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Knorpelersatzverfahren: Weniger Schmerzen durch neuen Knorpel?

Knorpelschäden können zu Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit im Gelenk führen. Mit sogenannten Knorpelersatzverfahren können Defekte am Knorpel behoben werden. Erfahren Sie, was dabei passiert.

03.07.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Peter Riess
Operation 07
Inhaltsverzeichnis

Was sind Knorpel und welche Aufgabe haben sie?

"Knorpel dienen zwischen Knochen als eine Art Stoßdämpfer und sorgen dafür, dass die Gelenkflächen nicht aufeinander reiben. Ist der Knorpel aber verletzt, rissig oder ganz abgenutzt, etwa bei Kniearthrose, verursacht dies bei Betroffenen Schmerzen", sagt Dr. Peter Riess, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie im Helios Klinikum Niederberg.

Die Beschwerden können je nach Arthrosestadium zunächst nur in Bewegung und im weiteren Verlauf auch in Ruhe auftreten.

Welche Ursachen haben Knorpelschäden?

 

Schäden am Gelenkknorpel können durch verschiedene Faktoren entstehen. Dazu zählen:

 

  • Akute Verletzung: Ein Unfall oder eine Sportverletzung, wie zum Beispiel eine Sprunggelenks- oder Knieverletzung, kann den Knorpel direkt schädigen.

  • Degenerative Veränderungen: Durch eine altersbedingte Knorpelabnutzung (primäre Arthrose) kann es zum fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels kommen.

  • Entzündliche Erkrankungen: Autoimmunerkrankungen oder auch rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis können den Knorpel angreifen und diesen abbauen.

  • Fehlstellungen oder Gelenkfehlbildungen: Die ungleichmäßige Belastung des Knorpels aufgrund von angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen (X- oder O-Beine) kann den Knorpel dauerhaft schädigen.

 

Welche Beschwerden verursacht ein Knorpelschaden?

 

Hauptsymptom von Knorpelschäden (Chondropathie) sind Schmerzen. In frühen Stadien treten sie nur in Bewegung und bei Belastung auf. Schreitet der Knorpelverschleiß voran, treten die Beschwerden auch in Ruhe auf.

 

Weitere Beschwerden sind u. a.:

 

  • Steifheit und eingeschränkte Beweglichkeit des Gelenks nach dem Aufstehen oder längerem Sitzen

  • Schwellung begleitet von Wärme oder Rötung

  • Reibegeräusche, bei stark abgenutzter Knorpelschicht

 

Wie werden Knorpelschäden diagnostiziert?

 

Ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung stellen die Basis der Diagnostik.

 

Eine Röntgenuntersuchung kann das Ausmaß der Erkrankung und typische Veränderungen wie einen schmaler Gelenkspalt sichtbar machen. Gleichzeitig dient es auch zum Ausschluss einer knöchernen Verletzung. Mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) werden Risse am Knorpel sichtbar.

 

Eine rheumatische Erkrankung oder Gicht lässt sich durch eine Blutuntersuchung und einen Ultraschall ausschließen.

Helios Klinikum Niederberg

Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie

Knorpel dienen zwischen Knochen als eine Art Stoßdämpfer und sorgen dafür, dass die Gelenkflächen nicht aufeinander reiben. Ist der Knorpel aber verletzt, rissig oder ganz abgenutzt, etwa bei Kniearthrose, verursacht dies bei Betroffenen Schmerzen.

Konservative Behandlung von Knorpelschäden

Je nach Ausmaß der Chondropathie kann zunächst eine konservative Therapie erfolgen. Sie eignet sich meist für oberflächliche und kleine Knorpeldefekte.

Zu den konservativen Maßnahmen zählen unter anderem eine Schmerzmittelgabe, Kälte- oder Wärmeanwendungen, Physiotherapie oder Infiltrationen.

Wann kommt ein Knorpelersatzverfahren infrage?

Bringt die konservative Therapie keine ausreichende Linderung mehr oder sind die Knorpelschäden bereits zu tief, ist meist die operative Sanierung des Knorpels erforderlich.

