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Wechseloperation (Revision) bei Gelenkersatz

Die Implantation eines Kunstgelenkes ist einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe in der Orthopädie. Manchmal können jedoch nach einiger Zeit erneut Beschwerden auftreten, die einen Wechsel des Kunstgelenks erforderlich machen. Erfahren Sie alles Wissenswerte rund um Revisionsoperationen bei künstlichen Gelenken.

27.07.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Benjamin Bücking
Operation
Inhaltsverzeichnis

Wechseloperation: Wissen auf einen Blick

  • Die häufigsten Gründe für einen Prothesenwechsel sind Lockerung, Verschleiß und Infektionen.
  • Vor einer Wechseloperation sind eine ausführliche Diagnostik und Ursachenklärung erforderlich.
  • Je nach Befund können einzelne Komponenten oder die gesamte Prothese ersetzt werden.
  • Eine Wechseloperation ist meist komplexer als der Ersteingriff zum Gelenkersatz.
  • Neue Beschwerden sollten frühzeitig ärztlich abgeklärt werden.

Revisionschirurgie und Wechseloperation erklärt

Die Revisionschirurgie befasst sich im Rahmen einer Wechseloperation mit Folgeeingriffen nach der ersten Gelenkprothese. Ziel der Wechseloperation ist, ein früheres chirurgisches Verfahren zu korrigieren, zu verbessern oder Komplikationen zu beheben. Revisionseingriffe sind sehr komplexe Operationen, die eine präzise Planung sowie ein erfahrenes chirurgisches Team erfordern.

„Wechseloperationen sind unter anderem bei einem künstlichen Hüftgelenk, aber auch bei Schulter- und Knieprothesen möglich“, sagt Prof. Dr. Benjamin Bücking, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie in den Helios Kliniken Kassel. Im Rahmen der Wechsel-OP wird entweder das gesamte künstliche Gelenk (Endoprothese) oder nur das verschlissene Gleitlager der Prothese ersetzt.

Was sind Ursachen für eine Wechseloperation?

Die Gründe für einen Austausch der implantierten Prothesen können vielfältig sein:

  • Lockerung: Eine Lockerung ist die häufigste Ursache. Eine Prothese kann sich aufgrund von Knochenabbau oder einer Fehlstellung lockern.
  • (Inlay-)Verschleiß: Durch die tägliche Belastung des Gelenks im Alltag kann es im Laufe der Jahre zu einem Verschleiß des sogenannten Inlays kommen. Der Abrieb der Gleitflächen kann Schmerzen verursachen oder die Funktion beeinträchtigen.
  • Infektion: Infektionen können das umgebende Gewebe schädigen und sollten sorgfältig abgeklärt werden. Je nach Befund können in manchen Fällen ein sofortiges Entfernen und Wechsel der Prothese nötig sein.
  • Brüche: Sollte es zu einem Knochenbruch im Bereich einer einliegenden Endoprothese kommen, dann ist in manchen Fällen ein Austausch der Prothese notwendig.
  • Allergie: Sehr selten kann der Körper auf bestimmte Materialien der Prothese reagieren und Schmerzen auslösen.

Je nach Ursache wird zwischen der aseptischen (nicht infektiösen) und der septischen (infektiösen) Wechseloperation unterschieden.

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Helios Kliniken Kassel

Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie

Wechseloperationen sind unter anderem bei einem künstlichen Hüftgelenk, aber auch bei Schulter- und Knieprothesen möglich.

Welche Symptome sprechen für eine Wechseloperation?

Schmerzen: Oftmals weisen andauernde oder erneut auftretende, mitunter belastungsabhängige Schmerzen auf ein Problem der Prothese oder einzelner Prothesenkomponenten hin. Eventuell kann ein Rüttel- und Stauchungsschmerz im Rahmen der Untersuchung ausgelöst werden.

Infektion: Zeichen einer Infektion sind Überwärmung und Rötung. Aber auch wenn sie fehlen, kann eine Infektion nicht sicher ausgeschlossen werden. Anhaltende Ruheschmerzen können hingegen ein erster Anhaltspunkt für eine (chronische) Protheseninfektion sein.

Zusätzlich können folgende Symptome auftreten:

  • Neigung zu Schwellungen und Gelenkergüssen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Gangunsicherheit

Diagnostik bei Beschwerden der Endoprothese

In Anbetracht des Ausmaßes einer Wechseloperation ist eine ausführliche und sorgfältige Diagnostik des betroffenen Kunstgelenkes notwendig. „Es erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch sowie eine körperliche Untersuchung am betroffenen Gelenk, um Beschwerden und mögliche Bewegungseinschränkungen zu erfassen“, erklärt Prof. Dr. Benjamin Bücking.

