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Schilddrüsendiagnostik

Bevor eine Behandlung der Schilddrüse geplant werden kann, muss eine intensive Diagnostik vorgenommen werden. Unter Einbezug der Krankengeschichte kommen verschiedene Diagnosetechniken zum Einsatz. Welche das sind, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

22.07.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Peter Lamesch
Ultraschall-Untersuchung
Inhaltsverzeichnis

Schilddrüsendiagnostik: Ein Überblick

  • Die Schilddrüsendiagnostik hilft dabei, Veränderungen der Schilddrüse richtig einzuordnen.
  • Die Blutwerte zeigen an, ob die Schilddrüse zu viele oder zu wenig Hormone bildet.
  • Ein Ultraschall ist die Basismethode der Diagnostik: Er informiert über Größe, Struktur und Knoten.
  • Ein auffälliger Befund bedeutet nicht gleich, dass eine schwere Erkrankung vorliegt: Viele Knoten sind gutartig.
  • Für die Diagnose werden Beschwerden, Laborwerte, Ultraschall, Wachstum, Szintigraphie und weitere Verfahren gezielt bewertet.

Wann ist eine Schilddrüsendiagnostik sinnvoll?

Schilddrüsenbeschwerden kommen häufig vor. Eine Vergrößerung, Knoten, Über- oder Unterfunktion sind typische krankhafte Veränderungen der Schilddrüse, die genauer untersucht werden sollten.

"Die Schilddrüsenhormone beeinflussen sowohl den Stoffwechsel als auch Kreislauf und die Psyche und lösen vielfältige Symptome bei einer Störung aus. Wer beispielsweise Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder ein Druckgefühl im Hals bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen", rät Prof. Dr. Peter Lamesch, Chefarzt der endokrinen Chirurgie im Helios Park-Klinikum Leipzig.

Welche Beschwerden sollten abgeklärt werden?

Eine Untersuchung der Schilddrüse ist ratsam bei:

  • Herzrasen, Herzstolpern, hoher Blutdruck
  • Innere Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen
  • ungewollte Gewichtsabnahme oder -zunahme
  • vermehrtes Schwitzen
  • ständige Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
  • depressive Verstimmung
  • Darmprobleme wie Durchfall oder Verstopfung
  • Schluck- und Atembeschwerden
  • Heiserkeit
  • Druck- und Kloßgefühl im Hals
  • Tastbare/sichtbare Schwellung unter dem Kehlkopf
  • Hervortretende Augäpfel
  • Unerfüllter Kinderwunsch

Wichtig: Die Beschwerden können auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen, aber auch andere Ursachen haben.

Helios Park-Klinikum Leipzig

Chefarzt Endokrine Chirurgie

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen sowohl den Stoffwechsel als auch Kreislauf und die Psyche und lösen vielfältige Symptome bei einer Störung aus. Wer beispielsweise Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder ein Druckgefühl im Hals bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen.

Ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung

Am Anfang jeder Diagnostik steht das ausführliche Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sie werden unter anderem nach vorliegenden Beschwerden, Vorerkrankungen und Schilddrüsenerkrankungen in der Familie befragt.

Es schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Hierbei wird die Halsregion zunächst genau betrachtet und anschließend abgetastet. Auf diese Weise lassen sich Vergrößerungen oder Knoten sowohl optisch als auch durchs Erfühlen beurteilen.

Weiter werden der Blutdruck und Puls gemessen, da sich diese Werte bei einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse verändern. Auch Veränderungen an Augen und Haut lassen sich im Rahmen der körperlichen Untersuchung ermitteln.

Blutuntersuchung: Was bedeuten TSH, T3 und T4?

Mit Hilfe der Schilddrüsenwerte lässt sich nachweisen, ob die Schilddrüse normal arbeitet oder eine Funktionsstörung vorliegt.

„Der TSH-Wert ist der wichtigste Laborwert zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion“, sagt der Leipziger Chefarzt. Der Normalbereich für den TSH-Wert liegt zwischen 0,4 und 4,2 Milli-Einheiten pro Liter (mU/l).

  • Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) steigt der TSH-Wert, um die Schilddrüse zur vermehrten Produktion von T3 und T4 anzuregen.
  • Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) sinkt der TSH-Wert, um die Produktion von T3 und T4 zu drosseln.

Sinnvoll bei: allgemeiner Verdacht auf Schilddrüsenerkrankung, wie Über- oder Unterfunktion

Erfahren Sie mehr über die Schilddrüsenwerte und ihre Bedeutung

Antikörper: Hinweise auf Autoimmunerkrankungen

„Wenn der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse besteht, können die Antikörper im Blut bestimmt werden. Hierbei werden Eiweißmoleküle untersucht, die dem Körper helfen, sich gegen unerwünschte Eindringlinge wie Viren oder Bakterien zur Wehr zu setzen“, sagt Prof. Dr. Lamesch. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen.

Zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse gehören:

  • Morbus Basedow
  • Hashimoto-Thyreoiditis

Wichtig: Die Blutwerte sind Hinweis, aber keine abschließende Gesamtbeurteilung. Dafür müssen weitere Untersuchungen erfolgen und bewertet werden.

Sinnvoll bei: allgemeinen Verdacht auf Autoimmunerkrankung der Schilddrüse

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Ultraschall der Schilddrüse

Der Ultraschall (Sonografie) stellt das wichtigste bildgebende Verfahren der Schilddrüsendiagnostik dar. Hierbei wird die Halsregion mit einem Schallkopf untersucht. Dadurch können Rückschlüsse auf Größe, Lage, Form und Gewebebeschaffenheit gezogen werden.

Moderne Geräte können bereits Knoten mit einer Größe von wenigen Millimetern erkennen. Eine Sonografie ist nicht schmerzhaft. Sie ist strahlenfrei und hat keine Nebenwirkungen.

Sinnvoll bei: Vergrößerter Schilddrüse oder Knoten, um Größe, Struktur, Knoten zu ermitteln

Szintigraphie: Aktivitäten sichtbar machen

Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung an der Schilddrüse. Bei diesem Verfahren werden durch die Injektion von leicht radioaktiven Stoffen bestimmte Vorgänge im Körper sichtbar gemacht werden.

Das verwendete Mittel, meist Technetium, markiert dabei den Jodstoffwechsel der Schilddrüse und stellt diesen im funktionierenden Gewebe genau dar. Über- und Unterfunktionen oder die Aktivität von Knoten in der Schilddrüse werden so präzise nachgewiesen. Die Szintigraphie hilft auch dabei, mögliche Tumoren exakt zu bestimmen.

Sinnvoll bei: Verdacht auf kalte oder heiße Knoten, um deren Aktivität nachzuweisen

Feinnadelpunktion: Zellen genauer untersuchen

Besteht der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, kann dieser durch eine Schilddrüsenpunktion gesichert oder ausgeschlossen werden. Die Schilddrüse wird dazu unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen, hohlen Nadel punktiert. Durch Unterdruck kann nun eine Probe entnommen werden, die im Labor untersucht wird. Dadurch lässt sich zwischen einer gutartigen Schwellung oder entarteten Zellen unterscheiden.

Sinnvoll bei: auffälligen Knoten, Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, um Zellveränderungen nachzuweisen

CT und MRT: ergänzende Spezialdiagnostik

Die S3-Leitlinie Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen empfiehlt CT und MRT nicht als Standard-Verfahren zur Abklärung eines Knotens. Hier sind Ultraschall und Szintigraphie sind die bevorzugten Methoden.

CT und MRT können als ergänzende diagnostische Verfahren eingesetzt werden:

  • Ein natives CT kann sinnvoll sein, um die Ausdehnung einer Struma zu bewerten oder beim Verdacht auf Schilddrüsenkrebs. Die Bilder ermöglichen eine exakte Beurteilung von Lage, Größe und Ausbreitung. Ein Kontrastmittel CT sollte man bei Verdacht auf einen Tumor nicht durchführen, da dies eine zeitnahe Planung einer Radiojodtherapie verzögern würde.
  • Ein MRT ist bei Malignom und verdächtigen Befunden indiziert, insbesondere die Lagebeziehung zu den Gefäßen lässt sich gut bewerten.

