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Bauchspeicheldrüsenkrebs: Ursachen, Symptome und Therapie

Jährlich erkranken rund 20.000 Menschen in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Erkrankungsrisiko für diese Krebsart steigt mit zunehmendem Alter. Welche Anzeichen und Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erklärt unsere Expertin.

28.07.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Jale Celebi
Gastroenterology consultation. Anatomical model of pancreas on doctor table over background gastroenterologist consulting woman patient with gastrointestinal disorders
Inhaltsverzeichnis

Was ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bauchspeicheldrüsenkrebs – auch als Pankreaskarzinom bezeichnet – ist eine bösartige Tumorerkrankung, bei der sich Krebszellen in den Geweben der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) bilden. Die Drüse spielt bei der Verdauung sowie bei der Regulation des Blutzuckerspiegels eine wichtige Rolle.

„Pankreaskarzinome sind schwer zu behandeln, da die Erkrankung häufig erst spät entdeckt wird und sich bis dahin unbemerkt ausbreiten kann. Meist tritt die Krebserkrankung erst im höheren Alter auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 76 Jahren und bei Männern bei 72 Jahren. Bei beiden Geschlechtern gehört die Erkrankung zu der vierthäufigsten krebsbedingten Todesursache“, sagt Dr. Jale Celebi, Oberärztin und Fachärztin für Viszeralchirurgie sowie Koordinatorin des Pankreaszentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Mit circa 70 Prozent der Fälle ist der Kopf der Bauchspeicheldrüse am häufigsten betroffen. Das duktale Adenokarzinom ist die häufigste Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Prognose ist ungünstig: Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei Frauen und Männern bei etwa 11 Prozent.

Seltener sind neuroendokrine Tumoren der Bauchspeicheldrüse. Sie entstehen aus den hormonbildenden Zellen des Pankreas und unterscheiden sich vom häufigeren duktalen Adenokarzinom.

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Gibt es eine Früherkennung?

Für Menschen ohne Beschwerden und ohne deutlich erhöhtes Risiko gibt es keine empfohlene Früherkennungsuntersuchung auf Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das gilt auch, wenn Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Gallensteine oder eine Fettleberentzündung das Risiko leicht erhöhen.

Menschen mit einem deutlich erhöhten Risiko können laut der medizinischen S3-Leitlinie regelmäßige Kontrolluntersuchungen angeboten werden. Dazu zählen unter anderem Menschen,

  • bei denen mehrere Verwandte ersten Grades an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sind,
  • die Träger bestimmter Genmutationen sind,
  • die an seltenen erblichen Erkrankungen wie dem Peutz-Jeghers-Syndrom leiden,
  • oder die eine erblich bedingte chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung haben.

Als Screening-Verfahren kommen vor allem die Magnetresonanztomografie (MRT) und ein Ultraschall von innen, der endoskopische Ultraschall, zum Einsatz. In welchem Alter die Kontrolluntersuchungen beginnen, hängt vom individuellen Risiko ab. Häufig starten sie zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr oder zehn Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie.

Was sind Risikofaktoren und Ursachen?

Gesicherte Risikofaktoren sind:

Weitere Risikofaktoren können sein:

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Helios Klinikum Berlin-Buch

Oberärztin-Fachärztin für Viszeralchirurgie, FEBS, Koordinatorin Pankreaszentrum

Pankreaskarzinome sind schwer zu behandeln, da die Erkrankung häufig erst spät entdeckt wird und sich bis dahin unbemerkt ausbreiten kann. Meist tritt die Krebserkrankung erst im höheren Alter auf.

Was sind Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

„Leider verursachen die Tumoren häufig erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden“, erklärt Dr. Jale Celebi. „Manche Patientinnen und Patienten suchen beispielsweise wegen unspezifischer Oberbauch- oder Rückenschmerzen eine Praxis auf. Im Verlauf zeigt sich dann, dass ein Pankreaskarzinom die Beschwerden verursacht.“

Auch ein neu aufgetretener Diabetes mellitus kann ein Hinweis auf ein Pankreaskarzinom sein. Die Bauchspeicheldrüse und der Gallengang münden gemeinsam in den Zwölffingerdarm. Ein wachsender Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse verengt diese Mündung und kann den Abfluss des Gallesekrets behindern. Dies spiegelt sich in der Gelbfärbung zunächst des Augenweißes und später auch des gesamten Körpers wider. Man spricht dann vom sogenannten schmerzlosen Ikterus.

Zudem können eine Verfärbung der Ausscheidungsprodukte, dunkel verfärbter Urin und entfärbter, heller Stuhlgang Anzeichen eines Pankreaskarzinoms sein.