Zusätzlich wird eine umfassende Röntgendiagnostik des Gelenkes durchgeführt. In den Röntgenbildern wird ein möglicher Lockerungssaum oder eine knöcherne Defektzone um die einliegende Prothese sichtbar. Radiologisch sind Aufhellungssäume von über zwei Millimetern und eine veränderte Lage des Gelenkimplantats richtungsweisend für die Diagnose „Prothesenlockerung“.

Bei dem Verdacht auf eine Gelenkinfektion, werden die Entzündungswerte im Blut im Labor bestimmt. Je nach Befund kann sich eine Gelenkpunktion (Abziehen von Gelenkwasser) anschließen, um den Verdacht zu bestätigen.

Was ist eine Saumbildung?

Die Saumbildung beschreibt die Bildung eines "Saums" aus Bindegewebe zwischen dem Zementmantel der Endoprothese und dem Knochen beziehungsweise bei einer zementfrei implantierten Endoprothese zwischen der Prothese und dem Knochen. Im Röntgenbild ist ein dunkler Spalt erkennbar, der sich zwischen dem Implantat und dem Knochen bildet.

Es werden zwei Hauptarten der Saumbildung unterschieden:

  1. Saumbildung bei Prothesenlockerung: Sie tritt auf, wenn die Prothese nicht mehr fest im Knochen verankert ist. Ursache ist meist Verschleiß, Knochenverlust oder eine minimale Verschiebung der Prothese. Durch den gebildeten Saum kommt es zur Instabilität, die unter anderem mit Schmerzen und Fehlstellungen einhergeht. Ab einem Saum von über zwei Millimeter kann eine Wechseloperation notwendig werden.
  2. Saumbildung durch entzündliche Prozesse: In seltenen Fällen ist eine Saumbildung auf entzündliche Prozesse zurückzuführen, die durch Infektionen oder allergische Reaktionen auf die Prothese entstehen. Dabei bildet sich Flüssigkeit, die als Saum zwischen Prothese und Knochen sichtbar ist. In diesem Fall findet ebenfalls ein revisionschirurgischer Eingriff statt.
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Was macht die Wechseloperation so besonders?

Wechseloperationen von künstlichen Gelenken sind wesentlich anspruchsvoller und technisch schwieriger auszuführen als die Erstimplantation der Prothese. Meist haben sich durch Lockerung beziehungsweise knöcherne Veränderungen die anatomischen Gegebenheiten geändert. Instabilitäten durch gelockerte Bänder beziehungsweise Narben- und Weichteilveränderungen kommen oft erschwerend hinzu.

Deshalb sind Wechseleingriffe am Gelenk für das OP-Team handwerklich in besonderem Maße fordernd.

Wie erfolgt der Gelenktausch?

Je nach Ursache findet ein teilweiser oder kompletter Austausch der Endoprothese während der Wechseloperation statt. Dabei verwenden Orthopäden oftmals spezielle Revisionsimplantate, die robuster und größer als der ursprüngliche Gelenkersatz sein können.

Teilersatz oder Komplettwechsel

Die Wahl des operativen Verfahrens richtet sich nach dem Beschwerdebild der Patientin beziehungsweise des Patienten und den Ergebnissen der Diagnostik. Bei einem teilweisen Austausch wird die lockere oder abgenutzte Prothesenkomponente getauscht, zum Beispiel der Hüftkopf oder die Pfanne. Im Rahmen eines kompletten Gelenkwechsels wird die Prothese vollständig entfernt und ein neuer Gelenkersatz implantiert. Auch bei einer Gelenkinfektion findet ein Komplettwechsel statt.

Spezialimplantat zur Knochenstärkung

Ist der Knochen bereits stark geschädigt, wird ein Spezialimplantat genutzt. Zur Stabilisierung des noch vorhandenen Knochens wird dieses mit Knochenersatzstoffen, Knochentransplantaten oder einem metallischen Knochenersatz verstärkt. Dadurch soll die Wechselprothese einen festen Halt erhalten und stabil im Knochen verankert werden.

Ablauf der Wechseloperation

Die Wechseloperation dauert in der Regel länger als der Ersteingriff. Während des Eingriffs achtet das chirurgische Team darauf, Weichteile und knöcherne Strukturen zu schonen. Nachdem die alte Endoprothese entfernt und die Wechselprothese eingesetzt ist, wird erneut der korrekte Sitz und die Beweglichkeit der Prothese überprüft. Dazu kann auch eine Röntgenaufnahme gemacht werden. Abschließend wird die Wunde vernäht und die Patientin oder der Patient in den Aufwachraum gebracht.

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Was sind Risiken der Wechseloperation?

Wie bei jedem operativen Verfahren bestehen auch bei Wechseloperationen Risiken. So kann es zu Blutungen, Infektionen und Nervenschäden durch den Eingriff kommen. Auch eine erneute Prothesenlockerung oder ein Verschleiß ist möglich.

