Die Klinikschule

In der Klinikschule der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) arbeiten seit vielen Jahren Lehrerinnen und Lehrer der Marianne Buggenhagen Schule. Die Klinikschule ist in einem seperaten Gebäude auf dem Gelände des Helios-Klinikums untergebracht.

Es werden nur SchülerInnen unterrichtet, die gleichzeitig PatientInnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind. Damit verfügt die Klinkschule über 80 Schulplätze und orientiert sich mit dieser Anzahl an der Aufnahmekapazität der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die SchülerInnen kommen aus allen Jahrgangsstufen, von der 1. Klasse bzw. SAPH bis zur Gymnasialen Oberstufe. Bei den Herkunftsschulen sind alle Schularten vertreten.

Der Unterricht

Diese sehr unterschiedliche und sich kontinuierlich veränderne Schülerschaft wird in 11 jahrgangs- und schulartgemischten Klassen zu jeweils 6 SchülerInnen unterrichtet. Eine weitere Klasse wird als Doppelklasse geführt. In ihr lernen 12 SchülerInnen gemeinsam.

Die Kriterien, nach denen die einzelnen SchülerInnen den Klassen zugeordnet werden, sind die Jahrgangsstufe und die Gemeinschaftsverträglichkeit bestimmter SchülerInnenkonstellationen.

Ausstattung und Unterrichtseinheiten

Jede Klasse verfügt über einen eigenen Klassenraum. 10 Klassenräume sind mit einem interaktiven Whiteboard ausgestattet. Darüber hinaus können die SchülerInnen der Klassen einen Computerraum und eine Schülerbibliothek nutzen. Wir bieten den SchülerInnen einen Kernunterricht von täglich zwei Blöcken zu je 90 Minuten. Alle übrigen Lehrerstunden werden als Nachmittagsunterricht erteilt. Die Klinikschule versucht, Schulnormalität durch das Angebot klassen- und schulartspezifischer Bildungsinhalte aufrecht zu erhalten.

hoersaal

Die Inhalte

Der Unterricht orientiert sich an den Rahmenlehrplänen des Bildungsganges, dem die Schülerin oder der Schüler angehört und dem schulinternen Curriculum der jeweiligen Herkunftsschule, unter Berücksichtigung der sich aus der Krankheit ergebenen Bedingungen.

Der Unterricht konzentriert sich vorrangig auf die Fächer Mathematik, Deutsch sowie Sachunterricht bzw. bei den älteren Schülern noch zusätzlich auf Englisch, Geschichte, Geografie und Naturwissenschaften. Vielfältige Projekte strukturieren die Wochenarbeit der einzelnen Klassen. Bezüglich weiterer Fächer werden mit den leistungsorientierten SchülerInnen Einzelabsprachen getroffen.

Zusammenarbeit mit der Herkunftsschule

Mit den LehrerInnen der Herkunftsschulen erfolgt ein informeller Austausch über die Unterrichtsinhalte und Lehrmethoden. Durch diese Absprachen zwischen Herkunftsschule und Klinikschule können Schüler ohne Verzögerung an ihren Stoffgebieten weiterarbeiten. Wenn die Erkrankung des Schülers dies zulässt, können auch Klassenarbeiten oder Prüfungen zeitgleich oder zeitnah zur Herkunftsschule geschrieben werden und an die Herkunftsschule sicher zurückgesandt werden.

Im Nachmittagsunterricht werden diejenigen Schülerinnen und Schüler unterrichtet, für die der Kernunterricht allein nicht ausreicht, aber auch solche, die einzeln unterrichtet werden müssen, weil sie die klinische Station nicht verlassen dürfen.

Die LehrerInnen

Auf Grund der Heterogenität der SchülerInnen und den daraus resultierenden Anforderungen, arbeiten an der Klinikschule LehrerInnen mit den unterschiedlichsten Lehrbefähigungen (SonderschullehrerInnen, GrundschullehrerInnen, LehrerInnen der Sekundarstufe), mit den verschiedensten Fächerkombinationen und zusätzlichen Qualifikationen. Zusätzlich haben alle KollegInnen langjährige Erfahrungen mit besonderem SchülerInnenklientel.

