Rheumatologische Erkrankungen: Das Wichtigste im Überblick
- Rheuma ist ein Sammelbegriff für mehr als 100 Erkrankungen, die den Bewegungsapparat betreffen können.
- Rheumatologische Erkrankungen lassen sich u. a. in vier Hauptgruppen unterteilen: entzündlich-rheumatische Erkrankungen, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Weichteilrheumatismus und Stoffwechselerkrankungen mit rheumatologischen Beschwerden.
- Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung und kann Medikamente, Schmerztherapie sowie Physiotherapie umfassen.
Was ist Rheuma?
„Rheuma ist der Überbegriff für zahlreiche Erkrankungen, die den Bewegungsapparat betreffen und oft mit Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen verbunden sind“, sagt Dr. Sabine Gansauge, Oberärztin in der Rheumatologie an der DKD Helios Klinik Wiesbaden. Ohne Behandlung können rheumatische Erkrankungen die Betroffenen in ihrer Beweglichkeit einschränken und zu einer körperlichen Behinderung führen.
Hinter dem Begriff Rheuma stecken mehr als 100 Erkrankungen. Sie alle zählen zum rheumatischen Formenkreis.
Rheumatisch-entzündliche Erkrankungen
Rheumatisch-entzündliche Erkrankungen können nicht nur auf Gelenke, Muskeln Sehnen begrenzt sein, sondern kann auch innere Organe und Gefäße betreffen.
Zu den wichtigsten entzündlichen Erkrankungen zählen die
- rheumatoide Arthritis,
- Schuppenflechtenrheuma,
- entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule,
- Bindegewebserkrankungen (z. B. Kollagenosen) und
- Gefäßentzündungen (z. B. Vaskulitiden).
Degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
Bei Gelenkerkrankungen, sogenannten Arthrosen, kommt es zu Schäden am Gelenkknorpel, beispielsweise im Hüft- oder Kniegelenk.
Altersbedingter Verschleiß oder Vorschäden können die Ursache sein. Betroffene klagen meist über örtliche Schmerzen und Bewegungseinschränkung.
Weichteilrheumatismus
Diese schmerzhaften rheumatischen Beschwerden betreffen primär die weichen Gewebe im Körper. Dazu zählen Sehnen, Sehnenscheiden, Muskeln, Fett- und Bindegewebe.
Die genauen Ursachen sind unklar. Oftmals spielen körperliche und seelische Belastung oder eine gestörte Schmerzwahrnehmung im Nervensystem eine Rolle.
Stoffwechselerkrankungen mit rheumatologischen Beschwerden
Auch Stoffwechselerkrankungen können zu rheumatologischen Beschwerden führen. Bei der Gicht ist der Harnsäurestoffwechsel gestört, wodurch der Harnsäurespiegel im Blut ansteigt. Die Harnsäurekristalle lagern sich in den Gelenken ab und können einen Gichtanfall auslösen.
Daneben spielen auch hormonelle Störungen mit Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Vereinzelt finden sich auch Erkrankungen des Eisenstoffwechsels.
Welche Therapieformen gibt es?
Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der rheumatischen Erkrankung. Eine frühe Diagnose ist eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Behandlung.
Ärztinnen und Ärzte können verschiedene Therapieformen einsetzen, darunter:
- medikamentöse Therapien (z. B. entzündungshemmende Medikamente)
- Medikamentengabe direkt in das entzündete Gelenk unter Ultraschall- oder radiologischer Kontrolle
- Osteoporose-Therapie
- spezielle Schmerztherapie
Im Rahmen der immunmodulierenden Behandlung werden Medikamente, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Methotrexat, Biologika und JAK-Hemmer eingesetzt. Diese haben insbesondere bei früher Diagnose und Therapie einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Die Medikamente greifen gezielt in das fehlgeleitete Immunsystem ein, um die Entzündungen zu stoppen und dafür zu sorgen, dass die Beschwerden nachlassen beziehungsweise ganz verschwinden (Remission).
Rheumatologische Komplexbehandlung erklärt
Die rheumatologische Komplexbehandlung ist ein multimodales Konzept, das die medikamentöse Therapie mit bewegungs- und physikalischen Therapien verbindet. Dadurch kann die Entzündung direkt am Entzündungsherd behandelt werden.
Hierbei wird die medikamentöse Therapie in Kombination mit einer Bewegungstherapie in Gruppen, Einzelgymnastik, Unterwasserbewegungsübungen, Heilschlammpackungen, Massagen, Ultraschall und Elektrotherapie individuell auf die Patientin beziehungsweise den Patienten abgestimmt.
Patientinnen und Patienten mit rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen sollten aus einem interdisziplinären Team aus Rheumatologie, Orthopädie, Schmerzmedizin, Pflegekräften, Physiotherapie und Psychologie behandelt werden.
FAQ
Rheumatologische Erkrankungen können zu einer Vielzahl an Symptomen führen, darunter unter anderem:
- Gelenkschmerzen
- Schwellungen und Überwärmung
- Morgensteifigkeit der Gelenke
- Bewegungseinschränkungen
- Müdigkeit und Erschöpfung
Wenn Sie solche oder andere Symptome bei sich wahrnehmen, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen.
Wenn der Verdacht auf eine rheumatologische Erkrankung besteht, findet zunächst ein ausführliches Gespräch zu Ihrer Krankengeschichte und aktuellen Beschwerden statt. Es folgt eine körperliche Untersuchung, wobei unter anderem die Gelenke auf Schwellungen, Rötungen und Wärme geprüft werden.
In der Regel gehört auch eine Blutuntersuchung dazu, um beispielsweise die Entzündungswerte und Autoantikörper zu bestimmen. Um Veränderungen der Gelenke zu erkennen, können sich bildgebende Verfahren, wie ein Ultraschall, Röntgen oder MRT anschließen.
Ihre erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. Von dort können Sie eine Überweisung an eine fachärztliche Praxis für Rheumatologie erhalten.
Als selten gilt eine Erkrankung, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen daran erkrankt sind. Zu den seltenen rheumatologischen Erkrankungen zählen laut der Deutschen Rheuma-Liga unter anderen (Auswahl):
- Kollagenosen
- Sklerodermie
- Morbus Still
- Morbus Behcet
- Riesenzellarteriitis
- Sjögren-Syndrom