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Nachsorge bei Prostatakrebs: Was gilt nach der Behandlung?

Ist die Prostatakrebsbehandlung abgeschlossen, schließt sich eine Nachsorge an. Diese folgt klaren medizinischen Empfehlungen und ist zugleich an Ihre individuelle Situation angepasst. Ziel ist, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Beschwerden zu lindern. Doch was genau erwartet Sie als Patient in der Nachsorge? Wir erklären es Ihnen.

03.09.2020 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 11.05.2026
Medizinisch geprüft von Alexander Roosen
Patienten Beratungsgespräch
Inhaltsverzeichnis

Warum ist Nachsorge bei Prostatakrebs wichtig?

„Nach der Therapie ist es wichtig, dass Patienten regelmäßig die Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Nachsorge wahrnehmen. Nur so kann bei einem Krankheitsrückfall, also einem Rezidiv, rechtzeitig die richtige Diagnose gestellt und eine mögliche Therapie begonnen werden“, sagt Prof. Dr. Alexander Roosen, Chefarzt der Klinik für Urologie und Nephrologie sowie Leiter des Uroonkologischen Zentrums im Helios Klinikum Niederberg.

Darüber hinaus dient die medizinische Nachsorge der Behandlung von Nebenwirkungen oder späten Folgen der Prostata-Operation oder Bestrahlung wie beispielsweise Inkontinenz, Erektionsstörungen oder chronischer Müdigkeit (Fatigue). Sie bietet Ihnen ebenfalls die Möglichkeit, über körperliche Beschwerden, Unsicherheiten und psychische Belastungen zu sprechen.

Nachsorgetermine sind für viele Patienten herausfordernd, denn sie gehen oft mit Anspannung und der Sorge einher, ob der Krebs zurückgekehrt ist. Scheuen Sie sich daher nicht davor, Fragen zu stellen und Ihre Sorgen offen zu kommunizieren.

Ein Tipp: Notieren Sie sich zwischen den Nachsorgeterminen Fragen, Beschwerden oder Veränderungen, sodass Sie diese gezielt ansprechen können.

Ziele der Nachsorge sind unter anderem:

  • Rezidiv frühzeitig erkennen
  • Nebenwirkungen der Therapien lindern
  • Lebensqualität und Wohlbefinden verbessern
  • körperliche Fitness wieder erlangen und steigern
  • soziale Beratungsangebote vermitteln
  • psychologische Hilfsangebote aufzeigen
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Wie oft sind Kontrollen nötig?

Die erste Kontrolluntersuchung sollte innerhalb von zwölf Wochen nach Ende der Behandlung stattfinden. Danach empfiehlt die S3-Leitlinie Prostatakarzinom für die Nachsorge folgende Intervalle:

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Wichtig: Wenn zwischen den geplanten Kontrollterminen Beschwerden wie Schmerzen oder neue Symptome auftreten, sollten Sie nicht bis zum nächsten Termin abwarten, sondern diese zeitnah ärztlich abklären lassen.

Helios Klinikum Niederberg

Chefarzt der Klinik für Urologie und Nephrologie | Leiter Uroonkologisches Zentrum

Nach der Therapie ist es wichtig, dass Patienten regelmäßig die Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Nachsorge wahrnehmen. Nur so kann bei einem Krankheitsrückfall, also einem Rezidiv, rechtzeitig die richtige Diagnose gestellt und eine mögliche Therapie begonnen werden.

PSA-Wert: Wichtigster Faktor der Nachsorge

Die Bestimmung und regelmäßige Kontrolle des PSA-Werts ist fester und wichtigster Bestandteil der Nachsorge. Oftmals kann der Wert weitaus früher ein Hinweis auf das Wiederauftreten der Krebserkrankung sein als andere Untersuchungen.

Die Tastuntersuchung (digital-rektale Untersuchung, DRU) ist laut Leitlinie kein fester Bestandteil der Nachsorge, da sich ein Rezidiv durch einen PSA-Anstieg früher und zuverlässiger nachweisen lässt. Die DRU wird jedoch bei Patienten empfohlen, bei denen der Tumor bei der Diagnosestellung kein PSA gebildet hat.

Bildgebende Verfahren sind ebenfalls kein Standardverfahren der Nachsorge, sondern kommen nur zum Einsatz, wenn sie medizinisch sinnvoll sind, zum Beispiel bei vorliegenden Symptomen, einem Anstieg des PSA-Wertes oder wenn eine weitere Behandlung geplant ist.