Welche Knorpelersatzverfahren gibt es?

Bei schweren Knorpelschäden gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Defekt zu reparieren beziehungsweise zu ersetzen.

Mikrofrakturierung (Knochenmarkstimulation)

Dieses arthroskopische Operationsverfahren dient zur Reparatur kleiner, tiefer Knorpeldefekte, die bis auf den darunterliegenden Knochen reichen. „Bei dem Verfahren werden kleine Löcher in den Knochen unterhalb des Knorpelschadens gebohrt. Aus den kleinen Knochenwunden, sogenannte Mikrofrakturen, tritt Blut aus, welches Stammzellen aus dem Knochenmark enthält“, erklärt Dr. Peter Riess. Diese siedeln als Blutpfropf im Bereich des Knorpelschaden an. Aus diesem kann der Körper neues Knorpelgewebe (Faserknorpel) bilden.

AMIC (Autologous Matrix Induced Chondrogenesis) ist eine Weiterentwicklung des Verfahrens: Nach der Anbohrung des Knochens, wird eine Membran in den Knorpeldefekt eingelegt. Dadurch können sich die Zellen dann in der dreidimensionalen Membran verteilen.

Mikrofrakturierung ist vor allem für jüngere, aktive Personen geeignet oder nach einer Sportverletzung. Bei älteren Personen oder bei fortgeschrittenem, großflächigem Knorpelabbau sowie bei Übergewicht, X- beziehungsweise O-Beinen ist das Verfahren keine Option.

Mosaikplastik (OATS-Plastik)

Bei der Mosaikplastik – auch OATS (Osteochondrale Autologe Transplantation) genannt – handelt es sich um ein chirurgisches Verfahren, bei dem Knorpelschäden mit kleinen Knorpel-Knochen-Zylindern aus dem eigenen Gelenk behandelt und damit verschlossen werden. Dazu werden kleine, runde Knorpel-Knochen-Zylinder aus unbelasteten Bereichen des Gelenks entnommen und an der Stelle des Knorpelschadens wieder eingesetzt.

Vorteil dieser Methode ist, dass die geschädigte Gelenkfläche wird mit körpereigenem Knorpel ersetzt wird, wodurch eine vorherige Anzucht im Labor nicht nötig ist.

Die Mosaikplastik ist für jüngere bis mittlere Altersgruppen geeignet sowie für Personen, die nach der Heilung wieder eine hohe Belastbarkeit des Gelenks benötigen. Ist bereits der gesamte Knorpel verschlissen, ist das Verfahren nicht mehr anwendbar.

Knorpel-Zell-Transplantation

Größere, örtlich begrenzte Knorpelschäden mit einer ansonsten unbeschädigten Gelenkfläche an Knie oder Sprunggelenk können mit dem Knorpelersatzverfahren behandelt werden. Dazu werden zunächst Knorpelstücke aus dem betroffenen Gelenk entnommen. Diese werden anschließend im Labor angezüchtet und vermehrt. Hierbei entsteht genügend neuer Knorpel der dann einem zweiten Eingriff wiedereingesetzt wird.

Die Knorpel-Zell-Transplantation, auch autologe Chondrozytentransplantation genannt, ist vor allem für jüngere Personen geeignet, deren Gelenkverschleiß noch in einem frühen Stadium ist.

Minced Cartilage

Bei diesem neueren Verfahren wird der Knorpeldefekt mit körpereigenen Knorpelzellen behandelt. Dazu werden Knorpelstücke aus dem Randbereich des Defekts entnommen und zerkleinert (englisch: „minced"). Anschließend werden die zerkleinerten Stücke wieder in denselben Bereich eingebracht. Im Heilungsverlauf bildet sich aus den eingebrachten Knorpelstücken neues Ersatzknorpelgewebe.

Im Gegensatz zur Knorpel-Zell-Transplantation ist hierfür kein zweiter Eingriff notwendig. Ärztinnen und Ärzte sprechen daher auch von einem einzeitigen Eingriff.

