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PMOS (ehemals PCOS): Symptome, Ursachen & Behandlung

Etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist von der Hormon- und Stoffwechselstörung PMOS (PCOS) betroffen. Wie Sie PMOS erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, lesen Sie hier.

27.07.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Cornelia Jaursch-Hancke
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Inhaltsverzeichnis

Das sollten Sie über PMOS wissen

  1. PMOS (PCOS) ist eine häufige Hormon- und Stoffwechselerkrankung, die Frauen von der ersten Periode beginnend ein lebenslang betreffen kann.
  2. Typische Symptome sind Zyklusstörungen, verstärkte Körperbehaarung, Akne und Probleme beim Schwanger werden.
  3. Im Rahmen der Diagnose finden u. a. ein Anamnesegespräch, Bluttests und eine Ultraschaluntersuchung statt.
  4. Die Therapie richtet sich nach den vorherrschenden Symptomen und reicht von Lebensstiländerungen bis zu Medikamenten oder einer Kinderwunschbehandlung.
  5. Eine frühe Diagnose kann Beschwerden lindern und helfen, möglichen Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck vorzubeugen.

Was ist PMOS, ehemals PCOS?

Das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom, kurz PMOS, ist eine Hormon- und Stoffwechselerkrankung, die für Frauen beginnend mit der ersten Periode lebenslang eine Bedeutung haben kann. Bei PMOS funktionieren die Eierstöcke (Ovarien) nicht mehr oder nur noch eingeschränkt, wodurch die Eizellreifung und der Eisprung unregelmäßig ist oder ausbleibt.

Auch Hormonschwankungen kennzeichnen die Erkrankung, was sich auf das Körpergewicht, den Stoffwechsel, die Haut, die Fruchtbarkeit und die psychische Gesundheit auswirken kann. Im Verlauf besteht durch das PMOS zudem ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ-2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mit dem Ende der Wechseljahre verändern sich die Symptome bei PMOS. Vor und nach der Menopause sollte ärztlich geprüft werden, ob ein erhöhtes Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen besteht.

Ursachen der Hormon- und Stoffwechselstörung PMOS

Die genauen Ursachen von PMOS sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen verschiedener Faktoren zusammen:

Genetische Faktoren: Die Erkrankung kommt in manchen Familien gehäuft vor. PMOS gilt als polygenetisch bedingt. Das heißt: Nicht ein einzelnes Gen, sondern das Zusammenspiel vieler Gene beeinflusst das Erkrankungsrisiko. Zusätzlich spielen Umweltfaktoren eine Rolle. Sie können über epigenetische Mechanismen ebenfalls die Entstehung und Ausprägung der Erkrankung beeinflussen.

Insulinresistenz: Dabei reagieren die Körperzellen schlechter auf das Hormon Insulin und es kommt zur sogenannten Hyperinsulinämie. Dabei produziert der Körper immer mehr Insulin. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel ansteigen. Für Frauen mit PMOS besteht ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Das Risiko besteht unabhängig vom Körpergewicht und steigt bei Übergewicht weiter an.

Hormonelles Ungleichgewicht: Erhöhte Insulinwerte können eine vermehrte Produktion männlicher Hormonen fördern, dadurch kann es zu einer gestörten Eizellreifung kommen. Typisch sind zudem unregelmäßige oder ganz ausbleibende Regelblutungen.

Symptome: Wie kann sich PMOS zeigen?

Die Symptome von PMOS (PCOS) können von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausfallen.

So kann sich PMOS während der fruchtbaren Lebensphase zeigen:

  • Zyklusstörungen: Seltene (Oligomenorrhoe) oder eine ganz ausbleibende Regelblutung (Amenorrhoe), weil der Eisprung selten oder gar nicht erfolgt.
  • Erhöhte männliche Hormone (Androgenisierung): Sichtbar durch vermehrte Körperbehaarung nach männlichem Muster oder Haarausfall am Kopf.
  • Hautprobleme: Akne
  • unerfüllter Kinderwunsch: Schwierigkeiten, schwanger zu werden
  • Psyche: Depressionen, Angststörungen oder auch Essstörungen können auftreten

Unabhängig von der fruchtbaren Lebensphase ist PMOS (PCOS) mit einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden, darunter

Wichtig zu wissen: Frauen mit PMOS haben bereits vor der Menopause ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und sollten dieses regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen.

Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom). Mögliche Warnzeichen, die abgeklärt werden sollten, sind:

  • eine übermäßige Verdickung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumhyperplasie)
  • ungewöhnliche oder unregelmäßige Blutungen aus der Gebärmutter
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Fachärztin

PMOS hat kein einheitliches Erscheinungsbild, sodass es nicht immer einfach ist, die richtige Diagnose zu stellen. Das Syndrom bleibt dadurch oft lange Zeit unerkannt. Die Änderung der Bezeichnung macht deutlich, dass es keine rein gynäkologische Erkrankung ist, sondern eine Hormon- und Stoffwechselstörung mit einer Vielzahl an Merkmalen.

Diagnose von PMOS

Es gibt keinen spezifischen Test für die Krankheit. Die Leitlinie rät dazu, die Diagnostik durch mehrere Fachrichtungen begleiten zu lassen, insbesondere Endokrinologie und Gynäkologie. Für die Diagnose PMOS (PCOS) müssen mindestens zwei der folgenden drei Rotterdam-Kriterien erfüllt sein:

  1. Zyklusstörungen: Ausbleibende oder unregelmäßige Menstruation oder seltener: deutlich verkürzter Zyklus.
  2. Erhöhte männliche Hormone: Sie sind entweder im Blut messbar (Hyperandrogenämie) oder äußerlich sichtbar in Form vermehrter Körperbehaarung, Haarausfall (Hyperandrogenismus).
  3. Polyzystische Eierstöcke und/oder erhöhter AMH-Wert: Im Ultraschall lassen sich viele mit Flüssigkeit gefüllte Eibläschen (Follikel) in mindestens einem Eierstock nachweisen. Alternativ kann das Anti-Müller-Hormon (AMH) bestimmt werden. Ein erhöhter Wert ist ein Hinweis darauf, dass viele Eibläschen im Eierstock vorhanden sind. Der AMH-Wert reicht allein jedoch nicht für die Diagnose aus.

Andere Ursachen ausschließen

Wichtig für die Diagnose ist auch, andere Erkrankungen auszuschließen, die ein ähnliches Erscheinungsbild hervorrufen. Dazu zählen:

  • Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion
  • nicht-klassische adrenale Hyperplasie (Vergrößerung der Nebennieren)
  • Tumore in den Eierstöcken oder den Nebennieren
  • Cushing-Syndrom
  • primäre Ovarialinsuffizienz (frühzeitig nachlassende Funktion der Eierstöcke)
  • Fehlfunktionen der Hirnanhangdrüse

Ablauf der Diagnostik

Zunächst findet ein ausführliches Gespräch mit der Patientin statt. Dabei werden unter anderen folgende Punkte besprochen:

  • Zeitpunkt der ersten Periode
  • Zyklus und Auffälligkeiten
  • familiäre Vorbelastung

Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei beurteilt die Ärztin oder der Arzt unter anderem Haut und Körperbehaarung.

In der gynäkologischen Untersuchung lassen sich die Eierstöcke vaginal mit einem Ultraschall darstellen. Dabei können Follikel erkannt und gezählt sowie das Volumen des Eierstocks gemessen werden.

Sind die Eierstöcke im Ultraschall unauffällig kann zusätzlich der Hormonstatus mithilfe einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Dabei kann auch der Serumspiegel des Anti-Müller-Hormons ermittelt werden.

Diagnose PMOS bei Jugendlichen

Die Leitlinie rät, bei Jugendlichen die Rotterdam-Kriterien nicht zur Diagnose eines PMOS anzuwenden und die normalen körperlichen sowie hormonellen Veränderungen dieser Lebensphase zu beachten.

Jugendliche, bei denen der Verdacht auf die Hormon- und Stoffwechselerkrankung besteht, die aber nicht beide Kriterien für eine Diagnose (Zyklusstörungen und Hyperandrogenismus) erfüllen, sollen als Risikopatientinnen eingestuft werden. Eine erneute Bewertung des PMOS-Verdachts soll acht Jahre nach der ersten Menstruation erfolgen.

