Kniearthrose: Die Fakten auf einen Blick
- Kniearthrose entsteht durch den fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels.
- Typische Beschwerden sind Schmerzen, Morgensteifigkeit, Bewegungseinschränkungen und Schwellungen.
- Zu den Risikofaktoren zählen zunehmendes Alter, Übergewicht, Fehlstellungen, Bewegungsmangel und frühere Knieverletzungen.
- Die Behandlung erfolgt zunächst mit konservativen Maßnahmen, wie Physiotherapie, Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion und bei Bedarf Medikamenten.
- Helfen konservative Maßnahmen nicht mehr, kann ein künstliches Kniegelenk in Betracht gezogen werden.
Wissenswertes zum Knie
Das Kniegelenk ist das größte und komplexeste Gelenk des Körpers. In ihm treffen drei Knochen aufeinander: Der Oberschenkelknochen (Femur), das Schienbein (Tibia) und die Kniescheibe (Patella). Die weichen Puffer zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein, die Menisken, dienen als Polster und ermöglichen die reibungslose Bewegung des Gelenks.
Ursachen für Kniearthrose
„Die Gonarthrose ist die häufigste Ursache für Beschwerden im Kniegelenk. Die Verschleißerkrankung entsteht meist in einem höheren Lebensalter, weil der Gelenkknorpel sich nach und nach abbaut und an einigen Stellen ganz verschwindet“, sagt Prof. Dr. Clayton N. Kraft, Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie im Helios Klinikum Krefeld. In der Folge kann es am Knochen zu verschiedenen Veränderungen kommen. Verdickungen der Gelenkinnenhaut, Zysten oder knöcherne Anbauten an den Gelenkrändern (Osteophyten) beeinträchtigen dann die Beweglichkeit der Gelenke und führen zu Gelenkschmerzen.
Sogenannte sekundäre Gonarthrosen, sprich Kniearthrosen, die aufgrund einer anderen Erkrankung entstehen, gehen oft auf Gelenkentzündungen zurück, welche durch rheumatische oder andere Stoffwechselerkrankungen hervorgerufen werden. Selten können stoffwechselbedingte Durchblutungsstörungen im Innern des Knochens zur Zerstörung des Oberschenkelknochens führen und eine sogenannte Nekrose (Morbus Ahlbäck) verursachen.
Was sind mögliche Risikofaktoren?
- starkes Übergewicht
- jahrelange sportliche Belastung
- Bewegungsmangel
- Fehlstellungen (zum Beispiel X-Beine oder O-Beine)
- Knieverletzungen (Bandverletzungen, Meniskusschaden, Knorpelverletzungen)
- familiäre Veranlagung
- Rheuma
- Infektionen
Knieprobleme?
Es knirscht, es klemmt, es schmerzt? Anlaufschmerzen können auf eine Kniearthrose hindeuten. Wir finden die Ursache Ihrer Probleme und tun alles für den Gelenkerhalt.
Wie erfolgt die Diagnose?
Sollte ein Verdacht auf Gonarthrose besteht, werden Röntgenaufnahmen sowie weitere bildgebende Verfahren als diagnostisches Mittel benutzt. Mögliche Diagnoseverfahren sind:
- Sonographie (Ultraschall),
- Szintigraphie (ein bilderzeugendes nuklearmedizinisches Verfahren),
- Magnetresonanztomographie (MRT)
Was sind die Symptome einer Kniearthrose?
Im Frühstadium der Kniearthrose machen sich leichte belastungsbedingte Knieschmerzen bemerkbar. Im späteren Verlauf der Krankheit treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf. Betroffene berichten vor allem in den Morgenstunden oder nach längerer Ruhe über steife, druckempfindliche und geschwollene Gelenke.
„Je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist, desto häufiger treten Schmerzen auf, auch nachts. Im Verlauf kann es zu schmerzhaften Schwellungen, starken Bewegungseinschränkungen und Fehlstellungen kommen, die von Knack- und Reibegeräuschen begleitet werden“, erklärt Prof. Dr. Kraft.
Wie erfolgt die Diagnose?
Basis der Diagnostik sind
- ein Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese) und geschilderten Symptomen
- eine körperliche Untersuchung und
- Bildgebung mittels Röntgen.
Wenn sich der Verdacht auf eine Gonarthrose mit der Röntgenaufnahme nicht eindeutig bestätigen lässt, können weitere bildgebende Verfahren als diagnostisches Mittel eingesetzt werden, darunter:
- Sonographie (Ultraschall),
- Szintigraphie (ein bilderzeugendes nuklearmedizinisches Verfahren),
- Magnetresonanztomographie (MRT)
Behandlung der Kniegelenksarthrose
Das Therapiespektrum reicht von konservativen Maßnahmen und der medikamentösen Behandlung bis hin zur operativen Behandlung wie der Korrektur von Fehlstellungen oder dem Ersetzen des zerstörten Gelenks durch ein künstliches Kniegelenk.