Postoperative Nachsorge und Rehabilitation

Der Heilungsprozess ist immer sehr individuell und von Faktoren wie Alter, allgemeinem Gesundheitszustand und Art des Eingriffs abhängig. In der Regel können die meisten Patientinnen und Patienten noch am Tag der Wechsel-OP an zwei Unterarmgehstützen in Begleitung erste Schritte machen und voll belasten. Aber auch eine Teilbelastung des operierten Beines mit Unterarmgehstützen ist für einige Wochen möglich.

Im postoperativen Verlauf ist eine Rehabilitationsbehandlung, die entweder ambulant oder stationär erfolgen kann, sinnvoll. Die Dauer der Reha beträgt meist drei Wochen.

Kann man einer Wechseloperation vorbeugen?

In einem gewissen Maß lässt sich eine Wechseloperation vorbeugen beziehungsweise hinauszögern: So können sich etwa

  • gezielte Physiotherapie und
  • gelenkschonendes Verhalten positiv auswirken.

Dazu sollte auch auf ein gesundes Körpergewicht geachtet werden, um das Gelenk zu entlasten. Der Verzicht auf Nikotin und eine gute Einstellung von Begleiterkrankungen wie Diabetes können zusätzlich helfen, das Risiko für Komplikationen zu senken.

Wer Schmerzen, Infektionsanzeichen oder andere Symptome bei sich feststellt, sollte diese ärztlich abklären lassen, um bestenfalls langfristigen Beschwerden oder einem Gelenkwechsel vorzubeugen.

FAQ

Dazu kann man pauschal keine genaue Aussage treffen, denn die Haltbarkeit einer Wechselprothese hängt neben dem Alter der Patientin oder des Patienten von weiteren Faktoren ab, darunter:

 

  • Knochenqualität: Meist ist weniger Knochensubstanz vorhanden als bei der Erst-OP, um das Implantat zu verankern.
  • Körpergewicht und Aktivität: Starke sportliche Belastungen und Übergewicht/Adipositas können sich auf das Gelenk und die Haltbarkeit auswirken.
  • Ursache der Wechseloperation: Macht Verschleiß oder eine Infektion den Wechsel nötig?

Eine Wechseloperation ist in der Regel anspruchsvoller und komplexer als der Ersteingriff, da sich die anatomischen Gegebenheiten verändert haben. Ob sie jedoch schmerzhafter ist, lässt sich pauschal nicht sagen, da jeder Mensch ein anderes Schmerzempfinden hat.

 

Dennoch dauert die Heilungsphase meist länger und auch die Belastbarkeit der Prothese kann zunächst eine andere sein als bei der ersten Prothese. Hierzu werden Sie jedoch ausführlich beraten.

Generell kann ein künstliches Gelenk mehrfach gewechselt werden. Aber: Jede neue Operation ist herausfordernd für die Operateure und den Körper, denn Knochen, Weichteile und Narbengewebe können sich verändert haben. Vor einer Wechseloperation sollte daher immer ausführlich diagnostisch geprüft werden, ob der Eingriff sinnvoll und möglich ist. 

Viele Patientinnen und Patienten profitieren von einer Wechseloperation. So kann in den meisten Fällen eine Schmerzreduktion oder sogar eine Schmerzfreiheit sowie eine bessere Beweglichkeit im Gelenk erzielt werden. Der Erfolg des Eingriffs hängt jedoch unter anderem vom Ausgangsbefund, der Ursache des Wechsels sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Eine gelockerte Prothese lässt sich meist nur in einem operativen Eingriff behandeln. In diesen Fällen ist es oftmals notwendig, die Prothese teilweise oder ganz zu wechseln. Vorab sollte eine entsprechende Diagnostik erfolgen, um die Ursachen für die Prothesenlockerung zu erfassen. 

 

Aber: In manchen Fällen kann auch von einer Operation abgeraten werden, zum Beispiel bei sehr alten Menschen, die weitere Erkrankungen haben und für die eine Operation ein zu großes Risiko darstellen würde. Oder auch wenn nur geringe Beschwerden vorliegen. In diesen Fällen kann zunächst mit konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie und engmaschig der Verlauf kontrolliert werden.

Empfehlenswert sind gelenkschonende Sportarten, wie Radfahren, Schwimmen oder moderates Krafttraining unter Anleitung.

 

Sportarten mit hoher Stoßbelastung, Sturzrisiko oder schnellen Richtungswechseln, zum Beispiel beim Joggen, Ballsportarten oder Kampfsport, sollten eher vermieden werden oder nur nach ärztlicher Rücksprache ausgeübt werden.  

 

Sprechen Sie dazu mit Ihrer behandelnden Ärztin beziehungsweise Ihrem behandelnden Arzt, worauf Sie konkret achten sollten. 

Wenn es zu Schmerzen im Hüftgelenk, den Oberschenkeln oder im Knie kommt, sollten Sie diese orthopädisch abklären lassen.

 

Auch bei dem Gefühl einer neu aufgetretenen Instabilität im Gelenk, Klickgeräuschen oder Anzeichen eines Infekts sollten Sie eine Praxis aufsuchen. 

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