Spondylitis – das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Spondylitis ist eine Entzündung bzw. Infektion eines Wirbelkörpers. Wenn zusätzlich Bandscheiben und angrenzende Wirbelkörper betroffen sind, spricht man von einer Spondylodiszitis.
- Häufig sind Bakterien die Ursache; Staphylococcus aureus gehört zu den häufigsten Erregern.
- Typische Beschwerden sind anhaltende oder zunehmende Rückenschmerzen. Fieber muss nicht vorhanden sein.
- Zur Diagnostik gehören insbesondere neurologische Untersuchung, Blutuntersuchungen einschließlich CRP/BSG und Blutkulturen sowie eine MRT.
- Die Behandlung erfolgt bei bakteriellen Infektionen in erster Linie mit Antibiotika. Wenn möglich, sollte der Erreger vor Beginn einer Antibiotikatherapie bestimmt werden.
- Eine Operation kann bei neurologischen Ausfällen, Abszessen, Instabilität, ausgeprägter Wirbelkörperzerstörung oder fehlendem Ansprechen auf die Behandlung notwendig werden.
- Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung sind die Heilungschancen in den meisten Fällen gut.
- Bei neurologischen Ausfällen, Blasen- oder Darmstörungen, starker Verschlechterung oder Zeichen einer schweren Infektion ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.
Was ist eine Spondylitis beziehungsweise Spondylodiszitis?
Bei einer Spondylitis handelt es sich um eine Entzündung beziehungsweise Infektion eines Wirbelkörpers. Sind zusätzlich die angrenzende Bandscheibe und die benachbarten Wirbelkörper betroffen, spricht man von einer Spondylodiszitis. Eine bakterielle Infektion der Wirbelkörper wird auch als vertebrale Osteomyelitis bezeichnet.
Die Begriffe werden im medizinischen Alltag teilweise unterschiedlich verwendet. Entscheidend ist, dass eine Infektion der Wirbelsäule frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird.
Welche Ursachen gibt es?
Bei einer infektiösen Spondylitis oder Spondylodiszitis sind meist Bakterien die Ursache. Sie gelangen häufig über die Blutbahn von einem anderen Infektionsherd im Körper zur Wirbelsäule. Ein möglicher Ausgangspunkt kann beispielsweise ein Harnwegsinfekt, eine Haut- oder Weichteilinfektion oder eine Infektion im Bereich der Zähne sein. Nicht immer lässt sich jedoch ein ursprünglicher Infektionsherd feststellen.
Zu den häufigsten Erregern gehört Staphylococcus aureus. Daneben kommen je nach Ausgangssituation weitere Bakterien und – insbesondere bei bestimmten Risikopatientinnen und -patienten – auch andere Erreger infrage.
Ein erhöhtes Risiko für eine Wirbelsäuleninfektion besteht unter anderem bei älteren oder immungeschwächten Menschen sowie bei bestimmten chronischen Erkrankungen und nach bestimmten medizinischen Eingriffen.
Nicht-infektiöse Entzündungen
Von den infektiösen Wirbelsäulenentzündungen müssen entzündlich-rheumatische Erkrankungen unterschieden werden. Hierzu gehören beispielsweise Morbus Bechterew (axiale Spondyloarthritis) oder eine Psoriasisarthritis.
Diese Erkrankungen werden nicht durch Bakterien verursacht und benötigen daher eine andere Diagnostik und Behandlung.
Welche Beschwerden verursacht eine Spondylitis?
Das wichtigste Symptom sind anhaltende oder zunehmende Rückenschmerzen im Bereich der betroffenen Wirbelsäule.
Typisch können sein:
- starke oder neu aufgetretene Rückenschmerzen
- Schmerzen, die auch in Ruhe oder nachts bestehen
- eine zunehmende Bewegungseinschränkung
- Druck- oder Klopfschmerz über der betroffenen Wirbelsäule
- Fieber oder Schüttelfrost
- Abgeschlagenheit und allgemeines Krankheitsgefühl
Je nachdem, welcher Abschnitt der Wirbelsäule betroffen ist, können Schmerzen in Arme oder Beine ausstrahlen.
Wichtig: Fieber muss nicht vorhanden sein. Gerade bei älteren Menschen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Wirbelsäuleninfektion auch ohne deutliches Fieber verlaufen.
