Das Wichtigste im Überblick
- Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst.
- Endometriose-Herde sind häufig an Eierstöcken, Darm, Blase oder Bauchfell zu finden.
- Typische Symptome sind starke Regelschmerzen, chronische Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Darm- und Blasenbeschwerden.
- Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinflussen und ein Grund für unerfüllten Kinderwunsch sein.
- Die Behandlung wird individuell angepasst und kann Schmerztherapie, hormonelle Behandlung, operative Verfahren und sowie Kinderwunschbehandlungen umfassen.
Was ist Endometriose?
Starke Regelschmerzen gelten noch immer häufig als „normal“. Doch sie können ein Hinweis auf Endometriose sein: Eine chronisch entzündliche Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Die Herde können unter anderem in Eierstöcken, Darm, Blase oder Bauchfell auftreten. In seltenen Fällen können auch weiter entfernte Organe betroffen sein.
Die Herde reagieren ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut auf hormonelle Veränderungen während des weiblichen Zyklus. Dadurch kann es zu Entzündungen, Reizungen, Vernarbungen oder Verwachsungen kommen, die Schmerzen verursachen können.
Welche Symptome macht Endometriose?
Die Symptome sind sehr unterschiedlich, je nachdem, wo sich die Endometriose-Herde befinden. Charakteristisch sind starke, wiederkehrende Unterleibsschmerzen, oft zu Beginn oder einige Tage vor der Regelblutung. Typisch sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Darmbeschwerden oder Rückenschmerzen.
„Die Schmerzstärke kann sehr unterschiedlich sein, von leichten Bauchschmerzen bis hin zu stärksten Schmerzen“, sagt Prof. Dr. med. Markus Fleisch, Direktor der Landesfrauenklinik im Helios Universitätsklinikum Wuppertal und Leiter des dortigen Endometriosezentrums. „Viele Frauen erleben bis zur Diagnose einen langen Leidensweg.“
Symptome im Überblick:
- Bauch- und Rückenbeschwerden vor und während der Regelblutung
- starke und gelegentlich auch unregelmäßige Periodenblutungen
- Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr
- Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Schmerzen während des Eisprungs
- Schmerzen im Rahmen gynäkologischer Untersuchungen
- ungewollte Kinderlosigkeit
- starke Erschöpfung
- Kreislaufbeschwerden
- Übelkeit
Verschiedene Formen von Endometriose
Je nach Lage der Herde wird die Erkrankung in drei Gruppen eingeteilt:
- Endometriosis genitalis externa: Die Herde wachsen außerhalb der Gebärmutter im Bereich der Genitalorgane: Eierstöcke, Gebärmutterbänder, Bauchfell im Beckenbereich (Beckenperitoneum) sowie in der Bindegewebsschicht zwischen Scheide und Mastdarm.
- Adenomyose (auch Endometriosis genitalis interna): Endometrioseähnliches Gewebe wächst in die Muskelschicht der Gebärmutter ein.
- Endometriosis extragenitalis: Hier kann es Herde in Harnblase, Harnleiter, Darm inklusive Blinddarm, selten Lunge, Bauchwand am Nabel und im Bereich einer Kaiserschnittnarbe oder im Gehirn geben.
Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Endometriose sind trotz intensiver Forschung bisher nicht sicher geklärt.
Wie wird Endometriose diagnostiziert?
„Die Diagnostik von Endometriose-Herden oder Endometriose-Zysten ist der erste Schritt zu einer individuell abgestimmten Behandlung. Bei uns orientiert sie sich an etablierten medizinischen Leitlinien“, sagt Professor Markus Fleisch.
Häufig ergibt sich bereits aus den geschilderten Beschwerden, der gynäkologischen Untersuchung und spezialisierten Ultraschallverfahren ein starker Verdacht auf Endometriose. Zur Sicherung der Diagnose kann zusätzlich eine Bauchspiegelung mit Gewebeprobe sinnvoll sein.
Je nach Symptomen und Fragestellung oder bei wiederkehrenden Beschwerden können weitere Untersuchungsverfahren wie die Enddarm- oder Harnblasenspiegelung oder die Kernspintomographie (MRT) eingesetzt werden.
Wie wird die Endometriose behandelt?
Die Behandlung einer Endometriose richtet sich unter anderem nach den Beschwerden, dem Alter, einem möglichen Kinderwunsch und danach, welche Organe betroffen sind. Nicht jede Patientin benötigt dieselbe Therapie.
Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und mögliche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit oder betroffene Organe frühzeitig zu begrenzen.
