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Stadien von Prostatakrebs im Überblick

Das Stadium spielt bei Prostatakrebs eine wichtige Rolle für die Therapieplanung und Prognose. Es definiert, wie weit der Krebs fortgeschritten ist, wie aggressiv er wächst und ob bereits Nachbargewebe außerhalb der Prostata befallen ist. Erfahren Sie mehr über die einzelnen Stadien und was diese konkret bedeuten.

27.05.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Wolfgang Jäger
Mikroskopie
Inhaltsverzeichnis

Klassifikation des Krankheitsstadiums bei Prostatakrebs

Für den optimalen Therapieplan ist die Einteilung von Tumorstadien äußerst wichtig. Um festzulegen, in welchem Stadium das Prostatakarzinom ist, nutzen Urologinnen und Urologen mehrere Bausteine:

  • TNM-Klassifikation: beschreibt die Ausbreitung des Tumors
  • Risikogruppe nach NCCN-Referenz (Version 1.2025): differenzierte Risikoeinteilung basierend auf TNM, PSA-Wert und ISUP-Gradgruppe
  • ISUP-Gradgruppen und Gleason-Score: beschreiben, wie aggressiv der Prostatakrebs ist

TNM-Klassifikation: Wie weit hat sich der Tumor ausgebreitet?

Die TNM-Klassifikation ist international anerkannt und beschreibt die Tumorausbreitung:

  • T (Tumor): Wie groß ist der Tumor? Ist er über die Prostata hinausgewachsen?
  • N (Nodi): Sind Lymphknoten in Prostatanähe befallen? (lateinisch: „nodi“ bedeutet Knoten)
  • M (Metastasen): Hat der Tumor gestreut und sind Metastasen (Tochtergeschwulste) in anderen Organen vorhanden?

T-Stadium im Detail (klinische Einteilung = cT)

  • Tx: Der Tumor kann nicht beurteilt werden.
  • T0: Es ist kein Tumor vorhanden.
  • T1: Der Tumor ist unauffällig, er kann nicht ertastet oder per Bildgebung dargestellt werden. Gut zu wissen: T1-Tumoren sind entweder zufällig (im Rahmen einer Ausschälung der Prostata (TUR-P) oder durch eine Biopsie erhobene Befunde.
    • T1a: Zufallsbefund, Tumorzellen sind in weniger als fünf Prozent des im Rahmen einer Prostataschälung entnommenen Gewebes nachweisbar.
    • T1b: Zufallsbefund, Tumorzellen sind in mehr als fünf Prozent des im Rahmen einer Prostataschälung entnommenen Gewebes nachweisbar.
    • T1c: Durch Stanzbiopsie aufgrund eines zu hohen PSA-Wertes entdeckt.
  • T2: Der Tumor ist auf die Prostata begrenzt
    • T2a: Der Tumor ist auf weniger als die Hälfte eines Prostatalappens ausgedehnt.
    • T2b: Der Tumor ist auf mehr als die Hälfte eines Prostatalappens ausgedehnt.
    • T2c: Der Tumor ist auf beide Prostatalappen ausgedehnt.
  • T3: Der Tumor hat sich über die Prostatakapsel (T3a) oder die Samenblase (T3b) ausgebreitet.
  • T4: Der Tumor wächst in umliegende Organe wie die Beckenwand, den Enddarm oder den Blasenhals.

N-Stadium (Lymphknoten):

  • N0: Keine Lymphknoten befallen
  • N1: Lymphknoten befallen

M-Stadium (Metastasen)

  • M0: Keine Metastasen vorhanden
  • M1: Metastasen vorhanden

Einteilung nach Ausbreitung

Zur leichteren Verständlichkeit wird zwischen folgenden Krankheitsstadien unterschieden:

  • Lokal begrenztes Prostatakarzinom: T1 bis T2, N0, M0
  • Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom: T3 bis T4, N0, M0
  • metastasiertes beziehungsweise fortgeschrittenes Prostatakarzinom: N1 und/oder M1
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Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden

Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie

Je früher Prostatakrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Im Frühstadium liegen sie häufig bei über 90 Prozent. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien können wir den Krebs oft gut kontrollieren, etwa mit Hormon- oder Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten, zunehmend auch als Kombinationstherapie – und so die Lebensqualität lange erhalten. Mein Appell: Gehen Sie zur Früherkennung! Sie kann Leben retten.