„Treten zusätzlich Taubheitsgefühle, Kribbeln, Lähmungserscheinungen oder Probleme mit Blase oder Darm auf, ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich", sagt PD Dr. Dr. Jorge Terzis, Chefarzt der Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal.
Wie wird eine Spondylitis diagnostiziert?
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden und mögliche Infektionen oder Risikofaktoren. Anschließend erfolgt eine körperliche und insbesondere eine neurologische Untersuchung.
Blutuntersuchungen
Im Blut werden insbesondere die Entzündungswerte CRP und BSG bestimmt. Zusätzlich sollten bei Verdacht auf eine bakterielle Wirbelsäuleninfektion möglichst Blutkulturen abgenommen werden.
Blutkulturen können helfen, den verantwortlichen Erreger zu identifizieren und dadurch eine gezielte Antibiotikatherapie zu ermöglichen.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die wichtigste bildgebende Untersuchung bei Verdacht auf eine Spondylodiszitis ist die Magnetresonanztomographie (MRT) der Wirbelsäule.
Mit einer MRT lassen sich nicht nur Veränderungen an Wirbelkörpern und Bandscheiben erkennen. Sie kann auch zeigen, ob sich die Infektion beispielsweise in das umgebende Gewebe ausgebreitet hat oder ein Abszess entstanden ist. Dieser kann zum Beispiel zu einer Eiteransammlung im Rückenmarkskanal (epidural), neben der Wirbelsäule (paravertebral) oder im tiefen Hüftbeugemuskel (psoasnah) führen.
Röntgenaufnahmen können insbesondere im frühen Stadium noch unauffällig sein. Sie können jedoch bei länger bestehenden Erkrankungen knöcherne Veränderungen oder eine Instabilität zeigen.
Gewebeprobe
Kann der Erreger nicht durch Blutkulturen nachgewiesen werden, kann eine bildgesteuerte Punktion beziehungsweise Biopsie des betroffenen Bereichs sinnvoll sein. Dabei werden Gewebe und/oder Flüssigkeit entnommen und mikrobiologisch untersucht.
Wenn möglich, sollte die mikrobiologische Diagnostik vor Beginn einer Antibiotikatherapie erfolgen. Bei schwer kranken Patientinnen und Patienten, beispielsweise bei einer Sepsis oder neurologischer Verschlechterung, darf eine notwendige Antibiotikatherapie jedoch nicht verzögert werden.
Eine Gewebeprobe kann außerdem wichtig sein, wenn die Ursache der Veränderungen unklar ist und beispielsweise eine Tumorerkrankung als mögliche Ursache ausgeschlossen werden muss.
Wie wird eine Spondylitis behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, dem verursachenden Erreger, dem Ausmaß der Erkrankung und dem Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten.
Bei einer bakteriellen Infektion besteht die Behandlung in erster Linie aus einer gezielten Antibiotikatherapie. Zusätzlich können Schmerzmittel und, abhängig von der Stabilität und den Beschwerden, eine zeitweise Entlastung oder Versorgung mit einer Orthese erforderlich sein.
Antibiotikatherapie
Wenn ein Erreger nachgewiesen wurde, kann die Antibiotikatherapie gezielt auf diesen Erreger abgestimmt werden.
Kann kein Erreger nachgewiesen werden, kann unter bestimmten Voraussetzungen zunächst eine empirische Antibiotikatherapie notwendig sein, die sich an den wahrscheinlichsten Erregern orientiert.
Bei stabilen Patientinnen und Patienten sollte, sofern möglich, zunächst die mikrobiologische Diagnostik erfolgen. Bei einer Sepsis, Kreislaufinstabilität oder neurologischer Verschlechterung muss die Behandlung jedoch unverzüglich beginnen.
Die Behandlungsdauer beträgt bei einer unkomplizierten bakteriellen Wirbelsäuleninfektion häufig etwa sechs Wochen. In bestimmten Situationen kann eine längere Behandlung erforderlich sein. Die Dauer wird individuell anhand des Erregers, des Krankheitsverlaufs und des Ansprechens auf die Therapie festgelegt.
Wann ist eine Operation erforderlich?