Symptome und Anzeichen im fortgeschrittenen Stadium können sein:

Unspezifische Schmerzen und Verdauungsstörungen

  • Flüssigkeitsansammlung im Bauch
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Blutgerinnsel oder Thrombosen

Wichtig: Anhaltende Beschwerden ohne klare Ursache sollten ärztlich abgeklärt werden.

Welche Stadien gibt es und was bedeuten diese?

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird nach seiner Ausbreitung in verschiedene Stadien eingeteilt.

Die Stadieneinteilung erfolgt nach dem TNM-System:

  • Größe des Tumors (T)
  • Beteiligung der Lymphknoten (N)
  • Vorhandensein von Metastasen (M)

Stadium I: Der Tumor ist auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt.

Stadium II: Die Krebszellen haben sich auf umliegendes Gewebe ausgebreitet.

Stadium III: Der Tumor hat umliegende Blutgefäße und benachbarte Lymphknoten befallen. Entfernte Organe sind nicht betroffen.

Stadium IV: Der Krebs hat sich auf entfernte Organe wie die Leber oder die Lunge ausgebreitet (Fernmetastasen).

Die genaue Bestimmung des Stadiums ist wichtig, um die bestmögliche Behandlungsstrategie festlegen zu können. Nichtmetastasierte Tumoren werden in drei Hauptkategorien eingeteilt:

  • operabel (resektabel): Der Tumor kann vollständig entfernt werden, da er lokal begrenzt ist und keine lebenswichtigen Gefäße befallen hat.
  • grenzwertig operabel (borderline-resektabel): Der Tumor grenzt an wichtige Blutgefäße an, kann aber potenziell operativ entfernt werden.
  • nicht operabel (nicht resektabel): Der Tumor ist nicht operabel. Er umschließt wichtige Gefäße, die in der Nähe der Bauchspeicheldrüse verlaufen und die Organe im Bauchraum mit Blut versorgen.

„Die Entscheidung, ob ein Tumor operiert werden kann oder nicht, ist anders als bei anderen Tumoren nicht von der Größe abhängig, sondern vor allem von der Lage und Ausbreitung innerhalb der Bauchspeicheldrüse. Es kann also sein, dass ein sehr kleiner Tumor nicht operiert, ein großer Tumor mit günstiger Lage jedoch vollständig entfernt werden kann“, sagt Dr. Jale Celebi.

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Wie erfolgt die Diagnostik von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

In einem Gespräch werden zunächst folgende Punkte geklärt:

  • Art, Dauer und Stärke der Beschwerden
  • Vorerkrankungen und Einnahme von Medikamenten
  • Lebensgewohnheiten

Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Bauch abgetastet wird. Auch eine Blutentnahme kann erfolgen.

Für die Diagnostik kommen zudem bildgebende Verfahren infrage, darunter:

  • ein Ultraschall von außen (Sonografie) und innen (Endosonografie)
  • eine Computertomografie
  • eine MRT-Untersuchung, mit der sich auch die Gallenwege und der Bauchspeicheldrüseneingang darstellen lassen (MRCP)

Ergänzende Untersuchungen können sein:

Gewebeentnahme (Biopsie): Bei eindeutigen klinischen und bildgebenden Anzeichen kann auf eine Punktion und feingewebliche Untersuchung verzichtet werden. Bei unklaren Befunden und vor einer Chemotherapie kann mittels einer endoskopisch gesteuerten Feinnadelbiopsie aus der Bauchspeicheldrüse eine Gewebeprobe genommen werden.

Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt?

Grundsätzlich sollte, wann immer möglich, die operative Tumorentfernung angestrebt werden, da sie die besten Chancen auf eine Heilung bietet. Eine Operation kann dann durchgeführt werden, wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann, keine großen Gefäße betroffen sind und keine Fernmetastasen vorliegen.

Bei Tumoren, die bereits Kontakt zu Blutgefäßen im Bauchraum haben oder in diese eingewachsen sind, sollte zunächst eine vorgeschaltete Chemotherapie durchgeführt werden. Sie hat unter anderem das Ziel, den Tumor so weit zu verkleinern, dass eine vollständige Entfernung möglich ist.

Die Art der Operation hängt von der Lage des Tumors innerhalb der Bauchspeicheldrüse ab. „Bei Tumoren im Kopf der Bauchspeicheldrüse wird meist eine sogenannte Whipple-Operation durchgeführt. Bei dieser OP-Methode werden der Pankreaskopf, der Zwölffingerdarm, ein Teil des Gallengangs sowie die Gallenblase entfernt“, erklärt der Chefarzt. Bei Tumoren im Körper und Schwanz der Bauchspeicheldrüse erfolgt die Entfernung des Pankreasschwanzes und der Milz.

