Wechseljahre: Die Fakten in Kürze
- Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase rund um die letzte Monatsblutung.
- Zu den typischen Beschwerden zählen Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.
- Die Dauer und Stärke der Beschwerden sind von Frau zu Frau unterschiedlich.
- Zur Behandlung können Medikamente, pflanzliche Präparate oder eine Hormontherapie infrage kommen.
- Nach der Menopause spielen Veränderungen an Knochen, Herz-Kreislauf-System und Schleimhäuten eine wichtige Rolle.
Was sind Wechseljahre?
"Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau. Sie beschreiben die Zeit rund um die Menopause, also die letzte Regelblutung. In dieser Zeit verändert sich der Hormonhaushalt. Sie markieren auch den Übergang zur Lebensphase, in der die Fruchtbarkeit endet", sagt Astrid Sonnabend, Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe in der Helios Klinik Köthen.
Meist beginnen die Wechseljahre um Mitte 40. Die letzte Regelblutung erleben Frauen mit circa 51 Jahre.
Welche Symptome können in den Wechseljahren auftreten?
Welche Beschwerden auftreten und wie stark diese sind, ist individuell verschieden. Einige dieser Beschwerden können auch andere Ursachen haben, daher ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Typische Beschwerden während der Wechseljahre können sein:
- veränderte Menstruationszyklen
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche
- Schlafstörungen
- Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmung
- Angstgefühle
- Gelenk- und Muskelschmerzen
Beschwerden, die vor allem nach der Menopause auftreten, sind unter anderem:
- Scheidentrockenheit
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Wieso kommt es zu Wechseljahren?
Frauen werden mit einer begrenzten Anzahl an Eizellen geboren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Eibläschen (Follikel) in den Eierstöcken ab. Dadurch nimmt im Laufe der Zeit auch die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen und Progesteron, ab. Eisprünge werden seltener, bis die Monatsblutung ausbleibt und die Menopause eintritt.
Phasen der Wechseljahre
Die Wechseljahre bestehen aus mehreren Phasen:
Prämenopause: Als Prämenopause wird die Zeit vor der Perimenopause bezeichnet. Es kommt zu ersten hormonellen Veränderungen, die unter anderem zu Zyklusbeschwerden, Spannungsgefühlen in der Brust oder Stimmungsschwankungen führen können.
Perimenopause: Sie umfasst die eigentliche Umstellungsphase rund um die Menopause. Es kommt zu einem unregelmäßigen Menstruationszyklus und eventuell anderen Erscheinungen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.
Menopause: Sie markiert den Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Dieser lässt sich jedoch nur rückblickend bestimmen, wenn zwölf Monate keine Monatsblutung aufgetreten ist.
Postmenopause: Sie beginnt nach 12 Monaten ohne Regelblutung. In dieser Phase ist der Hormonspiegel (Estradiol und Progesteron) dauerhaft niedrig. In der Postmenopause stabilisiert sich der Hormonhaushalt, sodass die Beschwerden abnehmen.
Was tun gegen Wechseljahresbeschwerden?
Nicht alle Beschwerden während der Wechseljahre müssen behandelt werden. Entscheidend ist, welche Beschwerden auftreten, wie stark sie Alltag und Lebensqualität beeinflussen und wie lange sie anhalten. In einem Gespräch in der gynäkologischen Praxis kann geklärt werden, ob nicht-medikamentöse Maßnahmen, pflanzliche Präparate oder eine Hormontherapie eine gute Behandlungsoption darstellen.
"Es gibt keine universelle Lösung, die für alle Frauen gleichermaßen wirkt, daher ist es wichtig, dass für jede Patientin individuell geprüft wird, welche Maßnahme die beste Wirkung zeigen kann", erklärt Astrid Sonnabend.
Mögliche Ansätze gegen Wechseljahresbeschwerden sind:
Nicht-medikamentöse Maßnahmen:
- kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann bei Schlafproblemen helfen
- Yoga kann bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und psychischen Beschwerden angeboten werden
- Akupunktur kann bei Schlafstörungen sowie depressiven oder ängstlichen Beschwerden eine Option sein
pflanzliche Präparate:
- Isoflavone, Traubensilberkerze (Cimicifuga) und Rhapontik-Rhabarber-Extrakt können laut S3-Leitlinie ebenfalls angeboten werden. Die Wirksamkeit ist jedoch nur unzureichend belegt.