Minced Cartilage ist vor allem für jüngere und Personen mittleren Alters geeignet, mit einem örtlich begrenzten Knorpelschaden im Knie- oder Sprunggelenk.

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Nachsorge: Was passiert nach der Operation?

In Abhängigkeit vom angewendeten Verfahren ist eine Entlastung oder Teilentlastung des Gelenks von mindestens sechs Wochen notwendig. Auch eine Schiene kann nötig werden. Darüber wird im Vorfeld des Eingriffs mit Ihnen gesprochen.

Zudem schließt sich eine Physiotherapie an. Auf sportliche Aktivitäten sollten Sie für vier bis fünf Monate verzichten. Wann genau Sie wieder mit dem Sport anfangen können und was dabei zu beachten ist, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Welche Risiken haben Knorpelersatzverfahren?

Wie jeder operative Eingriff bestehen auch bei Knorpelersatzverfahren mögliche Risiken. Dazu zählen

  • Infektionen,
  • Thrombosen,
  • Wundheilungsstörungen,
  • Schmerzen sowie eine
  • Bewegungseinschränkung.

Über diese werden Sie vor der Operation ausführlich informiert.

FAQ

Ein Knorpelschaden kann eine lokal begrenzte Verletzung oder ein Verschleiß des Knorpels sein. Dadurch ist die Schutzschicht der Gelenkflächen nicht mehr vollständig intakt.

 

Ursächlich sind:

  • eine Verletzung, etwa durch einen Unfall oder
  • eine Abnutzung durch Alterung oder Fehlbelastung

Zu den typischen Beschwerden zählen Schmerzen bei Bewegung oder Belastung, Einschränkungen in der Beweglichkeit sowie Schwellungen.

 

Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung. Das heißt, sie entsteht durch einen über das altersübliche Maß hinausgehenden Verschleiß des Gelenks. 

 

Ursächlich sind:

  • primäre Arthrose: ohne auslösende Faktoren, oft altersbedingt
  • sekundäre Arthrose: Folge von Verletzungen oder angeborenen Fehlbildungen

 

Typische Beschwerden sind unter anderem Anlaufschmerzen nach Ruhephasen, Gelenksteifigkeit und Nachtschmerz.

 

Knorpelschäden und Arthrose sind zwei unterschiedliche Diagnosen, deren Behandlungsansätze sich unterscheiden. Daher ist die richtige Diagnose entscheidend für die weitere Behandlung. 

Ziel ist es, dass ein kompletter Ersatz des Kniegelenks durch eine Prothese zeitlich deutlich aufgeschoben oder sogar vermieden wird. Ob dieses Ziel in jedem Fall erreicht wird, ist immer eine Einzelfallentscheidung und kann nicht pauschal gesagt werden.

 

Dies ist immer eine Einzelfallentscheidung, die von Faktoren wie Größe des Knorpeldefektes, Lokalisation des Defektes, Alter, Lebensumstände und Begleiterkrankungen beeinflusst wird. 

Sie können die Knorpelgesundheit unterstützen, indem Sie einige Punkte beachten:

 

In einem frühen Stadium der Arthrose kann das Knorpelersatzverfahren sinnvoll sein. Zudem sollte der Knorpelschaden örtlich begrenzt sein. Ist die Arthrose schon zu weit fortgeschritten, kommt das Verfahren nicht mehr infrage. 

Bei einem erfolgreichen Einheilen kann ein neuer Knorpel oft 10 bis 15 Jahre oder auch länger halten. Die Haltbarkeit ist von Faktoren wie der Ursache (Sportverletzung oder Arthrose), der Gelenkbelastung (z. B. Übergewicht, starke körperliche Belastung) und auch dem Alter sowie Stoffwechsel abhängig. 

Wenn eine klare medizinische Notwendigkeit besteht, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für bestimmte verfahren. 

Frag die Docs: Wie behandelt man Arthrose?

In dieser Folge von „Frag die Docs" besucht Dr. Carola Holzner, auch bekannt als Doc Caro, die Helios ENDO-Klinik in Hamburg, um alles über Arthrose zu erfahren. Sie spricht mit Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor, über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Gelenkkrankheit.

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