Das Leben wieder geraderücken

Das Leben wieder geraderücken

Leipzig

Es gibt sie noch, die kleinen Wunder. Auch in der Medizin. Die Verletzungen, die sich Helmut Eiselt im Verlaufe eines Sturzes an der Wirbelsäule zuzog, ließen Schlimmes befürchten. Zudem durchschritt er eine Odyssee in der medizinischen Behandlung. Erst im Helios Park-Klinikum konnte dem Leipziger umfassend und dauerhaft geholfen werden.

Statistiken werden mittlerweile über alles und jeden geführt. Viel Unnützes ist dabei, aber auch die Erfassung von Tatsachen, die man so kaum vermutet hätte. Eine davon besagt, dass jedes Jahr knapp 10.000 Menschen bei Unfällen im Haushalt sterben. Zwei Drittel mehr als im Straßenverkehr. Einem Freund im Haushalt helfen wollte auch Helmut Eiselt. Während der Bekannte auf einer Leiter stand um seine Arbeit zu verrichten, sorgte Eiselt für dessen Sicherung. Kein Halten gab es allerdings, als Eiselts Bekannter von der Leiter und auf den Leipziger stürzte. Mit gravierenden Folgen. Denn schnell wurde den Beteiligten klar, dass hier mehr als ein blauer Fleck zu erwarten war. Mit dem Rettungshubschrauber wurde Helmut Eiselt in ein brandenburgisches Klinikum gebracht, da dort der Unfall passierte, und am Rücken operiert. Die Diagnose: Defekt des vierten Lendenwirbelkörpers.

Alle, mit denen ich dieses Thema erörterte, antworteten stets zurückhaltend. Das machte mir Angst.

Helmut Eiselt, Patient

Untypischer Fall

Kaum aus der Narkose erwacht, fragte Eiselt einen der Ärzte: „Kann ich danach wieder Radfahren?” Nur wer wie Eiselt im Jahr bis zu 15.000 Kilometer und mitunter täglich 200 Kilometer auf dem Rad unterwegs ist, kann diese Frage verstehen. Doch für Eiselt war sie herausragend, für seine Lebensqualität von geradezu elementarer Bedeutung. „Alle, mit denen ich dieses Thema erörterte, antworteten stets zurückhaltend. Das machte mir Angst”, sagt er heute. Auf eigenen Wunsch in ein Krankenhaus bei Leipzig verlegt, stellte sich jedoch keine Besserung ein. Der 62-Jährige klagte weiter über Schmerzen, hatte nicht das Gefühl, auf dem Weg der Besserung zu sein. Selbst sich im Bett zu drehen, war er außer Stande.

Richtige Adresse

Doppel-T-Stück aus Titan
Ein Doppel-T-Stück aus Titan stützt die Wirbelsäule von Helmut Eiselt.

Sein Rettungsanker in dieser Situation wurde die Neurochirurgin Dr. Corinna Schwarzer. Im Medizinischen Versorgungszentrum Leipzig behandelte sie Eiselt und überwies ihn weiter an den Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie im Helios Park-Klinikum, Dr. Jens Gulow. Der nahm sich umgehend des Patienten an und legte nach Feststellung der Sachlage eine neuerliche OP fest. Der vierte Lendenwirbel liegt in Höhe der Beckenknochen. Deshalb, so der Mediziner, musste der Eingriff durch den Bauchraum vorgenommen werden. „Das ist eher untypisch. Im Regelfall wird der Ersatz eines Wirbelkörpers von der Seite her durchgeführt”, sagt er.

Von Dr. Gulow und dessen OP-Team bekam Helmut Eiselt ein Doppel-T-Stück aus Titan eingesetzt, das die Wirbelsäule an der beschädigten Stelle stützt. Um dem Leipziger das beschwerdefreie Radfahren weiterhin zu ermöglichen, montierten die Ärzte darüber hinaus eine zusätzliche Versteifung. Zudem, so der Mediziner rückblickend, hätte man während des Eingriffs stets die Aorta im Blick behalten müssen, die sich nahe der behandelnden Stelle befindet. Diesen Part übernahm ein extra anwesender Gefäßchirurg.

Endlich Radfahren

Einen Monat nach der OP saß Helmut Eiselt schon wieder im Sattel.

Drei Stunden dauerte die Operation, die für Eiselt das Leben wieder geraderückte. Im Januar 2018 reiste er zur Reha, die ihn körperlich forderte, aber auch neues Selbstbewusstsein gab. Schon zwei Monate später traute sich der begeisterte Radler wieder auf einen Hometrainer, einen Monat später saß er wieder auf seinem geliebten Rad.

„Für mich ist das eine beeindruckende Leistung”, staunt selbst Dr. Gulow. Bis zu 400 Rücken-OPs führen er und sein Team nach eigenem Bekunden im Jahr durch. Eingriffe durch den Bauchraum sind dabei eher selten. „Der Weg ist umständlich, aber für den Patienten war es die einzige Chance”, fügt er an. Dass Helmut Eiselt heute wieder wie gewohnt auf dem Rad seine Kilometer „schrubbt”, freut ihn. Wobei der Chirurg betont, dass hier nicht nur die Medizin, sondern auch der Ehrgeiz und der feste Wille eines entschlossenen Patienten ihren Beitrag zur Heilung geleistet haben.

Ein gesunder Rücken

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