Stimmbandprüfung vor eine Operation

Vor der Schilddrüsenoperation sollte laut Leitlinie eine sogenannte Laryngoskopie stattfinden. Sie ist insbesondere bei auffälliger Stimme oder nach vorherigen Operationen im Halsbereich empfohlen.

Die Untersuchung dient auch der Qualitätskontrolle nach dem Eingriff.

Die Untersuchung sollte circa ein bis drei Tage vor der geplanten Operation erfolgen. Sie ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.

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FAQ

Eine Überprüfung der Schilddrüsenwerte ist bei zahlreichen Symptomen sinnvoll, denn Beschwerden wie Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen, permanentes Schwitzen oder Haarausfall können auf eine Erkrankung der Schilddrüse hinweisen, aber auch andere Ursachen haben.

 

Wenden Sie sich an Ihre hausärztliche Praxis und lassen Sie im Rahmen der Routineuntersuchung auch die Schilddrüsenwerte mit überprüfen. Dadurch können Auffälligkeiten im Blutbild erkannt und wenn nötig weitere Untersuchungen eingeleitet werden.

 

Bei einem unerfüllten Kinderwunsch kann eine unerkannte Schilddrüsenfehlfunktion dahinterstecken. In diesem Fall sollte das Organ untersucht werden. 

Für die Schilddrüsendiagnostik sind drei Werte von Bedeutung: TSH, fT3 und fT4.

 

  • TSH: Wichtigster Wert. Wird von der Hirnanhangdrüse gebildet und steuert die Schilddrüse. Ist der TSH-Wert zu hoch, kann eine Unterfunktion die Ursache sein. Bei einem zu niedrigen Wert handelt es sich oft um eine Überfunktion.
  • fT3 (freies Trijodthyronin): ein stoffwechselaktives Hormon, das anzeigt, ob der Körper ausreichend mit dem Hormon versorgt ist.
  • fT4 (freies Thyroxin): Umfasst den Speicherhormon-Wert, der in aktives T3 umgewandelt wird.

 

Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung müssen zusätzlich Antikörper bestimmt werden. 

Die Häufigkeit richtet sich nach der individuelle Situation der Patientin oder des Patienten. Bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung werden die Werte in regelmäßigen Abständen überprüft. In der Regel alle sechs bis 12 Monate.

 

Die Überprüfung der Schilddrüsenwerte ist Teil der Früherkennungsuntersuchung im Check-up 35. Dieses kann von gesetzlich Versicherten alle drei Jahre in Anspruch genommen werden. 

Die Feinnadelpunkion der Schilddrüse ist meist nicht oder kaum spürbar. Eine lokale Betäubung ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Für die Punktion werden unter Ultraschallkontrolle sehr dünne Nadeln in den Knoten eingeführt. Sie können währenddessen leichten Druck verspüren. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten.

 

Bei dringendem Verdacht auf einen größeren Tumor der Schilddrüse kann eine Stand Biopsie indiziert sein, diese folgt in der Regel im Lokal. Betäubung gegebenenfalls mit Übernachtung für eine Nacht.

Nein, Sie müssen kein klassisches Kontrastmittel einnehmen.

 

Über die Armvene wird Ihnen eine schwache radioaktive Substanz injiziert, die sich kurzzeitig in der Schilddrüse anreichert. Je nach Substanz liegt die Halbwertzeit circa zwischen sechs bis 13 Stunden. 

Der Ultraschall gilt als Goldstandard in der Schilddrüsendiagnostik, da selbst kleinste Knote, Zysten und Gewebestrukturen gut zu erkennen und beurteilt werden können.

 

Mit der Magnetresonanztomographie können Weichteile und die Lagebeziehung zu Gefäßen gut dargestellt werden, sie wird auch zur Abklärung von Metastasen eingesetzt.

 

Eine Computertomographie kann Bei eingeschränkter sonographische Beurteilung sinnvoll sein, um zum Beispiel eine retrosternale Struma auszuschließen. Dabei wächst die vergrößerte Schilddrüse hinter das Brustbein.

 

Beide Verfahren werden ergänzend zum Ultraschall eingesetzt.

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S3-Leitlinie Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 21.07.2026)