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Helios Park-Klinikum Leipzig erforscht innovative Therapie für fortgeschrittene Darmkrebserkrankung

Das Helios Park-Klinikum Leipzig beteiligt sich als eines von weltweit 30 Zentren an der internationalen, randomisierten Multicenter-Studie „DEL-LIVER“ und wurde als erstes Zentrum in Deutschland für den Einschluss von Patienten freigegeben. Die Studie richtet sich an Patient:innen mit Lebermetastasen einer Darmkrebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium und untersucht eine innovative Form der lokalen Chemotherapie. Gleichzeitig unterstreicht das Klinikum seine besondere Stärke in der modernen Krebsmedizin: Durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit des Viszeralonkologischen Zentrums, des Zentrums für minimal-invasive Therapie und des Thoraxonkologischen Zentrums bietet das Haus eine Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau.

16.03.2026 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 16.03.26
Helios Park-Klinikum Leipzig erforscht innovative Therapie für fortgeschrittene Darmkrebserkrankung

Mit der Beteiligung an der internationalen DEL-LIVER-Studie setzt das Helios Park-Klinikum Leipzig ein starkes Zeichen in der modernen Krebsmedizin. Als erstes in Deutschland und zweites in Europa initiiertes Zentrum innerhalb der weltweit 30 teilnehmenden Studienstandorte wurde in Leipzig bereits der erste Patient evaluiert. Ziel der Studie ist es, eine neue Behandlungsoption für Patient:innen mit kolorektalen Lebermetastasen im Stadium IV zu untersuchen – also für Betroffene, bei denen der Darmkrebs in die Leber gestreut hat und die kaum noch Behandlungsoptionen haben.

Kolorektale Lebermetastasen: Häufigkeit und Behandlungsoptionen

„Lebermetastasen zählen zu den häufigsten Folgen einer Darmkrebserkrankung. Zwischen 25 und 50 Prozent aller Patient:innen mit Darmkrebs entwickeln im Verlauf Lebermetastasen. Der Grund liegt in der besonderen anatomischen Situation: Das Blut aus dem Darm fließt zunächst direkt in die Leber. Dadurch ist sie häufig das erste Organ, in dem sich Tumorzellen absiedeln“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Michael Moche, Chefarzt der Klinik für Interventionelle Radiologie, Leiter des Interdisziplinären Gefäßzentrums und Hauptverantwortlicher für die Studie am Helios Park-Klinikum Leipzig.

 

Für die Behandlung von Lebermetastasen stehen – abhängig vom Stadium der Erkrankung – unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Am Helios Park-Klinikum Leipzig werden diese im interdisziplinären Zusammenspiel von Onkologie, Viszeralchirurgie und Interventioneller Radiologie individuell aufeinander abgestimmt. Zum Einsatz kommen unter anderem systemische Chemotherapien, operative Verfahren sowie zunehmend auch minimal-invasive lokale Therapien, bei denen Metastasen durch Hitze, Kälte oder Strom gezielt zerstört werden können, ohne dem Patienten einer größeren Operation unterziehen zu müssen. In frühen Krankheitsstadien lassen sich Lebermetastasen mit diesen Verfahren häufig sehr schonend und sicher behandeln und die Patienten kommen schnell wieder in ihren Alltag zurück.

 

Schwieriger wird die Therapie, wenn Metastasen weder resezierbar noch anderweitig lokal behandelbar sind. In diesen Fällen bleibt meist nur die systemische Chemotherapie. Sie kann das Fortschreiten der Erkrankung häufig verlangsamen und Lebenszeit gewinnen, stößt jedoch gerade in späteren Therapielinien an Grenzen. Während Erst- und Zweitlinientherapien oft noch gute bis sehr gute Effekte erzielen, nimmt die Wirksamkeit in der dritten Therapielinie deutlich ab. Genau an diesem Punkt setzt die DEL-LIVER-Studie an.

 

Innovatives Verfahren der Chemosaturation

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Chemosaturation – ein Verfahren, bei dem die Leber vorübergehend vom übrigen Blutkreislauf getrennt wird, um das Organ gezielt mit einer hochdosierten Chemotherapie zu behandeln. Die Leber gilt als sehr widerstandsfähiges Organ und kann viel höhere Wirkstoffdosen vertragen, als sie im gesamten Körper verabreicht werden können. Im normalen systemischen Kreislauf ist die Dosis jedoch durch die Belastbarkeit anderer Organe begrenzt. Das in der Studie eingesetzte Verfahren verfolgt deshalb das Ziel, die Leber isoliert zu behandeln und gleichzeitig den restlichen Körper weitgehend zu schützen.

 

Die Chemosaturation erfolgt stationär und in Vollnarkose. Dabei werden minimal-invasiv mehrere Katheter über den Hals- und Leistenbereich eingebracht. Über einen gesonderten, minimal-invasiven Zugang wird die Leberarterie bildgesteuert kanüliert, um das Zytostatikum direkt in die Leber einzuleiten. Das mit dem Medikament angereicherte Blut wird anschließend mittels eines speziellen Systems wieder aus dem Körper ausgeleitet, über ein externes Filtersystem gereinigt und danach in den Blutkreislauf zurückgeführt. So soll verhindert werden, dass die hochdosierte Therapie andere Organe in gleichem Maße belastet wie eine konventionelle systemische Behandlung.

 

Die Idee einer solchen Organabschottung stammt ursprünglich aus der Behandlung von Lebermetastasen des Aderhautmelanoms. Bei dieser Erkrankung konnte durch zahlreiche wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit belegt und das Verfahren in die Behandlungsleitlinien aufgenommen werden. Die DEL-LIVER-Studie untersucht nun, ob sich dieser Ansatz auch auf kolorektale Lebermetastasen übertragen lässt. Innerhalb der Studie erhält eine Gruppe direkt die standardisierte Drittlinien-Chemotherapie ambulant über eine venöse Infusion. Die zweite Gruppe wird zunächst zweimal mit einer Chemosaturation behandelt. Anschließend bekommen auch diese Patienten die standardisierte Drittlinien-Chemotherapie.

Herzzentrum Leipzig

Chefarzt der Klinik für Interventionelle Radiologie

Mit der DEL-LIVER-Studie prüfen wir einen hochinnovativen Therapieansatz für Patientinnen und Patienten, deren Behandlungsmöglichkeiten in einem sehr fortgeschrittenen Stadium begrenzt sind. Unser Ziel ist es, die Lebermetastasen gezielt und intensiver zu behandeln, ohne den gesamten Organismus unnötig zu belasten. Dass wir als erstes Zentrum in Deutschland für die Studie initiiert wurden und ab sofort Patienten einschließen können, unterstreicht die hohe Expertise und die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit an unserem Standort

Die Teilnahme an der DEL-LIVER-Studie kommt aufgrund der eng gefassten Einschlusskriterien nur für ausgewählte Patient:innen infrage. Das Helios Park-Klinikum Leipzig sucht aktiv geeignete Studienteilnehmende. Interessierte erhalten weitere Informationen zu den Voraussetzungen und dem Ablauf auf der Website des Klinikums über die Fachbereichsseite des Zentrums für minimal-invasive Therapie.