Ende August bricht Marlies Reinhardt gemeinsam mit ihrem Mann und zwei weiteren sehbeinträchtigen Bekannten zu einer Reise nach Lettland auf. Die 70-Jährige ist selbst seit 2007 sehbeeinträchtigt und engagiert sich ehrenamtlich sowohl als Beisitzerin des Vorstands von Tandemhilfen e.V. als auch als Leiterin der Selbsthilfegruppe in Querfurt für Seh- und Blindenbehinderte sowie als Landesvorständin und stellvertretende Vorsitzende im Stiftungsausschuss für Blinde. „Ich organisiere u.a. internationale Tandemradtouren für junge Leute, die hochgradig seheingeschränkt sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Europa und werden je nach Krankheitsbild immer von einem sogenannten Piloten oder Betreuer begleitet“, erzählt Marlies Reinhardt.
Nach einer 62km langen Tour am 27. August stürzt die 70-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann auf dem Tandemrad. „Wir sind mit dem hinteren Pedal an einem Bordstein hängen geblieben und nach rechts umgekippt. Nach dem Sturz konnte ich nicht mehr aufstehen und kam in Lettland in die Klinik“, reflektiert sie den Unfall. Dort verbringt sie fünf Tage liegend, während sie gemeinsam mit dem ADAC versucht, eine Klinik in Deutschland zu finden, die sie operiert. „Bei dem Sturz habe ich mir den Oberschenkel gebrochen; aber die Sprachbarriere in Lettland erschwerte den vertrauensvollen Austausch mit dem Ärzteteam, sodass eine OP dort für mich nicht infrage kam“, so die 70-Jährige.
Nachdem mehrere Kliniken in Deutschland die Übernahme und OP der Patientin aufgrund der größeren Zeitspanne zwischen Sturz und OP abgelehnt hatten, kommt sie über die Empfehlung aus ihrem Freundeskreis in Kontakt mit dem Helios Park-Klinikum Leipzig. Dort übernimmt das Alterstraumazentrum gemeinsam mit dem ADAC und in Austausch mit der Patientin die Organisation des Rücktransports und der Aufnahme.
Nach der Operation hat sich Marlies Reinhardt schnell erholt. Bereits eine Woche danach läuft sie über den Gang und übt mit den Physiotherapeut:innen das Treppensteigen.
„Meine Entscheidung war richtig, hierherzukommen. Alle waren von Beginn an nett und aufgeschlossen. Sowohl die medizinische Behandlung als auch die Organisation einer persönlichen Assistenz aufgrund meiner Erblindung liefen einwandfrei. Hier hatte ich keine Angst und viel Vertrauen. Daher bin ich dem gesamten Team hier sehr dankbar“, resümiert die Patientin Marlies Reinhardt.