Es arbeiten 14 LehrerInnen an der Klinikschule. Geht der klinische Aufenthalt mit schulischen Problemen einher, stellen die LehrerInnen der Klinikschule in Kooperation mit den MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie Kontakte zwischen den im Einzelfall relevant erscheinenden Institutionen der Hilfesysteme her (KJPD, Schulpsychologie, Jugendhilfe, niedergelassene ÄrztInnen und TherapeutInnen) und nehmen an Hilfekonferenzen teil.

Die Ziele

Ziel ist es, jeder Schülerin und jedem Schüler ein umfangreiches und gleichzeitig adäquates individuelles Schulangebot zu bieten, das sich in seiner Schwerpunktsetzung an den besonderen Bedingungen der jeweiligen psychiatrischen Störung sowie den Umständen der individuellen Schullaufbahn orientiert.

Ziel ist es, zumindest in den wichtigsten Schulfächern, ein vielfältiges Angebot an Unterrichtsinhalten und Lernmaterialien bereit zu halten, das es uns ermöglicht, den SchülernInnen Unterricht entweder in den ihnen bekannten Formen ihrer Herkunftsschulen oder in Form von Alternativen zu den an ihrer Herkunftsschule negativ erlebten Unterrichtsformen anbieten zu können.

Ziel ist es, den Schulalltag so zu gestalten, dass in den Lerngruppen ein Schulklima gegeben ist, das die therapeutischen Ziele der HELIOS-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie bezüglich der Stärkung des Selbstwertgefühls und allgemein der Förderung der psychischen Gesundung unterstützt.

Ziel ist es, in Bezug auf jede Schülerin und jeden Schüler intensiv mit der zuständigen Herkunftsschule und der HELIOS-Klinik zusammenzuarbeiten und entsprechend den Erfordernissen der individuellen Schulsituation der jeweiligen Schülerin / des jeweiligen Schülers mit weiteren Teilen des Hilfesystems zu kooperieren, um angemessene Perspektiven und Lösungen hinsichtlich der Nachsorge zu entwickeln und zu realisieren

Die Nachsorge

Der überwiegende Teil der SchülerInnen hat im weitesten Sinn schulische Probleme. Die Auseinandersetzung mit diesen Problemen führt dazu, dass sich die Unterrichtsziele vielfach von den Unterrichtszielen der Regelschulen unterscheiden. Häufig steht im Zusammenhang mit dem Klinikaufenthalt die Beratung über die Schullaufbahn an, weshalb neben dem Unterricht auch der Nachsorge eine besondere Rolle zukommt.

Schullaufbahngestaltung nach dem Klinikaufenthalt

Anders als andere Schulen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die ihre SchülerInnen über den klinischen Aufenthalt hinaus unterrichten und zum Schulabschluss führen können, verfügt die Klinikschule-Buch über solche Möglichkeiten nicht.

Die Nachsorge konzentriert sich darauf:

  • SchülerInnen und ihre Erziehungsberechtigten über die Möglichkeiten alternativer Schullaufbahngestaltungen zu informieren 
  • LehrerInnen der Herkunftsschulen bei der Reintegration und bezüglich des Umgangs mit den krankheitsbedingten Verhaltensweisen zu beraten
  • Empfehlungen über eine erfolgversprechendere Schullaufbahngestaltung zu geben 
  • SchülerInnen an andere Schulen bzw. in Kooperation ggf. mit den Jugendämtern an Einrichtungen der Jugendhilfe zu vermitteln, die über ein eigenes Schulangebot verfügen.
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Weitergehende Betreuung

Die Mitarbeit der Klinikschule sowie der MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugenpsychiatrie im nachsorgenden Hilfesystem endet in der Regel mit der Entlassung der SchülerInnen aus der Klinik.

Im Einvernehmen mit den Erziehungsberechtigten findet eine Betreuung durch den Beratungslehrer/die Beratungslehrerin für psychisch Kranke auch über diesen Zeitpunkt hinaus statt. Allgemein gilt aber, dass die Klinikschule nur Empfehlungen aussprechen kann und keinen Einfluss auf die tatsächliche Umsetzung der Vorschläge hat.