Tastuntersuchung der Prostata auf einen Blick
- Die Tastuntersuchung ist nicht mehr zur Früherkennung von Prostatakrebs empfohlen.
- Die DRU dient dazu, Veränderungen der Prostata zu erkennen, kann aber keine sichere Diagnose geben.
- Kleine Tumoren bleiben häufig unentdeckt, das kann Männern eine falsche Sicherheit geben.
- Die DRU ist risikoarm und dauert nicht lange.
Wie läuft eine Tastuntersuchung ab?
„Aufgrund der anatomischen Lage der Prostata in direkter Nähe zum Enddarm lässt sich die Prostata über eine rektale Tastuntersuchung gut erreichen und beurteilen“, sagt Dr. Mohamed Al-Mwalad, Chefarzt der Klinik für Urologie in der Helios Klinik Cuxhaven.
Durchgeführt wird die Tastuntersuchung meist im Liegen. Sie sollten dabei in Seitenlage die Beine an den Körper heranziehen. Die Ärztin beziehungsweise der Arzt trägt Handschuhe und führt vorsichtig den Zeigefinger, der mit Gleitmittel benetzt ist, in den After ein, um die Prostata durch die Vorderseite des Enddarms abzutasten. Die Befeuchtung des Fingers mit Gleitgel ermöglicht ein schmerzfreies und leichtes Einführen in den After. Die DRU dauert meist nur wenige Sekunden bis Minuten.
Zur Beurteilung der Größe, Form und Beschaffenheit der Prostata kann in der gleichen Sitzung mit einem speziellen Gerät eine Ultraschalluntersuchung erfolgen – die sogenannte transrektale Prostatasonographie (TRUS).
Welche Risiken gibt es?
Die Tastuntersuchung der Prostata gilt als risikoarme Untersuchung. Sie dauert nicht lange und verursacht keine Schmerzen – kann jedoch als unangenehm empfunden werden.
Wie zuverlässig ist die Tastuntersuchung?
Die DRU ist als alleinige Methode in der Früherkennung nicht sehr aussagekräftig. Mit der Untersuchung kann festgestellt werden, ob die Prostata vergrößert (Prostatahyperplasie) ist. Ob es sich dabei um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt, lässt sich durch die Tastuntersuchung nicht sicher feststellen. Hierzu sind weitere Untersuchungen erforderlich.
Auch kleine Tumoren lassen sich häufig nicht ertasten, daher ist die DRU als alleinige Methode, um Prostatakrebs zu erkennen, nicht ausreichend.
Wann wird eine Tastuntersuchung noch durchgeführt?
Die Tastuntersuchung kann weiterhin als ergänzende Methode zur individuellen Risikoeinschätzung eingesetzt werden. Laut S3-Leitlinie kommt sie bei Patienten mit einem bestätigten PSA-Wert über 3 ng/ml während der Diagnostik zum Einsatz.
Des Weiteren wird die Tastuntersuchung eingesetzt
- zum Abklären von Symptomen, zum Beispiel bei Beschwerden beim Wasserlassen,
- zur Beurteilung der Prostatabeschaffenheit bei sämtlichen Prostataerkrankungen,
- bei dem Verdacht auf ein Prostatakarzinom und um zu beurteilen, ob der Befund fortgeschritten ist.
FAQ
Im medizinischen Kontext wird die Tastuntersuchung auch als digital-rektale Untersuchung bezeichnet. Der Begriff „digital" hat jedoch nichts mit dem Computer oder der digitalen Datenverarbeitung zu tun. Er leitet sich vom lateinischen Wort „digitus" für „Finger" ab.
Die eigene Prostata selbst abzutasten, ist nicht einfach und nicht empfehlenswert, sondern sollte einem erfahrenen Mediziner überlassen werden.
Krankhafte Veränderungen der Prostata sind ohne langjährige Erfahrung in dem Bereich nicht zu beurteilen.
Für die DRU ist keine spezielle Vorbereitung notwendig. Sie können normal essen und trinken.
Ja, in der Tastuntersuchung können in der Regel nur bereits vergrößerte Tumoren ertastet werden kleinere bleiben oftmals unentdeckt.
Laut Leitlinie führt die DRU zu falsch-negativen als auch falsch-positiven Befunden, deren weitere Abklärung mit weiteren Untersuchungen und Risiken verbunden ist. Sie gilt als unsicher, um Prostatakrebs in einem frühen Stadium zu entdecken.
S3-Leitlinie Prostatakarzinom Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 15.06.2026)