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Was passiert beim Prostata Abtasten?

Lange Zeit war die digital-rektale Untersuchung (DRU) ein zentraler Bestandteil der Früherkennung von Prostatakrebs. Seit 2025 wird sie hierfür nicht mehr empfohlen, sondern ist vielmehr Bestandteil ergänzender urologischer Untersuchungen. Erfahre Sie hier, wie die Tastuntersuchung abläuft

15.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Mohamed Al-Mwalad
Doctor shaking hands to patient
Inhaltsverzeichnis

Tastuntersuchung der Prostata auf einen Blick

  • Die Tastuntersuchung ist nicht mehr zur Früherkennung von Prostatakrebs empfohlen.
  • Die DRU dient dazu, Veränderungen der Prostata zu erkennen, kann aber keine sichere Diagnose geben.
  • Kleine Tumoren bleiben häufig unentdeckt, das kann Männern eine falsche Sicherheit geben.
  • Die DRU ist risikoarm und dauert nicht lange.

PSA-Test nach Beratung ersetzt Tastuntersuchung

Die Tastuntersuchung wird in der aktuellen medizinischen S3-Leitlinie nicht mehr zur Früherkennung von Prostatakrebs empfohlen. Der Grund: Beim Abtasten werden nicht alle Tumoren zuverlässig erkannt. Oft lassen sich nur größere, schon fortgeschrittene Tumoren ertasten, während kleinere Tumoren unentdeckt bleiben. 

 

Die S3-Leitlinie empfiehlt, Männer ab 45 Jahren zunächst ausführlich über Vor- und Nachteile der Früherkennung zu beraten. Wenn danach weiterhin der Wunsch nach einer Früherkennung besteht, soll ein PSA-Test angeboten werden. 

 

Laut Leitlinie werden nur etwa 14 Prozent der Tumoren, die mit einem PSA-Test nachgewiesen wurden, auch per DRU ertastet.

 

Wichtig: Der PSA-Test ist eine Selbstzahlerleistung (IGeL). Informieren Sie sich, ob und unter welchen Voraussetzungen Ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt.  

Prostatakrebs früh erkennen: Kennen Sie Ihren PSA-Wert?

Viele Männer schieben Vorsorge lange vor sich her – selbst bei ersten Veränderungen wie z.B. Problemen beim Wasserlassen. Ein PSA-Bluttest kann helfen, Risiken frühzeitig einzuordnen und rechtzeitig die nächsten Schritte zu gehen.

Wie läuft eine Tastuntersuchung ab?

„Aufgrund der anatomischen Lage der Prostata in direkter Nähe zum Enddarm lässt sich die Prostata über eine rektale Tastuntersuchung gut erreichen und beurteilen“, sagt Dr. Mohamed Al-Mwalad, Chefarzt der Klinik für Urologie in der Helios Klinik Cuxhaven.

 

Durchgeführt wird die Tastuntersuchung meist im Liegen. Sie sollten dabei in Seitenlage die Beine an den Körper heranziehen. Die Ärztin beziehungsweise der Arzt trägt Handschuhe und führt vorsichtig den Zeigefinger, der mit Gleitmittel benetzt ist, in den After ein, um die Prostata durch die Vorderseite des Enddarms abzutasten. Die Befeuchtung des Fingers mit Gleitgel ermöglicht ein schmerzfreies und leichtes Einführen in den After. Die DRU dauert meist nur wenige Sekunden bis Minuten. 

 

Zur Beurteilung der Größe, Form und Beschaffenheit der Prostata kann in der gleichen Sitzung mit einem speziellen Gerät eine Ultraschalluntersuchung erfolgen – die sogenannte transrektale Prostatasonographie (TRUS).

Prostatauntersuchung Früherkennung

Welche Risiken gibt es?

Die Tastuntersuchung der Prostata gilt als risikoarme Untersuchung. Sie dauert nicht lange und verursacht keine Schmerzen – kann jedoch als unangenehm empfunden werden.

Wie zuverlässig ist die Tastuntersuchung?

Die DRU ist als alleinige Methode in der Früherkennung nicht sehr aussagekräftig. Mit der Untersuchung kann festgestellt werden, ob die Prostata vergrößert (Prostatahyperplasie) ist. Ob es sich dabei um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt, lässt sich durch die Tastuntersuchung nicht sicher feststellen. Hierzu sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Auch kleine Tumoren lassen sich häufig nicht ertasten, daher ist die DRU als alleinige Methode, um Prostatakrebs zu erkennen, nicht ausreichend.

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Helios Klinik Cuxhaven

Chefarzt Urologie und Kinderurologie

Aufgrund der anatomischen Lage der Prostata in direkter Nähe zum Enddarm lässt sich die Prostata über eine rektale Tastuntersuchung gut erreichen und beurteilen.

Wann wird eine Tastuntersuchung noch durchgeführt?

Die Tastuntersuchung kann weiterhin als ergänzende Methode zur individuellen Risikoeinschätzung eingesetzt werden. Laut S3-Leitlinie kommt sie bei Patienten mit einem bestätigten PSA-Wert über 3 ng/ml während der Diagnostik zum Einsatz.

Des Weiteren wird die Tastuntersuchung eingesetzt

  • zum Abklären von Symptomen, zum Beispiel bei Beschwerden beim Wasserlassen,
  • zur Beurteilung der Prostatabeschaffenheit bei sämtlichen Prostataerkrankungen,
  • bei dem Verdacht auf ein Prostatakarzinom und um zu beurteilen, ob der Befund fortgeschritten ist.

FAQ

Im medizinischen Kontext wird die Tastuntersuchung auch als digital-rektale Untersuchung bezeichnet. Der Begriff „digital" hat jedoch nichts mit dem Computer oder der digitalen Datenverarbeitung zu tun. Er leitet sich vom lateinischen Wort „digitus" für „Finger" ab.

Die eigene Prostata selbst abzutasten, ist nicht einfach und nicht empfehlenswert, sondern sollte einem erfahrenen Mediziner überlassen werden.

 

Krankhafte Veränderungen der Prostata sind ohne langjährige Erfahrung in dem Bereich nicht zu beurteilen.

Für die DRU ist keine spezielle Vorbereitung notwendig. Sie können normal essen und trinken. 

Ja, in der Tastuntersuchung können in der Regel nur bereits vergrößerte Tumoren ertastet werden kleinere bleiben oftmals unentdeckt.

 

Laut Leitlinie führt die DRU zu falsch-negativen als auch falsch-positiven Befunden, deren weitere Abklärung mit weiteren Untersuchungen und Risiken verbunden ist. Sie gilt als unsicher, um Prostatakrebs in einem frühen Stadium zu entdecken. 

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S3-Leitlinie Prostatakarzinom Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 15.06.2026)