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mpMRT der Prostata: Was die Untersuchung zeigt – und was nicht

Ein mpMRT der Prostata kann verdächtige Veränderungen sichtbar machen und hilft dabei, die weitere Diagnostik gezielt zu planen. Was die Untersuchung genau zeigt, wie sie abläuft und ob sie eine Biopsie ersetzen kann, lesen Sie hier.

17.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Mark Schrader
Image of female doctor and young patient man talking in hospital room
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das mpMRT liefert detaillierte Bilder der Prostata und kommt ohne Röntgenstrahlung aus.
  • Durch die Untersuchung können verdächtige Veränderungen erkannt und innerhalb der Prostata lokalisiert werden; dies hilft bei der Planung einer Biopsie.
  • Der PI-RADS-Score von 1 bis 5 beschreibt, wie verdächtig ein Bereich in den Bildern erscheint.
  • Ein mpMRT kann Prostatakrebs weder sicher bestätigen noch vollständig ausschließen. Dafür ist eine Biopsie nötig.

Was ist ein multiparametrisches MRT der Prostata?

Das mpMRT ist eine besondere Form der Magnetresonanztomografie. Mit ihm wird die Prostata mithilfe eines starken Magnetfeldes und von Radiowellen untersucht. Röntgenstrahlung kommt dabei nicht zum Einsatz.

Die Untersuchung kombiniert verschiedene Bildinformationen, die gemeinsam ausgewertet werden. Sie zeigt zum Beispiel:

  • den Aufbau und die verschiedenen Zonen der Prostata,
  • die Beweglichkeit von Wassermolekülen im Gewebe,
  • die Durchblutung auffälliger Bereiche.

Aus diesen Informationen entsteht ein genaues Gesamtbild. Auffällige Bereiche lassen sich dadurch besser erkennen und innerhalb der Prostata lokalisieren. Wichtig: Nicht jede Auffälligkeit ist Krebs. Auch Entzündungen, gutartige Veränderungen oder Narben können in den Bildern auffällig aussehen.

Wann wird ein mpMRT der Prostata eingesetzt?

Ein mpMRT wird meist dann eingesetzt, wenn bisherige Untersuchungen auf ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs hinweisen. Mögliche Gründe sind:

  • ein wiederholt oder anhaltend erhöhter PSA-Wert
  • Abklärung einer bei der urologischen Untersuchung ertasteten Verhärtung
  • Planung einer ersten oder erneuten Prostatabiopsie
  • ein fortbestehender Verdacht trotz einer früheren unauffälligen Biopsie
  • Verlaufskontrollen im Rahmen einer aktiven Überwachung

Besonders wichtig ist die Untersuchung vor einer geplanten Gewebeentnahme. Zeigt das mpMRT einen verdächtigen Bereich, können dort gezielt Proben entnommen werden.

Das mpMRT wird außerdem bei der aktiven Überwachung eingesetzt. Diese Strategie kommt für ausgewählte Patienten mit bereits nachgewiesenem, wenig aggressivem Prostatakrebs infrage. Wiederholte MRT-Untersuchungen können dabei helfen, mögliche Veränderungen im Verlauf zu erkennen.

Das mpMRT ist keine allgemeine Früherkennungsuntersuchung. Es wird gezielt eingesetzt, wenn erhöhte PSA-Werte oder andere Befunde weiter abgeklärt werden müssen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Vor dem mpMRT findet ein Aufklärungsgespräch statt. Dabei wird geklärt, ob etwas gegen die Untersuchung oder gegen die Gabe eines Kontrastmittels spricht. Informieren Sie das medizinische Team insbesondere, wenn Sie:

  • einen Herzschrittmacher oder andere Implantate tragen,
  • Metallteile im Körper haben,
  • schon einmal auf ein MRT-Kontrastmittel reagiert haben,
  • an einer Nierenerkrankung leiden oder
  • unter ausgeprägter Platzangst leiden.

Bei einem mpMRT mit Kontrastmittel muss die Nierenfunktion berücksichtigt werden. Dafür können ein aktueller Kreatinwert und die daraus geschätzte „glomeruläre Filtrationsrate“, kurz eGFR, nötig sein. Die eGFR zeigt, wie gut die Nieren das Blut filtern. Für ein mpMRT mit Kontrastmittel ist die eGFR wichtig, weil das gadoliniumhaltige Kontrastmittel überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird.

