Ab wann mit Kindern auf die Intensivstation?
Kinder altersgerecht aufklären

Ab wann mit Kindern auf die Intensivstation?

„Kindern unter 14 Jahren ist der Zutritt nicht gestattet“. Schilder mit ähnlicher Aufschrift finden sich vor vielen Intensivstationen in deutschen Kliniken. Was steckt hinter diesem Verbot – und ist es sinnvoll?

Vanessa Hahn, Intensiv- und Anästhesie-Fachpflegerin in der Helios Klinik Rottweil, hat sich in ihrer Facharbeit genau diese Fragen gestellt.

Kleines Mädchen malt, ältere Frau sieht ihr zu und legt Kopf über Schulter
Marie verbringt gern Zeit mit ihrer Oma | Foto: Canva

Marie ist neun Jahre alt. Das aufgeweckte kleine Mädchen verbringt viel Zeit mit ihrer Oma, die im gleichen Haus wie Maries Familie wohnt. Nach einem Fahrradunfall wird ihre Oma für einige Tage auf der Intensivstation in der Helios Klinik Rottweil überwacht und wünscht sich sehnlich einen Besuch ihrer Enkelin. Doch Kinder unter 14 Jahren dürfen Intensivstationen nicht besuchen. Maries Eltern würden den Besuch ohnehin nicht erlauben – zu groß sind ihre Bedenken, die Kleine könnte mit der Situation auf der Intensivstation überfordert sein.

Aber wie erklären Eltern ihren Kindern, was eine Intensivstation ist, ohne sie zu überfordern und Ängste zu schüren? Dieser Frage ging Vanessa Hahn nach. Die junge Gesundheits- und Krankenpflegerin hat sich intensiv mit dieser Frage im Rahmen ihrer Fachweiterbildung zur Intensiv- und Anästhesiepflegerin auseinandergesetzt. Ihre Facharbeit verfasste sie über das Thema „Die Auswirkung auf Patient und Kind bei Kinderbesuchen auf Erwachsenen-Intensivstationen“.

Altersgerechte Aufklärung ist wichtig

Kleines Mädchen sitzt auf dem Schoß einer Frau
Eltern sollten mit ihren Kindern in einfacher Sprache über die Intensivstation sprechen | Foto: Canva

Eltern sollten ihr Kind altersgerecht an die Situation heranführen, selbst wenn kein Besuch geplant ist. Auch Kindern kann der Klinikbesuch helfen: Häufig malen sie sich die schlimmsten Szenarien aus, weil sie Wortfetzen aufschnappen. „Studien, gerade aus den USA, zeigen, dass diese Fantasien schlimme Albträume auslösen können“, fand Vanessa Hahn während ihrer Recherche heraus.

 

Wer gefährdet eigentlich wen?

Meist werden zwei Argumente angebracht, die gegen einen Besuch von Kindern auf der Intensivstation sprechen:

Erstens: Kinder könnten Keime mitbringen, die den ohnehin geschwächten Intensivpatienten zusätzlich gefährden. Da sich das Immunsystem bei Kindern noch ausbildet, sind sie öfter krank und somit potenzielle Krankheitsüberträger. Zudem können sich auch Kinder mit gefährlichen Keimen infizieren, wenn entsprechende Erkrankungen bei den Patienten vorliegen.

Zweitens: Die psychischen Auswirkungen auf Kinder. „Die Frage, die sich Eltern und Angehörige zunächst stellen sollten, ist, ob das Kind einen solchen Besuch überhaupt verkraftet“, so Hahn. Der Anblick der vielen Maschinen, die Geräusche und die spezielle Atmosphäre auf einer Intensivstation könnten Kinder durchaus traumatisieren. Hier ist es wichtig, dass Eltern als auch das Personal mögliche Fragen beantworten.

Trotz allem kann es für Intensivpatienten tröstlich sein, wenn sie Besuch von Kindern bekommen – das gilt insbesondere für Eltern. Und auch Kindern kann ein Besuch helfen, die Situation besser einzuordnen und zu verstehen. Es gibt daher kein richtig oder falsch, wenn es um Kinderbesuch auf der Intensivstation geht. Entscheidend ist, dass Eltern ihr Kind auf den Besuch vorbereiteten und Fragen offen und verständlich beantworten. 

Der Besuch auf einer Intensivstation mit Kindern

Junge Frau in blauem Kassack steht am Patientenbett und blickt in Kamera
Vanessa Hahn erklärt auch jungen Besuchern, was sie auf der Intensivstation sehen | Foto: Helios

Vanessa Hahn hat im Rahmen ihrer Facharbeit in kindgerechter Sprache festgehalten, was auf einer Intensivstation passiert. Ihre Texte erklären, wie es auf der Station aussieht, warum es piept und blinkt und wozu die vielen Schläuche benötigt werden.

Auf diese Weise können Kinder altersgerecht an die Situation herangeführt werden – selbst wenn noch kein Besuch auf der Intensivstation geplant ist.