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Osteochondrose: Unterschätzte Ursache für Rückenschmerzen

Eine Osteochondrose zählt zu den typischen Abnutzungserkrankungen der Wirbelsäule. Wir erklären Ihnen, wie das Krankheitsbild aussieht, wer davon betroffen ist und welche Therapie Schmerzen lindern kann.

22.07.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Torsten Eichenauer
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Inhaltsverzeichnis

Osteochondrose: Fakten auf einen Blick

  • Es handelt sich um eine (schmerzhafte) Verschleißerkrankung der Knochen und Knorpel der Wirbelsäule.
  • Die häufigsten Ursachen sind dauerhafte Fehlbelastungen und/oder altersbedingte Abnutzungen der Wirbelsäule.
  • Hauptsymptom sind Rückenschmerzen, aber auch Nackenschmerzen oder Schmerzen im Gesäß und in den Beinen sind möglich.
  • Die Behandlung setzt sich zunächst aus konservativen Maßnahmen zusammen, helfen diese nicht ausreichend, kann eine Operation notwendig sein.

Was ist Osteochondrose?

Bei einer Osteochondrose handelt es sich um verschleißbedingte Veränderungen der Bandscheibe sowie der benachbarten Knochen und Knorpel. Die fortschreitenden Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben können zu dauerhaften Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule führen.

Osteochondrose kann in jedem Abschnitt der Wirbelsäule auftreten. Am häufigsten kommt sie im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) und der Halswirbelsäule (HWS) vor. Die Brustwirbelsäule (BWS) ist seltener von der degenerativen Erkrankung betroffen.

Eine Osteochondrose ist in jedem Alter und bei jedem Menschen möglich. Eine besondere Form der Wirbelsäulenerkrankung sind die sogenannten juvenilen Osteochondrosen wie Morbus Perthes und Morbus Scheuermann, die im Kindes- und Jugendalter auftreten.

Ursachen der Osteochondrose

„Die häufigsten Ursachen für eine Osteochondrose sind eine dauerhafte Fehlbelastung oder Abnutzung der Wirbelsäule, insbesondere der Bandscheibe. Dies kann dazu führen, dass die Bandscheibe über einen langen Zeitraum so stark zusammengedrückt wird, dass sie bleibend geschädigt wird“, sagt Dr. Torsten Eichenauer, Oberarzt für Neurochirurgie in den Helios Kliniken Mittelweser.

Dadurch wiederum erhöht sich der Druck auf die benachbarten Knorpel und Knochen, sodass es zu knöchernen Auswüchsen (Osteophyten) kommen kann. In der Folge all dieser Veränderungen treten oft Rückenschmerzen auf.

Eine weitere und oft unterschätzte Ursache kann eine geschwächte tiefe Rückenmuskulatur sein, die Fehlbelastungen der Wirbelsäule begünstigt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Multifidusmuskel. Er ist der kräftigste sowie tiefste Rückenstrecker entlang der Wirbelsäule und stabilisiert sie von hinten ähnlich wie ein Korsett. Bei vielen Menschen mit Osteochondrose ist dieser Muskel zurückgebildet. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Belastung des betroffenen Wirbelsäulenbereichs.

Gut zu wissen: Bei einem Hexenschuss wird der Multifidusmuskel vom Nervensystem gehemmt. Wird diese tiefe Muskulatur nach Abklingen der Beschwerden nicht ausreichend trainiert, können die Muskelfasern schrumpfen und im Verlauf durch Fettgewebe ersetzt werden. Das wird in einem MRT sichtbar.

Mögliche Risikofaktoren für Osteochondrose sind:

  • dauerhaftes und langjähriges Heben oder Tragen schwere Lasten
  • frühere Bandscheibenvorfälle
  • Fehlstellungen der Wirbelsäule wie beispielsweise Skoliose
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
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Helios Kliniken Mittelweser, Nienburg

Ärztlicher Leiter MVZ, Oberarzt Neurologie

Die häufigsten Ursachen für eine Osteochondrose sind eine dauerhafte Fehlbelastung oder Abnutzung der Wirbelsäule, insbesondere der Bandscheibe.

