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Leistenbruch: Kleine Beule macht große Probleme

Eine sichtbare Vorwölbung in der Leistengegend kann auf einen Riss in der Bauchwand – einen sogenannten Leistenbruch – hindeuten. Welche Beschwerden ein Leistenbruch macht und wann er operiert werden sollte, erklären wir Ihnen hier.

18.05.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Sven Müller, M.H.B.A.
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Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, entsteht, wenn Bauchorgane durch eine Lücke in der Leistengegend treten.
  • Typisch ist eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung in der Leistengegend.
  • Ursachen können unter anderem ein weiter Leistenkanal, erhöhter Druck im Bauchraum (etwa durch schweres Heben) oder eine Bindegewebsschwäche der Bauchwand sein.
  • Ein Leistenbruch kann ziehende bis sehr starke Schmerzen verursachen.
  • Lebensgefahr kann bestehen, wenn Eingeweideteile eingeklemmt werden und die Blutversorgung abgeschnürt wird.
  • Zur Behandlung kommen offene und minimalinvasive Operationsverfahren infrage; bei größeren Brüchen oder Wiederholungsbrüchen kann ein Kunststoffnetz die Bauchwand stabilisieren.

Was ist ein Leistenbruch?

Als Leistenbruch oder auch Leistenhernie bezeichnet man einen Durchbruch von Bauchorganen durch eine Lücke in der Leistendecke. Nach Angaben der Deutschen Herniengesellschaft leiden bundesweit allein etwa 275.000 Menschen jährlich an einem solchen Leistenbruch. Gut zu wissen: Leisten- und andere Hernien können durch moderne Methoden in der Regel unkompliziert und schonend operativ versorgt werden.

Was verursacht einen Leistenbruch?

Der Leistenbruch ist eine Form des Eingeweidebruchs. Hier zwängt sich der Darm entweder durch den Leistenkanal in den Hodensack oder in die große Schamlippe (indirekter Leistenbruch) oder unmittelbar durch die leistennahe Bauchdecke (direkter Leistenbruch) unter die Haut. Ursachen sind unter anderem ein weiter Leistenkanal, hoher Druck im Bauchraum (schweres Heben) und/oder eine Bindegewebsschwäche der Bauchwand.

Welche Beschwerden macht ein Leistenbruch?

Der unter die Haut vorgestülpte Darmabschnitt kann leicht ziehende bis sehr starke Schmerzen hervorrufen. Werden die Eingeweideteile in diesem Defektbereich abgeklemmt und ihre Blutversorgung abgeschnürt, kann es zu einem schweren, lebensbedrohlichen Krankheitsbild kommen.

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

Nicht jeder Leistenbruch muss operativ behandelt werden. Bei jungen Männern mit einem beschwerdefreien oder nur wenig störenden Leistenbruch kann unter ärztlicher Kontrolle auch zunächst abgewartet werden („watchfull waiting“).

„Treten Schmerzen auf, wird der Bruch größer oder beeinträchtigt den Alltag, spricht dies jedoch mehr für eine Operation“, sagt Privat Dozent Dr. med. Sven Müller, Chefarzt der Klinik für Allgemein und Viszeralchirurgie im Helios Klinikum Gifhorn.

Wichtig: Die Entscheidung für oder gegen eine operative Behandlung wird immer individuell getroffen.

Helios Klinikum Gifhorn

Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und minimal-invasive Chirurgie und Leiter des Darmkrebszentrums

Treten Schmerzen auf, wird der Bruch größer oder beeinträchtigt den Alltag, spricht dies jedoch mehr für eine Operation.

Offene Leistenbruchoperation

Bei der herkömmlichen offenen Methode verschließen die Operateurinnen und Operateure die Bruchlücke (Bauchdeckendefekte), indem sie im Bruchbereich einen Hautschnitt anlegen, die einzelnen Bestandteile der Bauchwand sorgfältig freilegen und dann miteinander so vereinigen, dass eine stabile Leistenkanalwand entsteht. Dieses Verfahren wird im Regelfall für Erstoperationen bei jungen Patientinnen und Patienten bevorzugt. In der Regel wird Erwachsenen empfohlen, bei der Operation ein gut verträgliches Kunststoffnetz einsetzen zu lassen, das die Bauchwand in diesem Bereich verstärken soll.

