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Chronische Schmerzen verändern das ganze Leben

Chronische Schmerzen können weit mehr als den Körper belasten. Sie verändern den Alltag, die berufliche Situation und häufig auch das soziale Leben. Karsten Seidel hat selbst erlebt, wie sehr anhaltende Schmerzen das eigene Leben bestimmen können. In der multimodalen Schmerztherapie lernte der 54-Jährige, seine Beschwerden besser zu verstehen, Belastungsgrenzen wahrzunehmen und Schritt für Schritt wieder mehr Kontrolle über seinen Alltag zu gewinnen.

13.10.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Ute Scheibe
Pressefoto Multimodale Schmerztherapie

Karsten Seidel war über Jahrzehnte als Flugzeugtankwart tätig und arbeitete unter anderem 34 Jahre am Flughafen Leipzig. Bewegung und Sport gehörten für ihn selbstverständlich zum Leben. Im August 2024 änderte sich das: Ein Bandscheibenvorfall führte zu einer ersten Operation. Doch die Beschwerden kehrten zurück. Anfang 2025 folgte eine weitere Operation mit Versteifung der Wirbelsäule. Zunächst schien sich die Situation zu stabilisieren. Nach einiger Zeit traten die Schmerzen jedoch erneut wieder auf und hielten an. Zeitweise strahlten sie vom Rücken an bis in das rechte Bein aus. Auch Physiotherapie und weitere Behandlungen konnten die Beschwerden nicht dauerhaft lindern. „Seit Mai 2025 habe ich jetzt im Endeffekt diese Schmerzen und versuche eine Antwort darauf zu finden, woher sie kommen“, beschreibt Karsten Seidel seine Situation.

Schmerzen bestimmen zunehmend den Alltag

Mit den anhaltenden Beschwerden wurde vieles schwieriger. Längeres Gehen, körperliche Belastungen und selbst alltägliche Aufgaben sind nicht mehr selbstverständlich möglich. Die chronischen Schmerzen veränderten auch seine berufliche Situation grundlegend. Heute kann der gelernte Flugzeugmechaniker nicht mehr in seinem bisherigen Beruf arbeiten. Die dauerhafte Belastung hinterließ zunehmend auch seelische Spuren. Gleichzeitig zog sich Seidel zeitweise aus seinem sozialen Umfeld zurück. Für ihn wurde es immer schwieriger, gegenüber Familie und Freunden den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass alles in Ordnung sei. „Das Schwierigste ist eigentlich, ehrlich zu sein“, sagt Karsten Seidel rückblickend. „Ich habe meiner Frau lange Zeit nicht gesagt, wie stark meine Schmerzen tatsächlich waren. Die Last wollte ich ihr nicht zumuten.“

Für einen Menschen, der zuvor viel Sport getrieben und ein aktives Leben geführt hatte, war die Veränderung besonders einschneidend.

Nachdem mehrere Behandlungsversuche keine nachhaltige Verbesserung gebracht hatten, entschied sich Karsten Seidel für eine stationäre Schmerztherapie im Helios Park-Klinikum Leipzig. Die bewusste Auszeit vom gewohnten Alltag war für ihn ein wichtiger Schritt. Fernab von beruflichen und häuslichen Verpflichtungen konnte er sich ganz auf die Behandlung konzentrieren. Die multimodale Schmerztherapie setzt dabei bewusst an verschiedenen Bereichen an. Medizinische, körperliche und psychologische Therapiebausteine werden miteinander verbunden. Ziel ist es nicht allein, die Schmerzintensität zu reduzieren, sondern auch den Umgang mit den Beschwerden zu verbessern und die Lebensqualität im Alltag zu steigern.

 

Helios Park-Klinikum Leipzig

Oberärztin an der Klinik Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

Bei chronischen Schmerzen reicht es häufig nicht aus, nur auf den Schmerz selbst zu schauen. Wir betrachten gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten die unterschiedlichen Faktoren, die Schmerzen beeinflussen und aufrechterhalten können. Dabei geht es auch darum, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln und Möglichkeiten zu finden, den Alltag trotz der Schmerzen aktiv zu gestalten.

Verschiedene Bausteine greifen ineinander

Für Karsten Seidel bestand die Therapie aus unterschiedlichen Bausteinen. Dazu gehörten unter anderem Bewegung und Dehnübungen, Kälteanwendungen, die Anpassung der Schmerzmedikation und psychologische Gespräche. Auch Entspannung und der Austausch mit anderen Betroffenen spielten eine wichtige Rolle. „Hier in der Schmerztherapie wird auf uns Patienten nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch eingegangen. Es wird zunächst erklärt, was chronische Schmerzen sind, wie sie verlaufen und was man dagegen tun kann. Man lernt auch ein Stück weit, wie ein Leben mit chronischen Schmerzen funktionieren kann,“ so Karsten Seidel.

Besonders wichtig war für Seidel, die eigenen Belastungsgrenzen besser wahrzunehmen. Er lernte, Aktivitäten nicht grundsätzlich zu vermeiden, sondern sie bewusster zu dosieren und Pausen einzuplanen.

„Ich kann eigentlich alles machen, solange es in einem Maß bleibt“, sagt er.

Auch der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten half ihm. Die Gespräche machten deutlich, dass er mit seinen Erfahrungen und Schwierigkeiten nicht allein ist.

Lebensqualität trotz Schmerzen

Heute geht es für Karsten Seidel nicht darum, sein Leben vollständig nach dem Schmerz auszurichten. Vielmehr versucht er, aktiv zu bleiben und Belastungen bewusst zu dosieren. Radfahren gehört beispielsweise weiterhin zu den Aktivitäten, die ihm guttun. Auch an eine Rückkehr zum Tischtennis denkt er – zunächst in kleinen Schritten.

Sein Fazit zur Schmerztherapie fällt entsprechend positiv aus: „Menschen mit chronischen Schmerzen würde ich raten eine Schmerztherapie zu probieren. Selbst, wenn die Schmerzen niemals vollständig weggehen, lernt man doch besser damit umzugehen.“

Damit verbindet Seidel eine klare Botschaft an andere Betroffene: Unterstützung anzunehmen und offen über die eigene Situation zu sprechen, kann ein wichtiger Schritt sein. Denn chronische Schmerzen betreffen häufig nicht nur den Körper, sondern können das gesamte Leben aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Erfahrung von Karsten Seidel zeigt zugleich, dass ein Leben mit chronischen Schmerzen nicht bedeuten muss, auf Aktivität und Lebensqualität zu verzichten. Eine multimodale Schmerztherapie kann dabei helfen, individuelle Zusammenhänge besser zu verstehen, neue Strategien für den Alltag zu entwickeln und wieder mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.