Welche Symptome sind typisch?

Eine Osteochondrose macht sich nicht immer sofort durch Schmerzen bemerkbar. Im Laufe der Zeit leiden viele Betroffene unter starken Schmerzen im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt.

Je nachdem in welchem Bereich der Wirbelsäule die Osteochondrose vorliegt, können die Schmerzen auch in andere Körperbereiche ausstrahlen.

Eine Osteochondrose auf Höhe der Halswirbelsäule kann zu Nackenschmerzen führen, die bis in die Finger zu spüren sind. Auch Kopfschmerzen und Verspannungen sind möglich.

Ist der untere Bandscheibenbereich (LWS) vom Verschleiß betroffen, können die Schmerzen bis in das Gesäß und in die Rückseiten der Beine ziehen.

Wichtig: Gehen die Schmerzen mit einem Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Beinen einher, treten Lähmungserscheinungen oder Probleme beim Wasserlassen beziehungsweise Stuhlgang auf, liegt ein Notfall vor, der sofort behandelt werden muss. Bitte suchen Sie eine Notaufnahme auf oder rufen Sie den Rettungsdienst!

Diagnostik der Osteochondrose

Am Anfang der Diagnostik stehen ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte sowie eine körperliche Untersuchung.

Bei länger anhaltenden oder chronischen Rückenschmerzen sind bildgebende Verfahren in der Regel das Diagnoseverfahren der Wahl. Meist wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) in Kombination mit einer Röntgenuntersuchung genutzt.

Mit der MRT werden entzündliche Prozesse und Stoffwechselvorgänge in Knorpeln, der Bandscheiben, dem Zustand der Muskulatur (Weichteilgewebe) oder den Nerven sichtbar gemacht. Das Röntgenbild hingegen gibt Aufschluss über einen gegebenenfalls verringerten Abstand zwischen den Wirbelkörpern oder vorliegende knöcherne Anbauten.

Behandlung der Osteochondrose

Ob die Osteochondrose konservativ mit Medikamenten und Physiotherapie oder operativ behandelt wird, hängt von ihrer Schwere und Dauer ab.

Physiotherapie und medikamentöse Behandlung

Gegen akute Schmerzen kommen meist schmerzlindernde, muskelentspannende oder entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Häufig wird zudem versucht, die Rückenmuskulatur durch krankengymnastische Übungen zu stärken, sodass die Wirbel der betroffenen Rückenpartie entlastet werden. Der Muskelaufbau braucht jedoch Zeit und erfordert, die Übungen auch außerhalb der Physiotherapie zu Hause durchzuführen.

Sollten diese Therapieformen nicht helfen, kommen minimalinvasive Injektions- oder Infiltrationsbehandlungen infrage.

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Operative Therapie

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder es zu starken Schmerzen über Monate oder Jahre kommt, kann eine Operation in Betracht gezogen werden.

Möglich ist dann beispielsweise die Implantation von bewegungserhaltenden Bandscheibenprothesen. Bei fortgeschrittenem Bandscheibenverschleiß hilft häufig nur die Versteifung (Spondylodese) mit Platzhaltern und Schrauben beziehungsweise Plattensystemen.

Bei Bandscheibenprothesen sowie Versteifungen im Lendenwirbelbereich beträgt der Krankenhausaufenthalt circa sieben bis neun Tage. Sobald die Patientin oder der Patient nach dem Eingriff wieder belastbar ist, können sich Reha-Maßnahme anschließen. Die Regelkrankschreibungszeit beträgt circa acht bis 12 Wochen.

„Ein minimal-invasiver Ansatz ist die Stimulation von Nerven in der Nähe des Multifidusmuskels im Lendenbereich. Hierbei werden Elektroden in die Nähe der Nerven, welche den Muskel steuern, implantiert. Der Multifidusmuskel wird anschließend durch feine über die Nerven fortgeleitete Stromstöße zum Arbeiten angeregt“, sagt Dr. Torsten Eichenauer.