Nach der Operation sollte sich eine Chemotherapie anschließen, um das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) zu verringern.

Palliative Behandlung im fortgeschrittenen Stadium

Hat der Krebs bereits Metastasen in anderen Organen gebildet, kann abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand eine palliative Chemotherapie erfolgen. Eine Operation ist dann in der Regel nicht mehr möglich.

Ziel der palliativen Behandlung ist es, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Dazu finden regelmäßige Untersuchungen statt, um vorhandene Beschwerden zu erkennen und zu behandeln.

Wie ist der Verlauf der Erkrankung?

Das Pankreaskarzinom ist eine der aggressivsten Krebserkrankungen im Verdauungstrakt (Gastrointestinaltrakt). „Eine dauerhafte Heilung ist in der Regel nur durch eine vollständige Entfernung des Tumors möglich“, sagt die Expertin.

Ein Tumor im Pankreaskopf kann zu einer Stauung im Gallengang führen. Wächst er in den Zwölffingerdarm ein, kann die Nahrung den Magen nicht mehr ungehindert verlassen. Dadurch können sich Betroffene nicht mehr ausreichend ernähren.

„Im Verlauf kann es zu starkem Gewichtsverlust und chronischen Schmerzen kommen. Ohne Behandlung schreitet die Erkrankung meist rasch fort. Wie schnell sie verläuft, ist jedoch individuell verschieden“, erklärt die Oberärztin.

Wie sehen die Nachsorge und Rehabilitation aus?

Nach der umfangreichen Operation im Oberbauch können Betroffene einen Diabetes mellitus oder eine Mangelernährung entwickeln. Daher spielt die Nachsorge eine wichtige Rolle. Darüber hinaus kann nach der Operation eine Anschlussheilbehandlung angeboten werden.

Wie hoch sind die Überlebenschancen und Heilungschancen?

Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt für beide Geschlechter bei elf Prozent. Laut dem Robert Koch-Institut handelt es sich um die vierthäufigste Krebstodesursache in Deutschland.

Nach einer vollständigen Entfernung des Tumors ist die Prognose deutlich günstiger als bei nicht-operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die individuelle Lebenserwartung hängt jedoch von Faktoren wie dem Tumorstadium, dem Behandlungserfolg und dem Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten ab.

FAQ

In einem frühen Stadium kann Bauchspeicheldrüsenkrebs heilbar sein. Voraussetzung ist die vollständige Entfernung des Tumors. Meist schließt sich eine Chemotherapie an.

 

Wenn die Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist oder sich Metastasen gebildet haben, ist keine Heilung mehr möglich. In diesem Fall ist eine palliative Behandlung möglich, um Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst zu erhalten.

Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht in frühen Stadien in der Regel keine Beschwerden. Mögliche Symptome und Warnzeichen sind:

 

  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Verdauungsstörungen und Fettstuhl
  • Gelbsucht
  • dunkler Urin
  • neu auftretender Diabetes mellitus
  • unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, ausgeprägte Müdigkeit

 

Die Beschwerden können viele Ursachen haben. Sollten sie länger anhalten oder mehrere Anzeichen gemeinsam auftreten, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. 

Ja, schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Fälle sind auf genetische Veränderungen zurückzuführen. Dabei können vor allem vererbbare Mutationen in bestimmten Genen wie BRCA1 und BRCA2 eine Rolle spielen.

 

Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei Menschen, die an einer erblich bedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden. In bis zu 40 Prozent der Fälle entwickelt sich bis zum 70. Lebensjahr ein Pankreaskarzinom.

 

Aber: Bei der überwiegenden Zahl der Patientinnen und Patienten lässt sich keine vererbte Ursache für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Bauchspeicheldrüsenkrebs lässt sich nicht sicher vorbeugen. Sie können jedoch die beinflussbaren Risikofaktoren vermeiden, indem Sie

 

  • nicht rauchen
  • wenig bis keinen Alkohol trinken
  • ein Normalgewicht halten
  • sich ausreichend bewegen
  • auf eine ausgewogene Ernährung achten

Die Genesung dauert mehrere Wochen und verläuft bei jedem Menschen individuell. Der stationäre Aufenthalt dauert durchschnittlich sieben bis zwölf Tage. Die Dauer richtet sich unter anderem nach dem gewählten operativen Verfahren und dem individuellen Heilungsverlauf.

 

Meist wird anschließend eine sechsmonatige Chemotherapie empfohlen, um das Rezidiv-Risiko zu verringern. 

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Patientenleitlinie Bauchspeicheldrüsenkrebs Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 28.07.2026)


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