Eine eigene Wohnung bedeutet Sicherheit, Alltag und Selbstbestimmung. Für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen ist dieser Zugang jedoch häufig gefährdet: Krankheitssymptome, fehlende soziale Netzwerke, finanzielle Belastungen, ein angespannter Wohnungsmarkt oder frühere negative Mietverhältnisse können dazu führen, dass Betroffene ihren Wohnraum verlieren oder nach einer stationären psychiatrischen Behandlung selbigen verlieren und nicht wissen, wohin sie entlassen werden können. Eine unsichere Wohnsituation kann die psychische Belastung zusätzlich verstärken und den Weg zurück in einen stabilen Alltag erschweren.
Im Rahmen des Angebots stehen mehrere Wohnungen in Kliniknähe zur Verfügung. Die Patient:innen leben dort in einem normalen Wohnumfeld und werden engmaschig durch ein multiprofessionelles Team begleitet. Die Unterstützung erfolgt sowohl aufsuchend im Wohnraum als auch über Angebote der Psychiatrischen Institutsambulanz, die umfassend in Anspruch genommen werden können. Je nach individuellem Bedarf können täglich oder im Mindestfall einmal wöchentlich therapeutische Kontakte mit Teammitgliedern der Psychiatrischen Institutsambulanz stattfinden. Im primären Fallmanagement steuert die Gruppe der Sozialtherapie diesen therapeutischen Ansatz.
Es geht um konkrete Fähigkeiten der Alltagsstrukturierung, des Zeitmanagements, der Einhaltung von Behandlungsaufgaben – etwa die regelmäßige Medikamenteneinnahme oder sich im Dschungel notwendiger Antragsverfahren bei Jobcenter, Sozialamt und anderen Behörden zurechtzufinden. Auch die potentielle Suche nach einer langfristigen Wohnung im ursprünglichen sozialen Umfeld der Patient:innen ist Teil der Begleitung – von notwendigen Unterlagen über Kontakte zu Wohnungsunternehmen bis hin zur Vorbereitung auf Besichtigungen oder Gespräche mit Vermieter:innen.
Seit dem Projektstart 2022 wurden 49 Patient:innen in multiprofessionellen Teams begleitet. Viele konnten vor der Entlassung in Wohnungslosigkeit oder in ungesicherte Wohnverhältnisse bewahrt werden. Einige fanden im Anschluss eine eigene Wohnung, andere wechselten in passende Wohn- oder Unterstützungsformen. Für das Helios Park-Klinikum Leipzig ist Supported Housing damit ein wichtiger Baustein moderner psychiatrischer Versorgung. Das Angebot verbindet medizinische Behandlung mit sozialer Teilhabe und zeigt: Genesung endet nicht an der Kliniktür. Wer psychisch stabil werden soll, braucht nicht nur Therapie und Medikamente, sondern auch einen Ort, an dem Alltag wieder möglich wird. Das Projekt ist in dieser Form eine Ausnahme in Deutschland.