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Was sind Ursachen für Prostatakrebs?

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt vor allem mit zunehmendem Alter. Gleichzeitig gilt: Nicht jeder Mann mit Risikofaktor erkrankt – und viele Prostatatumoren wachsen langsam. Wir erklären, welche Ursachen und Risikofaktoren heute bekannt und wie sie einzuordnen sind.

08.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Thomas Steiner
Unwell man suffer from severe headache at home
Inhaltsverzeichnis

Was weiß man über die Ursachen von Prostatakrebs?

Warum ein Mann an Prostatakrebs erkrankt und ein anderer nicht, lässt sich bislang nicht eindeutig erklären. Nach heutigem medizinischen Kenntnisstand entsteht Prostatakrebs durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einige davon lassen sich beeinflussen, andere nicht.

Zu den gut belegten Risikofaktoren zählen:

  • höheres Lebensalter
  • familiäre Vorbelastung
  • genetische Veränderungen
  • Übergewicht
  • ethnische Herkunft

Andere Faktoren wie Ernährung oder Entzündungen werden weiterhin erforscht. Sie gelten als mögliche Einflussfaktoren, nicht als direkte oder bestätigte Ursachen.

Lebensalter: Der wichtigste Risikofaktor

Das Lebensalter ist der bedeutendste bekannte Risikofaktor für Prostatakrebs. Während die Erkrankung bei jungen Männern sehr selten ist, tritt sie mit zunehmendem Alter deutlich häufiger auf. Die meisten Diagnosen werden bei Männern über 60 Jahren gestellt.

Wichtig ist: Ein steigendes Lebensalter bedeutet nicht, dass eine Erkrankung unausweichlich ist. Viele Männer erreichen ein hohes Lebensalter, ohne das jemals Prostatakrebs bei ihnen diagnostiziert wird.

Quelle: „Krebs in Deutschland für 2021-2023“, Kapitel 3.22: Prostata, Robert Koch-Institut (Stand: 2023)

Prostatakrebs früh erkennen: Kennen Sie Ihren PSA-Wert?

Viele Männer schieben Vorsorge lange vor sich her – selbst bei ersten Veränderungen wie z.B. Problemen beim Wasserlassen. Ein PSA-Bluttest kann helfen, Risiken frühzeitig einzuordnen und rechtzeitig die nächsten Schritte zu gehen.

Familiäre Vorbelastung

Männer, bei denen nahe Verwandte – etwa Vater oder Bruder – an Prostatakrebs erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Das Risiko steigt insbesondere, wenn mehrere Familienmitglieder betroffen sind und die Erkrankung in vergleichsweise jungen Jahren auftrat.

In den vergangenen Jahren wurden bestimmte genetische Veränderungen identifiziert, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen können. Dennoch gilt auch hier: Ein genetisches Risiko ist keine Diagnose.

„Männer mit familiärer Vorbelastung sollten ab dem 45. Lebensjahr konsequent an den Früherkennungsprogrammen teilnehmen. Ist in der Familie eine Mutation an den Genen BRCA2-, MSH2- oder MSH6 bekannt, sollte die Früherkennung bereits ab dem 40. Lebensjahr begonnen werden“, sagt Prof. Dr. Thomas Steiner, Chefarzt Urologie und Leiter des Uroonkologischen Zentrums im Helios Klinikum Erfurt.

Entzündungen der Prostata oder Infektionen

Chronische Entzündungen der Prostata werden mit einem leicht erhöhten Risiko für Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Auch frühere Infektionen können eine Rolle spielen. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch noch nicht eindeutig genug, um von einer direkten Ursache zu sprechen.

Wichtig: Entzündungen können Laborwerte wie den PSA-Wert beeinflussen, ohne dass ein Prostatakrebs vorliegt. Eine ärztliche Einordnung ist deshalb immer entscheidend.

Ernährung: Was ist gesichert?

Der Einfluss der Ernährung ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Derzeit gibt es keine gesicherte Ernährungsweise, die zuverlässig vor Prostatakrebs schützen kann. Nach aktuellem Wissensstand gilt:

  • eine insgesamt ausgewogene, eher pflanzenbetonte Ernährung unterstützt die allgemeine Gesundheit
  • ein hoher Konsum stark verarbeiteter Fleischprodukte sollte vermieden werden
  • mit steigendem Alkoholkonsum scheint sich das Risiko für Prostatakrebs zu erhöhen, weshalb der Alkoholkonsum gesenkt oder bestenfalls ganz auf Alkohol verzichtet werden sollte

Die Einnahme von hochdosierten Vitaminpräparaten beziehungsweise Nahrungsergänzungsmitteln wird nicht empfohlen. Ein vorbeugender Nutzen von Vitamin E und Selen konnte bislang nicht bewiesen werden. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass hochdosierte Vitamin E Präparate das Erkrankungsrisiko sogar erhöhen können.

Übergewicht und Bewegung

Übergewicht gilt als Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen, auch für Prostatakrebs. Die S3-Leitlinie empfiehlt daher, ein gesundes Körpergewicht anzustreben und regelmäßig Bewegung in den Alltag einzubauen.