Schmerztherapie
Viele Betroffene erhalten zunächst Medikamente gegen Schmerzen, etwa entzündungshemmende Schmerzmittel. Sie können Beschwerden während der Menstruation oder bei chronischen Unterleibsschmerzen lindern.
Hormonelle Behandlung
Endometrioseherde sind durch Oberflächenrezeptoren meist hormonsensibel, daher können hormonelle Therapien die Aktivität der Herde reduzieren und Beschwerden mildern. Zum Einsatz kommen beispielsweise:
- Gestagenpräparate
- kombinierte hormonelle Verhütungsmittel
- hormonhaltige Spiralen
- spezielle Medikamente zur Unterdrückung des Zyklus
Welche Therapie geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab, etwa vom Alter, Beschwerden oder einem Kinderwunsch.
Operative Behandlung
Bei starken Beschwerden, Organbefall oder unerfülltem Kinderwunsch kann eine Operation sinnvoll sein. Hierbei werden sichtbare Endometrioseherde möglichst vollständig entfernt.
Die Eingriffe erfolgen auch bei ausgedehntem Befall meist minimalinvasiv per Bauchspiegelung. Dieses Verfahren ermöglicht eine genaue Beurteilung des Bauchraums. Mit ihm kann gleichzeitig die Diagnose gesichert als auch die Endometriose behandelt werden.
Bei tief infiltrierender Endometriose wächst das Gewebe tiefer in benachbarte Organe wie Darm, Blase oder Harnleiter ein. „In diesen Fällen ist die Möglichkeit einer interdisziplinären Behandlung wichtig. Die Therapie wird dabei gemeinsam von spezialisierten Fachbereichen wie Gynäkologie, Viszeralchirurgie, Urologie, Radiologie, Schmerzmedizin und gegebenenfalls Reproduktionsmedizin geplant“, sagt der Wuppertaler Experte.
Behandlung bei Kinderwunsch
Abhängig von Alter, Beschwerden und Ausprägung der Endometriose kommen bei Kinderwunsch unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten infrage. Dazu zählen operative Verfahren zur Entfernung von Endometrioseherden ebenso wie Kinderwunschbehandlungen wie IVF (In-vitro-Fertilisation, Befruchtung einer Eizelle im Reagenzglas) oder ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, ein ausgewähltes Spermium wird in eine Eizelle injiziert).
In spezialisierten Zentren werden diese Therapieoptionen gemeinsam mit den Betroffenen abgestimmt.
Leben mit Endometriose
Endometriose ist häufig eine chronische Erkrankung. Deshalb geht es meist nicht nur um eine kurzfristige Behandlung, sondern um eine langfristige Begleitung. Dazu gehören:
- regelmäßige Kontrollen
- individuelle Schmerztherapie
- Unterstützung im Alltag
- Beratung zu Ernährung, Bewegung und Belastung
- psychosoziale Unterstützung bei chronischen Beschwerden
Wichtig zu wissen: Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können Beschwerden erneut auftreten.
FAQ
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Typische Beschwerden sind starke Regelschmerzen, Unterleibsschmerzen und unerfüllter Kinderwunsch.
Leichte Beschwerden während der Periode sind häufig. Sehr starke Schmerzen, die den Alltag einschränken oder regelmäßig die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig machen, sollten jedoch gynäkologisch abgeklärt werden – sie können ein Hinweis auf Endometriose sein.
Die Beschwerden werden häufig als krampfartig, stechend oder ziehend beschrieben. Die Intensität kann stark variieren und steht nicht immer im Verhältnis zum Ausmaß der Erkrankung.
Ja. Endometriose kann auch den Darm betreffen. Mögliche Beschwerden sind Schmerzen beim Stuhlgang, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung – besonders in der Zeit rund um die Menstruation.
Größere Endometrioseherde oder Endometriosezysten können teilweise im Ultraschall sichtbar sein. Kleine Herde lassen sich jedoch nicht eindeutig erkennen. Meist sind weitere Untersuchungen nötig.
Viele Beschwerden werden lange als „normale Regelschmerzen“ eingeordnet. Zudem kann die Erkrankung sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Dadurch vergehen bei vielen Betroffenen häufig mehrere Jahre bis zur Diagnose.
Endometriose gilt derzeit nicht als vollständig heilbar. Mit Medikamenten, hormoneller Therapie oder operativen Verfahren lassen sich Beschwerden jedoch häufig deutlich lindern. Die Beschwerden hören aber meist mit Einsetzen der Wechseljahre auf.
Ja. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können neue Beschwerden oder Endometrioseherde auftreten. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und eine langfristige Betreuung wichtig.