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Prostatakrebs: Diagnose und Befund verständlich erklärt

Ein auffälliger PSA-Wert oder ungeklärte Beschwerden können verunsichern. Gleichzeitig gilt: Ein Verdacht ist noch keine Diagnose. Wir erklären, wie Prostatakrebs diagnostiziert wird und was die Ergebnisse bedeuten.

08.06.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Chris Protzel
Älterer Mann steht vor einer grauen Wand
Inhaltsverzeichnis

Diagnose Prostatakrebs: Das Wichtigste auf einen Blick

Die Diagnose Prostatakrebs erfolgt heute mit modernen Verfahren und in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten:

  • PSA-Test,
  • MRT,
  • wenn notwendig einer Prostatabiopsie.

Entscheidend ist die sorgfältige Einordnung aller Befunde im Gesamtzusammenhang. Wird tatsächlich Prostatakrebs diagnostiziert, gibt es oft mehrere medizinisch sinnvolle Wege.

Was bedeutet ein Verdacht auf Prostatakrebs?

Ein Verdacht auf Prostatakrebs bedeutet zunächst, dass ein erhöhter PSA-Wert, ein ungewöhnlicher Verlauf der PSA-Werte, ein auffälliger Untersuchungsbefund oder vorliegende Beschwerden abgeklärt werden.

Wichtig: Ein Verdacht bedeutet nicht automatisch, dass Krebs vorliegt. In vielen Fällen stecken gutartige Ursachen dahinter, wie eine vergrößerte Prostata oder eine Entzündung.

Ziel von weiteren Untersuchungen ist es, Klarheit zu schaffen und gleichzeitig unnötige Eingriffe möglichst zu vermeiden. Die Abklärung erfolgt deshalb schrittweise und orientiert sich an medizinischen Leitlinien, sprich an wissenschaftlich fundierten Empfehlungen.

Wie läuft die Diagnose von Prostatakrebs ab?

Die Diagnose folgt einem klaren Ablauf. Zunächst wird der PSA-Wert beurteilt. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Wert, sondern die Entwicklung über die Zeit, das Lebensalter des Patienten sowie individuelle Risikofaktoren.

Früher führte ein auffälliger PSA-Wert oft automatisch zu einer Biopsie. Heute wird in vielen Fällen zunächst eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata durchgeführt.

Welche Rolle spielt das MRT bei der Prostatakrebs-Diagnose?

Das MRT entwickelt sich zu einem zentralen Bestandteil der Diagnostik. Mit ihm können die Prostata sehr genau dargestellt und verdächtige Bereiche sichtbar gemacht werden. Damit unterstützt die Bildgebung Ärztinnen und Ärzte dabei, das Risiko besser einzuschätzen und die Entscheidung für oder gegen eine Biopsie vorzubereiten.

„Ist das MRT unauffällig und wird das Gesamtrisiko als niedrig eingeschätzt, kann in einigen Fällen zunächst auf eine Gewebeentnahme verzichtet werden. Das ist insbesondere der Fall, wenn nur leicht erhöhte PSA-Werte ohne auffällige Entwicklung vorliegen und zusätzliche Risikofaktoren wie eine familiäre Belastung fehlen“, sagt Prof. Dr. med. Chris Protzel, Chefarzt Urologie in den Helios Kliniken Schwerin.

Dieses Vorgehen wird als risikoadaptierte Diagnostik bezeichnet, sprich: Die Untersuchungen werden auf die persönliche Situation der Patienten angepasst.

Wann ist eine Biopsie nötig?

Eine Prostata-Biopsie wird empfohlen, wenn ein begründeter Verdacht auf Prostatakrebs besteht. Das ist zum Beispiel bei deutlich erhöhten oder im Verlauf auffälligen PSA-Werten im Blut (größer 3 ng/ml), bei verdächtigen MRT-Befunden oder bei einem ausgeprägten familiären Risiko (mehrere Familienmitglieder an Prostatakrebs erkrankt) der Fall.

Die Entscheidung für eine Biopsie erfolgt immer individuell und auf Grundlage aller vorliegenden Untersuchungsergebnisse.

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Ein auffälliger PSA-Wert bedeutet nicht automatisch Krebs. Wichtig ist jetzt eine fundierte medizinische Einordnung. Unsere spezialisierten Zentren begleiten Sie Schritt für Schritt durch die weitere Diagnostik. Wir sind an Ihrer Seite

Helios Kliniken Schwerin

Chefarzt Urologie

Ist das MRT unauffällig und wird das Gesamtrisiko als niedrig eingeschätzt, kann in einigen Fällen zunächst auf eine Gewebeentnahme verzichtet werden. Das ist insbesondere der Fall, wenn nur leicht erhöhte PSA-Werte ohne auffällige Entwicklung vorliegen und zusätzliche Risikofaktoren wie eine familiäre Belastung fehlen.

Was ist eine Prostatabiopsie und wie läuft sie ab?

Die Prostatabiopsie ist eine Gewebeentnahme aus der Prostata. Sie dient dazu, sicher festzustellen, ob tatsächlich Krebszellen vorhanden sind und wie aggressiv der Tumor ist. Damit bildet sie die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.