Gut sind alle Aktivitäten, die dauerhaft in den Alltag integriert werden können.

Ethnische Herkunft

Die Daten aus Krebsregistern, großen Studien und systematischen Reviews zeigen, dass die Herkunft ein relevanter Risikofaktor für Prostatakrebs ist. Weltweit haben insbesondere afroamerikanische Männer das höchste Erkrankungsrisiko, während Männer aus Asien oder Südeuropa (zum Beispiel Griechenland) seltener erkranken.

Fachgesellschaften gehen dabei von einem Zusammenspiel genetischer Faktoren, Umwelt- und Lebensstilfaktoren sowie unterschiedlicher Früherkennungsprogramme aus.

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Helios Klinikum Erfurt

Chefarzt Urologie, Leiter des Uroonkologischen Zentrums, Leiter des Robotikzentrums Mitteldeutschland

Männer mit familiärer Vorbelastung sollten ab dem 45. Lebensjahr konsequent an den Früherkennungsprogrammen teilnehmen. Ist in der Familie eine Mutation an den Genen BRCA2-, MSH2- oder MSH6 bekannt, sollte die Früherkennung bereits ab dem 40. Lebensjahr begonnen werden.

Weitere mögliche Risikofaktoren

Es gibt Faktoren, die in Studien mit Prostatakrebs in Verbindung gebracht wurden. Die S3-Leitlinie bewertet die Zusammenhänge aber als nicht ausreichend überzeugend oder klinisch nicht relevant genug, um daraus klare Empfehlungen abzuleiten.

Dazu zählen unter anderem:

  • Chronische Entzündungen der Prostata und sexuell übertragbare Infektionen: Studien zeigen ein leicht erhöhtes Erkrankungsrisiko, ein direkter ursächlicher Zusammenhang konnte jedoch nicht sicher nachgewiesen werden.
  • Hormonelle Faktoren wie Testosteronspiegel oder Testosteronersatztherapie: Der Zusammenhang zwischen körpereigenen Hormonen, Hormontherapie und dem Prostatakrebsrisiko ist komplex und bislang nicht eindeutig geklärt.
  • Vasektomie oder bestimmte Vorerkrankungen: Auch hier wurden mögliche Zusammenhänge untersucht, die Studienlage ist jedoch widersprüchlich oder nicht ausreichend belastbar.

Wie hoch ist das persönliche Risiko?

Statistiken zeigen: Viele Männer bekommen im Laufe ihres Lebens die Diagnose Prostatakrebs. Der weitaus größte Teil verstirbt aber nicht daran. Das liegt unter anderem daran, dass viele Prostatatumoren langsam wachsen, lange auf die Prostata begrenzt bleiben und gut behandelt oder engmaschig überwacht werden können.

Fazit: Prostatakrebs hat nicht nur einen Auslöser

Prostatakrebs entsteht nicht durch einen einzelnen Auslöser. Alter, genetische Faktoren und Lebensstil beeinflussen zwar das Risiko, aber sie sind kein Automatismus für eine Erkrankung. Wer seine persönlichen Risikofaktoren kennt, kann gut begründete Entscheidungen bezüglich der Teilnahme an Früherkennungsprogrammen treffen.

FAQ

Der wichtigste bekannte Risikofaktor ist das Lebensalter. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken. 

Nein. Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko, ist aber keine Vorhersage. Viele Männer mit familiärer Vorbelastung erkranken nicht an Prostatakrebs. Aber: Vorsorge- beziehungsweise Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen, ist bei Vorliegen einer familiären Vorbelastung besonders sinnvoll. 

Es gibt keine Ernährung, die Prostatakrebs sicher verhindert. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung unterstützt jedoch allgemein die Gesundheit.

Chronische Entzündungen werden mit einem leicht erhöhten Risiko für Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Sie gelten jedoch nicht als direkte Ursache für Prostatakrebs. 

Es gibt mehrere Faktoren, die wissenschaftlich untersucht wurden, bei denen aber kein klarer Zusammenhang nachgewiesen werden konnte. Dazu zählen unter anderem:

 

  • bestimmte Ernährungsgewohnheiten
  • hormonelle Einflüsse wie Testosterontherapie
  • frühere Entzündungen
  • Eingriffe wie die Vasektomie (Durchtrennung der Samenleiter zur dauerhaften Verhütung)

 

Die aktuelle S3-Leitlinie bewertet diese Zusammenhänge als nicht ausreichend belegt, um daraus medizinische Empfehlungen abzuleiten. 

Faktoren wie Alter oder Gene lassen sich nicht beeinflussen. Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und Normalgewicht kann jedoch helfen, das allgemeine Erkrankungsrisiko positiv zu beeinflussen. 

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Leitlinienprogramm-Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, 2025, AWMF-Registernummer 043-022OL Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 08.06.2026)


Krebsinformationsdienst: Prostatakrebs: Vorsorge, Früherkennung und PSA Wert | DKFZ - Krebsinformationsdienst Online: https://www.krebsinformationsdienst.de/... (Zugriff am 08.06.2026)


Krebs in Deutschland Online: https://www.krebsdaten.de/... (Zugriff am 08.06.2026)