Auch sehr große oder Wiederholungsbrüche erfordern meist eine Netzeinlage.

Endoskopische Leistenbruchoperation

Die endoskopische Leistenbruchoperation gehört zu den minimalinvasiven chirurgischen Verfahren. Ihr Vorzug besteht darin, dass sich große Hautschnitte vermeiden lassen. Mit dieser Technik gelingt es, die Bruchlücke über ein Endoskop, also ein röhrenförmiges Licht-, Sicht- und Arbeitsinstrument, unter der Haut zu verschließen. Da die Arbeitsgeräte sehr klein sind, bedarf es nur kleiner Hautschnitte, um das Endoskop einzuführen und bis zum Operationsgebiet vorzuschieben.

Nachdem die Chirurginnen und Chirurgen sich auf diesem Weg sorgfältig Überblick über Leistenband, Blutgefäße und Bruch verschafft haben, präparieren sie zunächst sehr genau die anatomischen Strukturen und überspannen dann die nun sichtbare Bruchlücke mit einem Netz. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist die relativ frühe vollständige Belastbarkeit des verschlossenen Bruches, sodass die Patientinnen und Patienten sich anschließend nicht intensiv schonen müssen.

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Ergebnisse nach einer Leistenbruchoperation

Für die offenen Standardeingriffe in der Leistenbruchchirurgie werden Rezidivraten (das heißt das Wiederauftreten des Bruches) mit maximal drei Prozent angegeben. Die Realität in Deutschland sieht jedoch anders aus.

Dies hat zur Verwendung von Kunststoffnetzen zum Verschluss der Bauchwand geführt. Hierfür wurden minimalinvasive Techniken entwickelt, die einen Schnitt in der Bauchwand oder Leistenregion ersparen. Vorteile hierbei sind:

  • weniger Wundheilungsstörungen
  • weniger Schmerzen
  • sofortige volle Belastbarkeit des Bruches

Die Rezidivrate liegt hier bei unter einem Prozent. Die Technik macht einen Zugang über die Bauchhöhle nicht notwendig. Daher eignen sich auch Patientinnen und Patienten mit ausgedehnten Voroperationen in der Bauchhöhle für dieses Verfahren. Die eingebrachten Netze haben ein Eigengewicht von maximal drei Gramm und sind gut körperverträglich.

FAQ

Bei Erwachsenen bildet sich ein Leistenbruch in der Regel nicht von allein wieder zurück. Ohne Behandlung kann die Bruchlücke bestehen bleiben, größer werden oder zunehmend Beschwerden verursachen. 

Ein Leistenbruch sollte sofort ärztlich abgeklärt werden, wenn plötzlich starke Schmerzen auftreten, die Vorwölbung hart oder druckschmerzhaft wird, sie sich nicht mehr zurückschieben lässt oder Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Verstopfung beziehungsweise fehlender Windabgang hinzukommen. Diese Zeichen können auf eine Einklemmung oder einen Darmverschluss hindeuten und stellen einen medizinischen Notfall dar. 

Häufig lässt sich ein Leistenbruch bereits durch die ärztliche Untersuchung der Leistenregion erkennen. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt, um die Diagnose zu bestätigen oder die Ausdehnung besser einzuschätzen. Danach wird gemeinsam besprochen, welche Behandlung infrage kommt. 

Ja. Bei Frauen wird auch bei beschwerdefreien Leistenbrüchen häufiger zur OP geraten. Unbehandelt ist bei ihnen das Komplikationsrisiko größer. Außerdem kann sich hinter den Beschwerden ein Schenkelbruch verbergen. Diese erhöhen das Risiko für Einklemmungen und werden manchmal erst während eines Eingriffs sicher erkannt.

Das hängt vom Befund, vom Operationsverfahren und vom individuellen Handlungsverlauf ab. Viele Patientinnen und Patienten können nach einer Leistenbruch-Operation am selben oder am nächsten Tag wieder nach Hause. 

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