Wichtig: Auftretende Beschwerden können auf normale Veränderungen in der Pubertät zurückzuführen sein. Deshalb sollte die Diagnose nicht vorschnell gestellt werden. Anhaltende Zyklusveränderungen sollten laut Leitlinie beobachtet und ärztlich abgeklärt werden. Bei Unsicherheiten sollten Eltern ärztlichen Rat einholen.

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Behandlungsmöglichkeiten für PMOS

"PMOS lässt sich nicht heilen. Wird die Erkrankung richtig diagnostiziert, lassen sich die Symptome und mögliche Folgen gut behandeln", sagt Endokrinologin Jaursch-Hancke.

Folgende Maßnahmen können im Rahmen der PMOS-Therapie hilfreich sein:

  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht oder Adipositas
  • Diabetes vorbeugen oder medikamentös behandeln
  • Kontrolle und Behandlung der Blutfettwerte
  • Behandlung von Zyklusstörungen
  • Behandlung der erhöhten männlichen Hormone
  • Behandlung von Akne, vermehrter Körperbehaarung Haarwuchses oder Haarausfalls
  • bei Kinderwunsch: Beratung und weitere Therapie in einem Kinderwunschzentrum
  • psychologische Unterstützung bei seelischer Belastung
  • bei vorliegenden Begleiterkrankungen: Therapie nach Leitlinie

Eine angepasste Ernährung und körperliche Aktivität können Beschwerden und Folgeerkrankungen wie Übergewicht, Insulinresistenz, Bluthochdruck und Diabetes positiv beeinflussen. Der Blutdruck sollte mindestens einmal jährlich kontrolliert werden.

Metformin

Zur Verbesserung des Blutzuckerspiegels und des Fettstoffwechsels ist die Einnahme von Medikamenten mit dem Wirkstoff Metformin möglich. Metformin kann den Zuckerstoffwechsel verbessern und unterstützend bei der Gewichtsabnahme wirken.

Akne und verstärkte Körperbehaarung

Übermäßige Körperbehaarung und über die Pubertät hinaus andauernde Akne können kosmetisch oder dermatologisch behandelt werden. Zudem besteht die Möglichkeit einer hormonellen Therapie, zum Beispiel durch antiandrogene hormonelle Verhütungsmittel (Kontrazeptiva). Diese kommen nur infrage, wenn kein Kinderwunsch besteht.

Verhütung und Schutz der Gebärmutterschleimhaut

Zur alleinigen Verhütung und zum Schutz vor einer sogenannten Endometriumhyperplasie können reine Gestagen-Präparate in Tablettenform oder als Hormonspirale eingesetzt werden.

Psychische Gesundheit

Eine effektive Behandlung der körperlichen Symptome ist auch unter dem Aspekt der psychischen Gesundheit wichtig. Betroffenen Frauen sollte bei Bedarf eine psychologische Unterstützung und falls erforderlich auch eine medikamentöse, antidepressive Therapie angeboten werden.

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PMOS lässt sich nicht heilen. Wird die Erkrankung richtig diagnostiziert, lassen sich die Symptome und mögliche Folgen gut behandeln.

Schwangerschaft mit PMOS – Einfluss auf den Kinderwunsch

Die gute Nachricht: Frauen mit PMOS (PCOS) können schwanger werden. Es kann jedoch länger dauern, da sich der Eisprung durch den unregelmäßigen Zyklus nicht mit Sicherheit bestimmen lässt.

Dr. Cornelia Jaursch-Hancke: "Wie bei jedem unerfüllten Kinderwunsch ist es sinnvoll, wenn sich sowohl die Frau als auch der Mann ausführlich beraten und untersuchen zu lassen."

Medikamentöse Therapie bei unerfülltem Kinderwunsch

Medikamentöse Ovulationsinduktion (OI) in der gynäkologischen Praxis: Die Eizellreifung und der Eisprung können medikamentös unterstützt werden, zum Beispiel in Form von Tabletten oder Hormonspritzen mit den Wirkstoffen Clomifen und Letrozol.