„Man kann klar sagen, dass wir mit dem regelmäßigen Kontrollieren des PSA-Wertes einen sehr guten und wichtigen Indikator für das Wiederauftreten in der Prostatakrebsnachsorge haben“, sagt Prof. Dr. Alexander Roosen.

Rückfall bei Prostatakrebs: PSA-Rezidiv erkennen

Prostatakrebs kann zurückkehren, auch wenn Sie keine Symptome oder Beschwerden haben.

Wenn der PSA-Wert nach der erfolgreichen Erstbehandlung wieder ansteigt, sprechen Ärztinnen und Ärzte vom sogenannten biochemischem PSA-Rezidiv. Dabei gilt:

  • Nach Operation: Der PSA-Wert liegt nach der radikalen Prostatektomie in zwei Messungen jeweils über 0,2 ng/ml.
  • Nach Bestrahlung: Der PSA-Wert steigt in mindestens zwei Messungen um mehr als 2 ng/ml über den tiefsten gemessenen Wert nach der Strahlentherapie. Nach einer Strahlentherapie betrachten Ärztinnen und Ärzte den zeitlichen Verlauf, denn es dauert es relativ lange, bis der PSA-Wert wieder abgesunken ist.

Zudem ist auch relevant, ob es sich um ein Lokalrezidiv (Krebs kehrt an derselben Stelle wie der Ursprungstumor zurück) handelt oder sich bereits Metastasen (in Lymphknoten, Knochen, Organen) gebildet haben.

Wichtig: Nicht jedes Rezidiv bei Prostatakrebs muss sofort behandelt werden. Unter Umständen bietet sich auch bei einer erneuten Erkrankung an, diese zunächst engmaschig zu beobachten. Je nach Art des Rezidivs, dem Lebensalter des Patienten und dessen allgemeinem Gesundheitszustand entscheiden Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit dem Patienten, welche Behandlung am sinnvollsten ist.

Bei frühzeitiger Entdeckung eines Anstiegs des PSA-Werts sowie je nach Art und Wachstum der Krebszellen, ist je nach individueller Situation auch bei einem Krankheitsrückfall eine erneute Behandlung mit heilendem Ziel möglich.

FAQ

In der Regel sollten Sie innerhalb von zwölf Wochen nach der Behandlung zur ersten Kontrolluntersuchung gehen. In den ersten zwei Jahren finden die Untersuchungen des PSA-Werts alle drei Monate statt, im dritten und vierten Jahr dann alle sechs Monate. Ab dem fünften Jahr reicht es, wenn Sie den PSA-Wert einmal jährlich bestimmen lassen. 

Nach einer Prostatektomie sollte der PSA-Wert in einen nicht nachweisbaren Bereich absinken und auf nahezu Null fallen.

 

Hatten Sie eine Strahlentherapie sollten die PSA-Werte ebenfalls konsequent abfallen, allerdings nimmt dies mehr Zeit in Anspruch als nach einer Operation. Ärztinnen und Ärzte behalten aus diesem Grund vor allem den zeitlichen Verlauf genau im Blick.

Nein. Ein einzelner PSA-Wert bedeutet nicht gleich, dass es sich um einen Rückfall handelt. Aus diesem Grund wird der PSA-Wert in der Regel mindestens zweimal bestimmt, um zu sehen, wie er sich im zeitlichen Verlauf entwickelt und medizinisch einzuordnen ist.

 

Aber: Einen steigenden PSA-Wert früh zu ermitteln ist entscheidend, um ein mögliches Rezidiv zu erkennen. Nehmen Sie daher die Nachsorgetermine wahr. Bei neuen Beschwerden können Sie zudem schon vor dem nächsten Kontrolltermin eine ärztliche Abklärung anstreben.

Folgende Veränderungen sollten Sie ärztlich abklären:

 

  • Schmerzen und/oder Probleme beim Wasserlassen
  • Blut im Urin
  • starke Erschöpfung

Auch nach der Behandlung ist es wichtig, dass Sie neben Ihrer körperlichen auch Ihre mentale Gesundheit fördern. Oftmals erleben Patienten die Phase der Nachsorge mit Gefühlen von Angst und Sorgen vor der Nachsorgeuntersuchung und einem Rückfall.

 

Psychoonkologische Betreuung kann hier ansetzen und dabei helfen, einen Umgang mit dem Leben und Alltag nach der Erkrankung zu finden, Perspektiven eröffnen, sich auf neue Lebenssituationen einzustellen und partnerschaftliche Themen zu besprechen. Die Angebote können sowohl für Sie als Patient als auch für Angehörige sinnvoll sein.  

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