Gleason-Score und ISUP-Gradgruppe: Wie aggressiv ist der Tumor?

Neben der Tumorgröße spielt auch die Aggressivität des Tumors eine entscheidende Rolle. Die mikroskopische Befundung des Prostatagewebes, das bei einer Biopsie oder während der Operation entnommen wurde, erfolgt nach dem Gleason-Score. Dazu wird das gewonnene Tumorgewebe pathologisch auf das vorherrschende Wachstumsverhalten der Zellen sowie das zweithäufigste Wachstumsmuster untersucht. Die zwei dominierenden Muster werden addiert.

Die Einstufung („Grading“) erfolgt anschließend nach den ISUP-Gradgruppen 1 bis 5 (International Society of Urological Pathology).

{"data":[["Gradgruppe 1","≤ 6 (3+3)","wenig"],["Gradgruppe 2","3 + 4 \u003d 7a","gering"],["Gradgruppe 3","4+3 \u003d7b","mäßig"],["Gradgruppe 4","8","stark"],["Gradgruppe 5","\u00009 bis 10","sehr stark"]],"columns":[{"type":"text","width":"150","name":"0","title":"ISUP-Gradgruppe"},{"type":"text","width":"150","name":"1","title":"entspricht Gleason-Score"},{"type":"text","width":"150","name":"2","title":"Aggressivität"}],"links":[],"nestedHeaders":[]}

Gut zu wissen: Der Gleason-Score ergibt sich aus der Summe der im Tumor am häufigsten und zweithäufigsten vorherrschenden Wachstumsformen, den Gleason-Graden. Die Gleason-Grade können von 3 bis 5 reichen. Dementsprechend kann der Gleason-Score Werte von 6 bis 10 annehmen.

 

Eine Besonderheit hat dabei der Gleason-Score 7, da dieser aus den Gleason-Graden 3+4=7a oder 4+3=7b gebildet werden kann, jedoch je nach häufigstem Wachstumsmuster eine unterschiedliche Tumoraggressivität widerspiegelt:

 

  • 3+4 = 7a bedeutet, es liegen vorwiegend weniger aggressive Tumoranteile vor.
  • 4+3 = 7b bedeutet, es liegen vorwiegend aggressivere Tumoranteile vor. 

 

Die Kombination 3+4 ist daher für die Prognose günstiger als 4+3, obwohl der Gesamtwert bei beiden gleich ist. Für die der Wahl der Therapie ist die Unterscheidung allerdings relevant.

NCCN: Risikoabschätzung bei Prostatakrebs

Nach der Diagnose eines Prostatakarzinoms ist der weitere Krankheitsverlauf für die Patienten sehr unterschiedlich und wird maßgeblich durch die Aggressivität des Tumors bedingt. So besteht zum Beispiel bei weitem nicht für alle Patienten eine Therapieindikation. Für Patienten mit klarer Therapieindikation kommen hingegen unterschiedliche Therapieoptionen in Frage. Dementsprechend wurden für die Therapieempfehlung nach der Diagnose eines Prostatakarzinoms Risikogruppen definiert. Die S3-Leitlinie verweist auf die Klassifikation nach den NCCN-Kriterien (National Comprehensive Cancer Network).