Konservative Behandlung
Zu Beginn wird in der Regel versucht, die Beschwerden mit einer medikamentösen oder konservativen Therapie zu behandeln. Innerhalb der medikamentösen Therapien können verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Da die Kniearthrose meist Menschen im höheren Lebensalter betrifft und diese oft bereits wegen anderer Erkrankungen eine Dauermedikation einnehmen, empfiehlt die S3 Leitlinie den Einsatz von Medikamenten je nach Wirkstoff nur, wenn ein triftiger Grund für die Behandlung vorliegt (strenge Indikation).
Die konservative Behandlung umfasst zudem verschiedene Therapieoptionen:
- Bewegungstherapie beziehungsweise Trainingstherapie wie Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitstraining
- aquatische Bewegungstherapie
- eventuell Standradtraining
- eventuell Physiotherapie
- eventuell Akupunktur
Bestehendes Übergewicht sollte reduziert werden, denn bereits eine moderate Gewichtsabnahme kann dazu beitragen, das Gelenk zu entlasten. Die Leitlinie empfiehlt, Normalgewicht anzustreben, um Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern und das Voranschreiten der Arthrose zu verlangsamen.
Die folgenden Therapien werden laut Leitlinie nicht empfohlen:
- Kurzwellen
- Mikrowellen
- Stoßwellen
- Ultraschall
- transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
- Infrarottherapie
Ebenso wird vom routinemäßigen Einsatz von kinesiologischem Tape abgeraten.
Operative Therapie: Künstliches Gelenk
Bringen konservative Maßnahmen bei einer fortgeschrittenen Arthrose keine Linderung mehr, kann eine Operation erwogen werden. Prof. Dr. Clayton N. Kraft: „Dazu zählt auch, den Betroffenen ausführlich über die operativen Möglichkeiten, wie eine Knieteilprothese oder eine Knietotalendoprothese (Knie-TEP) sowie über Vor- und Nachteile als auch Risiken und Erwartungen aufzuklären.“
FAQ
Nein, nach aktuellen medizinischen Stand ist eine Arthrose im Knie nicht heilbar, da abgenutzter Knorpel nicht auf natürliche Weise nachgebildet werden kann.
Bewegung ist besser als Schonung. Es wird empfohlen, sich innerhalb der eigenen Grenzen aktiv zu bewegen, ohne sich zu überlasten.
Bewegung und Kräftigungsübungen sind nicht nur als vorbeugende Maßnahme zu verstehen, sondern auch nach einem Kniegelenkersatz als wichtiger Faktor zur Schmerzbehandlung und Verbesserung der Beweglichkeit des Kniegelenks anzusehen.
Bei akuten Gelenkschmerzen und Schwellungen sollte auf sportliche Aktivitäten verzichtet werden.
Empfehlenswert sind schonende Sportarten mit viel Bewegung und wenig Gewichtsbelastung. Geeignet sind:
- Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Muskeln rund ums Knie
- Yoga und Pilates
- Schwimmen (außer Brustschwimmen)
- Wassergymnastik
- Radfahren oder E-Bikefahren
- Nordic Walking
Zu vermeiden sind Sportarten mit ruckartigen Start-Stopp-Bewegungen, da dies das Kniegelenk zusätzlich schädigen kann. Fußball, Handball, Joggen oder auch Kampfsport sind eher ungeeignet.
Arthritis und Arthrose können beide zu ähnlichen Beschwerden im Knie führen. Es handelt sich jedoch um völlig unterschiedliche Erkrankungen, die entsprechend unterschiedliche Behandlungen erfordern.
Bei einer Arthritis ist es eine Entzündung im Gelenk, die Schmerzen verursacht. Ausgelöst wird die Entzündung häufig durch Autoimmun- oder Stoffwechselerkrankungen. In seltenen Fällen können auch Bakterien eine Arthritis verursachen.
Die Arthrose ist durch eine Abnutzung des Knorpels durch eine mechanische Überlastung gekennzeichnet. In der Folge kann es auch bei der Arthrose zu entzündlichen Vorgängen mit Schwellungen und einem heißen Gelenk kommen. Man spricht dann von einer entzündlich aktivierten Arthrose.
Knie-Übungen für zu Hause
Geeignete Übungen zur Prävention sowie vor oder nach einer Operation
S3-Leitlinie Gonarthrose Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 11.06.2026)