Ähnlich wie beim Training im Fitnessstudio braucht es hier drei bis sechs Monate, um einen deutlichen Stabilitätseffekt zu erzielen, der dann mit einer entsprechend nachhaltigen Schmerzreduktion einhergeht. Die restorative Neurostimulation des Multifidusmuskels ist für ausgewählte Patientinnen und Patienten geeignet, die nicht auf konventionelle Therapien ansprechen.

Prävention und Übungen

Um einer Osteochondrose bestmöglich vorzubeugen, sollte eine dauerhafte Fehlbelastung des Rückens beziehungsweise der Gelenke vermieden werden. Wer regelmäßig schwer hebt oder trägt, sollte währenddessen auf einen geraden Rücken achten.

Richtig heben

Dr. Torsten Eichenauer: „Wichtig ist zudem, die Rückenmuskulatur durch Rückengymnastik zu stärken oder Sportarten zu wählen, die als rückenfreundlich gelten. Dazu zählen unter anderem Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking.“

FAQ

Nein, bei Osteochondrose kommt es zu verschleißbedingten Veränderungen der Bandscheibe sowie der benachbarten Knochen und Knorpel, die sich nicht mehr zurückbilden. Ziel der Behandlung ist daher, die Beschwerden zu lindern und den Bewegungsumfang des Gelenks zu erhalten.

Moderate Bewegung ist in der Regel sinnvoller als Schonen. Sie hilft, den Rücken beweglich zu halten. Sind die Schmerzen besonders stark, bieten sich Spaziergänge an.

 

Geeignet sind Übungen, die die Rückenmuskulatur stärken, um so abgenutzte Bandscheiben und Wirbelkörper zu entlasten. Geeignete Sportarten sind Schwimmen, Wassergymnastik, Nordic Walking und Radfahren.

 

Weniger geeignet sind Sportarten mit ruckartigen Bewegungen, Stoßbelastungen und Verdrehungen, darunter Tennis, Fußball, Joggen und schweres Krafttraining.

Nein, die Erkrankungen betreffen unterschiedliche Strukturen. Sie können jedoch gemeinsam auftreten.

 

Arthrose: Hierbei handelt es sich um den fortschreitenden Knorpelverschleiß an Gelenken. Dieser kann durch langfristige Überlastung oder das Alter auftreten. Der Knorpel nimmt ab, sodass mit Fortschreiten der Arthrose die Knochen aufeinander reiben können, was zu Schmerzen führt.

 

Osteochondrose: Die Erkrankung entsteht durch die Abnutzung der Bandscheiben, die wie Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln liegen. Durch den Bandscheibenverschleiß wird das Knochengewebe dichter, an den Oberflächen bilden sich knöcherne Anbauten.

 

Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall ist ein akutes Ereignis, bei dem es zu einer Vorwölbung und einem Vordrücken der Bandscheibe kommt. Dabei wird der innere Kern nach außen gedrückt. Passiert das in Richtung des Wirbelkanals, kann es zur Reizung des Nervengewebes und ausstrahlenden Nervenschmerzen führen.

Ja. Helfen die konservativen Verfahren nicht mehr ausreichend oder stellen sich chronische Schmerzen ein und wird die Lebensqualität beeinträchtigt, sollte über eine Operation nachgedacht werden.

Bei der juvenilen Osteochondrosis dissecans kommt es zu einer Durchblutungsstörung unter dem Gelenkknorpel, was zum Absterben von Knochenbereichen führen kann. Bei Morbus Perthes kommt es zum Beispiel zur Hüftkopfnekrose. Das heißt, das Knochengewebe wird nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und kann abstreben.

 

Morbus Scheuermann beschreibt eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule. Sie tritt meist im mittleren bis unteren Bereich der Brustwirbelsäule auf und führt zu einem Rundrücken. Die Erkrankung kann lebenslange Fehlhaltungen und Rückenschmerzen mit sich bringen. 

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