Wichtig: Hierbei kann es vorkommen, dass mehrere Eizellen befruchtet werden. Die Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft sollten daher im Vorfeld ausführlich besprochen und abgewogen werden.

Künstliche Befruchtung bei unerfülltem Kinderwunsch

Wenn die medikamentöse Therapie nicht zur Schwangerschaft führt, kann in speziellen Kinderwunschzentren eine künstliche Befruchtung weiterhelfen.

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) erfolgt die Befruchtung außerhalb des Körpers im Reagenzglas. Dazu werden der Frau Eizellen entnommen, die in eine Nährlösung kommen und mit Spermien befruchtet werden. Nach Befruchtung wird meist eine Eizelle wieder in die Gebärmutter eingesetzt.

Wenn nur wenige Spermien vorhanden sind, kann die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zum Einsatz kommen. Dabei wird der Eizelle in einer Nählösung gezielt ein Spermiums mit einer sehr kleinen Spritze verabreicht. Nach einer erfolgreichen Befruchtung wird die Eizelle wieder in die Gebärmutter eingesetzt.

Worauf sollten Schwangere mit PMOS achten?

PMOS kann ein Risikofaktor für Schwangerschaftskomplikationen sein, die sowohl Mutter als auch Kind betreffen können. Daher sind engmaschigere Vorsorgen sinnvoll in Bezug auf:

  • Gewichtszunahme
  • Bluthochdruck in der Schwangerschaft
  • Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • psychische Begleiterkrankungen
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Tipps für den Alltag mit PMOS 

Da es für PMOS derzeit noch keine Heilung gibt, sind Veränderungen im Alltag ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Vor allem bei Übergewicht oder Adipositas kann eine Gewichtsabnahme die Beschwerden bessern.

 

Eine spezielle PMOS-Diät gibt es nicht. Empfehlenswert sind die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

 

Regelmäßige Bewegung im Alltag ist wichtig. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt pro Woche bei leichter Intensität 150 bis 300 Minuten zu trainieren. Bei hoher Intensität reichen bereits 75 bis 150 Minuten.

FAQ

Das polyendokrine metabolische Ovarsyndrom – früher Polyzystisches Ovarsyndrom – ist eine Erkrankung, die sehr vielfältige Symptome hat. Der neue Name soll verdeutlichen, dass es sich nicht um eine rein gynäkologische Erkrankung handelt, sondern um eine Hormon- und Stoffwechselerkrankung, die lebenslang von Bedeutung ist.

Ein Großteil der Medikamente ist offiziell nicht für die Therapie von PMOS zugelassen. In diesen Fällen spricht man von einem sogenannten "Off-Label-Use".

 

Wichtig ist, dass Sie ausführlich darüber informiert werden und der Nutzen mit möglichen Nebenwirkungen oder Ausschlussgründen abgewogen wurde.

Nein, die Erkrankung ist nicht heilbar. Wenn sie diagnostiziert wurde, ist sie jedoch gut behandelbar.

Das Anti-Müller-Hormon wird in den Eierstöcken gebildet. Bei Frauen spiegelt der Wert die Anzahl unreifer Eizellen in den Eierstöcken wider und ist somit ein wichtiger Indikator für die Fruchtbarkeit einer Frau.

 

Im Rahmen der Diagnostik kann der Wert wichtige Informationen liefern, ist aber kein Einzelkriterium für das Vorliegen von PMOS. Es gibt keinen Cut-off-Wert (festen Schwellenwert) des Anti-Müller-Hormons ab dem man die Diagnose PMOS stellen kann, da viele Faktoren in die Diagnose einfließen. 

Wenn Sie den Verdacht auf PMOS haben, können Sie sich an Ihre hausärztliche Praxis wenden. Diese kann Sie an Fachärztinnen und -ärzte aus der Endokrinologie und Gynäkologie überweisen. 

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Patientinnen-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndroms (PMOS, ehemals PCOS) Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 27.07.2026)


PCOS – Diagnose und Screening Online: https://link.springer.com/... (Zugriff am 27.07.2026)