Eine Operation ist nicht bei jeder Spondylodiszitis notwendig. Sie kann jedoch erforderlich werden, wenn beispielsweise
- neurologische Ausfälle auftreten,
- das Rückenmark oder die Nerven durch einen Abszess oder entzündliches Gewebe gefährdet oder komprimiert werden,
- eine relevante Instabilität der Wirbelsäule besteht,
- die Wirbelkörper durch die Infektion stark zerstört sind,
- sich eine Fehlstellung entwickelt oder droht,
- die Schmerzen trotz angemessener konservativer Behandlung anhalten oder zunehmen,
- die Infektion trotz Antibiotikatherapie fortbesteht oder sich weiter ausbreitet,
- ein Abszess operativ entlastet werden muss.
Bei einer Operation wird, abhängig von der individuellen Situation, der Infektionsherd entfernt beziehungsweise ausgeräumt und gegebenenfalls eine Drainage eines Abszesses durchgeführt.
"Ist die Wirbelsäule durch die Infektion instabil geworden oder sind Wirbelkörper erheblich zerstört, kann zusätzlich eine operative Stabilisierung erforderlich sein", sagt Chefarzt Terzis. Bei ausgeprägter Zerstörung kann auch ein teilweiser oder vollständiger Wirbelkörperersatz notwendig werden.
Wie wird der Behandlungserfolg kontrolliert?
Der Verlauf wird anhand der Beschwerden, der körperlichen und neurologischen Untersuchung sowie der Blutwerte, insbesondere des CRP, kontrolliert.
Eine Kontroll-MRT ist nicht grundsätzlich bei jeder Patientin und jedem Patienten erforderlich. Wenn sich Beschwerden und Entzündungswerte unter der Behandlung erwartungsgemäß bessern, kann auf eine routinemäßige MRT-Kontrolle verzichtet werden.
Bei fehlender klinischer Besserung, zunehmenden Beschwerden oder dem Verdacht auf ein Therapieversagen kann eine erneute bildgebende Untersuchung notwendig sein.
FAQ
Typische Beschwerden sind neu aufgetretene oder zunehmende Rückenschmerzen, insbesondere wenn sie anhaltend sind oder auch in Ruhe und nachts auftreten. Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl können hinzukommen, müssen aber nicht vorhanden sein.
Eine sichere Diagnose ist anhand der Beschwerden allein nicht möglich. Sie erfordert eine ärztliche Untersuchung, Blutuntersuchungen und in der Regel eine MRT.
Eine bakterielle Spondylitis beziehungsweise Spondylodiszitis ist in den meisten Fällen gut behandelbar und heilbar, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.
Die Behandlung kann eine länger dauernde Antibiotikatherapie erfordern. Bei bestimmten Krankheitsverläufen ist zusätzlich eine Operation notwendig.
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie Morbus Bechterew sind dagegen chronische Erkrankungen. Sie sind nicht heilbar, können aber mit modernen Medikamenten meist sehr gut kontrolliert werden.
Die Endung „-itis“ weist auf einen entzündlichen Prozess hin. Eine Spondylitis bezeichnet eine Entzündung beziehungsweise Infektion eines Wirbelkörpers.
Eine Spondylose beschreibt dagegen verschleißbedingte Veränderungen der Wirbelsäule. Sie ist keine Infektion.
Eine sofortige ärztliche beziehungsweise notfallmäßige Abklärung ist erforderlich bei:
- neu auftretenden Lähmungen oder deutlichen Kraftverlusten
- Taubheitsgefühlen oder ausgeprägten neurologischen Ausfällen
- Problemen beim Gehen oder Stehen
- neu auftretenden Störungen der Blasen- oder Darmfunktion
- starken oder rasch zunehmenden Rückenschmerzen
- hohem Fieber, Schüttelfrost oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl
- Kreislaufproblemen oder anderen Zeichen einer schweren Infektion
Insbesondere die Kombination aus Wirbelsäuleninfektion und neurologischen Ausfällen kann auf eine gefährliche Kompression von Rückenmark oder Nerven hinweisen und erfordert eine unverzügliche Behandlung.
Die Behandlungsdauer ist individuell unterschiedlich. Bei einer bakteriellen Wirbelsäuleninfektion dauert die Antibiotikatherapie häufig etwa sechs Wochen. Je nach Erreger, Ausmaß der Infektion, Begleiterkrankungen und Krankheitsverlauf kann eine längere Behandlung erforderlich sein.
Nach einer Operation kann zusätzlich eine längere Rehabilitation notwendig sein.