Hormontherapie
- Sie kann bei starken Hitzewallungen und Schweißausbrüchen zum Einsatz kommen. Ob sie infrage kommt, wird individuell unter Berücksichtigung von Nutzen, Risiko und möglichen Gegenanzeigen geprüft.
Nach der Menopause können klassische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen nachlassen oder ganz verschwinden. Dennoch wirkt sich der dauerhaft niedrige Östrogenspiegel auf den Körper aus.
Anstieg des Risikos für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre führen dazu, dass sich die Knochendichte verringert. Dadurch kann langfristig das Risiko für Osteoporose steigen. „Dass der Körper immer weniger Östrogen produziert, wirkt sich auf die Knochensubstanz aus. So kann es häufiger zu Knochenbrüchen aufgrund einer verminderten Knochendichte kommen“, erklärt die Fachärztin.
Nach der Menopause steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da unter anderem die positive Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen auf den Blutdruck und den Cholesterinspiegel wegfällt. Zudem sinkt die Konzentration des schützenden HDL-Cholesterins im Blut nach der Menopause und es kommt zum Anstieg des schädlichen LDL-Cholesterins. Für Frauen gelten dieselben Risikofaktoren wie für Männern: Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht sowie Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Stress sowie ungenügend oder unregelmäßiger Schlaf.
Welche Rolle spielt Ernährung in den Wechseljahren?
Es gibt keine spezielle Diät für die Wechseljahre. Mit zunehmenden Alter verändert sich jedoch der Energiebedarf. Zusätzlich kann die hormonelle Umstellung während dieser Lebensphase zu einer vermehrten Einlagerung von Bauchfett führen. Doch nicht nur die Wechseljahre sind verantwortlich für eine Gewichtszunahme, auch der altersbedingte Rückgang der Muskelmasse und der weniger körperliche Aktivitäten mit zunehmendem Alter spielen eine wichtige Rolle.
Eine ausgewogene Ernährung während der Wechseljahre unterscheidet sich nicht grundsätzlich von den allgemeinen Empfehlungen für Erwachsene. Die Ernährung sollte auf Obst, Gemüse und Vollkornlebensmitteln basieren. Auch Omega-3-Fettsäuren in Lachs, Hering und Makrele können das Herz und die Arterien schützen. Empfehlenswert sind zudem gute Öle mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Zu finden etwa in Walnussöl, Olivenöl, Weizenkeimöl oder Leinöl.
Milch und Milchprodukte können täglich gegessen werden. Ausreichend Kalzium zu sich zu nehmen, ist wichtig. Es steckt zum Beispiel in Käse, Naturjoghurt, Nüssen sowie Milch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 1.000 Milligramm Kalzium pro Tag.
"Leere", sprich nicht sättigende, Kohlenhydrate aus Weißmehlprodukten und Süßigkeiten sollten eher die Ausnahme sein. Fleisch, Fisch und Eier sollten nicht jeden Tag auf den Teller kommen. Gesunde Alternativen in Form von pflanzlichem Eiweiß sind in Sojaprodukten und Hülsenfrüchten zu finden.
Verdauung anregen
Gegen mögliche Verdauungsprobleme hilft eine ballaststoffreiche Ernährung. Etwa 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Vollkorngetreide, Nüsse, Samen und Gemüse sind gute Lieferanten für Ballaststoffe.
Diese Lebensmittel besser nur in Maßen essen
Zucker, Salz und gesättigte Fette, etwa in Süßigkeiten, Chips, Backwaren, Fast Food, Wurst und Eis, sollten nur selten gegessen werden. Auch Limonade und Alkohol sollten nicht regelmäßig getrunken werden.
Sex in den Wechseljahren
Die Wechseljahre können sich auf die Sexualität auswirken. Vor allem nach der Menopause kann vaginale Trockenheit auftreten und Schmerzen beim Sex verursachen. Befeuchtungs- oder Gleitmittel können hier helfen. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Wann sollte ich mit Wechseljahresbeschwerden zum Arzt?
Frauen sollten sich nicht davor scheuen, ihre Symptome und Bedürfnisse anzusprechen.
Astrid Sonnabend: "Ich rate Frauen dazu, sich an ihre gynäkologische Praxis zu wenden, wenn die Beschwerden ihren Alltag und die Lebensqualität beeinträchtigen. Im Gespräch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen können die Beschwerden eingeordnet und Behandlungsoptionen besprochen werden."
S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 09.09.2026)