im Haus und wirkt gegebenenfalls im Antibiotikamanagement-Team mit.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Hygienefachkraft bei dir aus?

Der Tag beginnt damit, sich einen Überblick über die Stationen und die aktuelle Patientensituation zu verschaffen. Sind alle notwendigen Isolationsmaßnahmen eingeleitet? Können Patientinnen oder Patienten ggf. aus der Isolation entlassen werden? Dann folgt der Austausch mit dem medizinischen Personal: Wurden alle relevanten Proben entnommen? Gibt es offene Fragen? Dazu kommen die Auswertung von Befunden und die laufende Surveillance. Aber ehrlich gesagt: Kein Tag gleicht dem anderen. Genau das macht diesen Beruf für mich auch so interessant.

Wie trägst du mit deiner Arbeit konkret zur Patientensicherheit und zum Schutz der Mitarbeitenden bei?

Im Kern geht es darum, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun: geeignete Hygienemaßnahmen wie Isolierungen, den Einsatz passender Schutzausrüstung und konsequente Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen sicherzustellen. Dazu kommt die Beratung und Schulung des Personals sowie die frühzeitige Erkennung von Ausbrüchen, sei es Noroviren, Influenza, Covid-19 oder andere Infektionskrankheiten. Wer früh erkennt und handelt, kann viel verhindern.

Wenn du deine Weiterbildung in einem Satz zusammenfassen müsstest, welcher wäre das?

Sie ist anspruchsvoll und facettenreich, besonders in Bezug auf Mikrobiologie, Hygiene, Recht und Technik. Und man sollte sich bewusst sein, dass man als Hygienefachkraft nicht immer die beliebteste Person im Krankenhaus ist. Aber wenn man es wirklich lebt, kann man einen großen Beitrag zur Sicherheit von Patient:innen und Mitarbeitenden leisten. Und das ist es wert.