Bei der Untersuchung werden mit feinen Hohlnadeln mehrere kleine Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Die Entnahme erfolgt in der Regel unter Ultraschall-Kontrolle. Wenn zuvor ein MRT durchgeführt wurde, können auffällige Bereiche gezielt untersucht werden.

Die Prostatabiopsie findet meist ambulant unter örtlicher Betäubung statt. Sie dauert nur wenige Minuten und wird von vielen Männern als ungewohnt, aber gut auszuhalten beschrieben. Häufig empfinden Betroffene die Wartezeit auf das Ergebnis belastender als den Eingriff selbst.

Welche Nebenwirkungen kann eine Prostatabiopsie haben?

Die Prostatabiopsie ist ein etabliertes und sicheres Verfahren. Häufige, meist harmlose Nebenwirkungen sind Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit sowie leichte Beschwerden im Bereich der Prostata. Diese klingen in der Regel nach kurzer Zeit von allein wieder ab.

Selten kann es zu Infektionen kommen, weshalb üblicherweise vorbeugend ein Antibiotikum gegeben wird. Wichtig: Treten Fieber, Schüttelfrost oder starke Beschwerden auf, sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie zuverlässig ist die Prostatabiopsie?

Die Prostatabiopsie gilt als verlässliche Methode, um Prostatakrebs nachzuweisen. Die entnommenen Gewebeproben werden von erfahrenen Pathologinnen und Pathologen untersucht.

Dabei wird nicht nur festgestellt, ob Krebs vorliegt, sondern auch, wie aggressiv der Tumor ist.

Was steht im Befund bei Prostatakrebs?

Der Befund beschreibt vor allem zwei Aspekte: Die Aggressivität des Tumors und die Ausbreitung der Erkrankung.

Wie aggressiv der Tumor ist, wird mithilfe des Gleason-Scores (hier werden die beiden häufigsten Krebsmuster von 1bis 5 bewertet und addiert, zum Beispiel 3+4 = 7) und der ISUP-Gradgruppe (1 bis 5; Gradgruppe 1 steht dabei für ein niedriges Risiko, Gradgruppe 5 für ein hohes Risiko) angegeben. Beide Systeme beschreiben das gleiche Prinzip: Wie stark sich die Krebszellen von gesundem Gewebe unterscheiden. Die ISUP-Gradgruppe übersetzt den Gleason-Score jedoch in eine verständlichere Einteilung.

Zusätzlich wird im Befund angegeben, ob der Tumor lokal auf die Prostata begrenzt ist oder sich ausgebreitet hat. Hierzu sind gegebenenfalls (hoher Gleason-Score oder PSA größer 20 ng/ml) weitere Untersuchungen wie zum Beispiel ein PSMA-PET/CT erforderlich.

„Beide Informationen sind entscheidend für die Behandlung, die meist interdisziplinär in einem Tumorboard mit Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen geplant wird“, sagt Professor Protzel.

Mehr Informationen zum Gleason-Score und der ISUP-Gradgruppe finden Sie im Beitrag „Stadien von Prostatakrebs im Überblick“.

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Prostatakrebs behandeln: Welche Therapie passt zu Ihnen?

Die Sorge vor den Folgen einer Behandlung beschäftigt viele Männer. Moderne Therapieverfahren ermöglichen heute individuelle, präzise und schonende Wege. Entscheidend ist eine Beratung, die Ihre persönliche Situation berücksichtigt.

Muss Prostatakrebs immer sofort behandelt werden?

Nein. Nicht jeder Prostatakrebs muss sofort behandelt werden.

Bei langsam wachsenden Tumoren kann eine aktive Überwachung sinnvoll sein. Das bedeutet regelmäßige Kontrollen ohne sofortige Therapie. Behandelt wird erst dann, wenn sich der Befund verändert.

Ziel ist, unnötige Behandlungen zu vermeiden („Übertherapie“) und gleichzeitig Sicherheit zu schaffen.

FAQ

Die Prostatabiopsie ist eine zuverlässige Methode, um Prostatakrebs nachzuweisen. Sie liefert Informationen über das Vorliegen von Krebszellen und deren Aggressivität.

Nein. Ein MRT kann helfen, das Risiko einzuschätzen und in geeigneten Fällen unnötige Biopsien zu vermeiden. Die endgültige Diagnose wird jedoch erst durch die Gewebeuntersuchung gestellt.

Ein Gleason-Score von 7 liegt im mittleren Aggressivitätsbereich. Dabei unterscheidet man jedoch, wie sich der Wert zusammensetzt: 

 

3+4 = 7a bedeutet, dass überwiegend weniger aggressive Tumoranteile vorliegen, während

 

4+3 = 7b bedeutet, dass der aggressivere Anteil überwiegt. 

Deshalb gilt: 3+4 als günstiger und 4+3 als ungünstiger, obwohl beide denselben Gesamtwert haben. 

Nein. Ein erhöhter PSA-Wert kann viele Ursachen haben, zum Beispiel eine gutartige Prostatavergrößerung oder Entzündungen.

Die Abklärung erfolgt meist in mehreren Schritten und kann einige Tage bis wenige Wochen dauern, abhängig von den notwendigen Untersuchungen.

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Chris Protzel
Chefarzt Urologie