Die NCCN unterteilt in folgende Risikogruppen:

{"data":[["Sehr niedrig","Tumoreinordnung: cT1c; PSA-Wert: \u003c 10 ng/ml; ISUP-Grad: 1; \u003c 3 positive Biopsiezylinder (nach Stanzbiopsie); ≤ 50 % Tumorinfiltration je Zylinder; PSA-Dichte \u003c 0,15 ng/ml/g"],["Niedrig","Tumoreinordnung: cT1-cT2a; PSA-Wert: \u003c 10 ng/ml; ISUP-Grad: 1"],["Günstig intermediär","≥ 1 intermediärer Risikofaktor:\tTumoreinordnung: cT2b-cT2c; PSA-Wert: 10-20 ng/ml; ISUP-Grad: 1 oder 2"],["Ungünstig intermediär","≥ 2 intermediärer Risikofaktor: Tumoreinordnung: cT2b-cT2c; PSA-Wert: 10-20 ng/ml; ISUP-Grad: 3"],["Hoch","Tumoreinordnung: cT3-cT4; PSA-Wert: \u003e 20 ng/ml; ISUP-Grad: 4 oder 5"],["Sehr hoch","Tumoreinordnung: cT3-cT4; PSA-Wert: \u003e 40 ng/ml; ISUP-Grad: 4 oder 5"]],"columns":[{"type":"text","width":"150","name":"0","title":"Risikogruppe"},{"type":"text","width":"150","name":"1","title":"Klinische und pathologische Faktoren"}],"links":[],"nestedHeaders":[]}

Diese Unterteilung erlaubt eine differenzierte Bewertung und individuellere Prognose des Patienten und dessen Risiko. 

Fazit: Stadium und Risikoeinstufung wichtig

Wie das Prostatakarzinom behandelt wird, ist vom individuellen Stadium und der Risikoeinstufung abhängig. Die S3-Leitlinie berücksichtigt dafür verschiedene Bausteine wie die Ausbreitung (TNM), die Aggressivität (Gleason-Score oder ISUP-Gradgruppe), den PSA-Wert sowie moderne Bildgebung.

Dabei haben auch moderne Bildgebungsverfahren wie die PSMA-PET/CT bereits einen großen Stellenwert in der Stadieneinteilung eingenommen.

FAQ

Das Stadium beschreibt, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Die TNM-Klassifikation bildet die Grundlage. Sie beschreibt, ob

 

  • der Tumor nur in der Prostata sitzt,
  • Lymphknoten betroffen sind,
  • sich Metastasen in anderen Organen gebildet haben.

 

Zusätzlich fließen laut S3-Leitinie in die Einteilung der PSA-Wert und die ISUP-Gradgruppe ein. 

Der Tumor ist nicht nur auf die Prostata begrenzt, sondern hat bereits in Lymphknoten oder andere Organe gestreut.

Ein lokal begrenztes Prostatakarzinom bedeutet, dass der Tumor nur auf die Prostata beschränkt ist, T1-T2, N0, M0. Dies sagt jedoch noch nichts darüber aus, wie aggressiv der Tumor ist. Dafür ist die weitere Einstufung anhand des Wachstumsmusters (Gleason-Score oder ISUP-Gruppe) entscheidend.

Das T-Stadium ist die klinische Einteilung (cT) und beschreibt die Ausbreitung des Tumors im und außerhalb des Organs.

 

  • T1: Der Tumor ist sehr klein und nicht tastbar oder radiologisch darstellbar.
  • T2: Der Tumor ist auf die Prostata begrenzt.
  • T3: Der Tumor ist bereits über die Prostata hinausgewachsen.
  • T4: Der Tumor hat bereits in andere Organe gestreut.

Hierbei handelt es sich um eine präzisere Einstufung des Tumors nach Entfernung der Prostata (Prostatektomie). Im Labor untersuchen die Expertinnen und Experten der Pathologie das Gewebe noch genauer. Das führt dazu, dass im Nachgang einer Operation das Stadium unter Umständen korrigiert wird. 

Das Stadium beschreibt, wie weit der Krebs ausgebreitet und ob er bereits metastasiert ist. Die Einschätzung der Risikogruppe hingegen umfasst, wie aggressiv der Tumor ist und ist für die Wahl der Therapie relevant. 

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S3-Leitlinie Prostatakarzinom Online: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/... (Zugriff am 27.05.2026)