Darüber hinaus ist meist keine weitere Vorbereitung für die Untersuchung notwendig. Ein stark gefüllter Enddarm oder viel Luft im Darm können die Bildqualität beeinträchtigen. Manche Einrichtungen empfehlen deshalb, kurz vor der Untersuchung nochmal auf Toilette zu gehen oder am Untersuchungstag auf stark blähende Speisen zu verzichten. Maßgeblich sind immer die Hinweise der behandelnden Praxis oder Klinik.

Was passiert im MRT-Gerät?

Für die Untersuchung legen Sie sich auf den Rücken. Über Ihrem Becken wird eine sogenannte Empfangsspule positioniert. Sie hilft dabei, die Signale aus der Prostata aufzufangen und in Bilder umzuwandeln.

Anschließend fährt die Liege Sie langsam in das MRT-Gerät (umgangssprachlich: „Röhre“). Während der Aufnahmen entstehen laute Klopf-, Brumm- und Summgeräusche. Sie erhalten deshalb Kopfhörer oder einen Gehörschutz.

Während der einzelnen Messungen sollten Sie möglichst ruhig liegen. Bewegungen können die Bilder unscharf machen. Über eine Sprachanlage bleiben Sie jederzeit mit dem medizinischen Personal in Verbindung. Zusätzlich erhalten Sie meist einen Notfallknopf für die Hand.

Wie lange dauert ein mpMRT der Prostata?

Die Aufnahmen selbst dauern meist etwa 25 bis 40 Minuten. Nach der Untersuchung können Sie die Praxis oder Klinik in der Regel direkt verlassen. Wurde Ihnen wegen starker Platzangst ein Beruhigungsmittel gegeben, dürfen Sie anschließend nicht selbst Autofahren.

Ist immer ein Kontrastmittel nötig?

Für ein klassisches mpMRT wird in der Regel ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel genutzt. Es wird über einen Zugang in die Armvene verabreicht und macht sichtbar, wie stark bestimmte Gewebebereiche durchblutet werden. Damit lassen sich auffällige Veränderungen besser von gesundem Gewebe unterscheiden.

Das Kontrastmittel wird von den meisten Menschen gut vertragen. Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion oder anderen medizinischen Besonderheiten prüft das Behandlungsteam jedoch, ob es eingesetzt werden kann.

In einigen Zentren werden unter bestimmten Voraussetzungen auch MRT-Untersuchungen ohne Kontrastmittel durchgeführt.

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Was kann das mpMRT sichtbar machen?

Ein mpMRT kann verdächtige Bereiche in der Prostata entdecken und zuordnen. Die Untersuchung kann zeigen:

  • ob auffällige Gewebebereiche vorhanden sind,
  • an welcher Stelle der Prostata sie liegen,
  • wie groß sie sind,
  • ob mehrere verdächtige Areale bestehen,
  • wie die Veränderungen in verschiedenen MRT-Aufnahmen erscheinen,
  • ob Hinweise auf eine Ausbreitung über die Prostata hinaus vorliegen.

Besonders wichtig ist die Suche nach klinisch relevantem Prostatakrebs. Gemeint sind damit Tumoren, die aufgrund ihrer Eigenschaften mit höherer Wahrscheinlichkeit wachsen, sich ausbreiten oder eine Behandlung erforderlich machen werden.

„Das mpMRT zeigt uns, an welcher Stelle der Prostata verdächtige Veränderungen vorliegen. Dadurch können wir die weitere Diagnostik genauer planen und bei Bedarf gezielt Gewebeproben entnehmen“, sagt Prof. Dr. med. Mark Schrader, Chefarzt Urologie und Leiter Prostatazentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Die mpMRT-Bilder können außerdem Hinweise darauf geben, ob eine auffällige Veränderung die Kapsel der Prostata erreicht oder überschritten hat. Auch Samenblasen und unmittelbar angrenzende Strukturen werden mitbeurteilt.

„Trotz der hohen Bildqualität hat die Untersuchung Grenzen. Sehr kleine oder wenig auffällige Tumoren können verborgen bleiben. Und: Ob tatsächlich Krebs vorliegt und wenn ja, wie aggressiv der Tumor ist, lässt sich erst durch die Gewebeprobe zuverlässig beurteilen“, sagt der Urologe.

Helios Klinikum Berlin-Buch

Chefarzt Urologie

Das mpMRT zeigt uns, an welcher Stelle der Prostata verdächtige Veränderungen vorliegen. Dadurch können wir die weitere Diagnostik genauer planen und bei Bedarf gezielt Gewebeproben entnehmen.

Was bedeutet der PI-RADS-Score?

Radiologinnen und Radiologen beurteilen verdächtige Bereiche nach einem international festgelegten System: PI-RADS, kurz für „Prostate Imaging Reporting and Data System“.

Jeder auffällige Bereich erhält einen Wert zwischen 1 und 5. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein klinisch relevanter Prostatakrebs vorliegt.

  • PI-RADS 1: Ein klinisch relevanter Prostatakrebs ist sehr unwahrscheinlich
  • PI-RADS 2: Ein klinisch relevanter Prostatakrebs ist unwahrscheinlich
  • PI-RADS 3: Der Befund ist unklar.
  • PI-RADS 4: Ein klinisch relevanter Prostatakrebs ist wahrscheinlich.
  • PI-RADS 5: Ein klinisch relevanter Prostatakrebs ist sehr wahrscheinlich.

Der PI-RADS-Wert ist noch keine Diagnose. Er beschreibt nur, wie verdächtig eine Veränderung in den MRT-Bildern erscheint.

PI-RADS 3 bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich die Veränderung anhand der Bilder nicht eindeutig einordnen lässt.

Für die Entscheidung für das weitere Vorgehen betrachten Ärztinnen und Ärzte immer das Gesamtbild. Dazu gehören unter anderem:

  • der PSA-Wert und seine Entwicklung
  • die PSA-Dichte
  • das Alter des Patienten
  • frühere Untersuchungsergebnisse
  • familiäre Vorbelastungen
  • der Tastbefund
  • der PI-RADS-Score

Ein niedriger PI-RADS-Score kann – zusammen mit weiteren Befunden – dafür sprechen, zunächst auf eine Biopsie zu verzichten.

Kann ein mpMRT eine Biopsie ersetzen?

Ein mpMRT kann eine Biopsie nicht grundsätzlich ersetzen. Es kann aber helfen, besser zu entscheiden, wer eine Biopsie benötigt und aus welchen Bereichen der Prostata eine Gewebeprobe entnommen werden soll.

Zeigt das mpMRT einen auffälligen Bereich, können Ärztinnen und Ärzte diesen bei der Biopsie gezielt ansteuern. Dazu werden zuvor aufgenommene MRT-Bilder häufig mit aktuellen Ultraschallbildern verbunden. Dieses Verfahren wird als MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie bezeichnet.

Wer führt das mpMRT der Prostata durch?

Die Untersuchung wird von Fachärzten und Fachärztinnen für Radiologie durchgeführt und ausgewertet.

Sowohl die Aufnahmetechnik als auch die Beurteilung der Bilder sind anspruchsvoll. Erfahrung mit Prostata-MRTs und eine standardisierte Untersuchungsqualität sind deshalb besonders wichtig. Radiologinnen und Radiologen können eine spezielle Zertifizierung für die mpMRT der Prostata erwerben. Angeboten wird die Untersuchung vor allem in spezialisierten radiologischen Praxen, Kliniken und Prostatakrebszentren. Sie ist nicht in jeder radiologischen Einrichtung verfügbar.

Fazit

Das mpMRT hilft nicht nur dabei, verdächtige Bereiche zu erkennen. Es kann auch dazu beitragen, unnötige Biopsien zu vermeiden und notwendige Gewebeproben gezielter zu planen. Dadurch kann die Diagnostik individueller und präziser geplant werden.

FAQ

Nein. Auch ein unauffälliger Befund kann Prostatakrebs nicht vollständig ausschließen. Ob weitere Untersuchungen nötig sind, hängt vom individuellen Risikoprofil ab. 

In der Regel nicht. Unangenehm können die Enge im Gerät, die lauten Geräusche oder das längere ruhige Liegen sein. 

Der schriftliche Befund liegt häufig innerhalb weniger Werktage vor. Die Besprechung der Ergebnisse erfolgt anschließend durch die behandelnde Urologin oder den behandelnden Urologen.    

PI-RADS-3 bedeutet, dass der Befund unklar ist. Ob eine Biopsie notwendig ist, hängt deshalb von weiteren Faktoren wie PSA-Wert, PSA-Dichte und bisherigen Befunden ab. 

Nicht grundsätzlich. Viele moderne Implantate sind MRT-tauglich oder unter bestimmten Bedingungen untersuchbar. Einige Herzschrittmacher, Defibrillatoren, Cochlea-Implantate oder Gefäßclips können ein MRT jedoch einschränken oder ausschließen. 

 

Informieren Sie die radiologische Einrichtung deshalb bereits bei der Terminvereinbarung über alle Implantate und bringen Sie, wenn möglich, Ihren Implantatepass mit. Metall in der Nähe der Prostata kann außerdem die Bildqualität beeinträchtigen. 

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